Demenz: In vino sanitas

7. August 2009
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Der moderate Konsum von Wein hat längst seine wissenschaftliche Weihe als gesundheitsfördernd erhalten. Die Erkenntnis, dass Wein jedoch auch vor dementiellen Erkrankungen schützt, ist neu - und eine Bestätigung für die Fans des roten Rebensaftes.

Das alte Wissen um die heilkräftigen Wirkungen von Wein ist heute hinreichend bestätigt: Trauben in ihrer »geistig-flüssigen« Form haben ein großes Spektrum an Eigenschaften, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Auftakt der umfangreichen Untersuchungen war unter anderem die MONICA-Studie der WHO in den frühen 90ern. Sie konfrontierte die Forschung mit einem erstaunlichen Phänomen: Die Daten aus MONICA hatten gezeigt, dass koronare Herzerkrankungen in Südfrankreich deutlich seltener auftreten als in anderen Ländern.

Herzschutz im Glas

Dieses »french paradoxon« wurde schließlich durch zahlreiche weitere Studien geklärt. Der moderate Genuss von alkoholischen Getränken, besonders Wein, reduziert das kardiale Risiko. Auf mehreren Ebenen: Unter anderem verringert sich die Neigung zur Thrombozytenaggregation, Lipid- und Glucoseprofil im Blut verbessern sich, ebenso wie Durchblutung und Fibrinolyse. Nicht von ungefähr hat die »American Heart Association« den guten Roten mit auf die Liste der Präventivmaßnahmen gesetzt – und Genuss damit zur Therapie deklariert.

Nun besteht zwischen kardialer und mentaler Gesundheit ein sehr enger Zusammenhang, so die medizinisch-wissenschaftliche Direktorin der Alzheimer Association, Dr. Maria Carillo, auf der internationalen Alzheimer-Konferenz (ICAD) in Wien: »Die Daten demonstrieren übereinstimmend, dass Bluthochdruck, Übergewicht und andere koronare Risikofaktoren auch das Risiko für Demenzen steigern«. Was die These nahe legt, dass moderater Alkoholkonsum nicht nur für das Herz, sondern auch für das Gehirn protektiv wirksam ist.

Schluckweise Neuroprotektion

In der Tat: Laut Prof. Kaycee Sink, Abteilung Gerontologie und geriatrische Medizin an der Wake Forest University School of Medicine, Winston-Salem, senkt allen voran Wein das dementielle Risiko. Professor Sink und sein Team überprüfte dies nun auch bei Senioren. In ihrer Studie waren 3.069 Frauen und Männer im Alter von 75 Jahren und darüber eingeschlossen. Zu Beginn der sechsjährigen Untersuchung waren 2.587 der Teilnehmer kognitiv unauffällig, 482 von ihnen litten unter Mild Cognitive Impairment (MCI).

Der Alkoholkonsum wurde kategorisiert in null, ein bis sieben Drinks (gering), acht bis 14 (mittel) und mehr als 14 Drinks (hoch) pro Woche. »Im Laufe der sechs Jahre haben wir alle sechs Monate umfangreiche Daten zur kognitiven Leistungsfähigkeit der Probanden erhoben«, so. Prof. Sink. Die Auswertung der Resultate erfolgte unter Berücksichtung von Ko-Morbiditäten, sozialer Aktivität, Depression, Nikotinaufnahme und der Kognition zu Studienbeginn.

Wie sich zeigte, geht der moderate Alkoholkonsum von einem bis zwei Drinks täglich mit einem um 37 Prozent geringeren Risiko für Alzheimer und andere Demenzen einher. Allerdings nur bei jenen Studienteilnehmern, die nicht an MCI litten. Nach den Worten von Prof. Sink führt Alkohol bei Patienten mit MCI hingegen sogar zu einem schnelleren Rückgang der kognitiven Fähigkeiten – in direkter Korrelation zur Alkoholmenge. Die neue Präventionsmaßnahme ist mithin, wie Prof. Sink ausdrücklich betont, nur für mental Gesunde zu empfehlen. Diese sollten von der schluckweisen Neuroprotektion allerdings auch nicht mehr als zwei Gläser täglich »einnehmen«.

179 Wertungen (3.91 ø)
Allgemein

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7 Kommentare:

Kai Ulrich Bösch
Kai Ulrich Bösch

wie immer:
dosis facit venenum…

K.U.Bösch

#7 |
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Dr,. rer. nat. Uwe Landt
Dr,. rer. nat. Uwe Landt

Allen Leserinnen und Lesern, die einen wissenschaftlichen Nachweis für die positive Wirkung von Rotwein auf die Gefäße
vermissen, sei dringend die Lektüre des Forschungsberichts von R. Corder et al.(William Harvey Research Institute, London) über die protektive Wirkung verschiedener Rotweine auf Endothelzellen in NATURE, Vol.444, 30.11.2006, S.566
empfohlen!

#6 |
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Selbstst. Apotheker

Kommentar 15 stammt
von BARBAROS ORHON
Brunnen Apotheke
49624 Löningen,

wenn falls Rückfragen gibt

#5 |
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Heilpraktikerin

Würde mich mal interessieren ob, wenn “der gute Rote” besonders vorteilhaft wirkt, es nicht auch einfach Traubensaft tut. Vielleicht liegt “das Gute” ja in der Traube und nicht im Alkohol. Ich kann mir nicht vorstellen, dass zum Beispiel “ein Schnaps pro Tag” gut sein kann…
(mit gleichem Alkoholgehalt wie zwei Gläser guten Rotweins)
War nur so ein Gedanke…

#4 |
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Ich wundere mich, dass hier noch niemand auf die Idee gekommen ist, dass man sich mal über die Wirkung der Polyphenole in roten Beeren und Trauben Gedanken macht. Hier gibt es viele interessante wissenschaftliche Forschungsergebnisse. Schade, dass wir Ärzte nur so wenig über die Wichtigkeit der Ernährung lernen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, hier nach 20 Jahren intensiver Fortbildung auf diesem Gebiet meine Kollegen mit auf den Weg zu nehmen von den “Krankheitsexperten” zu “GEsundheitsexperten” zu werden. Unter http://www.midlifetuning.com gibt es mehr Infos… Oder in meinem Buch: “Midlifetuning für Frauen”, BOD-Verlag

#3 |
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Tina  Wagner
Tina Wagner

Ich würde meinem Kopf verwetten: Das French Paradoxon hat nichts mit der pharmakologischen Wirkung von Alkohol zu tun! Ein moderater Trinker ist ein Genussmensch und profitiert von dieser Geisteshaltung – wer keinen Alkohol mag und trotzdem trinkt, weil´s angeblich gesund ist, wird krank – genau so wie der Säufer.

#2 |
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In den letzten Jahren sind viele Unersuchungen im Zusammenhang mit dem Genuß der Alkoholischen Getränke durchgeführt.Die Ergebnisse hinsichtlich der wirkung auf die Gesundheit sind nicht übereinstimmend.Mansche Sudienergebnisse sprechen für positive Wirkungen;andere dagegen für schädigende wirkungen.Diese wiederspruchlische
Ergebnisse wirken sowohl bei den Mediziner ,als auch bedi den Leien verwirrend.Auf jeden Fall haben alle Gotesgesandten bzw.Profeten das Alkoholtrinken nicht empfohlen.
Fakt ist,das Demenzerkrankte bei den Volkern,die kein Alkohol trinken,eine Seltenheit ist

#1 |
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