Obstsalat mit Wechselwirkung

21. August 2009
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Bleibt die Wirkung von Medikamenten aus oder kommt es nach der Einnahme zu toxischen Wirkungen, ist nicht immer die Dosis Schuld. Nahrungsmittel oder Getränke können die Ursache sein. Warnungen auf Beipackzetteln fehlen jedoch fast immer.

Den meisten Patienten ist klar, dass es sich nicht empfiehlt, Tabletten mit Wein oder Sekt hinunterzuspülen. Doch schon beim Bier macht hier der eine oder andere schon mal eine Ausnahme. Andere beliebte Getränke, die Pillen, Tropfen und Pulver in den Magen befördern helfen, sind Milch, Kaffee oder Obstsäfte. Getränke und Nahrungsmittel können die Wirkung von Medikamenten jedoch abschwächen oder bis zur Intoxikation verstärken. Betroffen sind über 300 Arzneistoffe. Diese stecken in mehr als 5.000 gebräuchlichen Medikamenten.

In den Beipackzetteln von Medikamenten ist der ideale Zeitpunkt der Einnahme von Medikamenten häufig vermerkt. Zur Verträglichkeit von Nahrungsmitteln mit Arzneistoffen ist allerdings noch wenig bekannt. Hier besteht großer Forschungsbedarf. Und selbst vor bekannten Risiken wird in Beipackzetteln nicht immer gewarnt.

Tödliche Wechselwirkungen

Geläufige Interaktionen zwischen Arzneien und Nahrungsmitteln listet die AOK. Die Warnungen reichen von der gemeinsamen Einnahme von Antibiotika und Milch bzw. Milchprodukten, Monoaminooxidase-Hemmern und eiweißreichen Nahrungsmitteln über Nahrungsmittel, die die Eisenaufnahme hemmen. Bei Bluthochdruckmitteln, Antihistaminika, Schlafmitteln und Immundepressiva ist besondere Vorsicht bei Grapefruitsaft geboten. Flavonoide in Pampelmusen kann die Medikamentenwirkung durch Hemmung eines Transporters im Darm reduzieren. Andererseits hemmt Grapefruitsaft das Enzym CYP3A4, das am Abbau von Arzneistoffen in der Leber beteiligt ist, und sorgt so für eine bis um zu 70 Prozent erhöhte Wirksamkeit von bestimmten Medikamenten. CYP3A4 ist am Abbau von etwa 50 Prozent aller Medikamente beteiligt, Wechselwirkungen sind häufig. Todesfälle wurden unter der Behandlung mit Statinen und bei Antiallergika berichtet. Welche Bestandteile der Grapefruit dafür verantwortlich sind, ist bislang ungeklärt.

Bekannt sind auch Interaktionen von Lakritze und schwarzem Pfeffer mit Medikamenten. Dabei vertragen sich Lakritze und Diuretika schlecht und führen möglicherweise zu einem Kaliumverlust, der sich in Müdigkeit, Muskelschwäche und erhöhtem Blutdruck bemerkbar macht. Bei kaliumsparenden Diuretika sind dagegen kaliumreiche Nahrungsmittel wie Bananen, Orangen oder grünes Blattgemüse zu vermeiden, damit keine Hyperkaliämie entsteht. Schwarzer Pfeffer enthält Piperidin. Dieses kann den Theophyllinspiegel erhöhen. Dies gilt auch für Lebensmittel, die Tannin enthalten. Auch sehr fetthaltige und kohlenhydratreiche Mahlzeiten können den Theophyllinspiegel beeinflussen. Dies wiederum ist jedoch von der Darreichungsform des Wirkstoffes abhängig und nicht allgemein gültig.

Übersichten unvollständig

Eine Übersicht für Patienten ist hierzulande schwer zu finden. Die National Consumer’s League in Washington veröffentlichte in Kooperation mit der U.S. Food and Drug Administration für Patienten eine Broschüre zu Interaktionen von Nahrungsmitteln mit Arzneistoffen. Allerdings sucht man auch hier vergeblich nach mittlerweile hinreichend bekannten Interaktionen etwa für Grapefruitsaft, sodass die Liste der Medikamente und der möglichen Nahrungsmittelinteraktionen unvollständig bleibt.

Da hilft es auch wenig, zum Thema Nebenwirkungen und Risiken den Arzt oder Apotheker zu befragen. Denn diese kennen die vielfältigen bislang bekannten Interaktionen u.U. auch nicht und haben auch kein geeignetes Nachschlagewerk zur Hand, das zuverlässig Auskunft gibt. Ganz zu schweigen von noch unbekannten Wechselwirkungen neuer Wirkstoffe und Darreichungsformen. Demnach können sich Patienten nur an die alte Regel halten: Medikamente mit Wasser (kein Mineralwasser) einnehmen und sich bezüglich Einnahmezeit und Mahlzeiten an die Packungsbeilage halten.

207 Wertungen (4.31 ø)
Allgemein

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17 Kommentare:

Dr. med Karen Awiszus
Dr. med Karen Awiszus

Zu Kommentar 27

Direkte Wechselwirkungen sind m.E. nicht bekannt.
Allerdings wird die Resorption von Schilddrüsenhormon aus dem Darm durch Nahrung z.T. beträchtlich vermindert.
Wenn es also zu stark schwankenden Spiegeln oder einem Wirkungsverlust trotz regelmäßiger Einnahme kommt, ist es zu empfehlen, Schilddrüsenhormone mindestens 30 Minuten vor der ersten Mahlzeit des Tages einzunehmen.

Diese Empfehlung wird nur leider von vielen Patienten nicht umgesetzt, spielt aber auch nur eine Rolle, wenn die Wirkung der Dosierung nicht adäquat ist.

Ansonsten kommt es v.a. auf die Regelmäßigkeit an.
So gab es früher die “Marcumarkost”, die sehr viele gesunde Lebensmittel verboten hat.
Sinnvoller als der Verzicht auf sämtliche Kohlsorten ist jedoch ein regelmäßigee mäßiger Verzehr, da sich dann der Spiegel auf einem neuen Niveau einpendelt.
Dies gilt bei Pampelmusen allerdings nicht, wie bereits von anderen erwähnt.

#17 |
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Rossella Zermini
Rossella Zermini

hätte gerne gewusst wie es mit schilddrüsenhormone ist…??
gibt es da auch wechselwirkungen mit nahrungsmitteln?

#16 |
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Diabetesberaterin DDG Rosi Dietz
Diabetesberaterin DDG Rosi Dietz

Endlich! Habe einen solchen Artikel lange gesucht!!!
Als Schulungskraft f. chron. kranke Patienten höre ich die unglaublichsten Geschichten zum Thema!
Bitte am Ball bleiben u. breit streuen….

Danke

#15 |
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Selbstst. Apothekerin

Es gibt die ABDA-Datenbank, die sehr viele dieser Interaktionen und Nebenwirkungen aufgezeichnet hat, aber leider kommt man vor lauter stumpfsinniger und sehr zeitraubender Rabattartikelsucherei im Computer kaum noch dazu, die Patienten entsprechend zu beraten.

#14 |
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Selbstst. Apotheker

Für Fragen Kommentar 22 bitte an Komentar 13

#13 |
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DR. AHMAD EFTEKHARI
DR. AHMAD EFTEKHARI

Der Artikel ist sehr informativ und nützlich.
Eigentlich müßten die Pharma-Firmen über die Wechselwirkungen ihre Produkte bescheid wissen und sie auch weiter geben.
MfG. Eftekhari

#12 |
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Prof. Dr. med. Hans Kopera
Prof. Dr. med. Hans Kopera

ich will zu keinem Ihrer Artikel einen Kommentar schreiben. Deshalb ersuche ich Sie, diese Aufforderung zu unterlassen.
Hans Kopera.

#11 |
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Dr. Rainer-Georg Bohlius
Dr. Rainer-Georg Bohlius

erzähle seit Jahren den Kardilogen über Zunahme von Herzrhythmusstörungen
(trotz Amiodaron,Betablocker,ACE-Hemmer und Calciumantagonisten und Simvastatin 20) durch Rotwein und besonders durch stark geschwefelte besonders französische Rotweine.Z.T.reicht schon 1 Glas !!!!

#10 |
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Student B.-B. Koch
Student B.-B. Koch

ich denke ,alle schlafmützen werden endlich wach!
in der Abda Datenbank finden sie viele Informationen
und die hersteller kennen alle wechselwirkungen .
nur keiner sagt etwas.

#9 |
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Matthias Maschek
Matthias Maschek

Sehr konstruktiver und nützlicher Artikel

#8 |
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Selbstst. Apotheker

Für Fragen Kommentar 11 und 12
Brunnen Apotheke Löningen,49624
tel.05432 94770

#7 |
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Selbstst. Apotheker

Ich meinte 1/4 oder 1/8 der empfhohlenen Statin Dosis einzunehmen BEIM KOMMENTAR 11.
Bitte um Entschuldigung,sonst wäre ich blöd,wie sollen
die Kassen nach Alleswisserpolitiker sonst sparen?

#6 |
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Selbstst. Apotheker

Mir kommt die Idee Kassen konnten bei Statinen sparen,in dem die Patienten jeden Abend eine Pampelmuse essen,und 1/4 oder
1/8 der Statindosierung reduzieren.Da wurden damit Alleswisser wie Frau Bender von Grünen als Gesetz neben der Frembesitzapotheke einführen,dann sind Statine billiger als Schuhputzmittel,wie sie alles oberfläclich schätzt wie üblich.
So geht es natürlich nicht Frau oder Herr Alleswisser.
Da mussten Sie auch Narginingehalt von jeder Pampemuse
feststellen lassen müssen.
So klug sind zur Zeit unsere Gesundheitspolitiker/innen,
die über Tod und Leben entscheiden wollen.

#5 |
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Dr. med. Bärbel Theuerkorn
Dr. med. Bärbel Theuerkorn

Sehr interessanter Artikel, bitte mehr.

#4 |
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Dr Farouk Saad
Dr Farouk Saad

Es ist wichtig zu wissen, welche Wirkstoffe mit welchem Nahrungsmittel reagieren, blockieren oder hemmen.
Wie kann man solche Reaktionen vermeiden!

#3 |
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Dr. med. Dietmar Klaus Ulbricht
Dr. med. Dietmar Klaus Ulbricht

Danke für die Mühe, es ist sehr wichtig diese Zusammenhänge zu erforschen. Vielleicht hilft aber bis dahin das aus verschiedenen Quellen bekannte z.B. Wikipedia- ähnlich zusammenzuführen.

#2 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Fantastischer Artikel und Anstoss an die Forschung wirklich in diese Sache hineinzuschauen. Ich finde es ein sehr wichtiges Feld zu erforschen und Literatur und Referenzen herauzubringen die helfen die richtige Information an den Patienten geben zu koennen. Leben koennen gerettet werden!

#1 |
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