Blutabnehmen und Hakenhalten: Das unpraktische Jahr

17. Januar 2019

In der Klinik sind PJler nicht mehr als „billige Blutabnahmekräfte“, sagt eine Medizinstudentin. Das Praktische Jahr steckt in der Krise: Die Bezahlung sei ungenügend, die Ausbildung mangelhaft. Hunderte Studenten demonstrierten deshalb für bessere Bedingungen.

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Allgemein

11 Kommentare:

Jan-Peter Jantzen, Prof. Dr, med.
Arzt

Das Problem ist vielschichtig und multilateral – weit über die Bezahlung der PJ’ler hinaus hinaus. Suprema lex: Ausbildungsqualität!
Als Chefarzt eines größeren hannöverschen akademischen Lehrkrankenhauses der MHH mit Lehrauftrag (und Professor der Joh. Gutenberg-Universität Mainz) hatte die Ausbildung der PJ’ler für mich hohe Priorität. Differenzierte und progressive klinische Unterweisung im OP und auf der Intensivstation, zwei (testatpflichtige – sorry…) Stunden Unterricht pro Woche. Im Ergebnis: Platz 1 im Gebiet Anästhesiologie bei http://www.pj-ranking.de in 2012 (MHH: Platz 8).
2018: Antrag auf Umhabilitation durch die MHH abgelehnt, weil „kein Lehrbezug zur MHH erkennbar”. Goethe: “Ein Schelm, wer Böses dabei denkt”.
Kämpft weiter!

#11 |
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Zahnarzt | Zahnärztin

…wenn ich vergleiche:
Werner Wöhrle 3o x Daumen hoch
Dr. Christa Treiber-Klötzer 30 x Daumen runter
Wieso studieren Sie Medizin? Sie können doch noch auf Maurer umsatteln.

#10 |
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Arzt | Ärztin

Da habe ich ja zu meiner Zeit ein richtig gutes PJ gehabt. Auf der Inneren habe ich eigenverantwortlich unter einem Oberarztg die ganze kardiologische Station betreut, in der Gynäkologie war ich wie ein Assistenzarzt eingebunden, v.a. Geburtshilfe, auf der Chirurgie war in den ersten Wochen allerdings Mund- und Hakenhalten angesagt. Danach waren wir relativ selbständig in der Unfallambulanz tätig. Aber die Bezahlung war v.a. für einen Familienvater (einige werden sagen, selber schuld) zu wenig. Ohne die Unterstützung meiner Schwiegereltern wäre es nicht gegangen. Und mit dem anschließenden Assistentengehalt habe ich ein Jahr gebraucht, um die Schulden abzuzahlen. Der Ausbildungsinhalt im PJ war top!

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Dr. med. Thomas Ellwanger
Dr. med. Thomas Ellwanger

Frau Metscher,
Sie haben Recht. Allerdings gehört im PJ viel mehr dazu, als für unbeliebte Basishandlungen „missbraucht“ zu werden.
Bedenken Sie: Morgen können Sie oder Ihre Angehörigen von einem frisch gebackenen, vollaprobierten Assistenzarzt eigenverantwortlich in der Klinik versorgt werden. Möchten Sie dann einen Theoretiker, der glänzend Blutabnehmen kann, aber von praktischer Anwendung am Patienten wenig Ahnung hat? Ich denke nicht. Und glauben Sie mir – kein Assistenzarzt rennt bei jeder kleinen Unsicherheit zum Fach- oder Oberarzt. Und selbst wenn er das wollte, wäre das nicht umsetzbar. Und wie hier berets kommentiert: Jeder Lehrling bekommt eine Vergütung. Ein PJ-Student hat bereits 5 Jahre Studium ohne Vergütung hinter sich. Warum also das 6. Jahr der praktischen Vollzeittätigkeit am Patienten nicht mindestens dem Mindestlohn vergüten. Aber viel wichtiger finde ich die Vorbereitung auf das wahre Arztdasein nach dem Studium. Und das ist – und wahr – im PJ leider einfach nicht gegeben. Viele schlagen nach dem Examen hart auf dem Boden der Realität des nun eigenverantwortlichen Handelns auf (schlecht besetzten) Stationen auf.

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Nichtmedizinischer Beruf

Als PJ lernt man den Umgang mit realen Menschen, Patienten genannt. Eine gute und wichtige Schule. Und was für jeden Lehrling oder Auszubildenden gilt, gilt auch hier: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich hasse diesen Spruch, aber er stimmt.

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was war Eure Motivation , den Arztberuf als Lebensaufgabe zu wählen?

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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Ihr müßtet alle zusammenhalten, um bessere Bedingungen durchzusetzen. Mit “alle” meine ich alle die, die den Job machen könnten. In Zeiten der Gobalisierung ist das eine Herkulesaufgabe, die man nicht mal eben so nebenbei stemmen kann.

#5 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger/in

So gejammert ist jetzt. Schon mal ein Anfang um aus der Misere raus zu kommen. Aber eben nur ein Anfang. Das mit dem Geld ist gut und klar rüber gekommen. Aber was wollt Ihr in der PJ-Zeit eigentlich lernen? Da kam nur wenig und sehr Unterschiedliches. Es braucht Arbeitsgruppen, welche für alle Fachbereiche Lernziele festlegen. Diese müssen dann in die praktische Handlung überführt werden. Mit denen muss dann ein Ausbildungsplan mit Rechten und Pflichten erstellt werden. Wenn Ihr das alles habt, könnt Ihr für jedes Fachgebiet einen Arzt der für Eure Praktische Ausbildung verantwortlich ist, fordern.
Ein weiter und anstrengender Weg, ich weiß. In der Pflege haben wir das geschafft, wenn es auch hier, wegen Personalmangel, oft nicht wirklich gut klappt. Ach ja, wartet nicht bis jemand das für Euch macht, da ist keiner außer Euch, der ein Interesse daran hat.
Viel Erfolg und Packt es an!

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Werner Wöhrle
Werner Wöhrle

Alte Gewerkschafterweisheit:

Wer kämpft kann verlieren – wer nicht kämpft kann nicht verlieren – er hat schon verloren!

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Bravo Herr Kollege Kanzler! Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Mein jüngster Sohn studiert auch Medizin in Greifswald. Ich habe 5 Kinder und würde mich freuen, wenn er im PJ schon etwas mehr als nichts bekommen würde.
Ich werde ihn in jeder Hinsicht unterstützen und sensibilisieren.
Was mit unserem Nachwuchs angestellt wird schreit zum Himmel. Wir sollten endlich wach werden.

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Dr. med. Wilhelm Kanzler
Dr. med. Wilhelm Kanzler

Ein viel zu zahmer Artikel. Schon früher wurden wir als AiPler und PJler vereimert.
PJlern sollten in der Klinik 4 Betten vollverantwortlich- unter Supervision eines sehr erfahrenen Kollegen- übernehmen und auch alle Untersuchungen etc.pp. selbst anordnen , durchführen und beurteilen.
Was die Finanzen angeht, sind die Fordereungen peinlich niedrig.
Ein Maurerlehrling verdient deutlich über 1000 Euro pro Monat.
Mindestlohn wäre überschlägig : 40 Stunden pro Woche x 4 Wochen x ca. 10 Euro pro Stunde macht: 1600 Euro pro Monat.
Die sog. Sicherheitskräfte am Flughafen fordern nach einer 3 monatigen Ausbildung 20 Euro pro Stunde!
Peinlich finde ich, dass Euch Studenten nicht alle Kollegen vom Assistenzarzt bis zum Chef massiv bei finanziellen Forderungen unterstützen.
Aber das geht ja später im Berufsleben so weiter. Wenn ich sehe, was junge Assistenten für wie lächerlich wenig Geld leisten, wird mir übel.
Warum ist das so?
Weil sich die Kollegen nicht einig sind. Auch die Niedergelassenen nicht.
Haut doch mal auf den Putz und streikt ordentlich. Wer soll denn unsere ärztlichen Aufgaben wahrnehmen? Vielleicht die Politiker oder die Verwaltungsmenschen der Krankenkassen, deren Chefs sich hunderttausende in die Tasche stecken.
Wir sind die Ärzte!! Leute, engagiert Euch später heftig.
Ahnt Ihr jetzt, warum Krankenhausverwaltungen so gerne Kollegen aus Rumänien, Bulgarien, Polen und anderen Billiglohnländern anstellen?
Würdet Ihr den Mund aufmachen, wenn Ihr zu Hause 200, 300, 400 oder ein paar mehr Euro verdieen würdet und hier nach BAT bezahlt würdet? Nehmt aiuch diese Kollegen mit!
Viel Erfolg
Dr. Wilhelm Kanzler
FA für Allgemeinmedizin ( Gott sei Dank ) i.R.

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