PJ: Wo der Tod im Tertial lauert

19. August 2013
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Traurige Premiere in Deutschland: Erstmals haben Richter einen Arzt wegen Fehlern im Praktischen Jahr nach dem Strafrecht verurteilt, und zwar wegen fahrlässiger Tötung. Eine falsche Spritze führte zum Tod eines Kleinkindes. Im Prozess zeigten sich auch organisatorische Schwächen im Krankenhausbetrieb und bei der Ausbildung von PJlern.

Bielefeld im August 2011. Helmut W., damals 29 Jahre alt, stand kurz vor dem Abschluss seines Medizinstudiums. Seit rund einer Woche war er als PJler auf der Kinderstation des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld tätig. Dort behandelten Kollegen gerade einen zehn Monate alten Leukämie-Patienten. Am verhängnisvollen 22. August sollte W. eigentlich nur Blut abnehmen. Er verstand Handlungsanweisungen falsch und dachte, auch ein Antibiotikum sei zu verabreichen. W. applizierte das perorale Präparat jedoch intravenös, und kurz darauf verstarb der Säugling aufgrund eines anaphylaktischen Schocks (DocCheck berichtete).

Schuldig und vorbestraft

Der Fall landete beim Amtsgericht Bielefeld. Im Oktober 2012 kam es zur Verhandlung. Richter sprachen von „mangelnder Sorgfalt“ – W. hätte in Erfahrung bringen müssen, welches Medikament zu verabreichen sei. Auch hätte er ohne ärztliche Order gehandelt. Hinweise auf ein Organisationsverschulden der Klink fanden Juristen aber nicht. Und so wurde W. aufgrund fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt. Das wiederum führt zu einem Vermerk im polizeilichen Führungszeugnis – gleichbedeutend mit dem Ende der ärztlichen Karriere. Der Beklagte legte Berufung ein.

Vorhang auf für die zweite Instanz

Jetzt hat sich das Landgericht Bielefeld als zweite Instanz mit der Materie befasst. Zeugen und Gutachter wuschen Helmut W. zwar nicht rein. Das Evangelische Krankenhaus Bielefeld musste aber eklatante Fehler eingestehen. So wurden bis zum verhängnisvollen Tag identische Spritzen für oral oder intravenös zu verabreichende Medikamente verwendet, obwohl dieses System schon damals umstritten war: In den USA hatte es zuvor mehrere Todesfälle durch Verwechslungen gegeben. Erst nach dem verhängnisvollen Irrtum entschlossen sich Verantwortliche in Bielefeld zur Umstellung, die neuen Spritzen passen nicht mehr an Infusionssysteme. Geeignete Produkte seien aber schon früher auf dem Markt gewesen, argumentierten die Richter. Der zuständige Chefarzt beteuerte, es hätte sehr wohl Unterschiede bei Spritzen gegeben, je nach Verwendung: durch Etiketten mit Patientendaten, Medikament und Dosierung sowie durch eine Nadel mit Schutzhülle. Im besagten Fall war die Spritze nur mit einem Combi-Stopper versehen und trug keine Hinweise, was für ein orales Präparat sprechen soll. Ein Kommilitone von W. kannte vermeintliche Standards des Hauses jedenfalls nicht und monierte häufigen Personalwechsel auf der Station. Darüber hinaus habe es weder feste Ansprechpartner noch konkrete Anweisungen zur Medikamentengabe gegeben. Als Sachverständiger nahm Dr. Bernhard Marschall, Studiendekan aus Münster, Stellung. Er sprach von „Organisationsmängeln“ und wies die Richter darauf hin, PJler seien „das kleinste Rädchen im Getriebe“: Sie müssten auf Station ärztliche Aufgaben verrichten, obwohl sie eigentlich nichtärztliche Mitarbeiter seien.

Verhängnisvolle Missverständnisse

Eine Krankenschwester belastete Helmut W. jedoch schwer. Mit den Worten „Hier ist das orale Antibiotikum“ habe sie eine Spritze mit Cotrimoxazol ins Zimmer gebracht, während der Student gerade Blut abnahm. Der Beschuldigte erinnert sich an den Satz „Hier ist das Medikament“ – wer was gesagt hatte, ließ sich nicht mehr nachvollziehen. Auch sei er der Meinung gewesen, es handele sich um Refobacin®, also Gentamicin, zur Bestimmung des Tal-Berg-Spiegels. Obwohl er die Akte des kleinen Patienten nicht kannte und bei einer morgendlichen Besprechung nicht anwesend war, verabreichte er die Lösung.

Fahrlässige Tötung, milde Strafe

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, kommentierte den Prozess. Er sieht drei unterschiedliche Problemfelder: Primär müssen Chefärzte in akademischen Lehrkrankenhäusern für Standards sorgen – auch bei der Betreuung angehender Ärzte. Ein Organisationsverschulden der Klinik lässt sich ebenfalls nicht von der Hand weisen. Darüber hinaus hat W. ohne Zweifel falsch gehandelt. „Wenn ein Arzt in Ausbildung etwas tut, muss er wissen, dass er das Richtige tut“, gibt Windhorst zu bedenken. Das Landgericht Bielefeld sah als zweite Instanz bei Helmut W. den Tatbestand einer fahrlässigen Tötung als gegeben an. Richter Wolfgang Lerch sprach von einem „Fahrlässigkeitsvorwurf“. Er verringerte die erstinstanzlich verhängte Strafe auf 90 Tagessätze, da er organisatorische Defizite im Krankenhaus als schuldmindernd einstufte. Im polizeilichen Führungszeugnis wird bei weniger als 91 Tagessätzen kein Eintrag zu finden sein. Jetzt warten Staatsanwälte, der Beklagte und die Eltern des verstorbenen Säuglings auf entsprechende Schriftsätze, um zu entscheiden, inwieweit sie in Revision gehen. Die Verteidigung plädiert auf einen Freispruch. W. hat seine Approbation Anfang 2013 erhalten und arbeitet mittlerweile in einem Krankenhaus. So oder so ist die Sache nicht ausgestanden: Ein Ermittlungsverfahren gegen die Kinderklinik im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld läuft. Auch hier bestehe der Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung durch eine massive Verletzung der Sorgfaltspflicht, gaben Staatsanwälte bekannt.

„Mehr Verunsicherung als Klärung“

Kollegen sind nach dieser bundesweit ersten strafrechtlichen Verurteilung eines PJlers ratlos. „Leider haben die Richter zunächst mehr Verunsicherung als Klärung geschaffen. Denn junge Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung fragen sich, was sie in Zukunft tun dürfen und was nicht“, sagt Theodor Windhorst. In der Approbationsordnung heißt es lapidar, sie sollen „entsprechend ihrem Ausbildungsstand unter Anleitung, Aufsicht und Verantwortung des ausbildenden Arztes ihnen zugewiesene ärztliche Verrichtungen durchführen“. Windhorst: „Wir müssen eng an diesen Vorgaben der Approbationsordnung bleiben und überdenken, wie die Rolle der PJler im Arbeitsalltag auf den Stationen unter diesen Bedingungen für alle Seiten nutzbringend und besonders für Patienten und Ärzte in Ausbildung sicher gestaltet werden kann.“ Der Ärztekammer-Präsident wünscht sich in Zukunft, Studierenden erfahrene Ärzte als Mentoren an die Seite zu stellen.

328 Wertungen (4.62 ø)

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61 Kommentare:

Sabrina Braun
Sabrina Braun

Die Krankenschwester möchte ich sehen, die in ein Zimmer kommt und sagt “Hier ist das orale Antibiotikum.”

#61 |
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Ulf Sauer, Oberarzt Allgemeinchirurgie
Ulf Sauer, Oberarzt Allgemeinchirurgie

Für jeden Tag, an dem ich in der Klinik keine Fehler begehe, bin ich dankbar. Bleibt noch der Zweifel ob ich meine Fehler überhaupt alle bemerke.
Die Problematiken wei Zeitdruck, Personalmangel, unzureichende Anleitung und und und sind mehr als hinlänglich bekannt.
Wie die Eltern des gestorbenen Säuglings zu trösten sind vermag ich mir nicht auszudenken, die notwendige Bestrafung des PJlers und die Aufarbeitung der Schuldfrage wird auch kein Trost sein.
Die Arroganz mancher Kommentare verärgert mich. Sie passt zu meinen persönlichen Erfahrungen von Theoretikern, die Vorgeben machen, ohne diese praktisch im reelen Alltag erfüllen zu müssen.
Kein Zweifel, jeder im klinischen Alltag hat die persönliche Verantwortung, solche oder ähnliche Fehler zu vermeiden, jeden Tag.
Hundertprozentig wird sich diese Problematik nicht lösen lassen, bleibt der Faktor Mensch!
Manchmal möchte ich nicht wissen, wieviele Fehler mir unterlaufen sind, die ich gar nicht bemerkt habe und die nicht derart weitreichende Folgen hatten. Es reichen schon die, die auf die hingewiesen werde (Kollegen, Pflege, Assistenzpersonal) und korrigeren/vermeiden kann.
Jeder der von sich behauptet, er könne ausschließen, dass ihm so etwas unterlaufen könne, dem fehlt für mein Verständnis die notwendige selbstkritsche Einstellung, um als Arzt/ Pflegekraft/Assistenzpersonal zu arbeiten. Und genau so deute ich diese Aussagen, dass so was nicht passieren darf, Standard und der andere Trash…

#60 |
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Ärztin

Ich arbeite einige Jahre bereits in der Klinik und bin erleichtert, dass ich nun keine PJler und Praktikanten mehr betreuen muss. Ich habe es immer in meiner Verantwortung gesehen, wie diese “Schutzbefohlenen” auf Station gearbeitet haben. Leider ist die Eigenverantwortung vieler Jugendlicher in den letzten Jahren immer seltener geworden. Dazu kommen Sprachbarrieren und massive Defizite im Grundwissen gepaart mit einer gewissen Überheblichkeit.
Es passieren im derzeitigen Klinikalltag täglich und überall Fehler, leider in allen Bereichen. Nun wurde jemand verurteilt, zu Recht. Meines Erachtens haben jedoch die betreuenden Assistenzärzte, Oberärzte und Chefärzte und die zuständige Krankenschwester Mitverantwortung. Das Pflegepersonal kennt den Kenntnisstand eines PJlers nach einer Woche! Aber Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzteseite ist im Klinikalltag völlig untergegangen. Es ist richtig, dass Ärzte das Pflegepersonal ausbilden, aber wenn eine Pflegekraft einem PJler oder Assistenten was erklärt, ist es immer eine grosse Sache und wird belustigt überall verkündet.
Leider werden durch Assistenten, Fachärzte und Chefärzte täglich Fehler verursacht und leider auch mit schwerwiegenden bis tödlichen Folgen. Oft sind ältere Patienten betroffen und eine rechtliche Klärung der Todesursache findet nicht statt, Obduktionen sind selten. Bei Kindern ist eine Todesursachenklärung und Obduktion zwingend.
Ich verstehe die Diskussionen nicht wirklich, wie immer in unserer trägen verantwortungsarmen, nicht selbstreflektierenden Gesellschaft muss erst so ein traumatisches Geschehen aufrütteln. Dieses verantwortungslose Handeln, vor allem der neuen Chef- und Oberarztgeneration (“PISA”- oder “VIVA”-Generation) drängt auch motivierte Ärzte aus den Kliniken und das nicht wegen der miserablen Bezahlung. Wann übernehmen wir endlich wieder unsere Berufung und nicht Positionen, die wir in keinster Weise ausfüllen können?

#59 |
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Ich kann mich in die Situation der Eltern versetzen. In dieser Schocksituation und Trauer wird man wohl kaum Mitleid mit dem PJler erwarten können. Aber die Kommentare von Pflegewissenschaftlern und anderen Gutmenschen hier machen mich fassungslos. Wenn hier jemand schreibt “das darf nicht passiere” “man muss die Standarts immer einhalten” oder gar Sätze, wie “ich bin so toll, dass ich selber immer das und das predige und ihr Ärzte seit zu doof es einzuhalten” hat er keinen Einblick in die Realität. Welchen logischen Grund sollte es denn bitte dafür geben, dass gerade die Ärzteschaft zu doof für diese Welt ? Der Grund für solche Fehler kann doch gar nicht so einfach sein! Was nützt mir jede Theorie und jeder Standart, wenn ich mit Feuer im Rücken durch ein Tretminenfeld gejagt werde. Ich glaube der Kern des Problemes ist das Zeitproblem. Durch die gnadenlos zunehmende Arbeitsdichte fehlt Zeit für langes Nachdenken, Kontrollen, Erklärungen, Anlernen und Übergaben bzw. Besprechungen. Ein zusätzliches Problem ist die Sichtweise der Juristen. Menschen machen nun einmal Fehler. Fehler bei Ärzten haben eben Folgen an Gesundheit und Leben. Es kann niemals sein, dass ein Mensch durch Sorgfalt und Verantwortung sich hundertprozentig vor Fehlern schützen kann. Ein Arzt muss sich seiner besonderen Verantwortung stets bewusst sein und ist verpflichtet alles menschenmögliche zu unternehmen Fehler zu vermeiden, aber er ist ein Mensch und kann trotzdem Fehler machen. Und Fehler werden gemacht! Und aufgrund der Arbeitsverdichtung trotz maximaler Anstrengung intelligenter Menschen massenweise! Es ist doch schlimm, wenn man nach einem Fehler nur hoffen kann, dass es niemand merkt und nur hoffen kann, dass man durch ein Wunder das große Glück hat durch Zufall trotzdem gar keinen einzigen Fehler zu machen. Es wäre doch viel besser, wenn man den Mut haben kann, nach einem Fehler diesen öffentlich zu machen und ihn dann auch konstruktiv anzugehen. Bei der sich zunehmend abzeichnenden Rechtssprechung und dem andauernden Ausbau von Patientenrechten kommt eine offene Fehlerkultur genau so, wie sich ans Kreuz nageln zu lassen, obwohl man es stets nur gut meinte und alles gegeben hat sorgfältig zu arbeiten. Ärzte, die am Kreuz hängen und eine teure Ausbildung hatten, können Niemandem mehr helfen. Die Theoretiker, Medizinwissenschaftler, Profis der juristischen Beratung und Gutmenschen, die dann noch übrig bleiben, werden keinen einzigen Tag im wirklichen Leben überleben.

#58 |
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PJ-Student
PJ-Student

Sorry für den Tippfehler im Namen…zu so später Stunde fällt die “Monitorarbeit” nicht mehr so leicht :)

#57 |
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PJ-Student
PJ-Student

@ Oberarzt Scharir Bahri:
Vielen Dank für diesen Kommentar! Es wäre schön, wenn mehr Oberärzte dieser Meinung wären!

#56 |
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Liebe Medizinstudenten,

es herrscht ÄRZTEMANGEL in Deutschland. Ihr braucht euch nicht mehr so viel gefallen zu lassen, wie wir uns noch vor 10 Jahren und länger.
Auch zu den Klinikleitern ist das schon durchgedrungen, die haben nämlich große Schwierigkeiten, die unbesetzten Stellen mit deutschsprachigem Personal zu besetzen.
Die traditionell steilen Hierarchien im deutschen Medizinalsystem sind nicht nur nicht nützlich, sondern vor allem nicht mehr zeitgemäß. Ohne PJ-Studenten würden viele Kliniken ihren Betrieb gar nicht mehr aufrecht erhalten können. Die Kliniken legen großen Wert darauf, akademischen Lehrkrankenhäuser mit Ausbildungsauftrag zu sein/werden. PJ-AUSBILDUNG (nicht Ausbeutung) ist diesbezüglich ein zentrales Argument und bedeutet fürs Krankenhaus einen geldwerten Vorteil.

Obwohl das PJ scheinbar mancherorts mit einer kleinen Aufwandsent-schädigung entlohnt wird, steht der Stundenlohn zur erbrachten (zumindest körperlichen) Arbeit in keinem Verhältnis. Polnische Spargelstecher bekommen mehr Geld. Ihr habt schon 10 Semester studiert, solange wie ein Bachelor- und Masterstudium nach dem Bologna-Prozess europaweit, ihr seid theoretisch hervorragend ausgebildet und habt 6 Monate Praktikum hinter euch (Pflege + Famulaturen). Seid selbstbewusst!

Es gibt keinen Grund mehr für euch PJ’ler, euch unter Druck setzen zu lassen. Ihr seid nicht verantwortlich für das Patientenwohl, das liegt wohl irgendwo zwischen Chefarzt und Verwaltung. Obwohl die Assistenten selber extrem unter Druck stehen und Druck von oben bekommen, kann dieser doch wohl unmöglich an euch (quasi) Praktikanten weitergegeben werden. Und das dürft ihr auch sagen.
Hektik führt zu fahrlässigem Verhalten, Leichtsinn und Fehlern. Und dadurch sterben Patienten. Entweder unmittelbar – wie in dem beschriebenen Fall – oder mittelbar und ohne Schuldzuweisung, aber trotzdem vermeidbar, weil zum Beispiel eine körperliche Untersuchung zu flüchtig erfolgt ist und ein Befund übersehen wurde.

Leider könnt ihr von den Fachärzten häufig kein Verständnis erwarten, die waren zu einer Zeit Berufsanfänger, als es noch so viele Ärzte gab, dass diese teilweise freiwillig umsonst als Gastarzt gearbeitet haben, um Weiterbildungszeit zu sammeln. Das gilt heute als sittenwidrig.
Euch PJ’lern Aufgaben zu übertragen, für die ihr nicht ausrechend ausgebildet seid und deren Risikopotential ihr wohlmöglich nicht voll abschätzen könnt, ist meiner Auffassung nach auch sittenwidrig!

Also bitte, fordert die Ausbildung ein zu der eure Klinik sich verpflichtet hat, nehmt euch wichtig und ernst, sorgt besser für euch und sagt mal NEIN. Ihr seid ein begehrtes Gut und könnt Forderungen stellen. Das gilt auch für Assistenten. Wechselt doch im Zweifel die Klinik, wenn ihr ein wenig mobil seid. Anderswo könnt ihr noch bessere Vertragskonditionen aushandeln.

Und mit eurem persönlichen Mehraufwand ist der Versorgungsmangel sowieso nicht auszugleichen – die Lösung muss von den Berufsverbänden und der Politik kommen.

S. Bahri, Oberarzt

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Student der Humanmedizin

unpassender und geschmackloser Titel+Bild!!!

#54 |
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Sehr geehrte Frau Giese, auch Krankenpfleger/innen sind nur Menschen und können versagen. Ich habe auf der Intensivstation nachts erlebt, wie etliche Ampullen ASS statt wie verordnet ACC aufgezogen wurden, die dann später als Antidot intravenös berabreicht werden sollten.
Wenn mich nicht im Vorbeigehen!!! die roten Etiketten stutzig gemacht hätten, wäre die Patientin vermutlich heute tot!
Da nutzen die besten Standards nichts! Das ist einfach menschliches Versagen!!! Und das kann jeden treffen!!!

#53 |
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Pflegewissenschaftlerin

Fehler passierern, weil Standards nicht eingehalten werden, jede Gesundheits- un d Krankenpflegerin lernt, bei Medikamenten, sich dreimal über die Rcihtigkeit zu vergewissern, bei Entnahme der Medikamente aus dem Schrank, bei der Vorbereitung und schließlich am Bett.
Es wird Patientenname, Medikamentenname, Applikationsart, Dosis und Verabreichungszeitpunkt überprüft. ausserdem werden die medikamente beschriftet. Das sollte jeder so machen, auch AIP ler-dann wäre das nicht passiert! ein nicht gekennzeichnetes Medikament wirde nicht verwendet und entsorgt. Punkt.

#52 |
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Studentin der Humanmedizin

Zu aller erst möchte ich mein Mitgefühl für die trauernden Eltern aussprechen, die ihr Leben lang mit dem Tod ihres Kindes umgehen müssen.

Inwieweit Herr W. Schuld trägt, kann und möchte ich nicht bewerten. Sicher, er trägt eine Mitschuld. Ich finde es aber nicht fair, wenn Kommentare kommen, dass er den Beruf wechseln soll oder dass “so jemand” wieder auf Patienten losgelassen wird. Diese Sache geht bestimmt nicht einfach so an ihm vorbei. Es ist schlimm, wenn man für den Tod eines anderen Menschen verantwortlich ist, gerade dann, wenn man eben diesem eigentlich helfen wollte.

Sehr suspekt finde ich auch die Aussage der Krankenschwester; ich habe noch nie vom Pflegepersonal Aussagen gehört wie “Hier ist das orale Antibiotikum”.

Den Kommentar von Frau Marion Wiese (#30) finde ich ebenfalls nicht gerechtfertigt. Es mag sein, dass manche Ärzte sich nur des Geldes wegen auflehnen, so etwas findet man in jedem Beruf. Aber zu unterstellen, die gesamte Ärzteschaft tue dies und kümmere sich sonst was um Ausbildungs – und Arbeitsbedingungen ist einfach nur falsch! Man braucht sich nur die vielen verschiedenen Modellstudiengänge an zu schauen, in denen versucht wird, mehr Praxis in die medizinische Ausbildung einzubinden.

Was den Alltag in den Kliniken angeht , so könnte auch ich stundenlang darüber schreiben. Es fängt ja schon an, bevor man das Studium überhaupt begonnen hat. So war es bei meinem ersten Krankenpflegepraktikum so, das chronischer Personalmangel in der Pflege herrschte (und wahrscheinlich immer noch herrscht) und ich nicht selten allein mit zwei Schwestern (von denen manchmal eine noch schwanger war und es gab ständig mehrere Isozimmer) für über 40 Patienten da war. So habe ich oft Tätigkeiten übertragen bekommen, die ich streng genommen nicht hätte tun dürfen (Glücklicherweise hat man mir diese vorher genau erklärt und gezeigt).
In den späteren Famulaturen wird dies nicht besser. Auch hier wird oft gesagt “Mach das mal” und schon steht man alleine da und rätselt, was genau zu tun ist. Wie oft habe ich schon Schauergeschichten von Kommilitonen gehört…

Wenn die Situation offensichtlich auch im PJ so ist und sich nichts ändert, sehe ich einfach nur schwarz und weitere ähnliche Vorfälle kommen. Dann braucht man sich nicht zu wundern…

#51 |
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Student der Humanmedizin

Gerade habe ich eine Famulatur auf 2 inneren Stationen beendet, und muss leider sagen: in österreich ist es nicht anders. Auf der station befanden sich 2 AssistenzärztInnen, der Oberarzt hat alle paar Tage mal zur Visite vorbeigeschaut. Die Motivation der ÄrztInnen war dementsprechend gering, was die Aufsicht angeht. Uns (2 studierende, meine kollegin ohne jede Vorerfahrung) wurde zu verstehen gegeben, dass wir gefällisgst zu spuren haben und keine Zeit mit fragen zu verschwenden hätten. Das führte dann dazu, dass über die zeit ich 4 anderen Studierenden in der mittagspause an meinen Venen Blutabnahmen und Zuganglegen beibringen musste, um eienrseits nicht alles selbst erledigen zu müssen, und damit andererseits die Kollegen auch was davon haben. Medikamentengaben wurden uns morgens von schwestern vorbereitet, und wir sollten sie ohne rücksprache (wäre ohnehin kaum jemals jemand da gewesen) verabreichen. ich erinnere mich an einige potentiell gefährliche situationen die sich daraus ergaben und z.t. nur mit viel glück gimpflich ausgingen. auch eigentlich dezidiert nicht an studenten deligierbare tätigkeiten wie blutabnahmen aus dem ZVK oder arterielle abnahmen wurden zwangsläufig von uns unbeaufsichtigt erledigt, denn sonst wäre es wohl überhaupt nicht passiert. ob man viel lernt wenn man rätseln muss, welches medikament gerade angehängt wird (grundsätzlich wurden nur die handelsnamen, oft sogar nur abgekürzt aufs etikett geschrieben) darf bezweifelt werden. auf die missstände angesprochen kam zur antwort:”ist halt so, wir haben auch so genug zu tun”.

#50 |
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Gast
Gast

Angesichts der Tatsache, dass dieses Thema sowohl hier als auch bei Spiegel online, Focus und Co. überdurchschnittlich viele Kommentare, Bewertungen und Zugriffe hatte, sehe ich den Sinn einer “polarisierenden” Verpackung nicht so deutlich wie Sie. Dass dieses Thema vielen Kollegen nahe geht, liegt nicht an der Umwerbung des Artikels.
Den Inhalt des Artikels hat unter den zahlreichen Kommentatoren auch keiner kritisiert. Lediglich die Kritik am Bild und am Titel kam sehr häufig auf. Berechtigte Kritik, wie ich finde.

#49 |
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Nein. Kommunikation muss polarisieren, um aufzufallen. Für mich ist relevanter, dass der Artikel mit einem Schnitt von 4,65 insgesamt sehr gut bewertet wurde.

#48 |
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Gast
Gast

Nichts desto weniger scheinen Sie sich offensichtlich nicht daran zu stören, dass sich zahlreiche Kommentatoren an der reißerischen “Verpackung” dieses Artikels stören…

#47 |
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Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Das Bild ist weder geschmacklos noch beleidigend. Es ist markant. Das ist unser Job: Wichtige Themen so zu verpacken, dass sie beachtet und gelesen werden. Mission completed.

#46 |
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Gast
Gast

Entschuldigen Sie bitte den Vollidiot – das haette ich netter formulieren sollen. Das Bild ist absolut geschmacklos und beleidigend und zeugt von voelligem Unverstaendnis fuer die Situation.

#45 |
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Der “Vollidiot” war ich. Mit Beleidigungen scheinen Sie deutlich großzügiger umzugehen als wir. Beachten Sie bitte die Netiquette.

#44 |
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Ärztin

Wer ist denn bitte verantwortlich für ein solch geschmackloses Bild und eine so dumme Überschrift zu einem für alle Seiten furchtbaren Ereignis ?
Gibt es in Ihrer Redaktion einen Chefredakteur, der über ein Mindeststmass an Verantwortlichkeit verfügt, um solche Auswüchse zu unterbinden ?

#43 |
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Gast
Gast

Ich möchte mich gerne den ärztlichen Kommentaren vor mir anschließen. Wenn wir den PJ-Studenten für diesen furchtbaren Fehler “hängen” wollen, müssen wir auch flächendeckend weitermachen. Ich habe Universitätskliniken erlebt, da heben Unfallchirurgen heruntergefallene Handschuhe und Instrumente vom Boden auf und erledigen damit die Wundversorgung. Ich habe Abteilungen in Kliniken der Maximalversorgung erlebt, da ist die Aszites-Punktion aufgrund des Zeitmangels Aufgabe der PJ-Studenten (ja, liebe Ärztekammern, das ist Alltag!). Ich habe Notaufnahmen in einer der größten deutschen Städte erlebt, da sind AUSSCHLIESSLICH Studenten für die Betreuung der Patienten da: Erstbegutachtung, Wundversorgung, Arztbrief…außer dem Kürzel des Arztes. Das kommt noch “höchstpersönlich” vom approbierten Kollegen. Ich habe ein Kreiskrankenhaus erlebt, da mussten einige der Ärzte ihre Arztbriefe mit Google-Translater schreiben und haben unter 5% der Kommunikation verstanden. Ich habe Herzkatheterpraxen erlebt, die haben in einem Jahr bereits das vierte Mal den deutlich zu kleinen Stent eingesetzt. Ich habe eine Superduper-Hightech-Universitätsklinik-Notaufnahme erlebt, da sitzt eine mittelschwere Hirnblutung trotz mehrfacher Intervention des Partners erst stundenlang im Wartebereich und wird erst am Folgetag durchs CT geschoben, weil die medizinische Fachangestellte die “Red Flags” nicht erkannte und eine niedrige Triagierung vorzog (und die zuständigen Ärzte somit erst anderes zu tun hatten). Ich habe ein sehr spezialisiertes chirurgisches Krankenhaus erlebt, da lächzen die Verwaltungsangestellten nach PJ-Studenten zum “Haken halten”, damit teures Personal eingespart werden kann. Ich habe erlebt, dass Studenten und Assistenten in Operationen von den Operateuren mit Instrumenten geschlagen oder an den Händen verletzt wurden und trotzdem nicht zum Betriebsarzt gehen durften (das muss sich dann auch abends nach Feierabend bewerkstelligen lassen). Ich habe Abteilungen erlebt, da sind die Assistenten und Pflegekräfte total überarbeitet und die Ärzte werden dennoch dazu “gezwungen”, mit ihrer Stempelkarte pünktlich zur Zeiterfassung zu gehen, um dann wieder zurückzukommen…ich könnte hier noch stundenlang weitermachen!

#42 |
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Gast
Gast

Entschuldigung: lässt

#41 |
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Gast
Gast

Ok. Ich habe nicht alles gelesen (von den Kommentaren). ABER: Wenn man ein Medikament gibt muss man wissen: Art, Dosierung, Patient… Da kann sich Herr W. nicht rausreden.
Das sich aber eklatante organisatorische Mängel auf dem Rücken der Schwächsten austragen ist auch nicht in Ordnung.
Schuld haben beide: Sowohl der Herr W. als auch das KH das die Studenten alleine lässte.

#40 |
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Benno Mertens
Benno Mertens

Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen.
Die Frage: wer ist verantwortlich für die Mißstände in den Kliniken?
Politiker, die die Privatisierung als Fortschritt proklamieren; Entscheidungsträger für Finanzen, die von Medizin keine Ahnung, aber um so mehr von Personalkosten und deren Kürzung verstehen; die über Jahre verpassten Chancen, für Nachwuchs zu sorgen und die Leistungsträger angemessen zu bezahlen;

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Dr. med Karen Awiszus
Dr. med Karen Awiszus

So tragisch der Tod des Kindes ist: Wenn jeder Arzt, der eine (Mit-)Verantwortung für den Tod eines Patienten trägt, den Job wechseln würde, dann gäbe es keine Ärzte in Deutschland.
Mal ehrlich: Welcher Arzt hat denn nicht während seiner Berufskarriere einen (tödlichen) Fehler gemacht, eine Sepsis, Herzinfarkt oder einen Tumor übersehen. Auf unsere Notaufnahme wurde einmal ein Patient tot vom Taxifahrer eingeliefert. Der Patient war mit dem Taxi eigentlich auf dem Rückweg von der Praxis nach Hause und erlitt dabei einen Kreislaufstillstand (Hinterwandinfarkt). In der Tasche hatte er die frisch ausgestellte Überweisung an den Orthopäden wegen seiner Schmerzen im Rücken und der linken Schulter. Diese und ähnliche Beispiele finden wir überall.

Natürlich hätte der PJler genau nachfragen und seine Kenntnisse genau einschätzen müssen. Aber hier geht es darum, eine Spritze über ein bestehenden Infusionssystem zu geben; eine Tätigkeit, die die meisten PJler bereits vom ersten Tag an auf den meisten Stationen machen müssen.
Eine Aussage einer Schwester “hier ist die Spritze mit dem oralen Antibiotikum” habe ich noch nie gehört. Ähnliche Aussagen nur in dem Fall, in dem die Schwester “durch die Blume” ausdrücklich auf den Fehler hinweisen wollte. Warum hat sie das orale Medikament nicht selbst verabreicht? Ich kenne keine Station, in der die Gabe oraler Medikamente ärztliche Aufgabe ist.

Warum hat der PJler nicht an der Besprechung teilgenommen? Doch deshalb, weil es in der Abteilungsroutine offenbar nicht gewünscht war. In meiner Klinik würde es sofort auffallen, wenn ein Student nicht an der Besprechung teilnimmt und dies hätte sicherlich sofortige Konsequenzen für den Stations- UND den Oberarzt.

#38 |
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Für alle hier im Forum, die sich den Alltag in einer deutschen Klinik oder Arztpraxis und die katastrophalen Arbeitsbedingungen nicht vorstellen können: es ist wie in einem Tretminenfeld, dass rappelvoller Minen liegt. Man hat keine Sekunde Zeit zur Besinnung zu kommen und vorsichtig durchzulaufen. Keiner läuft mit einem Suchgerät vorweg und entschärft diese Minen. Hinter ihnen brennt es und sie müssen rennen, damit Sie das Feuer nicht einholt. Nur wenn Sie nicht aufpassen treten Sie auf eine Mine. Sie haben das ganz sichere Gefühl, dass dieses nicht gut gehen kann und wissen trotzdem nicht, was Sie dagegen tun können. Wenn Sie nicht vorsichtig sind, treten Sie auf eine Mine und wenn Sie nicht schnell sind, holt Sie das Feuer ein. Wenn eine Mine dann hochgeht, wird dieses ihr Leben zerstören. Wenn andere davon erfahren und hören, dass die Mine hochging, werden Sie nicht gerettet, bekommen keine tröstenden Worte und ihre Wunden werden auch nicht geheilt, im Gegenteil: es wird noch von allen Seiten auf Sie geschossen, obwohl Sie schon auf dem Boden liegen. Man wundert sich, warum das jetzt so lange gut geht, wenn doch jeder Tag so gefährlich ist. Man geht jeden Tag mit Angst (und das soll das geschmacklose Bild des Beitrages oben darstellen, das wirkch die Gefühle Mancher verletzen könnte und dashalb nicht angemessen ist) zur Arbeit und betet abends, dass der liebe Gott einen vor Fehlern schützen soll und die Kraft geben soll, den nächsten Tag zu überstehen. Man fragt sich, was man verbrochen hat und wie man in eine Situation geraten konnte, in der es trotz maximalem Pflichtgefühl eher wahrscheinlich ist einmal einen schlimmen Fehler zu machen. Man wahr doch stets fleissig, hatte ein Superabitur, ist durch 3 Staatsexamen mit guten Noten gekommen und hat alle Hürden genommen. Man hat diesen Beruf gewählt, weil man den Menschen helfen wollte. So macht sich maximale Frustration breit. Man merkt Monat für Monat: es wird nur noch schlimmer. Meint jemand ich übertreibe ? Nein, ich verspreche allen, dass es genau so ist! Das gilt nicht nur für PJ ler! Das gilt für alle Ärzte, Schwestern und Pfleger, auch für die Altenpflege im Seniorenheim! Für krankenhäuser und Praxen. Es ist absolut nicht mehr auszuschliessen, dass man trotz maximaler Sorgfalt und hoher Verantwortung dem anvertrauten Leben gegenüber wegen fahrlässiger Tötung verklagt wird. Glaubt wirklich jemand, dass wir, wenn das so weiter geht, bessere Ärzte bekommen und ernsthaft auch nur einen Fehler vermeiden ? Ärzte sind Menschen und meistens keine dummen, sonst hätten sie nicht einmal einen Studienplatz und auch meistens verantwortungsvoll, sozial engagiert, sonst hätten Sie mit ihrem Superabitur was anderes gemacht. Wie kann man denn Unterstellen, dass solche Fehler durch Achtlosigkeit, Überheblichkeit und mangelndem Verantwortungsbewusstsein entstehen ? Das ist wirklich eine gemeine Vorverurteilung von Menschen, denen einfach die Einsicht in die Marterie fehlt. Natürlich sollte man zu seinen Fehlern stehen und Rückrad zeigen und vor Allem das aller Wichtigste: alles dafür tun, dass solche Fehler nie wieder passieren. Aber wie kann man denn wirklich von einem PJ ler verlangen unter solchen Umständen sämtliche Schuld auf sich zu nehmen, wenn ihm dann ein Urteil mit Fahrl. Tötung droht. Das ist doch nicht Jesus, der sich für die Schuld dieser Welt ans Kreuz nageln lässt! Solche Urteile machen eine vernünftige Fehlerkultur zu Nichte und werden dazu führen, dass Fehler nicht konstruktiv angegangen werden, sondern immer öfter vertuscht werden.

#37 |
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Kinderkrankenschwester

Ich als Kinderkrankenschwester frage mich, warum gibt eine Schwester einem PJler eine anscheinend nicht ausreichend beschriftete Spritze (sonst hätte er ja nicht gedacht es sei Gentamycin) mit einem oralen Medikament? Ich habe nie erlebt, das ein Arzt diese Aufgabe übernimmt. Auch nicht auf der Intensivstation. Die Verabreichung liegt im Aufgabenbereich der Schwestern.

Noch dazu sind orale Atibiotika meist zähe Säfte. Beim betrachten der Spritze hätte er doch sehen müssen, dass da irgendwas nicht richtig sein kann.
Wenn ich Fehler mache und ein Mensch kommt dabei sogar ums leben, dann muss ich mich den Konsequenzen stellen und zu meinen Fehlern stehen. Das ist selbstverständlich extrem unangenehm aber dies nur auf eine schlechte Ausbildung zu schieben finde ich nicht in Ordnung.
Meine Gedanken sind dabei vollstens bei den Eltern, die ihr Leben lang mit diesem Verlust leben müssen. Der damalige PJler hat hoffentlich aus diesem schwerwiegenden Fehler gelernt!

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Dr. med. vet. Regina Korth
Dr. med. vet. Regina Korth

Das Titelbild ist unnötig reißerisch und in Anbetracht der Ereignisse deplaziert.

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Frustierter Arzt
Frustierter Arzt

Mein Mitgefühl gilt in erster Linie der Familie des verstorbenen Kindes. Es gilt aber auch dem jetzt approbierten Arzt, der wohl sein ganzes Leben mit dieser Schuld leben muss. Ich finde es bei der Lektüre der großen Online-Medien und Foren zeitweise etwas traurig, dass unser Verlangen nach Vergeltung und Bestrafung bei einem derart traurigen Fall größer ist, als in den vielen Fällen, wo bloßer Hass und Gewalt von prügelnden Jugendlichen zum Tode von Mitmenschen führt.
Der hier im Mittelpunkt stehende PJ-Student hat zweifellos durch einen schlimmen Fehler den Tod eines in diesem Augenblick Schutzbefohlenen verursacht. Inwiefern die Verantwortung „juristisch“ zwischen ihm, der Krankenschwester, den Stationsärzten, dem Chefarzt und der Klinik aufzuteilen ist, können wohl nur Juristen in monatelangen Verhandlungen klären.
Moralisch möchte ich mir aber eigentlich kein Urteil anmaßen. Das liegt daran, dass ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schnell man in seiner Ausbildung in derartige Situationen kommt und mehr als einmal dankbar dafür war, dass nichts passiert ist. Jeder, der dieses Studium hinter sich gebracht hat, weiß, wie schlecht vor allem die praktische Ausbildung während der sechseinhalb Jahre Studium war.
An alle empörten Nichtmediziner: Studenten machen Fehler! Krankenpfleger/Krankenschwestern machen Fehler! Ärzte machen Fehler! Oberärzte machen Fehler! Chefärzte machen Fehler! ALLE machen Fehler. Häufiger, als uns allen lieb ist. Wer mal mit Grundvertrauen in der Notaufnahme einer großen Universitätsklinik gelandet ist, weiß, dass dort häufig Arzthelfer, Krankenpfleger oder eben Studenten die Erstbegutachtung und Triagierung vornehmen, bevor überhaupt ein Arzt Zeit für den Besuch hat. Wer sich die Gutachten durchliest, weiß, dass auch in den großen Hightech-Krankenhäusern der Maximalversorgung schwere Hirnblutungen als „Tumorangst“ schon mal abgetan und für 8 Stunden in den Wartesaal abgeschoben werden. Angesichts dessen, was man im Krankenhausalltag nicht schon alles beobachtet hat, empfinde ich die Diskussion über die fatale Fehlverabreichung des oralen Medikaments an das Neugeborene als wichtige Grundsatzdiskussion aber irgendwie auch an der Realität vorbei.
An die Verantwortungsträger der Kliniken, Landesprüfungsämter und Ärztekammern: Ihre Vorstellung von der praktischen Ausbildung der Humanmediziner in Deutschland geht meines Erachtens weit an der Realität vorbei! Studenten aller Ausbildungsabschnitte werden von den jeweiligen Bereichen dringend als Hilfskräfte benötigt und auch flächendeckend missbraucht. Ich habe lediglich ein großes Krankenhaus erlebt, in dem ich nicht grundsätzlich als Blutabnehmer, Dokumentationskraft und Hakenhalter benötigt wurde. Allen voran wieder die großen Universitätskliniken: hier ist die Lehrmotivation in Übereinstimmung mit den meisten Kommilitoninnen am geringsten gewesen. Wenn man den ganzen Tag nur von einer Blutabnahme zur nächsten rennt, um rechtzeitig im OP zum „Haken und Klappe halten“ zu stehen, nutzt man jede Gelegenheit zur praktischen Erfahrung und sagt grundsätzlich ungern „NEIN“. Am Ende der Ausbildung, nach knapp sechs Jahren trennen einen von der Zeit als Assistenzarzt nur noch wenige Monate der Prüfungsvorbereitung. Mehr Gelegenheit zum Sammeln praktischer Erfahrung gibt es nicht. Das führt dazu, dass viele Jungassistenzärzte dann ohne wirklich gute praktische Erfahrungen die Station schmeißen sollen. Und wehe, man fragt nach! Wie sollen die Studenten eigenverantwortlich wissen, was sie dürfen und was nicht, wenn es die „ausbildenden“ Ärzte schon nicht interessiert?
An den Chef der Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Bundesärztekammer: Sie raten den Studenten, die Delegation zu verweigern bzw. abzulehnen. In einem Dokument zu „Möglichkeiten und Grenzen der Delegation ärztlicher Leistungen“ nennen Sie u.a. „höchstpersönliche Leistungen des Arztes“. Ich behaupte, dass viele der von Ihnen genannten „höchstpersönlichen Leistungen des Arztes“ flächendeckend, v.a. auch in Universitätskliniken, von Studenten der klinischen Studienabschnitte erbracht werden. Bei der genannten „Delegation an ärztliche Mitarbeiter“ findet flächendeckend keine Qualifikationsprüfung geschweige denn eine Ausbildung für diese Tätigkeiten statt! Darüber hinaus habe ich schon Ärzte getroffen, die aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht in der Lage zur Kommunikation mit den Patienten waren. Eine Ausbildung war unter diesen Voraussetzungen natürlich auch nicht möglich.
Eigentlich ist es gar nicht so schwer, sich ein realistisches Bild von der Ausbildungssituation in deutschen Krankenhäusern zu machen. Dafür müssten all diejenigen, die momentan darüber diskutieren und entscheiden (Anwälte, Richter, Dekane, Ober- und Chefärzte, Sachbearbeiter in Landesprüfungsämtern, Ärzte in den Ärztekammern) aber mal hinter die Kulissen schauen und mit uns sprechen! Die von Ihnen gezeichnete Realität existiert so nicht, also müssen die Gesetze angepasst werden!

#34 |
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Marion Wiese
Marion Wiese

Herr Mager, Ihr Statement
“Des weiteren scheint das Baby nicht aufgrund der falschen Verabreichung sondern an einem anafylaktischen Schock verstorben zu sein. Ein Sachverhalt der möglicherweise von niemandem vorausgesehen werden konnte.”
macht mich fassungslos!
Man sieht et = dümmer geht immer!

#33 |
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Annemarie Lippert
Annemarie Lippert

@Carola Bo: Darüber, was in dem PJler (jetzt Arzt) vorgeht, können wir nur spekulieren und dürfen uns daher kein Urteil anmaßen. Möglich, daß er gelernt hat, daß man mit Schlamperei durchkommt. Möglich ist aber auch, daß er über die Konsequenzen seines Fehlers so erschrocken ist, daß er nun sorgfältiger arbeitet als mancher Kollege. Das “Lehrgeld” wäre dann zweifelsohne noch immer sehr hoch – die Erkenntnis sollte gewonnen werden können, ohne daß dies ein Leben kostet – aber in dem Falle würde ein Berufsverbot einen sehr sorgfältigen Arzt aus dem Verkehr ziehen, während andere vielleicht nur Glück hatten, daß bei ihren Fehlern die Konsequenzen gerade nicht so drastisch waren.

Konsequenzen sollten (unabhängig von der Juristerei) Folgende sein:
– Analyse der Prozesse, um Informationsverluste, Verwechslungen und Überforderung unerfahrener Mitarbeiter (PJ, Ärzte und Pflegepersonal in Einarbeitung) zu vermeiden
– Für jeden Einzelnen, sich regelmäßig bewußt zu machen, daß man mit Leben und Gesundheit arbeitet, welche Folgen Fehler haben können und daß man demzufolge IMMER prüfen muß, was man da tut, auch wenn es das hundertste Mal ist. Und die Grenzen der eigenen Fähigkeiten erkennen und gegebenenfalls Rat suchen – wobei dann natürlich jemand zum nachfragen verfügbar sein muß. Personal in Ausbildung oder ganz frisch eingestellte, die Gegebenheiten und spezifische Abläufe noch nicht kennen, allein auf weiter Flur geht einfach nicht!

#32 |
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Prof. Dr. med. Christian Albrecht May
Prof. Dr. med. Christian Albrecht May

Ich kann Dr Leschnik nur unterstützen:
Hier wird die negative Mühle von Angst und Schuldzuweisung gemahlen. Das ist zutiefst un-menschlich. ‘Nur’ weil das Kind gestorben ist, wird hier gerangelt. Andernfalls werden Fehler vertuscht und nicht ernst genommen. Die ‘Angst vor dem toten Patienten’ wird hier künstlich aufgebaut – in einer Zeit, in der Ärzte palliativ Sterbende betreuen. Aber das ist anscheinend noch nicht zu allen vorgedrungen.
Wenn wir daraus lernen, menschlich miteinander umzugehen – dann hat auch dieser Unfall seinen ‘tragischen’ Sinn gehabt. Ansonsten verliert er sich im Räderwerk von Missgunst und Polemik.

#31 |
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Marion Wiese
Marion Wiese

Na klar ist er schuld! Da beißt die Maus keinen Faden ab!
Das allgemeine Gejammer der Ärzte geht mir so was auf den Geist!
Schuld sind immer die anderen oder das System. Wehrt euch doch!
Also nicht nur demonstrieren für mehr Kohle, sondern auch für Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen. Aber da ist ja nix zu hören von der versammelten Ärzteschaft.
Eher muss man sich ja separieren von der übrigen Krankenhausbelegschaft, weil die Ärzte ja offensichtlich andere (ausschließlich monitäre) Interessen haben?
Der verurteilte PJler ist m. E. zu recht bestraft, denn er wusste gar nicht, was er überhaupt da macht, machte aber fleißig und pflichtbewusst unter Ausschaltung seines Gehirns mit! (Patientenakte nicht gelesen, an der Arztbesprechung nicht teilgenommen, etc.)
Und nun versucht er, sich mit anderen Schuldzuweisungen aus seiner persönlichen Verantwortung zu stehlen.
Das letzte, was dieses pervertierte System der Gesundheitswirtschaft braucht, sind dumme, Mediziner, die nicht zu ihrer Verantwortung stehen!

#30 |
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Ulrich Mager
Ulrich Mager

Diese Geschichte bereitet geradezu Übelkeit. Was ist hier eigentlich gelaufen? Wer hat zugelassen oder angeordnet dass ein Student einem 10 Monate alten Baby mit Leukämie alleine Medikamente verabreichen darf? Die Klinik und die für die Ausbildung verantwortlichen Ärzte müssten viel mehr in die Pflicht genommen werden. Studenten und Ärzte in der Ausbildung MACHEN Fehler! Deswegen ist es die Pflicht und die Verantwortung der Ausbildungsstätte Routinen und Arbeitsabläufe so zu gestallten, dass dieses Risiko minimiert wird. Dies war definitiv nicht der Fall hier. Des weiteren scheint das Baby nicht aufgrund der falschen Verabreichung sondern an einem anafylaktischen Schock verstorben zu sein. Ein Sachverhalt der möglicherweise von niemandem vorausgesehen werden konnte. Kann der Student also dafür verurteilt werden?

Internist, zZ berufstätig in Schweden

#29 |
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Mein tiefstes Mitgefühl für die Familie, die diesen großen Verlust erleiden musste!!!

Wenn ich diesen Fall lese, fühle ich mich leider in alte Zeiten meiner Ausbildung zurückversetzt!
Ich habe das Gefühl, dass durch diesen Prozess ein Systemfehler in der ärztlichen Ausbildung am untersten/falschen? Ende aufgerollt wird!
Der betroffene PJler hat vermutlich nochmal nachfragen müssen, was er dort in der Hand hält, aber da sich in den letzten 15 Jahren wahrscheinlich nichts Wesentliches in der klinischen Ausbildung von Ärzten geändert hat, hätte ich auf Anhieb viele mildernde Umstände für ihn parat!

Der tragische Tod dieses Kindes hätte dann einen Sinn, wenn die Ausbildungszustände der Ärzte in den Kliniken grundlegend überdacht würden.
Ich hätte mir während meiner gesamten klinischen Ausbildung einen für mich zuständigen erfahrenen Facharzt und Mentor gewünscht, der mich auf der jeweiligen Station oder Abteilung während der gesamten Ausbildungszeit bis zur Facharztprüfung begleitet und beraten hätte.
Mir war auch nicht klar, dass man Medizinstudenten die alleinige Verantwortung für Fehler auferlegen kann.
Ist das wirklich rechtens?

Wenn sich jetzt alle Medizinstudenten so alleingelassen fühlen, wie vermutlich der betroffene PJler, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn der Nachwuchs ausbleibt.

#28 |
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Brigitte May
Brigitte May

Brigitte May, Anästhesistin
was ist das für ein erbärmliches Krankenhaus dem kleinsten, unerfahrendsten, angehenden Arzt ,die Schuld zu geben.Wo ist die ihm ausgehändigte und von ihm unterzeichnete schriftliche Anweisung,dass er ohne ärztliche Aufsicht keine i.v. Spritze geben darf!!!! Das verantwortungslose Handeln der Krankenhausbeteiligten macht mich wütend!!! Ich würde ihm gerne als Erfahrene
meine Hilfe argumetativ bei der Revision anbieten.

#27 |
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Jeder, der dem PJler verständnislos gegenübersteht, hat selbst noch nie unter vergleichbaren Umständen arbeiten müssen, (oder sollte ich sagen: wurde nie selbst versklavt), und weiß nicht, wovon er redet. Es ist im Gegenteil eher verwunderlich, daß in diesem katastrophalen System, das auf der totalen Ausbeutung des Personals beruht, nicht viel mehr Fehler passieren. Aber eine Reform unserer Klinikstrukturen ist wohl leider von niemandem wirklich gewollt – es gibt zu viele Profiteure. Patienten und Personal zahlen dafür gleichermaßen einen hohen Preis.

P.S. Diesmal ist das Titelbild leider wirklich unpassend und ziemlich makaber.

#26 |
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Sorgfalt, bei dem was man tut, sollte das A und O im Leben sein, insbesondere wenn durch mangelde Sorgfalt Lebewesen zu Schaden kommen.
Das Problem des Ärzte Mangels führt dazu, dass PJler mit Aufgaben beauftragt werden, die ihre Kompetenzen und Erfahrungen übersteigen, abgesehen davon, dass der Ärzte Mangel dazu führt, dass ein erfahrener Arzt keine Zeit für den PJler hat, da er einen Berg von anderen Aufgaben zu erledigen hat, sonst funktioniert der normale Klinikbetrieb nicht (Uni-Kliniken ausgenommen, denn da steht der Lehrauftrag im Vordergrung).

#25 |
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Angela Weiss
Angela Weiss

Als Reaktion des jungen Mannes wünschte ich mir mehr Bescheidenheit, sprich ein grösseres Bewusstsein für eigene Grenzen. Ehrfurcht vor dem Leben sollte Mediziner demütig machen. Eine solche Grundhaltung reflektiert sich wohltuend im Umgang mit Patienten und Kollegen. Es erleichtert auch das Eingeständnis von Unzulänglichkeiten und Fehlern. Allerdings sollte das Rechtssystem so eine Haltung dann auch positiv bewerten. Sprich: Nicht nur die Konsequenz eines Fehlers sollte ausschlaggebend für die Urteilsfindung sein, sondern die Reaktion des Angeklagten. Sie ist hat einen Vorbildcharakter und lässt auch Rückschlüsse darüber zu, wie der Betroffene künftig bei Kunstfehlern reagieren wird. Nur in einem Klima der Offenheit lernen alle, die mit derartigen Verantwortlichkeiten befasst sind.

#24 |
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Hp. Thomas P. Peplowski
Hp. Thomas P. Peplowski

Unabhängig vom vorliegenden Fall sind Titel und Titelbild an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Leider kein Einzelfall in dieser “Newsletter” die im saloppen “youth style” auf “Blöd” Zeitungsniveau titelt.

#23 |
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Carola Bo
Carola Bo

“Traurige Premiere in Deutschland”… wie geschmacklos dieser Titel! Bezieht er sich doch auf die Verurteilung eines Mediziners, der für den Tod eines Kindes verantwortlich ist. Nicht der Tod des Babies wird als tragisch angesehen, sondern dass der Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen wurde. Unfassbar!
Jetzt ist er dank der 2. Instanz sogar schon wieder im Einsatz und wird erneut auf ahnungslose Patienten losgelassen!
Sich mit Organisationsmängeln des Krankenhauses herauszureden, finde ich ebenfalls unglaublich. Wenn ich nicht weiß, was ich da grade in die Hand gedrückt bekomme, kann ich es doch nicht, auf welchem Weg auch immer, verabreichen! Das Verständnis der kommentierenden Berufsgenossen ergibt ein grauenvolles Bild.
Warum hat er sich nicht rückversichert, was er da bekommt und was damit zu tun ist? Aus Überheblichkeit, aus Scheu, Unsicherheit zu zeigen? Beides passt nicht mit der Verantwortung für Menschenleben zusammen!
Die Verurteilung zu 90 Tagessätzen in zweiter Instanz und die damit einhergehende Berechtigung zu praktizieren, zeigt auch, dass der Richter das berufliche Leben dieses Menschen höher bewertet als das Leben der Patienten.
Würde dieser PJler selbst Verantwortung für sein Handeln übernehmen, sollte er den Beruf wechseln. Dass er es nicht tut zeigt, dass er die Schuld an dem Vorfall anderen gibt (“Organisation im Krankenhaus”, der Krankenschwester…) und weitere “Vorkommnisse” dieser Art (dann aber höchstwahrscheinlich unentdeckt) sind damit vorprogrammiert.

#22 |
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norbert thyen
norbert thyen

Es ist für mich nur schwer nachvollziehbar, das einige Kommentatoren den PJ`ler so voreilig freisprechen möchten. Juristisch hat er eindeutig die Übernahmeverantwortung zu tragen. Ich kann und darf nur solche Aufgaben übernehmen, zu denen ich auch befähigt bin.
Wie oft predige ich den Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege einen sorgfältigen Umgang mit Arzneimitteln unter Verwendung der 5 R-Regel.
Die 5-R-Regel sollte beim Richten, Verteilen und beim Verabreichen angewendet werden.

1.Richtiger Patient
2.Richtiges Arzneimittel
3.Richtige Dosierung (oder Konzentration)
4.Richtige Applikation (auch Applikationsart)
5.Richtige Zeit (richtiger Zeitpunkt)
Dazu gehört auch eine eindeutige Kennzeichnung von (zubereiteten) Medikamenten.
Eine Mitverantwortung der Klinik und der anderen Beteiligten ist bestimmt gegeben. Jedoch muss jeder für seinen Arbeitsbereich die (juristische) Verantwortung übernehmen. Es geht schließlich um eine höchst mögliche Sicherheit für uns anvertrautes Leben!!!

#21 |
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Medizinjournalist

Ein Lob für den sehr guten Artikel, der die Situation differenziert darstellt. Unpassend finde allerdings auch ich Titel und Titelbild – wie mögen sich (die) betroffene(n) Eltern fühlen?

#20 |
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Gast
Gast

Unglaublich, dass tatsächlich der PJ’ler veruteilt wurde.
Ich kann nach meinem PJ sagen, dass es manchmal unglaublich ist, was dort vorgeht. Ich alleine war tagelang alleine in der Notaufnahme und das ohne davon vorher in Kenntnis gesetzt zu werden. Sonst hätte ich das auch nicht mit mir machen lassen.
Das eine Schwester in den Raum kommt und sagt: ” Hier ist das zu verabreichende orale Antibiotikum” ist sehr zu bezweifeln. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man so eine ausführliche Beschreibung niemals im Krankenhaus hören wird. Irgendwer ist hier nicht ehrlich.

#19 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

Die Richtliennien müssen vereinbarhrt werden und die Zusammenarbeit mit den diversen angestellten im Krankenhaus muss verbessert werden, Die Richtlinien sind ausreichend werden aber nicht befolgt, ein aip ist für sich ein Praktikant, für die Klinik ein Arzt. Krankenschwestern müssen einen neuen Status und eine neue Arbeitsqualität erfahren, da diese in erster Linie den AIP mehr qualifizieren als seine zukünftigen Kollegen und Kolleginnen. Weshalb war die Kommunikation zwischen Krankenschwester und Aip mangelhaft? Weshalb können sich beide nicht in Augenhöhe treffen? Viele Probleme könnten sich dabei im Vorfeld vermeiden lassen.
Was passiert ist ist schlimm aber ich sehe das als Problem der Klinik, denn So und nicht anderst ist es in Kliniken, das AIP ohne Aufsicht die Arbeit ihrer Kollegen machen dürfen müssen

#18 |
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Ob der PJler juristisch belangbar ist oder nicht, kann ich und möchte ich mir nicht anmaßen, festzustellen. In meinen Augen hat er jedoch eklatant gegen ein ärztliches Grunprinzip verstoßen, dass auch einem PJler bewußt und klar sein sollte, nämlich mit dem was er tut keinen Schaden anzurichten. Dazu gehört, dass man egal, was man als Arzt tut, immer erst darüber nachdenkt, was man tut, warum man es tut und welche gewünschten und eventuell unerwünschten Konsequenzen dies hat. Wer dazu nicht in der Lage ist disqualifiziert sich als Arzt und diskreditiert den Beruf. Es geht nicht darum in erster Linie medicolegal korrekt zu handeln, sondern ethisch vertretbar und in diesem Sinne in zweiter Linie auch medicolegal korrekt, was dann der Berurteilung von Juristen zu überlassen ist. Das eklatante Problem des jungen Mannes war, dass er offensichtlich die Gesamtsituation nicht einschätzen konnte, da er nicht dazu in der Lage war seine eigenen Grenzen und Kompetenzen zu respektieren. Hätte er dies getan, hätte er sicherlich das Medikament nicht appliziert und wäre es an dieser Stelle nicht zu den dramatischen Konsequenzen gekommen.
Ich finde es weiterhin enttäuschend, dass der junge Kollege offensichtlich auch bis zum heutigen Tag nicht in der Lage für sein Verhalten und die fehlerhaften Teilaspekte Verantwortung zu übernehmen. Er ist nicht nur volljährig und erwachsen sondern war auch zu dem Zeitpunkt des Herganges angehender Arzt. Wenn mangelndes Grenzbewußtsein, mangelnder Respekt vor Kollegen d.h. auch Krankenschwestern, -pflegern, Hebammen und dem weiteren paramedizinischen Personal und ein Mangel an Verantwortungsbewußtsein so auftreten, kommt es zu katastrophalen Folgen wie sie sich wohl im Bielefeld zugetragen haben.
Titel und Titelbild sind dem Inhalt wenig angemessen und höchst irritierend!

#17 |
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Dr. med. Ralf Husain
Dr. med. Ralf Husain

Bitte Titel und Bild baldmöglichst ändern!

#16 |
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Liebe Frau Wiegand!
Wir sollten nicht immer nur nach der Schuld suchen, sondern nach dem “Warum” und nach dem “Wie kann man das besser machen”. Antworten, wie “besser aufpassen” oder “mal den Kopf einschalten” sind da sicherlich oberflächlich. Man hat den Eindruck, manche Menschen glauben, im Krankenhaus arbeiten nur gewissenlose, dumme Schwachköpfe. Aber alleine, um einen Studienplatz zu bekommen, muss ein Student schon ein Abi von 1,2 haben. Solche Leute könnten in der freien Wirtschaft viel schneller viel mehr Geld verdienen, daran kann es auch nicht liegen. Natürlich macht den Job auch kein Pfleger und keine Schwester wegen des Geldes. Die meistens haben schon eine soziale Ader und sich vorgenommen, der Gesellschaft was Gutes tun zu wollen. Die Zustände in den Krankenhäusern sind wirklich oft katastrophal, aber das Personal ist hier nicht der Täter, sondern das Opfer. Der hier geschilderte Unfall hat auch den armen jungen Kollegen zum Opfer gemacht. Jeder sollte erkennen, dass man es bei Krankenhauspersonal meistens mit intelligenten und sehr motivierten Menschen zu tun hat und nach den Ursachen der Probleme suchen. Die Ursache ist das Zeitproblem! Wenn überall trotz unzähliger unbezahlter Überstunden die Zeit für das Notwendigste schon fehlt, dann fehlt sie als erstes in der Zeit fürs Anlernen und geduldige Erklären. Wir kommen niemals weiter, wenn wir dieses Problem mit Gemecker, Angst vor Bestrafung und alleinigem Ausbauen von Patientenrechten versuchen zu lösen. Ärzte, Pfleger und Patienten müssen zusammenhalten und respektvoll miteinander umgehen. Fehler müssen analysiert werden und die Ursachen beseitigt werden.

#15 |
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Petra Wiegand
Petra Wiegand

Das ist doch nichts Neues. Wenn man als Patient ins Krankenhaus geht, muss man schon aufpassen. Mal eben die falschen Tabletten hingestellt (habe nur an der Farbe erkannt, dass es nicht meine sind). Meinem gerade geborenen Sohn eine viel zu hohe Dosis Antibiotika verabreicht (die Schwester hat nicht geschaut, ob es das richtige Kind ist, war für ein älteres Kind). Darauf angesprochen, meinte sie nur – ach das macht doch nichts. Na danke. Es wird nicht erkannt, wenn eine Infusion para läuft.

#14 |
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Also lieber Herr Karmann, es handelt sich hier um einen Student, aber über seine Kenntnisse, erfahren wir in dem Artikel nichts. die Klinik hat ne Menge Personal:
Also in dieser Kinderabteilung gibt es folgende 7 Stationen unter Regie von 13 Oberärzten und 45 Stationsärzten:
Station K1 – Intensivstation für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen
Station K2 – Neonatologische Intensivstation (Früh- und Neugeborene)
Station K3 – Neonatologische Station (Früh- und Neugeborene)
Station K5a – Infektionsstation für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen
Station K5b – Neuropädiatrische / Gastroenterologische Station
Station K6 – Neuropädiatrische Station mit Schwerpunkt psychosomatische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter
Station K8 – Schulkinderstation mit Schwerpunkt onkologische Erkrankungen und Diabetes
(http://evkb.de/de/ueber-das-evkb/behandlung-diagnostik/frauen-maenner-und-kinder/kinder-und-jugendmedizin/ueber-uns/team.html)
Der Artikel verrät außerdem nicht, ob das auf der Intensiv- und der Normalstation war. Ich stelle mir auf jeden Fall vor, dass an jenem Tag Hektik geherrscht hat. Normalerweise kann man bei einem Säugling nicht ohne Hilfe Blut abnehmen, es sei denn aus einer Flexüle. Ich finde die Vorstellung leicht gewöhnungsbedürftig dass ein unerfahrener PJler das machen darf. Ich habe mein Wahltertial ebenfalls in einer Kinderklinik gemacht. Die hatte aber nur 2 Stationen. Unsere Stationsärzte haben uns alles gezeigt, bevor wir es allein gemacht haben. Natürlich muss man auch ehrlich zu den Schwestern sein und um Hilfe bitten, wenn man am Anfang unsicher ist. Normalerweise stösst man dann auf Verständnis und die Schwestern nehmen mehr Rücksicht. In manchen Stationen gibt es ja auch ein gereiztes Verhältnis zwischen Ärzten und Pflegeteam. Der PJler bekommt das dann auch ab.

#13 |
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Unverständlich dass eine Krankenschwester einem PJler der gerade einmal 1 Woche auf Station ist, eine Spritze in die Hand drückt. Und unverantwortlich! Allerdings kann man den Studenten nicht exculpieren, denn nach seiner Injektion ist ein Mensch gestorben. Tragischer Unfall hin oder her, in diesem Fall ist eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung angemessen. Das sollte aber nicht das Ende der Tätigkeit als Arzt sein, das wäre auch wieder ungerecht. Die Schwester ist nicht schuldig im Sinne des Gesetzes, aber sie hat meiner Meinung nach eine gewisse Mitverantwortung, weil sie den Student unter Handlungsdruck gesetzt hat. Es entsteht zumindest der Eindruck, dass der Student nicht wusste, dass bei den Säuglingen dieser Abteilung Medikamente auch oral gegeben werden.
Natürlich tun einem die Beteiligten leid, der Student, die Schwester, die Stationsärzte und zuallererst natürlich die Eltern und die ganze Familie.

#12 |
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Die Richter haben einen erwachsenen Menschen verurteilt, Ärzte in Ausbildung sind nicht minderjährig. Auch in anderen Berufen ist man diesbezüglich voll verantwortlich für seine Handlungsweise. Strafmildernd können nur berufsbegleitende Umstände sein, aber nicht der Ausbildungszeitpunkt.

#11 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Wir sind einfach in vielem viel zu oberflächlich, keine Zeit, wenig Interesse, schnell schnell schnell….ich wundere mich , daß überhaupt “so wenig passiert” …zumindest was an die die Öffentlichkeit kommt… ich möchte nicht wissen, was da alles vertuscht wird…..wer ist eigentlich genau zuständig für die “Einarbeitung” der Assistenzärzte…usw usw.. Alle Kliniken und Krankenhäuser sollten dieses Urteil als ein Alarmsignal sehen, aber wie so oft, ist das nach ein paar Wochen wieder vergessen….ich bin seit ca 37 Jahren im Beruf und ich könnte da einiges hinzufügen…

#10 |
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Mir tut der junge Kollege einfach leid! Natürlich auch das kleine Baby. Aber das war doch ein typischer Unfall. Hier kann man doch nicht von Schuldfragen sprechen. Wir wollen doch eine neue Fehlerkultur entwickeln und offen mit Fehlern umgehen um aus ihnen zu lernen. Das macht doch alles nur Angst, insoweit stimmt auch das Bild oben. Es wird dazu führen, dass Fehler wieder mehr vertuscht werden und keiner mehr konstruktiv mit ihnen umgeht. Die Chance aus Fehlern lernen zu können, die wirklich jedem passieren können wird verworfen. Ein Richter sollte sich mal fragen, ob er nicht auch trotz aller Sorgfalt und bester Vorsätze solch einen Fehler selber machen könnte? Ich Sage ganz ehrlich: wenn mir jemand eine Spritze in die Hand drückt während ich gerade Blut abnehme als PJ ler bei einem Säugling, könnte ich auch nicht dafür garantieren, dass ich das nicht falsch verstehe! Im Nachhinein zu sagen, dass muss alles aktiv hinterfragt werden, ist natürlich richtig, aber Ist das denn wirklich auch immer möglich ? Und auch die Schwester trägt keine Schuld, egal was sie gesagt hat, da auch Sie in dem Moment einfach nicht auf Idee kam, dass das jetzt I.V. Gegeben werden könnte. Es war ein tragischer Unfall, der mir ganz schlim leid tut, wenn ich das lese- aber es trägt niemand Schuld! Die Konsequenz darf nicht eine Strafe sein, die Angst verbreitet, sondern muss die Absicht sein aus dem Fehler zu lernen und alles menschenmögliche dazu beizutragen in Zukunft solche Fehler zu vermeiden. Schuld tragen hier nur diejenigen, die das Aufkeimen einer neuen Fehlerkultur durch Verbreitung von Angst zerstören,was zu weiteren Fehlern führen wird. Wenn man jungen Medizinern, die auch ehrgeizig waren, ein einser-Abitur hatten um einen Studienplatz zu bekommen so immer mehr Angst macht und die Zukungt zerstört, wird es bald keine mehr in Deutschland geben. Wenn Angst verbreitet wird durch solche Urteile, werden noch mehr Fehler gemacht. Diese Fehler wären dann wirklich vermeidbar. Wer solche Angst verbreitet, indem er vordergründig die Patientenrechte stärkt, indem er immer mehr Ärzte bestraft, ist wirklich Schuld, wenn Menschen durch vermeidbare Fehler Schaden nehmen.

#9 |
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Sven Barth
Sven Barth

Ein sehr geschmackloses Begleitbild (eine Halloween-Totenmaske) und ein sehr, sehr trauriger einleitender Satz: “Traurige Premiere in Deutschland: Erstmals haben Richter einen Arzt wegen Fehlern im Praktischen Jahr nach dem Strafrecht verurteilt, und zwar wegen fahrlässiger Tötung.”
Ich hoffe bloß, daß die Eltern des Kindes diesen Satz nicht lesen müssen. Traurig ist nämlich besonders, daß ein Kind tot ist und die Eltern mit diesem Schicksal nun leben müssen. Für den jungen Arzt geht das Leben und sogar das Berufsleben nach Zahlung seiner 90 Tagessätze weiter.
Ein PJler sollte das tun, was er kann. Dabei muß er sich und am besten auch seinen für Ihn zuständigen Arzt aber auch ehrlich fragen, was er kann. Und vor allem sollte ihm bewußt sein, was er tut. Und was er in den Händen hält – zum einen eine p.o.- oder eine i.v.-Substanz und zum anderen die Verantwortung für ein Menschenleben.

#8 |
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Silke Reich
Silke Reich

Ich arbeite schon seit fast 21 jahren als Hebamme im Kreißsaal und habe schon sehr viele PJ’s und junge Assistenzärzte/innen erlebt und kenne auch die teilweise mangelhafte Betreuung der Ausbildung in der Praxis durch fehlendes Personal oder auch Unlust der Oberärzte. Was man aber auch anmerken muss ist die leider immer mehr zunehmende “Beratungsresistenz” der jungen Mediziner in den letzen Jahren.Wie oft wollen sich die dynamischen Jungmediziner nichts sagen lassen….es was früher immer so das sie die physiologische Geburtshilfe und das erkennen von Pathologie von uns Hebammen gelernt haben.
Wenn sie dann doch mit sozialer Kompetenz ausgestattet sind merken sie nach einer Weile das sie von uns doch ne Menge lernen können weil wir doch alle nur ein Ziel haben: Glückliche Eltern und gesunde Kinder ;-)

#7 |
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Heilpraktiker

Hier liegen eklatante Fehler in der Organisation vor. Im Zeitalter der Standardisierung und Zertifizierung, ISO 9… läßt grüßen, wir befinden uns schließlich im 21. Jh. udn da ist es absolut unverständlich, wenn Injektionskanülen auf Spritzen zur oralen Anwendung passen. Die entsprechenden Systeme gibt es und es liegt in der Verantwortung des Krankenhauses, diese einzusetzen, um solche Fehler von vornherein auszuschließen. Der PJler, der nur unter Aufsicht ärztliche Verrichtungen ausführen darf, ist meiner Meinung nach allenfalls eines akustischen Mißverständnissen schuldig, wobei unter Eid zu klären wäre, ob die Schwester die Aussage nur gemacht hat, um den Stationsverantwortlichen zu schützen.
So schlimm es für die Eltern des Kindes ist, der PJler ist weitgehend von der Schuld freizusprechen. In der Verantwortung liegt die Klinik, die es versäumt hat, vielleicht aus Kostengründen, vorhandene sichere Systeme einzusetzen.

#6 |
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Dr. med. Gerlinde Klöckner
Dr. med. Gerlinde Klöckner

Das Bild zur Story (wie auch den Titel) finde ich bei aller Tragik des Geschehenen wie auch der Tragweite des System-Fehlers unangemessen!

#5 |
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Wenn solche Fehler passieren (und dazu zähle ich auch Dosierungsfehler bspw. durch Fehlanordnung mit folgender unkritischer Übertragung in die Kladde), dann deutet sich darin immer auch mangelnde Redundanz an. Und hiermit wären Gesellschaft und Politik mit im Boot! Die vermeintlichen Rationalisierungen auf der Basis ökonomischen Denkens in den letzten Jahren im Gesundheitswesen führen u.a. zu einer Nivellierung von Redundanzen.
Wie oft kam als junger Assistenzarzt die erfahrene Stationsschwester zu mir und fragte, ob dies denn so richtig wäre. (und so wurden Fehler berichtigt, bevor es zu Auswirkungen kam). Hinzu kommt die in etlichen Häusern mangelhafte Führung der noch nicht approbierten Kollegen.
All das entlastet den jungen Kollegen nicht moralisch, er muss mit dieser Schuld in irgendeiner Form leben, aber er ist keinesfalls allein schuld! Die Sache geht noch über ein Organisationsverschulden des Kkhs.s hinweg.

#4 |
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Santi Bunjamin
Santi Bunjamin

P.S. Ich habe übrigens in ein und demselben Krankenhaus große Unterschiede in der Ausbildungsqualität bemerkt, je nachdem, wie engagiert die entsprechenden Oberärzte waren. Je nach lokalem Team kann es von “sehr guter Betreuung mit super Feedback” zu “alleingelassen auf weiter Flur” wechseln. Ich hatte bisher sehr viel Glück (habe auch gerade einen Glücksgriff im Tertial erwischt), und ziehe aus den negativen Erfahrungen zumindest den Schluß, in welchen Abteilungen ich später auf gar keinen Fall arbeiten möchte. Im Übrigen – wenn man seine Pjler (und Assistenzärzte!! Auch dort gibt es Alleingelassene) gut einarbeitet, können sie auch mehr und der einarbeitende Arzt weiß genau, was er Ihnen alles überlassen kann. In manchen Bereichen kann man zwar durchaus auch durch Fehler lernen (“trial and error”), aber bitte nicht in Bereichen, wo Patienten darunter leiden. Das ist einfach unanständig!

#3 |
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Santi Bunjamin
Santi Bunjamin

Ich kenne auch Kommilitonen, die sich dazu hinreißen lassen, Aufgaben zu übernehmen, die sie entweder noch nicht beherrschen oder sich eigentlich nicht zutrauen… (sollten), entweder aus Mangel an Rückgrat (da man es sich ja nicht mit seinen potentiellen Chefs/Prüfern verderben will) oder aus Selbstüberschätzung bzw. Falscheinschätzung etwaiger Konsequenzen (bzw. Ignoranz/nicht darüber nachdenken!). Darauf angesprochen, hörte ich oft “ach Quatsch, ich mach das jetzt einfach… wird schon irgendwie klappen”. Das passiert natürlich seltener, wenn man gut betreut wird und Fragen auch ernstgenommen werden, bzw. wenn man nicht das Gefühl vermittelt bekommt, jede Frage wäre eine unwillkommene Last. Da oft junge, überforderte Assistenzärzte die PJ-Betreuung übernehmen, ist die Streßhierarchie klar…
“Denn junge Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung fragen sich, was sie in Zukunft tun dürfen und was nicht” Dem kann ich nicht zustimmen. Ich übernehme das, was ich mir zutraue, und lehne anderes ab bzw. lasse es mir vorher zeigen, bis ich es mir zutraue oder weiß worum es geht. Beliebt macht man sich nicht immer damit, aber so entsteht auch kein Übernahmevergehen oder Fehler aus Fahrlässigkeit. Außerdem ist es nachzulesen, welche Aufgaben nicht deligierbar sind, z.b. Blutkonserven kreuzen/anhängen, Aufklärung von Patienten ohne Anwesenheit/Nachaufklärung des Arztes. Wer solche Tätigkeiten übernimmt ist selbst schuld. Aber selbstverständlich sollten Ärzte solche nicht übertragbaren Aufgaben in erster Linie auch nicht deligieren! In Berlin gibt es ebenfalls z.T. keinen Ansprechpartner, keinen PJ-Vertreter, keine organisierte Struktur – je nach Station ist man besser oder schlechter dran. In der Studien-/PJ-Ordnung existieren diese strukturellen Bausteine selbstverständlich, doch die Realität sieht anders aus!
Bei meinem Mann, der vor 15 Jahren im Rheinland das PJ absolvierte, waren die Probleme und Mängel der Ausbildung übrigens weitestgehend identisch…

#2 |
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Gast
Gast

Ähnliche Situation in Österreich. Hier gab es ja kürzlich erst einen ähnlichen gerichtsanhängigen Fall. Die Grundproblematik erscheint mir zumindest was die Situation in Österreich angeht, die, dass Jungärzte und auch Medizinstudenten weder klar gesagt bekommen, was sie tun dürfen und auch dass häufig geisse Tätigkeiten auf selbige abgeschoben werden, obwohl genau klar ist, dass diese nicht in ihren Verantwortungberich fallen. Werden diese dann verweigert, führt dies zu weiteren Problemen, dann wird oft Druck auf die Kollegen ausgeübt. Ich glaub in DE ist die Situation ähnlich. Leider wird viel zu wenig hinter den Jungärzten gestanden, die einzige Aussage, die man hier von älteren Kollegen erhält ist, man habe da selbst auch durch müssen….Zeiten ändern sich aber.

#1 |
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