Reden ist Silber, Schweigen ist Blech

7. Juli 2009
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Wer aufgrund eines Tests oder einer Vorsorgeuntersuchung zum Arzt geht, wartet häufig angespannt auf das Testergebnis. Nicht selten wollen sich Ärzte nur bei auffälligem Befund melden. Doch werden nicht nur normale, sondern auch schlechte Ergebnisse Patienten häufig gar nicht mitgeteilt.

Anordnung und Nachverfolgung von ambulanten Labor- und Bildgebungsuntersuchungen kosten Ärzte nicht nur eine Menge Zeit. Im diagnostischen Prozess sind sie natürlich sehr bedeutsam. Diagnostische Fehler sind nicht selten Ursache von Schadensersatzansprüchen, da untersuchungsbezogene Fehler schwere Konsequenzen nach sich ziehen können.

Bei Anruf Glück

Ein häufiger Fehler nach Untersuchungen von Patienten ist, dass auffällige Ergebnisse Patienten gar nicht mitgeteilt werden und auch nicht dokumentiert werden, ergab eine Untersuchung von US-Forschern um Lawrence Casalino des Weill Cornell Medical College in New York. Wie in den Archives of Internal Medicine (2009;169:1123-1129) veröffentlicht, erfahren in sieben Prozent der Fälle Patienten nichts von einem auffälligen Untersuchungsergebnis, und einer von 14 auffälligen Untersuchungsbefunden wird nicht mitgeteilt.

Die Forscher hatten retrospektiv die medizinischen Aufzeichnungen von 5.434 Patienten zwischen 50 und 69 Jahren aus 23 Arztpraxen überprüft. Darunter befanden sich Ergebnisse von Screening-Untersuchungen für hohes Cholesterin und Diabetes, Blutuntersuchungen für das Kolonkarzinom und Mammografien. Sie beobachteten den Umgang mit Untersuchungsbefunden in den Praxen und benachrichtigten Ärzte, die versäumt hatten ihre Patienten zu informieren.

Insgesamt waren die Ergebnisse in den Arztpraxen sehr unterschiedlich. Während manche Praxen es pflegten, ihre Patienten immer über Ergebnisse zu informieren, erreichten andere Spitzenwerte im Versäumnis dies zu tun. Sie ließen in 26 Prozent der Fälle die Patienten bezüglich ihres auffälligen Befundes im Unklaren.

Papier ist geduldig – Computer auch…

Dabei ereigneten sich die meisten Fehler, wenn Praxen Befunde teils auf dem Papier, teils elektronisch dokumentierten. Zwischen Papier- und elektronischer Dokumentation ergab sich kein Unterschied. Elektronische medizinische Aufzeichnungen sind demnach kein Garant für die Reduktion von Fehlern, erhöhen in manchen Fällen sogar die Fehlerwahrscheinlichkeit, so Casalino.

Er fordert explizite Regeln für die Mitteilung von Untersuchungsergebnissen. Alle Befunde sollten dem Arzt zurückgesendet werden, der die Untersuchung angeordnet hat, was leider auch hierzulande durchaus nicht immer gängige Praxis ist, zeigt eine Untersuchung des Göttinger Forschers PD Dr. Jean-Francois Chenot. Wie in der Fachzeitschrift „Der Schmerz“, dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V., veröffentlicht, hatte Chenot die Überweisungen eines Quartals von zwölf Hausarztpraxen analysiert und besonders Überweisungen in die Orthopädie genauer unter die Lupe genommen. Demnach ist die Kommunikation zwischen Hausärzten und Fachärzten nicht die beste. Es fehlten konkrete Angaben und Arbeitsaufträge auf Seiten der Hausärzte. Umgekehrt erhielten Hausärzte trotz Berichtpflicht nur in einem Drittel der Fälle den Bericht des Orthopäden. Dass Begleiterkrankungen von Patienten kein Thema waren, schien besonders erschreckend.

Auch Normalbefunde sind mitteilungswert

Patienten immer auch Normalbefunde mitzuteilen, ist eine weitere Möglichkeit der Fehlerreduktion, so Casalino. Patienten rät er, Befunde immer zu erfragen und nicht den Anruf der Praxis abzuwarten, der da kommt oder auch nicht. Denn keine Neuigkeiten sind eben durchaus nicht immer gute Neuigkeiten.

99 Wertungen (4.12 ø)
Allgemein

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11 Kommentare:

Weitere medizinische Berufe

Als Leiterin einer Selbsthilfegruppe zum Lupus Erythematodes weise ich meine Patient/innen immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, einen eigenen Ordner (oder auch mehrere) mit allen wichtigen Untersuchungsergebnissen zu führen und den auch zu allen “neuen” Ärt/Inn/en mitzunehmen. Nur die Patient/Inn/en selbst sind wirklich interessiert an ihrer eigenen Gesundheit – sie müssen sich deshalb auch darum kümmern.

#11 |
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Psychotherapeut

Meine Patienten bekommen immer die Befunde sofort von uns mitgeteilt !
Das sind wir ihnen schuldig !

#10 |
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Dr. med. Stefan Krüger
Dr. med. Stefan Krüger

Ohne jegliche Diskussion hat jeder Patient ueber seine Befunde informiert zu werden, in besonderer Weise selbstverstaendlich ueber pathologische. Jegliche Diskussion darueber eruebrigt sich von selbst. In unserer Praxis-Taetigkeit wuerde sich so eine Frage entsprechend niemals stellen.

Dr. Stefan Krueger, FA fuer Humangentik, Dresden

#9 |
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Die Patientin hat das Recht,Ihre Befunde zu erfahren.
Viele Leitungen sind auch mit der Berichtpflicht an den Hausarzt versehen.
Was ich als Facharzt vermisse ist,daß ich vom Hausarzt kaum
Information bekomme,obwohl der Hausarzt über die Patientin
am Besten informiert ist.

Med.Dr.(TR)Fevzi Sögüt

#8 |
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Dr. med. Franz Scharte
Dr. med. Franz Scharte

Auch hier werden die Patienten aufgefordert, sich nach den Befunden zu erkundigen. In eigener Selbstverantwortung.

#7 |
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Jörg Kuhn
Jörg Kuhn

Um konsequent auf Diagnoseergebnisse reagieren
zu koennen, muss der/die Patient/in auch ernstgenommen
und konsequent ueber die Ergebnisse informiert werden.
Auch wenn keine negativen Befunde vorliegen.

#6 |
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Bärbel Sühle
Bärbel Sühle

Ich mache es genau so wie Frau Schreck und empfehle das auch meinen Patienten. Alle Befunde, Namen, Telefonnummern, Medikamentenbezeichnungen usw. sammeln und aufheben und zu jeder Untersuchung mitnehmen. Abgesehen davon finde ich es durchaus zumutbar einen Patienten anzurufen, wenn sein Ergebnis einer weitere Untersuchung und weiterführenden Therapie bedarf. Einen negativen Befund nicht mitzuteilen empfinde ich als empörend.

#5 |
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Ähnlich beim Tierarzt:von vornherein wir der Tierhalter informiert über das Verfahren informiert:negative Befunde werden nur auf Anfrage übermittelt, positive oder fallrelevante dem Tierhalter nach Auswertung übermittelt
(nicht mal eben so das Fax überfliegen und die nach Ansicht des Labors relevanten Abweichungen ungefiltert durchreichen).
Das spart einerseits Zeit in der Praxis,schützt aber auch den absoluten Laien vor unnötigen Ängsten. Andererseits erwartet der interessierte, heute ja sehr oft Google-gebriefte Patient(enbesitzer) zu recht, nach bestem Wissen des Behandlers aufgeklärt zu werden.

#4 |
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Frau Monika Schreck
Frau Monika Schreck

Als ich meinen Schwiegervater pflegte ließ ich mir prinzipiell alle Untersuchungsergebnisse und Berichte geben oder kopierte dieselben, weil das einfach hilfreich ist die Unterlagen vollständig zu haben wenn ein Facharzt aufgesucht wird. Das kann ich nur jedem empfehlen, darauf zu bestehen, daß die Ergebnisse herausgegeben werden und diese zu sammeln und abzuheften. Bei der Überweiserei von einem Arzt zum anderen ist das eine gute Möglichkeit die Informationen dabei zu haben oder auch mal noch eine andere Meinung einzuholen.
Wenn die Befunde abgeholt werden hat man die Gelegenheit über irgendwelche Abweichungen informiert zu werden und man hat selbst einen Überblick ob sich über längere Zeit hin Befunde verändern.

#3 |
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Dr. med. Peter Hörter
Dr. med. Peter Hörter

Das ist sicher der ideale Weg, denn bei der aktuellen politikinduzierten Personalsituation ist es auch den Praxen nicht zuzumuten ggf. mehrfach beim Patienten anzurufen.
Bei uns werden ebenfalls die Pat. gebeten die Befunde zu erfragen.

Dr. Peter Hörter

#2 |
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Unseren Patienten wird mit auf den Weg gegeben, nach einigen tagen die Befunde nachzufragen. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn die Befunde jeweils nach Erhalt vom Arzt in der EDV mittels Textbausteinen kommentiert wurden, dürfen sie auch durch die Helferin mitgeteilt werden.

#1 |
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