Prüfungsstress: Reine Nervenverschwendung

14. November 2012
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Jeder Medizinstudent kennt die harten Prüfungszeiten im Studium. Das Gefühl vor einem riesigen Lernberg zu stehen, der jeden Tag weiter anwächst. Doch wie durch den Prüfungswahnsinn kämpfen? Wir haben die besten Tipps und Tricks für Euch.

Wenn der Tag der Klausur näher rückt, steigen Anspannung und Nervosität. Ein gesundes Maß an Aufregung ist natürlich unvermeidbar und kann unter gewissen Umständen sogar noch beflügeln und die Vorbereitung weiter antreiben. Aber auch das Gegenteil ist möglich. Die Aufregung kippt zu einer massiven Prüfungs- und Versagensangst und führt zu lähmendem Prüfungsstress. Bestimmt hat jeder von Euch schon einmal diese Erfahrung gemacht. Das erste Testat der Vorklinik, das Physikum, das Hammerexamen oder die schwere Physikklausur im dritten Semester führen zu einer panischen “Wie-soll-ich-das-nur-jemals-alles-schaffen?”-Angst.

Die Vorklinik – Zwischen Schule und Studium

Besonders die ersten Schritte als Medizinstudent sind für viele die schwersten. Man muss binnen weniger Wochen herausfinden, was einem die einzelnen Klausuren abverlangen, welche Prüfung die größte Hürde ist und welcher Prüfer der Unangenehmste. Und eines ist sicher: Mit der Immatrikulation für das Fach Humanmedizin betritt man eine neue Welt, und vieles im Leben ändert sich. Hinzu kommt, dass sich die frisch gebackenen Medizinstudenten im ersten Uni-Alltag häufig als reine Naturwissenschaftler wiederfinden, die sich mit chemischen und physikalischen Formeln sowie biologischen Zellmechanismen auseinandersetzen müssen. Der große Traum vom stolzen Arzt, der seinen Angehörigen und Freunden mit den richtigen Empfehlungen zu den Themen Erkältung, Verdauungsprobleme oder Hauterkrankheit beisteht, zerplatzt vorerst. Es liegt ein riesiger, unüberwindlich scheinender Berg an Testaten vor den jungen Medizinern, der schließlich im Physikum gipfelt und die Frage aufwirft, ob man es überhaupt bis in die “Klinik” – zu den Patienten und Krankheiten – schaffen wird.

An den medizinischen Fakultäten tummeln sich aufgrund des strengen NCs zudem jede Menge sehr guter Studenten. Die meisten sind es bereits aus der Schulzeit gewohnt, großen zeitlichen Lernaufwand in Prüfungen zu investieren und folgerichtig sehr gute Noten zu erhalten. Doch die Ernüchterung im Studium kommt schneller als einem lieb ist. Die anfängliche Testat-Flut und die riesige Stoffmenge erwischt viele eiskalt und lässt sie an sich selbst und ihren Fähigkeiten zweifeln.

Von der Realität eingeholt

“Nach meinem 1,0-Abitur hatte ich das Gefühl, alles mit Leichtigkeit zu schaffen, was vor mir liegt”, meint Karla Brückner, die im 3. Semester in Heidelberg studiert. “Doch ich wurde schnell von der Realität eingeholt. Mein Stundenplan war furchtbar und ich habe allein für mein erstes Anatomie-Testat mehr gelernt, als für mein ganzes Abitur zusammen. Das Studium hätte ich mir nie im Leben so vorgestellt.” Auch Erik Grasmer, Medizinstudent der Uni Freiburg im 5. Semester, kann ihr beipflichten: “Der Übergang zwischen Schule und Studium war echt hart. In den ersten Wochen hatte ich keinerlei Orientierung und habe einfach planlos drauflos gelernt, was dann auch ziemlich in die Hose ging. Es war paradox. Ich hatte das Gefühl, völlig ungeeignet für das Medizinstudium zu sein, wo ich doch in der Schule mit minimalen Lernaufwand alles gut hinbekommen hatte.”

So wie diesen Beiden geht es am Anfang vielen. Dennoch müsst Ihr nicht verzweifeln. Hier sind die wichtigsten Strategien, den Prüfungsstress der Vorklinik mit möglichst wenig Prüfungsstress zu überstehen:

Survival-Strategien im Testatmarathon

1. Such Dir einen Mentor
Vieles ist leichter, wenn man Kontakt zu älteren Studenten seines Studienganges aufbauen kann. Sie können einem berichten, wie die ersten Prüfungen ablaufen werden und so selbst den schwierigsten Testaten den Wind aus den Segeln nehmen. Zudem haben sie meist hilfreiche Tipps in petto. Ob Altklausuren, Tipps zu Zeiteinteilung oder gängiger Literatur, solche Ansprechpartner geben einem bereits ein gutes Gefühl.

2. Bewahre Dir Dein Hobby
Klar, ist es zu Anfang schwierig, bei der großen Lernmenge noch Zeit für sich selbst und seine Freizeitaktivitäten zu finden. Dennoch rät Karla Brückner: “Bewahre Dir Dein Hobby – sonst bekommst Du einen Knall”. Dadurch, dass Du einen Ausgleich zum Studium schaffst, hast Du etwas, worauf Du Dich bei Lernpausen freuen kannst. Du lernst viel effektiver, wenn Du zwischendurch etwas anderes machst und Dich danach wieder voll auf den Prüfungsstoff konzentrieren kannst.

3. Bilde Lerngruppen
Wie heißt es so schön: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das Sprichwort trifft auch auf das Medizinstudium zu. Wenn Du mit Freunden lernst, die sich in derselben Situation befinden wie Du, dann sieht alles nur noch halb so schlimm aus. Man merkt, dass die anderen auch nicht mehr können als man selbst und hat auch nicht ständig das Gefühl, zu wenig für die Prüfung gelernt zu haben. Zudem kommt auch die soziale Komponente nicht zu kurz, man kann mit seinen Kommilitonen lachen und weinen und sich vor allem gemeinsam durch die harte Zeit kämpfen.

4. Schraube deine Ansprüche herunter
Die Gefahr bei den vielen guten Medizinstudenten ist, dass diese denken, sie könnten im Studium genauso weitermachen, wie noch in der Schule. Von dem Gedanken, alles zu lernen und zu wissen, sollte man sich aber möglichst bald verabschieden. Schraubt Eure Ansprüche an Euch selbst herunter, dann löst ein “versiebtes” Testat auch nicht gleich eine Existenzkrise aus. Christoph König, Würzburger Student im 3. Semester, meint dazu: “Ich habe mich damit abgefunden, dass es jetzt nur um’s Durchkommen geht – ich will auch leben.”

5. Mach “Ferien auf Vorrat”
In den Semesterferien sollte man, sofern man das Krankenpflegepraktikum schon abgeleistet hat und keine weiteren Praktika anstehen, ordentlich Urlaub machen und sich erholen. Beate Wirmer erzählt: “Jedesmal, wenn ich im Winter vom Prüfungsstress fix und fertig war, habe ich mir die Paris-Bilder des Sommers angeschaut, das hat mir Kraft gegeben.” Die Pausen zwischendurch geben einem Power für die anstrengende Prüfungszeit danach. Stressfreie Phasen sind neben genügend Schlaf und einer gesunden Lebensweise das A und O.

Das Physikum – Der Weg in die Klinik

Beim Physikum kommt es dann knüppeldick. Man muss den Stoff der Vorklinik binnen weniger Wochen parat haben und dann wird das Ganze auch noch benotet. Für viele Vorkliniker ein Grund zum Weinkrampf und Auslöser panischen Prüfungsstresses. Egal wie früh man beginnt, kurz vor Toresschluss bekommt jeder Bammel. “Ich habe mich gefühlt, als wäre die 3-monatige Vorbereitung mit einem Schlag komplett vergessen. Am Tag der Prüfung wollte ich eigentlich nur noch, dass es endlich vorbei ist. Nach tagelangem Lernen mit wenig Schlaf, viel Kaffee und Schokolade war ich so ausgelaugt, dass ich dachte, ich würde das Physikum nie bestehen”, erzählt uns Erik. Und doch tat er es. Die besten Tipps von erfolgreichen Physikums-Absolventen bekommt Ihr im folgenden Abschnitt.

Überlebens-Tipps im Physikumsschlachtfeld

1. Mache Dir einen Lernplan
Einer der wichtigsten Tipps, um das Physikum erfolgreich zu bewältigen. Vorlagen für Physikumsplaner gibt es bei diversen Anbietern zu kaufen, die man nur noch befolgen muss. Aber selbst der beste Plan nützt nichts, wenn man ihn nicht befolgt.

2. Bleibe bei Deinen bewährten Lernstrategien
Ändere nicht aus heiterem Himmel Deine Art zu Lernen, weil das “ach so schlimme” Physikum ansteht. Es ist eine Prüfung, wie jede andere, nur eben ein bisschen mühsamer. Entscheidend ist, dass du dich in deiner Lernumgebung wohlfühlst, ob in der Lerngruppe oder alleine.

3. Lass Dich nicht von der Panikwelle mitreißen
Das 4. Semester beginnt, wie jedes andere auch, mit Vorlesungen, Praktika, Seminaren und die böse, große Prüfung liegt in weiter Ferne – möchte man meinen. Doch die 320 Kreuze, die Du optimalerweise in das richtige Feld setzen wirst, lösen bei vielen Deiner Kommilitonen Panik aus. Lass Dich nicht von der Panikwelle mitreißen. Meide auch die Besserwisser, die – in Nobelpreisträger-Manier – scheinbar alle Inhalte rauf und runter beten, das wäre reine “Nervenverschwendung”.

4. Gönn Dir einen Ruhetag
Wenn Ihr den mündlichen Teil erst nach Eurem schriftlichen Termin habt, lohnt es sich, dazwischen einen Ruhetag einzulegen. Nach zwei Tagen voll fröhlichem “Kreuzen” wird Euch sicherlich der Schädel brummen. “Ich habe einen Tag lang einfach nur entspannt und es mir gut gehen lassen. Ich habe mit einer großen Gruppe an der Isar gegrillt und dabei die Gegenwart der einen oder anderen Bierkiste genossen”, erzählt uns Phillipp, Medizinstudent aus München. Zwischendurch benötigt das Gehirn einfach Pausen von den anstrengenden Lernphasen.

Das Hammerexamen – endlich Arzt

Kaum hat man das Physikum erfolgreich bestanden, ist der Weg in die Klinik frei. Man hat endlich Patientenkontakt, darf Diagnosen stellen, lernt interessante medizinische Fächer kennen. Und schlimmer als das Physikum, kann es ja eigentlich nicht werden. Zu Beginn der Klinik ist es sicherlich noch einmal eine Umgewöhnung, sich auf den neuen Studienabschnitt einzustellen. Dennoch findet man sich auch hier bald ein. Um doch irgendwie das Studentenleben zu genießen, sich der Doktorarbeit zu widmen und den Hobbys nachzugehen, werden die Gedanken an das Staatsexamen mehr oder weniger erfolgreich verdrängt. Aber spätestens gegen Ende der Studienzeit spricht dann wirklich jeder vom “Hammerexamen“, das nicht umsonst den Bestandteil “Hammer” im Namen trägt. Man tauscht sich über mögliche Prüfungsfächer, Prüfungsgruppen und über die besten Lehrbücher aus und auch darüber, wie hart und lang die Vorbereitungszeit sei. Kollektive Angst und Verunsicherung in Anbetracht des bevorstehenden “Hammers” machen sich breit und schüren die Panik.

Glücklicherweise wurde in einer kürzlichen Gesetzesänderung das Hammerexamen gesplittet. Der schriftliche Teil der Ärztlichen Prüfung wurde vor das Praktische Jahr gelegt, sodass man den Stoff nun vor dem PJ wiederholen und sich während des PJs auf seine klinisch-praktische Tätigkeit konzentrieren kann. Der Hammer verliert also einen Teil seiner Schlagkraft. Trotzdem wird einem bewusst, dass der schriftliche Teil des Examens wohl nicht ganz so einfach werden wird und definitiv schlimmer als das Physikum. Doch keine Panik. Wir haben euch einen Notfall-Koffer mit Tipps zusammengestellt, um diese letzte Hürde im Medizinstudium zu nehmen:

1. Erstelle einen Lernplan
Wie schon im Physikum, hat auch beim Hammerexamen die Erstellung eines Lernplanes oberste Priorität, will man den Überblick nicht verlieren. Dazu gibt es hilfreiche 100-Tage-Planer diverser Anbieter. So vergisst man kein Thema und sieht, dass es vorangeht. Das Wichtigste ist aber – nach Erstellung des individuellen Lernplanes – am Ball zu bleiben. Ein paar Tipps noch zur Reihenfolge:
Zum “Warmwerden” beginnst du am besten mit zwei, drei kleineren Fächern. Die dicken Brocken Innere Medizin, Chirurgie und Neurologie solltet Ihr eher im Mittelteil der Lernphase bearbeiten, weil Ihr einerseits noch halbwegs motiviert seid und andererseits die Themen im Examen noch nicht wieder vergessen sind. Ganz ans Ende solltet Ihr dann die Fächer legen, die Ihr entweder bereits gut beherrscht oder deren Relevanz Ihr als eher gering einschätzt, wie z.B. Naturheilkunde oder Biomathe. Etwas Restmotivation solltet Ihr Euch für das Wiederholen, Bearbeiten von Fallbeispielen und das Kreuzen von Altexamina aufsparen.

2. Mache regelmäßige Lernpausen
Es gibt ein Leben fernab des Lernens. Pausen sind wichtig. Auch wenn sich das schlechte Gewissen permanent meldet, sollte man sich auch mal etwas gönnen und das Examen nicht ständig größer machen, als es ist. Wer verdrängen kann, ist klar im Vorteil. Und bei aller Bedeutung, die das Examen im Moment haben mag, am Ende des eigenen Lebens sagen wohl die wenigsten: “Hätte ich doch mehr Zeit am Schreibtisch verbracht.”

3. Überfordere dich nicht
Auch wenn das Lernen in den Monaten der Prüfungsvorbereitung einen zentralen Teil deines Lebens ausmachen wird, mehr als vier bis acht Stunden pro Tag (je nach Tagesform) kann man nicht konzentriert arbeiten. Du solltest dich also nicht überfordern oder unrealistisch hohe Erwartungen an dein Arbeitspensum stellen. Wer noch nie ein Frühaufsteher war, wird nicht plötzlich in der Lernphase um Punkt 7 aufstehen, eine Stunde Joggen und dann von acht bis 17 Uhr am Schreibtisch sitzen, um schließlich am Ende des Tages sagen zu können, wie diszipliniert dieser doch war. Das solltest Du auch nicht von Dir erwarten, zusätzlichen Druck und Frust kannst Du in dieser Zeit sowieso nicht gebrauchen. Wer einen anderen Biorhythmus hat, macht sicherlich nichts falsch – vorausgesetzt, das Tagesziel wird auch tatsächlich erreicht. Denn wer kreuzt, hat Recht.

4. Mut zur Lücke
Wie bei fast jeder Prüfung im Medizinstudium, gilt auch beim Staatsexamen der Ratschlag “Mut zur Lücke”. Ihr könnt nicht den ganzen Herold von der ersten bis zur letzten Seite auswendig lernen und erwarten, dass Ihr innerhalb von 100 Tagen jedes Fachgebiet lückenlos beherrscht. Wie immer heißt es deswegen, lernt die großen Fächer einigermaßen genau aus Fachbüchern – die kleineren Fächer lernt Ihr durch Kreuzen und Überfliegen der wichtigsten Kapitel. Außerdem startet Ihr nicht bei Null, durch vorherige Klausuren und Übungen habt Ihr vieles schon einmal irgendwo gelesen, gehört oder gesehen.

5. Schraube deine Ansprüche herunter
Die Prüfungsnote des Staatsexamens ist zwar wichtig, hat aber keinesfalls alleinigen Aussagewert. Bei Bewerbungen durchaus von Belang – der Bewerber wird manchmal auch darauf angesprochen – steht jedoch die Note der Doktorarbeit weit mehr im Vordergrund. Insbesondere wenn man an den zukünftigen Ärztemangel denkt, rückt die Examensnote zunehmend in den Hintergrund. Also: Druck rausnehmen und Ansprüche herunterschrauben! Und wie die meisten von Euch wissen, hat das IMPP oft eine etwas merkwürdige Auffassung von medizinischem Wissen. Oft liegt der Fokus auf haarkleinen Details, die für die spätere ärztliche Tätigkeit nur von untergeordneter Bedeutung sind.

Erfahrungsberichte zum Hammerexamen mit hilfreichen Lernstrategien findet Ihr hier:

Wie Ihr seht, lässt sich jede Prüfung mit der richtigen Vorbereitung und hilfreichen Tipps gut bewältigen. Da jeder individuell lernt, gibt es auch kein allgemeingültiges Patentrezept zum erfolgreichen Bestehen der Prüfungen. Auch ist nicht jeder der Typ für Lerngruppen und jede mögliche Lernkostellation. Deshalb nun eine Übersicht über die unterschiedlichen Lerntypen. Zu welcher Gruppe gehört Ihr? Welche Typen könntet Ihr Euch als Lernpartner vorstellen?

A – Der Alleswisser: Er ist gut organisiert, weiß bereits im Voraus, welcher Stoff abgefragt wird und wo wer wann was und warum prüft. Der Alleswisser scheint alle Vorlieben, Hauptinteressen und das Seelenleben der Prüfer zu kennen. Auf Nachfrage verrät er dir bis ins kleinste Detail, auf welcher Seite er welche wichtige Information aufgeschnappt hat, sodass man denkt, er würde den ganzen Tag nichts anderes tun. Durch diese Strategie versucht er die Prüfer zu beeindrucken und so seine Situation zu meistern, auch wenn es mal am Fachwissen scheitern sollte. Er ist der ideale Ansprechpartner bei organisatorischen Prüfungsfragen, also haltet ihn Euch warm!

E – Der Einzelkämpfer: Der Einzelkämpfer versucht seine Kommilitonen zu verunsichern, um seine eigenen Chancen bei der Prüfung zu erhöhen. Er zermürbt andere und verrät nichts von seinen Vorbereitungen und seiner Prüfung, weil er fürchtet, anderen damit wertvolle Tipps zu geben. Er möchte die beste Note erzielen und geht dabei buchstäblich über Leichen. Der Einzelkämpfer verabscheut Lerngruppen und hat aufgrund seines unsozialen Verhaltens bei seinen Kollegen einen schlechten Ruf. Von ihm kann man keine Hilfe bei der Prüfungsvorbereitung erwarten.

F – Der Faulenzer: Der Faulenzer ist dadurch gekennzeichnet, dass er nie zu lernen scheint. Immer ist er auf Partys unterwegs, besucht alte Freunde oder reist in ferne Länder. Er schafft nicht immer alle Prüfungen und wenn, besteht er sie gerade so. Sein Motto lautet “4 gewinnt”. Er hat aber ein feines Gespür dafür, wann die Zeit gekommen ist, mit dem Lernen zu beginnen, um die x-te Nachholklausur zu bestehen. Er ist bei seinen Kommilitonen trotzdem sehr beliebt, denn man kann nach einer bestandenen Prüfung jede Menge Spaß mit ihm haben. Zur Lernvorbereitung sollte man sich jedoch lieber an fleißigere Typen halten. Für die Party danach ist er der Beste!

H – Der Hyperinformierte: Er liefert das perfekte Nerd-Bild von einem Mediziner. Er ist immer in der Vorlesung anzutreffen und lauscht mit Brille und kariertem Hemd wissbegierig den Dozenten. Seine Kommilitonen nervt er des Öfteren dadurch, dass er mit – meist unwichtigen, detailverliebten – Fragen die Kurslänge ins Unendliche hinauszögert. Im Gegensatz zum Alleswisser hat der Hyperinformierte unglaubliches Fachwissen, hat alle dicken Wälzer in ihrer Gesamtheit gelesen und alle Sonderfälle zur Hand. Perfekt, wenn man etwas ganz Spezielles nachfragen muss. Allerdings verursacht er bei vielen, die ihn erleben, Komplexe und Panikanfälle. Besonders vor der Prüfungszeit ist er deshalb zu meiden.

N – Der Normalo: Der Normalo lernt sehr ausgeglichen. Er schafft jede Prüfung mit durchschnittlichen Noten und bereitet sich angemessen darauf vor. Nach dem Motto “Mut zur Lücke” lernt er nur die wirklich relevanten Inhalte. Spitzenleistungen kann man von ihm nicht erwarten, dafür hat er eine gute Work-Life-Balance entwickelt und weiß, dass zum Studieren auch der Ausgleich durch Hobbys und Freunde gehört. Er kann vor den Prüfungen eine sehr beruhigende Wirkung ausüben und ist damit der ideale Begleiter, wenn man zu Panikattacken neigt.

P – Der Panikmacher: Der Panikmacher arbeitet mit Gerüchten, die er geschickt im Vorfeld einstreut. Er weiß immer aus zuverlässiger Quelle von den härtesten Prüfern und höchsten Durchfallraten zu berichten. “Ein gnadenloses Aussieben wird stattfinden”, sagt er voraus. “Besonders in diesem Jahr in dieser Prüfung“. Deshalb hat er auch schon so viel gelernt. Und du anscheinend nicht. Ihm sollte man zur Vermeidung eines Nervenzusammenbruchs vor den Prüfungszeiten tunlichst aus dem Weg gehen.

P – Der Prediger: Der Prediger tritt gern als Elternteil oder Verwandter auf. Er ist andauernd besorgt, dass durch die Prüfung die Welt untergeht und lähmt durch ständigen Druck und Drohungen. “Es wird bestimmt schlimm”, prophezeit er. “Bei deinem Lebenswandel, deiner Faulheit und deiner Erfolglosigkeit, wird das mit der Prüfung bestimmt nichts.” Für den Faulenzer ist er daher der ideale Wegbegleiter durch das Studium, da er ihm bei den wichtigsten Prüfungen im Leben den notwendigen “Tritt in den Hintern” verpasst. Alle anderen zieht er jedoch mit seiner demotivierenden, bestimmenden Art runter. Daher: Nur sehr eingeschränkt zu genießen.

Z – Der Zombie: Der Zombie beginnt erst knapp vor den Prüfungen mit dem Lernen. Dann arbeitet er Tag und Nacht und hält sich nur mit Kaffee und anderen Mittelchen wach. Er ist in der Prüfungszeit in keiner Vorlesung und keiner Veranstaltung mehr zu sehen und man fragt sich, ob er überhaupt noch mit einem studiert. In dieser Zeit ist sein Telefon tot und er hämmert gnadenlos medizinische Informationen in sein Hirn. Er taucht käseweiß und mit Ringen in der Prüfung auf, kommt aber meist auf einen guten Durchschnitt. Vorsicht! Der Zombie ist nichts für schwache Nerven. Umgibt man sich mit ihm, verpasst man schnell den Zeitpunkt, an dem man mit dem Lernen anfangen sollte und ist dann bald in derselben Situation wie er. Kurz vor den Prüfungen ist er dann aber nicht mehr erreichbar.

61 Wertungen (4.59 ø)
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3 Kommentare:

Prof. Dr. rer. nat. Peter Oehr
Prof. Dr. rer. nat. Peter Oehr

Empfehlenswerte Ratschläge. Kurz und brauchbar.
Selbst für mich,als etwas “älteren Studenten”.

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gut gemacht! Allerdings käme es m. E. noch auf das Fachgebiet bzw. auf die Universität an, ganz vom Charakter des Studenten zu schweigen.

Beispielsweise beim Studium an der Uni in Psychologie ist es derart im ersten Semester so schlimm, daß keiner genau weiß, was Prüfer oder Lehrer bei der Prüfung für die 1. Lizenz erwarten. Oft wird es festgestellt, daß selbst Lehrer außerstande sind, Fragen der Studenten zu beantworten. Im Grunde wollen sie Schlüsselwörter bei der Prüfung unabhängig von der Formulierung und sogar von Synonymen lesen etc., abgesehen von Laune und Wetter auf beiden Seiten, so daß es gar nicht mit fester Wissenschaft oder Schwerpunkten eines Themas verglichen werden könnte.

Für Studenten in Medizin wäre es sonst kein Wunder, wie wichtig es sei, genau die Anatomie zu kennen, um Physiologie und darüber hinaus den Rest zu begreifen. Klar wird kein Mechaniker wagen, unter der Haube zu basteln, wenn er nicht einmal weiß, wie der Motor funktioniert, um einen Fehler bei einer Panne einzukreisen. Wenn der Mensch biologisch gesehen noch viel komplizierter als ein Auto ist, ist die Angst von Studenten, mit noch mehr Lernstoffen für die Prüfung eben um so größer und selbstverständlich.

Für Heilpraktiker (ja ohne Studium an der Uni) ist es schon einfacher. Sogar eine Antwort gibt es parat, falls der Prüfarzt danach fragt, mindestens eine der Ursachen für Kopfschmerzen zu nennen: eben die Prüfungsangst!

#2 |
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Student der Humanmedizin

Ein an sich nicht uninteressanter Artikel, jedoch berücksichtigt er nur einen Teil der Studenten: die “jungen”, frisch von der Schule kommenden.

Erfahrungsgemäß nutzen ältere Studenten (d.h. solche, die mit höherem Alter, sei es durch Wartesemester, Zweitstudienbewerbung oder schlicht, weil erst deutlich später das Abitur abgelegt wurde), andere Bewältigungstechniken und gehen anders an das Gesamtkonstrukt Studium heran.

Sie passen weder in die genannten Kategorien, noch sind die Empfehlungen für sie, in der Gesamtheit, zutreffend.

#1 |
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