Die Big Brother Klinik

26. Mai 2009
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Das Medizinstudium zu theoretisch? Nicht in Münster! Das neue Lehrkonzept des „Studienhospitals“ ermöglicht den Medizinstudenten, eine Untersuchung mitzuerleben. Wie geht das denn?

Herr Meier liegt im Bett. Er ist fortgeschrittenen Alters und aufgrund von heftigen Bauchschmerzen in die Klinik gekommen. Im hell erleuchteten Zimmer, mit weißen Wänden und grünem Fußboden wartet er sehnlichst auf einen Mediziner. Die Tür öffnet sich und es tritt ein junger Mann im weißen Arztkittel herein. Mit Stethoskop, Reflexhammer und Pupillenleuchte in der Hand begrüßt er den Patienten und beginnt seine Anamnese.

Doch dabei, fast unbemerkt, werden die beiden von sechs Augenpaaren aufmerksam und kritisch beäugt. Über dem Bett von Herrn Meier befindet sich eine versteckte Kamera und gegenüber eine große, verspiegelte Scheibe. Dahinter sitzen die Kommilitonen mit einem Tutor und verfolgen die Szene durch die Scheibe mit Kopfhörer oder über das Bild der Kamera auf einem Monitor…

Schon seit November 2007 können die Medizinstudenten aus Münster so das echte Krankenhaus erleben. Das Studienhospital ergänzt und bereichert die praktische Ausbildung im Rahmen der Lehre.

Studienhospital Münster
 
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Studienhospital Münster

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Im Patientenzimmer
26.05.2009
Im Patientenzimmer

Professionell angeleitete Schauspieler simulieren die Patienten mit den unterschiedlichsten Erkrankungen und Beschwerden. Doch was bisher schon an mehreren Universitäten existiert hat, wird in Münster nun noch durch aufwendige Effekte und Maßnahmen aufgepeppt. Weiße Decken und Wände, hellgrelles Kliniklicht, krankenhaustypische Möbel und passende Accessoires wie Zahnprotesen im Glas bauen eine echte Klinikatmosphäre auf. Da geraten die kleine Kamera und die halbdurchsichtige Scheibe im Rücken schnell in den Hintergrund.

Das Feedback der neuen Lehremethode bei den ersten Semestern, die daran teilgenommen haben, war durchweg positiv. Nachdem man den Patienten intensiv ausgefragt und ausgiebig untersucht, folgt eine kurze Gesprächsrunde mit Kommilitonen, dem Tutor, dem Patienten und natürlich dem untersuchenden „Arzt“ selbst, in der man das Erlebte analysieren kann. Bei den Lehrinhalten und -zielen wird natürlich zwischen den verschiedenen Semestern unterschieden. Es beginnt bereits in der Vorklinik mit dem Erlernen durchaus diffiziler Anamnesegespräche und wird in späteren Semestern mit körperlichen Untersuchungen fortgeführt.

Bereits ein Jahr nach Eröffnung des Studienhospitals folgte im November 2008 die Eröffnung der ersten Erweiterung – der „Studienpraxis“. Neben dem Wartezimmer und einer Rezeption gibt es in der Praxis mehrere Sprechzimmer, die ebenfalls von Studenten observiert werden können. Hier sollen Fälle des typischen Alltags eines niedergelassenen Allgemeinarztes durchgespielt werden. Doch hier beginnt die Schauspielerei bereits im Wartezimmer. Für das Jahr 2010 ist dann als zweite Erweiterung ein OP-Trakt geplant, womit das Studienhospital vollständig abgeschlossen sein wird.

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