Bonusheft: Wisch und weg

12. August 2009
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Gesunde Zähne sind wunderbar. Sicher ist es sinnvoll, die Beisser regelmäßig kontrollieren und sich den Check im Bonusheft bestätigen zu lassen. Doch Kontrolle ist nur der Anfang. Wichtig ist die Therapie. Genau da liege das Problem, sagt Zahnarzt K. Dieter Kreuser.

Die Mehrheit der Deutschen schöpfe die Zuschüsse ihrer gesetzlichen Krankenkasse zum Zahnersatz nicht voll aus, meldete vor wenigen Monaten „zahn-online! das Infozentrum der Zahnmedizin im Internet in Deutschland“. Der Grund für die mangelnde Inanspruchnahme: fast 60 Prozent der Bürger führten ihre Bonushefte nicht regelmäßig. Ursache dafür sei, dass mehr als 80 Prozent der Versicherten nicht wüssten, dass sie lückenlos einen jährlichen Zahnarztbesuch nachweisen müssten, um die Zulage zu bekommen, meldet das online-infozentrum mit Bezug auf eine repräsentative Umfrage der DEVK Versicherungen unter 1000 Bürgern.

Dieses Unwissen und die Konsequenzen daraus sind sicher bedauerlich. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob Bonushefte so, wie mit ihnen umgegangen wird, überhaupt sinnvoll sind. Der Zahnarzt K. Dieter Kreuser aus Ennepetal hat da aufgrund seiner langjährigen Erfahrung so seine Zweifel. „Es häufen sich die Fälle“, so Kreuser im Gespräch mit DocCheck, „dass Patienten sich bei der jährlichen Hauptuntersuchung (O1) nur die Stempel abholen, aber die notwendigen Therapiemaßnahmen, oft aus Angst, nicht durchführen lassen.Trotzdem bekommen die Patienten nach 5- bzw. 10-jährigem ununterbrochenem Nachweis einen erhöhten Zuschuss zum Zahnersatz“, kritisiert er. Das könne natürlich nicht der Sinn des Bonusheftes sein. Womit er Recht hat, auch wenn weder die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung die Bonushefte und den Umgang damit bislang als ein Problem wahrgenommen hat noch Kollegen von Kreuser dies haben, wie eine kleine Umfrage von DocCheck ergeben hat. Aber das schliesst ja nicht aus, dass da nicht alles so ist, wie es sein sollte.

Geld gibt‘s erst bei Therapie

Ein bisschen erinnern die zahnärztlichen Bonushefte schon an die Bonus-Punkte der Krankenkassen für angeblich gesundheitsbewusstes Verhalten. Aber nur ein bisschen. Denn im Falle der zahnärztlichen Bonushefte bekommen Patienten für einen Stempel weder Sachprämien noch automatisch Geld. Erst wenn sie sich zahnärztlich behandeln lassen, profitieren sie von ihrem abgestempelten Bonusheft. Anders bei den Bonus-Punkten der Kassen: Hier können die Kassen-Mitglieder bereits dadurch Geld sparen oder Sachprämien, etwa eine Pulsuhr oder ein Paar Kochhandschuhe, erwerben, indem sie nachweisen, mehr oder weniger regelmäßig ein Fitness-Studio zu besuchen oder in einer Gruppe Gleichgesinnter durch den Wald zu walken. Bei den Bonus-Punkten stellt sich sicher die Frage, ob es wirklich immer der Gesundheit dient, wenn ein Kassen-Mitglied sein Bemühen um Gesundheit und langes Leben durch Mitgliedschaft in einem Sportverein oder durch Teilnahme an einer Wohlfühlreise in den Allgäu etwa belegt.
Aber auch zahnärztliche Bonushefte sind wenig sinnvoll, wenn Patienten auf notwendige Therapien verzichten. Kreuser schlägt daher vor, das zahnärztliche Bonusheft erst dann mit einem Stempel abzusegnen, wenn auch eine als notwendig erkannte Therapie durchgeführt worden ist.

Mehr Zurückhaltung beim Stempeln?

So weit, so gut. Aber vielleicht würde es auch schon genügen, mit dem Stempel etwas zurückhaltend zu sein. Denn, so die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZVB): „Mit dem Eintrag in das Bonusheft bestätigt der Zahnarzt nicht nur die Kontrolluntersuchungen, sondern auch, dass das Gebiss eine regelmäßige Zahnpflege erkennen lässt. Es dient somit gleichfalls als Nachweis für eine gute Mundhygiene.“ Und von guter Mundhygiene kann ja wirklich kaum die Rede sein, wenn ein Patient sich nur bescheinigen lässt, dass da Sanierungsbedarf bestehe, auf die notwendige Sanierung selbst aber verzichtet – egal aus welchen Gründen.

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Zahnmedizin

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3 Kommentare:

Rüdiger Schöning
Rüdiger Schöning

Ach ja, der Bonusheft-Käse: die Krankenkassen werten JEDEN Besuch beim Zahnarzt als “stempelgeeignet”, auch wenn’s nur die Schmerzausschaltung bei vernachlässigter Pflege und ausbleibender Sanierung war. Auch der Stempel am 24. Dezember mit Extraktion im darauffolgenden Januar-Notdienst ohne weitere Therapie (bei intensiv sanierungsbedürftigem Beißwerk – die Folgetermine wurden versäumt) gelten als Bonus für zwei Kalenderjahre…

Mal Schauen, was uns der real existierende Gesundheitssozialismus noch alles bringt…

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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Welch “revolutionäre” Erkenntnis nach mehr als zwei Jahrzehnten “Bonusheft”!
Auch wenns manche Leute nicht hören wollen: WIR HABEN EIN SOZIALISTISCHES GESUNDHEITSWESEN!
Und da liegt es auf der Hand, dass Politiker des Volkes Wohltäter spielen. So wie einst Nobbi Blüm (einer der Übelsten aus den Reihen der schwarzen Sozis), der auf die grandiose Bonus-Idee kam. Und später Seehofers Horst, der sich so gut mit Ulla versteht (die einst vom KBW kam) weil sie beide gleich ticken. Letzlich profitieren jedoch Politiker davon wiedergewählt zu werden, wenn das Stimmvieh nur dumm genug ist, diejenigen zu favorisieren, die die größten Wohltaten über das gemeine Volk verteilen. Das dieses System natürlich letztlich nicht funktionieren kann wissen wir nicht erst seit Orwell und Huxley. Was das alles mit dem Bonusquatsch zu tun hat?
Ganz einfach: Bitte nachrechnen meine Damen und Herren – es ist so einfach: PRÄVENTION KOSTET GELD! Und entgegen landläufiger Meinung spart man UNTERM STRICH damit NIX! Eben nur im EINZELFALL, der wiederum nicht unbedingt vorhersehbar ist. Im Gesamtkollektiv MÜSSEN die Gesamtkosten durch Prävention aus mathemamatisch-logischen Gründen immer Höher sein, als die damit eingsparten Einzelfall-Behandlungskosten! Diese simple statistiche Konstante gilt natürlich generell und nicht nur im dentalen Sinne; das ist der ganze fiskalische (Wahn-)Sinn! Das heißt natürlich ganz und garnicht, das Prävention im ethischen Sinne verwerflich wäre (wer wollte das behaupten…) Doch hier setzt der gesunde Menschenverstand an, den ein sozialistisches System per se eben nicht voraussetzt: EIGENVERANTWORTUNG heißt also das Zauberwort! Dasss diese in unserem Gesundheitssystem geradezu verachtet wird ist sicher keine neue Erkenntnis … wer sollte denn dann das Volk “retten” und vor allem Übel bewahren? Siehe oben …
In einem “Gesundheitssystem”, das von Zwangsbeiträgen lebt (die hart erwirtschaftet werden müssen), die dazu eingesetzt werden weitestgehend vermeidbare Zahnkrankheiten zu finanzieren, dabei gleichzeitig um die Finanzierung (über-)lebnesnotwendiger Maßnahmen ringt hat der Wahnsinn Methode: SOZIALISMUS!

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Susanne Gauder
Susanne Gauder

@Dr. Kruse

Patienten als “Drecksäue” zu bezeichnen – dazu fehlen mir schlicht und einfach die Worte!

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