MS-Behandlung: Nebenwirkung im Blick

19. August 2013
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Natalizumab ist ein wichtiger Wirkstoff zur Therapie der Multiplen Sklerose (MS). Die Kehrseite: Bei Langzeitbehandlung kann es zu einer schweren Nebenwirkung - der virusvermittelten Gehirnentzündung - kommen. Forscher fanden heraus, worin die Anfälligkeit begründet ist.

Nach der neuen Studie macht ein Adhäsionsmolekül namens L-Selektin den Unterschied aus: Patienten, die eine Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) entwickeln, fehlt dieses auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen zu findende Molekül. Es ist unter anderem wichtig für die ersten Schritte, mit denen das Immunsystem auf Krankheitserreger reagiert. Mit der Entdeckung dieses Biomarkers bekommen Ärzte eine wesentlich genauere Methodik für Prognosen in die Hand, denn bislang ließ sich nur statistisch bestimmen, ob ein MS-Patient mit eher hoher oder geringer Wahrscheinlichkeit im Laufe der Langzeitbehandlung mit Natalizumab an einer PML erkranken wird.

Nur ein Prozent entwickelt virusvermittelte Gehirnentzündung

Als Risikoparameter dienten bislang die Vorbehandlung mit Immunsuppressiva und das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Virus, das die gefährliche PML verursacht (JC-Virus). Allerdings: Nicht alle Patienten der Hochrisikogruppe sind gleichermaßen gefährdet: Nur ein Prozent von ihnen entwickelt die virusvermittelte Gehirnentzündung. Beim Großteil hingegen wurde womöglich eine hochwirksame Therapie zu Unrecht abgesetzt – meist ohne  adäquate Behandlungsalternativen. Für ihre Studie testeten Wissenschaftler von Universitätsklinika und Krankenhäusern in Osnabrück, Heidelberg, Würzburg, Bordeaux, Lille, Nizza, Toulouse und Brescia mehr als 300 Patienten aus Europa und den USA. In Münster erfolgte dann die Untersuchung der Blutproben mit Hilfe immunologischer Methoden. Der neue Test macht es möglich, jedem Patienten individuell mitzuteilen, ob er Gefahr läuft, an einer PML zu erkranken oder nicht. Wird L-Selektin nachgewiesen, würde dem Patienten ein geringes Risiko attestiert, fehlt hingegen das Molekül, ist das Risiko hoch.

Individuelle Therapie-Empfehlungen für die Natalizumab-Behandlung

Zwar kann ein negatives Ergebnis – also der Nachweis von L-Selektin – bislang das Risiko, eine PML zu entwickeln, nicht komplett ausschließen. „Doch der Test ist ein erster Schritt auf dem Weg, individuelle Therapie-Empfehlungen für die Natalizumab-Behandlung auszusprechen“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine  Neurologie am Universitätsklinikum Münster. Seine Arbeitsgruppe hat das Adhäsionsmolekül L-Selektin als Biomarker entdeckt und den Test maßgeblich entworfen.

Originalpublikation:

l-Selectin is a possible biomarker for individual PML risk in natalizumab-treated MS patients
Heinz Wiendl et al.; Neurology, doi:10.1212/WNL.0b013e3182a351fb, 2013

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1 Kommentar:

… und wie lassen sich die Non-Responder auf Natalizumab identifizieren?

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