Jens Spahn: Mutig oder übermütig?

1. Februar 2019

Jens Spahn will Ärzte-Verbände und Krankenkassen bei der Gematik-Gesellschaft entmachten. Warum? Um die Digitaliserung des Gesundheitssystems zu beschleunigen. Was halten Sie von seinen Plänen?

Jens Spahn (CDU) will mit einer Gesetzesänderung die Kontrolle über die Gematik-Gesellschaft übernehmen. Sie ist für den Ausbau des digitalen Gesundheitsnetzwerkes zuständig und hat seit ihrer Gründung 2005 über 600 Millionen Euro gekostet. Doch die Digitalisierung des Gesundheitssystems läuft bislang nur schleppend voran: Noch immer sind nicht alle Arztpraxen an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen. Und die elektronische Gesundheitskarte biete „keinen konkreten Mehrwert für Leistungserbringer und Versicherte […]“, kritisiert der Bundesrechnungshof, wie Medien berichten. Es komme wegen gegensätzlicher Interessen der Gesellschafter immer wieder zu Verzögerungen.

So will Spahn das Problem lösen: Zukünftig soll der Bund, vertreten durch das Gesundheitsministerium, 51 Prozent der Anteile der Gesellschaft übernehmen. Damit kann das Ministerium die Richtung der Gematik vorgeben, denn für Beschlüsse soll die einfache Mehrheit ausreichen. Bislang liegen 50 Prozent des Stimmrechts beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Die andere Hälfte verteilt sich auf Verbände von Ärzten, Zahnärzten und Apotheken.

Das Vorhaben stößt beim Spitzenverband der GKV und Ärzteverbänden auf massive Kritik. Es handele es sich beim Vorgehen Spahns um eine Machtergreifung, zitiert das Handelsblatt Uwe Klemens, Verwaltungsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands. Der Gesundheitsminister habe offenbar einen Hang dazu, ohne Rücksicht auf die Zuständigkeiten der gewählten Selbstverwaltung, „durchzuregieren“. Die SPD begrüßt dagegen den Vorstoß. „Es wird nicht anders gehen“, kommentierte Fraktionsvize Karl Lauterbach.

Wie stehen Sie zu den Plänen des Bundesgesundheitsministers? Befürworten Sie die Maßnahmen, mit denen Jens Spahn die Digitalisierung vorantreiben will?

Wir sind gespannt auf Ihre Meinungen. Schreiben Sie uns eine E-Mail an feedback_news@doccheck.com

9 Wertungen (4.33 ø)
Allgemein

7 Kommentare:

Dr. med. Dagmar Fischer
Dr. med. Dagmar Fischer

Gern möchte ich (Kinder-)Arzt bleiben und mich nicht in der Praxis zusätzlich mit dieser sehr oft nicht funktionierenden Telematik beschäftigen müssen. Schon mit dem Datenschutzgesetz haben die Eltern ein Problem. Technik gern zur Arbeitserleichterung und für mehr Zeit für unsere Patienten, aber jetzt ist alles nur zur Kontrolle durch Herrn Spahn, der wohl nicht weiß, wie es in den Praxen so langläuft. Dann sollen uns die Kassen unseren kompletten finanziellen Aufwand und vor allem die (kostbare) Zeit bezahlen, die wir dafür zusätzlich aufbringen müssen, und nicht noch schon vorher! das Honorar kürzen, das ist ja Erpressung!!! (Wie damals mit der Praxisgebühr – welch ein Glück – abgeschafft:-))

#7 |
  0
Dr. med. Alma Gaidosch
Dr. med. Alma Gaidosch

Machtübernahme ist genau das richtige Wort, und mehr will er vermutlich auch gar nicht. Um die Sache, um Inhalte scheint es ihm nicht zu gehen.

#6 |
  0
Psychotherapeut/in

Spahn produziert auf allen Ebenen nur unsinnige Arbeit, gegen die wir und immer wieder wehren müssen… (siehe auch Termin-Service-Gesetz…). Langsam (oder schnell) wird er als “Gesundheitsminister” (oder Krankheitsminister) untragbar!! Habe besseres zu tun, als mich immer wieder gegen unsinnige Sachen wehren zu müssen. Er hat nichts begriffen…

#5 |
  0
Arzt | Ärztin

Überall die Klappe auf, aber nichts dahinter. Wenn ein Regierungsapparat das Ganze übernimmt, werden Millliarden verheizt und nichts mehr geschieht. Siehe Großflughafen Berlin. Hätten sie mal jemanden gefragt, der von so etwas eine Ahnung hat.

#4 |
  0
Arzt | Ärztin

Jens Spahn hat keine Ahnung von der Komplexität der Digitalisierung des Gesundheitswesens! Wie Trump will erauch gar nichts davon wissen! Der Mann kommt aus der Sparkasse! ….. Er will lediglich per ordre de mufti als Digitalisierer darstehen u. eigentlich nach oben weggelobt werden ( Wirtschaftsminister, Finanzminister und dann Kanzlerkandidat…!) Nach ihm die Sindflut …! Einziges Mittel: Praxen ALLE für 3-4 Wochen zumachen, Merkel schäumt ob der schlechten Performance und degradiert ihm zum 3. Staatssekretär in 2. Reihe, möglichst ohne jeden Einfluss…… Hurra! Anders geht’s nicht…….
Mit freundlichen kollegialen Grüßen, PS

#3 |
  2
Heilpraktiker/in

Dann bleibt zu hoffen, dass recht viele Patienten aus purem Selbstschutz dieser digitalen Datenweitergabe an Dritte gemäß DSGVO widersprechen werden, wenn schon der Arzt selbst dies nicht kann.

Ich nehme an, dass Herr Spahn selbst nicht viel Ahnung von IT, Internet und gepflegtem Datenklau hat. Unsere Gesundheits- und Krankheitsdaten werden im Netz ganz erhebliche Begehrlichkeiten auf den Plan rufen – mehr als alle anderen Datenarten. Dass die Telematik und das bereits jetzt durch und durch gehackte allgemeine Internet voneinander strikt getrennt arbeiten sollen, wird Hacker und Cracker, die im Auftrag großer Investoren handeln werden, nur ein müdes Lächeln kosten.

In dieser Welt gibt es nichts wirklich Sicheres (den Tod mal ausgenommen). Wenn dann in Bälde die ersten hundert Millionen Gesundheitsdatensätze im Darknet für vergleichsweise günstiges Geld verscherbelt werden, ist das Geschrei sicher groß. Natürlich werden dann nicht die wirklich Verantwortlichen (die die Telematik mit aller Macht und Rücksichtslosigkeit vorangetrieben haben) zur Rechenschaft gezogen, sondern – wie immer – diejenigen, die sich gegen die Schuldzuweisungen nicht wehren können – vielleicht ein paar unglückliche Admins, die sich anschließend in der Gosse wiederfinden.

Da Gesundheitsdaten – anders als Passwörter – leider nicht zu ändern sind, bleibt in diesem Fall dann nur noch ein umfassendes “Patientenschutzprogramm”, das ähnlich funktioniert, wie das “Zeugenschutzprogramm” der Kriminalbehörden, und allen Betroffenen eine komplett neue Identität gibt – angefangen mit der Geburtsurkunde, in der bereits Vor- und Nachname sowie Geburtsdatum komplett geändert werden müssen. Natürlich muss auch ein komplett neuer Lebenslauf erfunden werden. Sowohl die Ursprungs- als auch die eigene Familie müssen nachhaltig gefakt werden. Am besten, man vollzieht dies auch gleich in der Realität nach und wechselt sämtliche Angehörigen/Verwandten.

Ich frage mich, wer die Kosten für dieses nicht ganz triviale Schutzprogramm tragen wird, wenn es sich nicht nur um 10 gehackte Patienten handeln wird, sondern um 10.000 oder gar 10.000.000?

#2 |
  1
Arzt | Ärztin

Die ganze IT Hype ist für Spahn nur ein Sprungbrett für höhere Weihen, Alles Unfug!

#1 |
  1


Copyright © 2019 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: