Zuckersüßer Blick

2. Juli 2009
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Neue Hoffnung für Patienten mit diabetischer Retinopathie: Augenärzte in Wien setzen monoklonale Antikörper und Lipidsenker gegen die Sehverschlechterung ein.

Diabetes mellitus ist im Kommen – weltweit ist eine Zunahme der Erkrankungshäufigkeit zu beobachten. In einigen Ländern liegen exakte Angaben zur Häufigkeit von Diabetes und den damit assoziierten Erkrankungen vor, in den meisten Ländern ist die Datenlage jedoch noch lückenhaft. Die Inzidenz des Typ 1 Diabetes in der Altersgruppe unter 15 Jahren beispielsweise ist weltweit durch eine große Schwankungsbreite gekennzeichnet: Sie beträgt mehr als das 350fache: Die höchsten Raten wurden in Finnland und Sardinien gefunden, die niedrigsten in Venezuela und China. Fest steht, dass sich die Lebenserwartung von Patienten mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes vermindert. Europäische Daten belegen die Exzessmortalität der Erkrankung: Männer verlieren im Durchschnitt sieben, Frauen 7,5 Lebensjahre, wobei die Prognose stark vom Alter zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose abhängt.

Hohes Risko zu Erblinden

Die bei Diabetes auftretenden Gefäßveränderungen betreffen auch die Augen. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Dauer der Diabetes-Erkrankung und dem Auftreten einer Retinopathie: Nach 10 bis 15 Jahren leidet die Hälfte aller Diabetiker an der Erkrankung der Netzhaut. Die diabetische Retinopathie ist eine folgenschwere Spätkomplikation, bei der die Betroffenen erblinden können. Im Verlauf der proliferativen Retinopathie, einer schweren Form diabetischer Netzhautveränderungen, wuchern neu gebildete kleine Gefäße in die Netzhaut und den gefäßfreien Glasköper ein, die wiederum zu Netzhaut- und Glaskörpereinblutungen führen, welche die Netzhaut ablösen und den Kammerwasserabfluss behindern können. Das Risiko, zu erblinden, ist für Diabetiker fünfmal höher als für Menschen ohne Diabeteserkrankung. Wissenschafter der MedUni Wien untersuchen derzeit das Potenzial neuer Therapiemöglichkeiten mit denen sich diabetische Netzhautveränderungen effektiver und schonender als bisher behandeln lassen.

Die Diabetic Retinopathy Research Group Vienna (DRRG) der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Wien setzt als Therapiestrategie gegen diabetische Netzhautprobleme monoklonale Antikörper ein. Diese haben sich bereits erfolgreich in der Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) gezeigt, einer progredienten Erkrankung, bei der es ebenfalls zur Neovaskularisierung von Blutgefäßen kommt, nämlich in der gefäßfreien Makula.

Hoffnung durch intravitreale Injektionen

Wie bei der AMD werden nun auch bei der diabetischen Retinopathie die monoklonalen Antikörper direkt in das Auge injiziert, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und eine entsprechende Verbesserung des Sehvermögens zu erzielen. „Wir erproben in diesem Zusammenhang aber auch verschiedene ganz neue Substanzen wie Lipidsenker mit großem Potenzial für diese Volkskrankheit“ erklärt Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie. Voraussetzung für die Entwicklung der neuen Therapien sind bildgebende Verfahren, wie die optische Kohärenztomographie. „Wir konnten zeigen, welche Effekte einzelne Laserherde auf die Architektur der menschlichen Netzhaut haben und welchen ganz charakteristischen Veränderungen diese mit der Zeit unterworfen sind. Das ist von besonderem Interesse, da diese Therapieform seit Jahrzehnten durchgeführt wird, uns aber erst jetzt Geräte zur Verfügung stehen, mit denen man deren Effekte im Detail darstellen kann.“ sagte Dr. Matthias Bolz, der Leiter der DRRG Vienna. Mit Hilfe der neuen diagnostischen Möglichkeiten konnte erstmalig dargestellt werden, wie der Fettstoffwechsel den Zustand der Netzhaut beeinflusst. „Diese Erkenntnis gibt Augenärzten in Zukunft neue diagnostische Möglichkeiten in die Hand, da eine Früherkennung dieser Lipidkörperchen in der Netzhaut für eine Prognose des Krankheitsverlaufs und eine Therapienentscheidung von Bedeutung sein können“, erklärt Bolz. „Die Veränderungen im Auge sind ein guter Spiegel des Stoffwechsels des Patienten“, zeigt sich Schmidt-Erfurth überzeugt. “Der Augenbefund ist ein Wegweiser für die gesamte Behandlung des Diabetes.“

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