Chicks in the Operating Theater

15. Mai 2009
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Mein Erstaunen war gar nicht mal so klein als ich, noch etwas morgenmüde, vom OP-Situs aufblickte und eine, wie mir zunächst schien, „Horde“ hochfrequent kommunizierender und in grüne Kasaks gekleideter Gestalten in den OP hereinkommen sah. Da war doch was, stimmt...

Mein Arbeitsgedächtnis offerierte mir die Erinnerung an 3 Mädchen (engl: Girls, Anm. d. Autors), die bereits schon in der Morgenbesprechung anwesend waren. Ihr Eindruck gab für mich jedoch zum einen nicht genug her, um mir ein klares Bild ihrer Anwesenheit machen zu können, zum anderen nicht genug, um mich das Bedürfnis verspüren zu lassen, dem Grund ihres Daseins in der Besprechung nachgehen zu wollen.

GIRLS, das war es. Der Day, an welchem bundesweit über 126.000 Schülerinnen Berufsgebiete der Technik und der Naturwissenschaften erkunden können. Davon habe ich schon einmal gehört. Und jetzt bin ich mehr oder minder unfreiwillig mitten drin. Faszinierend.

Die Oberärztin kleidete die Mädels ein und erklärte ihnen mit fast mütterlicher Fürsorge im Ton die zu beachtenden, Ge- und Verbote im OP-Saal. Und schon musste sich die erste Lady neu einkleiden lassen, weil sie sich mit sterilen Handschuhen die OP-Haube zurecht gerückt hatte. Naja, mit 16 darf halt selbst im OP die modische Erscheinung nicht zu kurz kommen. In der Zwischenzeit hatte sich auch das restliche OP-Team um mich herum einen Eindruck der Situation gemacht. Die potenziellen Nachwuchsmedizinerinnen reihten sich hinter dem Assistenzarzt und mir auf und warteten, bis die OP etwas an Tempo abnahm und ein wenig Zeit für Erklärungen bot. Eine nach der anderen durfte nun, sofern sie wollte, an den Tisch treten und sich vom Operateur den offenen Situs erklären lassen. „Herz, schlagend, Hauptschlagader, pulsierend, Blutung, noch nicht gestillt. Fühlen Sie!“ Das etwas verschüchterte und zaghafte Betasten der Organe durch das Mädchen wurde vom Assistenten prompt durch aufdrücken und auflegen Ihrer ganzen Handfläche korrigiert.

Die Reaktionen auf den wörtlich zu nehmenden Einblick in den menschlichen Körper waren sehr unterschiedlich. Während einige sich durch Nachfragen gerne mit weiteren Details und Fakten der Operation konfrontierten, schienen andere froh und erleichtert zu sein, als sie wieder vom OP-Tisch abtreten durften.

Ich habe mich währenddessen angefangen zu fragen, wie ich so einen Day in dem Alter empfunden hätte. Wäre meine Berufswahl dann schon früher gefallen? Oder hätten diese blutigen Fakten mein damals noch so zartes Gemüt vielleicht abgeschreckt? Auf jede Fall wäre es bestimmt nicht minder spannend gewesen wie für die Mädels hier.

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