Die 10 OP-Gebote

24. September 2009
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Im Mikrokosmos Krankenhaus ist er der Raum, der vielen Ritualen und Ver- aber auch der Gebote: der Operationsbereich. Gerade als Anfänger gibt es viel zu beachten. Hier die (nicht immer ganz ernst gemeinten) 10 Gebote des OPs.

1. PJler stehen immer im Weg

Famulanten und PJler stehen im OP-Saal generell im Weg. Auch wenn sie klein und unscheinbar in der Ecke stehen, führt der Weg garantiert durch diese Ecke! Selbst wenn der PJler in der Kantine sitzt, wird der Weg so lange geändert, bis dieser eben an der Kantine vorbei wieder zurück in den OP-Saal führt!

2. Falsches Einwaschen

Jeder Neue wäscht sich im OP falsch ein. Das ist ein Naturgesetz! Auch wenn er vorher schon mindestens 3 chirurgische Famulaturen abgeleistet hat und sich lehrbuchmäßig einwäscht, findet der OP-Pfleger auf jeden Fall einen Grund, warum man noch einmal an die Desinfektionsspender muss.

3. Chefärzte sind immer steril!

Im Gegensatz zu Gebot 2 sind Chefärzte steril, sobald sie den OP-Trakt betreten. Fünfminütiges Einwaschen ist nur optional! Auch der Pfleger aus Gebot 2 findet den Chefarzt steril und hält ihm demütig die Handschuhe hin.

4. Bewege niemals den Haken!

Ist man dann an dem OP-Tisch angekommen, darf man dem Operateur das OP-Feld durch das Ziehen an Haken freihalten. Dabei ist es niemals erlaubt, das Instrument auch nur einen winzigen Millimeter bewegen. Auch wenn man glaubt, der Arm falle einem ab, muss man weiter ziehen und ziehen… Falls man ohnmächtig wird, ist darauf zu achten, nach hinten zu kippen und den Haken weiter fest umklammert zu halten.

5. Zeige keine Symphatie gegenüber dem Anästhesisten!

Das berühmte OP-Tuch trennt das OP-Gebiet des Chirurgen von der Anästhesisten. Das Tuch trennt damit aber auch zwei gänzlich verschiedene Welten. Möchtest Du beim chirurgischen Oberarzt punkten, zeige unter keinen Umständen, dass Du den Anästhesisten sympathisch findest. Unter Garantie findet er nämlich, dass Narkoseärzte eigentlich keine richtigen Ärzte sind, sondern vielmehr kaffeetrinkende Fremdkörper, die den Betrieb mit langen Wechselzeiten aufhalten.

6. Abstand halten

Als Famulant oder PJler ist es enorm wichtig, einen Abstand von mindestens drei Metern zu der instrumentierenden OP-Schwester einzuhalten. Denn durch die bloße Anwesenheit von Famulanten, PJlern und Jungassistenten werden regelmäßig alle Instrumente unsteril.

7. Missgeschicke anderer

Ja, es ist wahr. Auch Chef- und Oberärzten sowie den OP-Pflegern passiert mal ein Fehler während der OP. Das kann ein angeritztes Gefäß sein, eine subkutane Naht, die auf einmal zur Hautnaht wird oder ein falsch angereichtes Instrument. Hier darfst Du Dich heimlich freuen, aber niemals offensichtlich. Mache einfach weiter und halte den Haken mit einem durch die Maske unsichtbarem Lächeln.

8. Du hast keinen Namen

Gewöhne Dir an, während der Operation auf alles zu reagieren was auch nur im Entferntesten an Deine Person gerichtet sein sollte. Höre also auch Lautäußerungen, die ganz und gar nicht nach Deinem Namen klingen. In dem Zusammenhang ist es wichtig auch immer dann in den OP zu gehen, wenn irgendwelche wilden Buchstabenkombinationen als OP-Assistenz eingetragen wurden: vermutlich bist Du gemeint!

9. Abwehr anatomischer Fragen

Wenn man im OP steht und der Chirurg auf irgendwelche undefinierbaren Strukturen mit der Frage: „Und, Famulus, welcher Nerv ist das hier?” zeigt, man selber aber keine Ahnung hat, sollte man bestimmte Abwehrmechanismen zur Hand haben. Bei Chirurgen hilft im Allgemeinen das Hinwerfen einiger Schlagwörter, um ihn von der anatomischen Fragestunde abzubringen. Themen, mit denen das immer gelingt sind: Sportwagen, Saufen, die Oberweite der neuen Schwesternschülerin und das Golfen!

10. Wie man es macht, macht man es verkehrt

Auch wenn Du Dir noch so viel Mühe gibst, Du wirst irgendetwas während einer OP verkehrt machten! Denn jeder Operateur macht die gleiche Operation doch etwas anders. Und auch wenn Du mal rüde angeraunzt wirst, sei versichert: Chirurgen sind alles andere als nachtragend!

Und im wahren Leben ist alles nur halb so schlimm! Lässt man sich ein, auf bestimmte Rituale wird man schnell von der Faszination Chirurgie angesteckt sein.

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1 Kommentar:

Susanne Martens
Susanne Martens

super geil & wahr!

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