HBV-Impfung: Hep, Hep, hurra!

29. September 2009
Teilen

Mediziner testeten vor über 25 Jahren einen Impfstoff gegen HBV. Jetzt vermelden Forscher in Taipeh erstaunliche Eigenschaft des Vakzins: Die Spritze scheint den späteren Ausbruch von Leberkrebs zu verhindern.

An sich waren die Statistiken über die Erkrankung seit jeher beeindruckend: Hepatitis B zählt weltweit nach wie vor zu den häufigsten schweren Leberinfektionen. Leberschäden, Leberzirrhose und Leberkrebs sind die Folge des unsäglichen Virenbefalls. Rund zwei Milliarden Menschen haben sich weltweit HBV-infiziert, eine Million Patienten versterben jährlich an den Folgen der Infektion. Kein Wunder demnach, dass im Juli 1984 in Taiwan eine dort bis dahin einzigartige Aktion startete: Alle Neugeborenen erhielten die immunisierende Impfung gegen HBV.

HBV-Impfung bei Geburt ließ Leberkrebsrate senken

Diese Woche berichtet Mei-Hwei Chang von der Pädiatrischen Klinik des National Taiwan University Hospital in Taipeh über die Folgen der Aktion – und über eine beachtliche Entdeckung. Mehr als 2000 Patientendaten, schreiben die Autoren um Chang im Fachblatt Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2009; doi: 10.1093/jnci/djp288), ließen vor allem einen Schluss zu: Die bei Geburt verabreichte Impfung gegen HBV lässt die Leberkrebsrate bis zum Erwachsenenalter deutlich sinken.

Chang untersuchte die Patientendaten von 2000 Menschen, bei denen zwischen 1983 und 2004 ein Leberkrebs diagnostiziert wurde, und die zum Zeitpunkt der Diagnose zwischen sechs und 29 Jahre alt waren. 64 Fälle ließen sich der Gruppe der HBV-geimpften zuordnen, immerhin 38 Millionen Patientenjahre dienten hierbei als statistische Basis. Erst der Blick auf die Gruppe der nichtgeimpften Krebskranken offenbart den signifikanten Unterschied. Denn in 80 Millionen Patientenjahren traten die Tumore hier bei 444 Menschen auf – eine erheblich höhere Rate als in der HBV-Vakzin Gruppe.

Neubewertung der HBV-Impfung

Dass der gegen HBV gerichtete Impfstoff eine spätere Leberkrebsentwicklung hemmt, belegen Chang zufolge auch weitere Beobachtungen, wonach jene Patienten, die zu wenig Dosen der Mehrfachimpfung erhielten, ebenfalls öfter an Leberkrebs erkrankten.
„Die Daten lassen vermuten, dass die HBV-Immunisierung über einen Zeitraum von über zwanzig Jahren hepatozellulären Krebs verhindern kann“, folgert Chang. „Die Hepatitis-B-Impfung hat die Zahl der hepatozellulären Krebserkrankungen bei den unter 30-Jährigen um 69 Prozent gesenkt“, jubelte nur einen Tag nach der Publikation auch das Deutsche Ärzteblatt.

Tatsächlich müssten die Studienergebnisse in Taiwan hierzulande zu einer Neubewertung der HBV-Impfung führen. Noch scheint man jedoch davon weit entfernt, wie ein exemplarischer Blick auf die Empfehlungen der Landesärztekammer Sachsen zeigt. Die nämlich besagten an Tag drei nach den Ergebnissen aus Taipeh, dass Ärzte auch gefährdete Kinder impfen sollten – und konzentrieren sich auf altbackene Binsenweisheiten. „In allen Fällen wird die so post partum begonnene Grundimmunisierung nach einem Monat durch eine 2. Injektion und 6 Monate nach der ersten Injektion durch eine 3. Injektion von aktiver HBV-Vakzine komplettiert“, schreibt dazu die Landesärztekammer, und: „Nach Abschluss der Grundimmunisierung ist eine serologische Kontrolle erforderlich: HBs-Ag-, Anti-HBs-, Anti-HBc-Bestimmung“ erforderlich. In Punkto Leberkrebs bleibt das Vakzin ein weißer Fleck auf der medizinischen Online-Landkarte, wie der genaue Blick auf die Empfehlungen attestiert.

Auklärung in deutschen Kinderarztpraxen

Dass Kinderärzte trotz langsam mahlender gesundheitspolitischer Verwaltungsmühlen nicht vor einem unlösbaren Problem stehen, verdanken sie einem anderen Aspekt. Die Grundimmunisierung gegen HBV erfolgt in Deutschland seit 1995 bereits bei Säuglingen zusammen mit den anderen Standardimpfungen in mehreren Schritten. Zudem werden die Impftermine üblicherweise bei der Vorsorgeuntersuchung U3 festgelegt, die Kinder erhalten also, wenn aus anderen Gründen, die nützliche Vakzinfracht. Einzig die Aufklärungsarbeit müsste sich nun in Kinderarztpraxen ändern: Als positive Nebenwirkung steht jetzt die potenzielle Leberkrebsprävention auf dem Plan.

112 Wertungen (3.52 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

13 Kommentare:

Doris Hillenbrand
Doris Hillenbrand

Zu anonymus 22:
Wenn dem so ist, frage ich mich, weshalb kein Arzt bereit ist, eine Impferklärung zu unterschreiben (x-mal versucht). In dieser geht es lediglich darum, dass er die schwereren Impffolgen als derart gering ansieht, dass in jedem Falle geimpft werden kann. Natürlich ist das schon gesetzlich geregelt, denn eine Impfempfehlung alleine reicht ja schon aus, um den impfenden Arzt zu belangen, wenn schwere Impffolgen nachzuweisen sind. Trotzdem unterschreibt sie keiner. Also, was schließen wir daraus ?

#13 |
  0
Doris Hillenbrand
Doris Hillenbrand

sorry, vor lauter HIV Infizierten, verschreibe ich mich auch noch – HBV natürlich, aber das war ja sicherlich Jedem klar.

#12 |
  0
Doris Hillenbrand
Doris Hillenbrand

Ich verstehe nicht, was es mit diesem Absatz auf sich haben soll ? Er besagt doch rein garnichts, es wird weder was über das Alter der Patienten, egal auf welcher Seite, noch über Vorerkrankungen gesprochen: waren die HIV-Geimpften denn die jungen Menschen ? Oder nicht ?

“Chang untersuchte die Patientendaten von 2000 Menschen, bei denen zwischen 1983 und 2004 ein Leberkrebs diagnostiziert wurde, und die zum Zeitpunkt der Diagnose zwischen sechs und 29 Jahre alt waren. 64 Fälle ließen sich der Gruppe der HBV-geimpften zuordnen, immerhin 38 Millionen Patientenjahre dienten hierbei als statistische Basis. Erst der Blick auf die Gruppe der nichtgeimpften Krebskranken offenbart den signifikanten Unterschied. Denn in 80 Millionen Patientenjahren traten die Tumore hier bei 444 Menschen auf ¿ eine erheblich höhere Rate als in der HBV-Vakzin Gruppe.”
Diese Zufallsrate, egal von welcher Seite betrachtet, ist schlichtweg ein Witz. Es erstaunt mich, dass dies von so Vielen einfach ohne Hinterfragen hingenommen wird.
Scheinbar wird auch nicht über die tatsächlichen Impffolgen bei Kindern gesprochen. Speziell bei Säuglingen und den Erwachsenen, die irgendwann mal Blut spenden werden..das ist doch sehr, sehr oberflächlich.

#11 |
  0
Jörg Wetzstein
Jörg Wetzstein

Nachtrag zu “22 anonymous”: Mein Name ist Jörg Wetzstein und ich bin Heilpraktiker. Eine Information, die meinem Kommentar leider nicht automatisch beigefügt wurde, die ich aber nicht zu verbergen trachte.

#10 |
  0

Das ist ein kleiner Formulierungs- aber entscheidender inhaltlicher Unterschied. Sonst müßte es Isopathie heißen. Ich moniere keine falsche mentale Einstellung, sondern mangelnde Kenntnis über Homöopathie und deren Abgrenzung zur Naturheilkunde und zum Prinzip der Impfung. Und den meisten strikten Gegnern der Homöopathie ist mangelnde Kenntnis über die Prinzipien der Homöopathie vorzuwerfen, so dass eine finale Urteilsbildung eigentlich gar nicht infrage kommt. Aber das hat nichts mit dieser Diskussion zu tun, sorry.

#9 |
  0

Billig, Billig, das Niveau tiefer als Bild. Soweit ich weis ist der Zusammenhang bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Die Untersuchungen der “alten” Todesfälle haben kein ursächlichen Zusammenhang gezeigt.

#8 |
  0

Der heilenden Kollegin von Kommentar 4 möchte ich dringend empfehen sich mit der Geschichte der Infektionserkrankungen zu beschäftigen. Die “Einstellung” hat die Pocken in der Vergangheit nicht aufgehalten ganze Landstriche von Menschen zu bereinigen, ebenso werden sie nichts gegen die Polio ausrichten. Poli Epidemie 1916 New York: 9000 Tote, 27000 Gelähmte, 1952 Deutschland 9500 Gelähmte, 750 Tote. Die halbe Amerikanische Urbefölkerung wurde durch die Maern dahingerafft, welche durch die Europäer importiert wurde (Harmlose Kinderkrankhiet?) In unserem Haus ist letzte Woche eine Patientin an Tetanus gestorben, wegen eines Kleinen Kratzers bei der Gartenabeit, die Hatte sichlicherlich eine Positive Grundeinstellung. Ich verzeihe Ihnen ihre Unvissenheit, weil sie soetwas wahrscheinlich nie gesehen haben. Es ist ein fürchterlicher Tod. EinKind auf einer Intensivstation mit Masernpneumonie, oder einem Schlaganfall nich Varitelleninfektion. Mit 4 Jahren Schwerbehindert. Wo sind die ganzen Impfkomplikationen, ich als Kinderneurologe müsste sie eigendlich sehen, aber ich sehe die Kinder welche Komplikationen der Grunderkrankungen haben.
Ich denke das Bemerkenswerte an der Studie ist, daß es sich um überwiegend sehr junge Menschen handelt. Im Kindesalter Spielt das Hepatozelluläre Carziinom keine wesentliche Rolle, so daß hier nicht der klassische Mechanismus über die Zirrhose im Vordergrund steht.

#7 |
  0

Dr. A. Siegel
Arzt/Ärztin
s.u.

#6 |
  0

Und was ist jetzt neu? Dass eine chronische Hepatitis B über den Weg der Leberzirrhose zum primären hepatozellulären Karzinom führen kann, jedenfalls nicht. Bis vor einigen Jahren galt auch noch der Merksatz “ohne Zirrhose kein Leberkrebs”, wovon man mehr und mehr abzurücken scheint. Dass also demnach die HepatitisB-Impfung gegen Hepatitis B schützt und damit unweigerlich die Inzidenz des Leberzellkarzinoms senkt, ist doch so sensationell nicht. Wenn man den Text liest, könnte man denken, dass jemand, der eine alkoholische Leberzirrhose hat, sich besser gegen Hepatitis B impfen lassen sollte, damit er keinen Leberkrebs bekommt. Naaajaa

#5 |
  0

Ist es nicht bedauerlich, das Heilpraktiker keine besseren Argumente haben, als allen Ärzten Abhängigkeit von der Pharmaindustrie vorzuwerfen. Ich zumindest impfe aus Überzeugung. Wenn es Leute gibt, die sich für ein Leben ohne Impfung entscheiden, dann ist das OK. Man darf das aber nicht pauschalieren, denn geimpft wird nur gegen gefährliche Infektionskrankheiten und Statistiken sind nun mal Aussagekräftiger als persönliche Meinungen. Legt doch mal Studien vor!
Einzelne Todesfälle nach Impfungen werden gross thematisiert aber Todesfälle nach lokalen Masernausbrüchen sind hinzunehmen? Ihr macht es Euch sehr einfach!
Dass die HBV-Impfung indirekt vor Leberkrebs schützt habe ich übrigens vor etlichen Jahren im Studium schon gelernt. Nun ist es also belegt…

#4 |
  0
Manfred Klauck
Manfred Klauck

Die Impfung ist sehr wichtig wenn man medizinischen Berufen arbeitet wenn nicht sogar unumgänglich

#3 |
  0
Heilpraktikerin Hildegard Pannucci
Heilpraktikerin Hildegard Pannucci

Die beste Impfung ist eine positive mentale Einstellung, die geistige Programmierung auf Gesundheit, die unser Immunsystem positiv konditioniert. Niemand soll sich sein Leben kaputt denken.Bekannt ist auch, dass Angst die Immunabwehr negativ beeinflusst, somit erfüllen Angstmacher Kampanien in vollem Umfang ihren Ökonomischen Zweck, die Pharmaindustrie reich zu machen, wenn jeder ängstlich zur Impfung läuft, anstatt die körpereigene Immunabwehr zu stärken. Nebeneffekt eines solchen Verhaltens ist die Schädigung der eigenen Gesundheit durch die Impfstoffe.
Hildegard Pannucci
PS.: kann mir die Kommentare der Schulmediziner schon vorstellen, die schon vom Studiumher auf das Profitstreben der Pharma vom System gedrillt wurden, naja Heilpraktikerin eben.

#2 |
  0
Karin Hönig
Karin Hönig

Aufklärung 1: Bei der HBV-Impfung handelt es sich um die Impfung gegen Hepatitis B und nicht gegen den humanen Papilloma-Virus (HPV).

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: