Bayerns Apotheker ziehen den Joker

26. Mai 2009
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Zum ersten Mal erhalten Apotheker von einem AOK-Landesverband für die Umstellung von Patienten im Rahmen der Rabattverträge einen finanziellen Bonus. Hintergrund ist möglicherweise ein breiter angelegter Kooperationsvertrag.

Ganz fair ist das nicht: Wenn am 1. Juni 2009 die neuen Rabattverträge der AOK starten, erhalten Apotheker in Bayern für die Umstellung und Beratung ihrer Patienten einen Bonus. Apotheker in den anderen Bundesländern gehen dagegen wie gehabt leer aus.

Ein paar hundert Euro machts schon aus…

Eine entsprechende Vereinbarung wurde zwischen dem Bayerischen Apothekerverband und der AOK Bayern getroffen. Demnach erhalten die Apotheker in Bayern für die Umstellung und Beratung eines AOK-Patienten im Rahmen der neuen Rabattverträge einen „Compliance-Bonus“ genannten Betrag zwischen 65 Cent und einem Euro brutto, und zwar abhängig von der erreichten Umsetzungsquote. Damit soll der Mehraufwand für die Apotheker vergütet und, so darf man wohl unterstellen, die Umsetzungsquote verbessert werden. Die Vereinbarung läuft bis Ende 2009. Ausgeschüttet wird im Frühjahr 2010. Auch wenn die Quote von AOK-Versicherten natürlich regional stark unterschiedlich ausfällt, so lässt sich doch zumindest extrapolieren, was diese Vereinbarung in Zahlen bedeutet. 4,1 Millionen Versicherte gibt die AOK für Bayern an. Davon bekommen mehr als die Hälfte, also sagen wir Pi mal Daumen 2,4 Millionen, einen oder mehrere der 63 Wirkstoffe, für die die Rabattvereinbarungen der AOK gelten. Bei rund 3500 Apotheken in Bayern wären das im Schnitt 685 Patienten pro Apotheke. Damit könnten Apotheken in Regionen mit hoher Dichte an AOK-Versicherten und entsprechend viel Aufwand bei der Umsetzung der neuen AOK-Rabattverträge bei sehr guter Umsetzungsquote mit niedrig vierstelligen Zusatzbeträgen rechnen. Das ist nicht die Welt, aber doch mehr als gar nichts.

Die Zusammenhänge bleiben etwas nebulös

Die entscheidende Frage ist natürlich, warum in Bayern funktioniert, was überall sonst nicht funktioniert. Beim Bayerischen Apothekerverband (BAV) erklärt man sich den Verhandlungserfolg vor allem mit der Einbettung dieser Thematik in einen breiter angelegten Kooperationsvertrag mit der AOK Bayern: „Als nächsten Schritt im Rahmen dieser Vereinbarung wollen wir bei ausgewählten Indikationen für AOK-Versicherte ein Medikationsmanagement anbieten“, sagte eine BAV-Sprecherin gegenüber DocCheck. Details dazu sollen noch im Laufe des Jahres bekannt gegeben werden. Weitere gemeinsame Projekte seien in Planung, aber noch nicht kommunizierbar. Unmittelbar mit den Rabattverträgen zusammen hängen solche Aktivitäten freilich nicht oder nur insofern, als die Indikationen für das Medikationsmanagement vermutlich Indikationen sein werden, die auch für die Rabattverträge relevant sind. Bei der AOK Bayern hält man sich vornehm zurück und möchte diese Spekulationen nicht kommentieren, wie man auch zu der Vereinbarung mit den Apothekern keine über die dünne Pressemitteilung hinausgehenden Informationen geben wollte.

„Kein Modell für Deutschland“

Auch beim Apotheker-Spitzenverband ABDA gibt man sich hinsichtlich der Bewertung des freistaatlichen Sonderwegs bedeckt. „Wir machen generell darauf aufmerksam, dass die Rabattverträge mit einem erheblichen Mehraufwand für die Apotheker verbunden sind. Wir fordern die Krankenkassen außerdem dazu auf, das ihre zu tun, damit die Umstellung reibungslos läuft“, so ABDA-Sprecher Christian Splett zu DocCheck. Letzteres betrifft vor allem eine adäquate Information der Patienten und wasserdichte Vereinbarungen mit den Herstellern, die garantieren, dass nicht – wie in der letzten Runde – Lieferengpässe entstehen. Darüber hinaus gehende Verhandlungen mit den Krankenkassen auf Spitzenverbandsebene gebe es derzeit nicht, so Splett: „Das ist alles sehr föderal organisiert. Ich weiß das aus Bayern auch nur von der Pressemeldung.“ Beim AOK-Bundesverband klingt das ähnlich. Von einem Modell für Deutschland will man auch dort nichts wissen: „Das sind ja gerade die Vorteile der föderalen Struktur, dass die Vereinbarungen auf regionaler Ebene gemäß den regionalen Bedürfnissen abgeschlossen werden“, so AOK-Sprecher Udo Barske zu DocCheck. Die Bedürfnisse der bayerischen Apotheker wären demnach höher als anderswo. Oder: Hat der bayerische Apothekerverband einfach nur am besten verhandelt?

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Pharmazie

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1 Kommentar:

Selbstst. Apothekerin

Mit Apothekern kann man alles machen, sie sind der Spielball der Politiker. Warum? weil Apotheker kein Rückgrat zeigen! Sie haben Angst um jeden Kunden, der evtl. zur Konkurenz gehen könnte, sie benehmen sich wie Pfennigfuchser, nicht wie Akademiker.
“Der Apotheker ist selbst der größte Feind der Apotheker”

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