Securpharm: Senkrechtstart oder Bruchlandung?

8. Februar 2019

Immer wieder tauchen gefälschte Arzneimittel auf – und nicht nur Hochpreiser. Auch „Centware“ wie Omeprazol war davon schon betroffen. Ab morgen soll Securpharm für mehr Sicherheit sorgen. Was halten Sie von dem Konzept?

Die WHO schätzt, dass bis zu zehn Prozent aller Präparate in Entwicklungs- oder Schwellenländern Plagiate sind. In Zeiten globaler Märkte steigt das Risiko, auch in Deutschland plötzlich minderwertige Ware zu haben. Das Risiko will Securpharm durch mehrere Datenbank-Abgleiche entlang der Lieferkette minimieren. Jede Packung wird per 2D-Matrixcode zum Unikat und lässt sich nachverfolgen. Ein Erstöffnungsschutz kommt noch hinzu. Direkt am HV-Tisch ist jede Packung zu scannen und nur bei „grüner Ampel“ abzugeben.

securPharm-Verfahren

Soweit zur Theorie. Doch wie lief es in der Praxis?

  • Hat die Technik reibungslos funktioniert?
  • Gab es Packungen mit Code, die nicht erkannt worden sind?
  • Hat Sie Ihr Software-Hersteller gut auf securPharm vorbereitet?
  • Wird securPharm die Arzneimittelsicherheit erhöhen oder steigen nur die Kosten und der Arbeitsaufwand in der Apotheke?

Wir freuen uns auf Ihr Feedback! Schreiben Sie uns eine Mail und berichten von Ihren Erfahrungen. Oder haben Sie mehr zu erzählen und möchten uns im Interview am Telefon davon erzählen? Schicken Sie uns Ihre Kontaktdaten an: feedback_news@doccheck.com

8 Wertungen (3.63 ø)

6 Kommentare:

Reinhold Eysel
Reinhold Eysel

A) Absolute Sicherheit gibt es NIRGENDS.
B) Es ist immer die Frage von Aufwand und “Ertrag” in Form von Sicherheit.
Was nutzt es, wenn hier alles sauber läuft und ich sag mal “irgendwo” wo manche Dinge “lockerer” gesehen werden kriminelle Energie NICHT ganz sicher Wege finden wird. Es ist eine Branche mit Margen wie im Schleuser- und Drogen-Geschäft. – Ich frage mich ob die kolportierten 12 Milliarden an Kosten den Zuwachs an Sicherheit HIERZULANDE rechtfertigen. Da gibt es in anderen Ländern weit größere Baustellen. –

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Andreas Gördes
Andreas Gördes

Securpharm, ciu bono?
Der Arzneimittelsicherheit im regulären Handel sicher nicht. Da wäre eine entsprechende Importkontrolle oder Begrenzung billiger und effektiver. Ebenso eine intensivere Überwachung der Eingangskontrolle bei den Rohstoffen. Ebenso mein Traum, pro Pharmakonzern nur ein Generikum im Markt.
So sehe ich nur eine weitere Belastung im lokalen Handel.
Wie stabil die IT sein wird bleibt abzuwarten, zur Zeit ist es mehr die Lesbarkeit des Quellcodes die Probleme macht, zumal der Barcode bei vielen Packungen direkt daneben angebracht ist.

#5 |
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Ich sehe die Sache nicht so schwarz.
Die Tatsache, dass evtl. nur wenige Fälschungen erfasst werden, ist nicht außergewöhnlich, sonder reiht sich in viele alltägliche Regelungen unseres (Arbeits-)lebens ein, die Schäden verhindern sollen, die nur relativ selten auftreten, z. B. im Arbeitsschutz.
Im Wareneingang hält sich der zusätzliche Aufwand in Grenzen, da ich schon lange die Order herausgegeben hatte, möglichst jede Packung zu scannen. Und die großen Mengen kommen bei uns fast nur im OTC-Bereich vor. Außerdem sparen wir die manuelle Eingabe des Verfallsdatums und (wahrscheinlich) die Korrektur desselben an der Lagerware nach Verfallkontrolle.
An der Abgaberotuine im Handverkauf ändert sich auch nicht viel, da auch bisher jede Packung gescannt wurde bzw. werden sollte.
Bleiben Abholervorgänge und Botendienst. Hier nutze ich die neue Lage, um meine Abläufe zu hinterfragen und zu optimieren.
Also alles in allem sehe ich keinen Grund zu jammern.

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Arzt | Ärztin

Das Problem sind nicht die Fakes die eingeschleust werden. Das Problem sind sicher eher die schlechten Qualitäten der Medikamente, die in China u Indien teils in Hinterhofküchen prduziert werden. Valsartan war da mit Sicherheit nur die
Spitze des Eisbergs, die auch nur rein zufällig aufgefallen ist. Für Vergeßliche:
Heumann hat uns auch schon mitz Generika beglückt, unter denen zahllose Hochdruckpatienten entgleist sind, weil zu wenig Wirkstoff drin war. Und in der praktischen Anwendung und Beobachtung kommt sowas sicher häufiger vor.
Securpharm wird eins bewirken: Kostensteigerung aber nicht unbedingt mehr Sicherheit. Da werden sich einige EDV Leute eine goldene Nase verdienenen, im politischen Hintergrund locken vielleicht auch wieder ein paar Nebenpöstchen.

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Joachim Fantoli
Joachim Fantoli

…und diese 40 Fälschungen, von denen Stefan Fuchs schreibt, würden wahrscheinlich von securPharm durchgewunken werden. Die Importeure, die gespendete AIDS-Medikamente auf dubiosen Wegen aus Afrika zurückgeholt hatten oder Tabletten aus griechischen Krankenhäusern “gefunden” haben, dürfen nämlich in neue Schachteln mit Data-Matrix-Code umpacken und bei securPharm “echte” Medikamente anmelden!

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Stefan Fuchs
Stefan Fuchs

Wenn denn mal funktionieren würde.

Wir sind in der Testgruppe. Die Fehlerrate nach dem Scann der Packungen lag im Januar bei fast 70%. Jetzt ist sie zwar etwas gesunken, liegt aber immernoch bei ca. 50%. Wiehier morgen alles funktionieren soll, ist mir schleierhaft.

Ansonsten ist es ein ganz schöne Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Wenn wir 50 Packugen von einer Sorte bekommen haben, wurde früher 1 Packung gescannt und dann nur durchgezählt. Jetzt muss jede Packung gescannt werden und bei Fehler die entsprechnde Packung aus dem Haufen erausgesucht werden.

Und das alles für angeblich ca. 40 Fälschungen in den letzten 10 Jahren in Deutschland. Ich finde es ziemlich übertrieben.

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