Neurodermitis: Tablette mit neuem Wirkstoff

10. Januar 2019

Schwere Formen der Neurodermitis zu therapieren, ist derzeit kaum möglich. Dermatologen aus Hannover testeten nun einen neuen Behandlungsansatz am Menschen. Der neue Wirkstoff in Tablettenform verbesserte die Haut von Patienten deutlich.

Sich in der eigenen Haut wohlfühlen – das ist für Menschen mit schwerer Neurodermitis oft nicht möglich. Denn sie leiden unter trockener, schuppiger und geröteter Haut, die quälend juckt. Wenn die betroffenen Stellen gut sichtbar sind, kommt gesellschaftliche Stigmatisierung hinzu. Bei leichter Neurodermitis kann eine äußerliche Anwendung ausreichen. Doch schwere Formen zu behandeln ist bisher kaum möglich.

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) arbeiten seit einigen Jahren an einem vielversprechenden neuen Behandlungsansatz, der nun erfolgreich erstmals am Menschen erprobt wurde. Der neue Wirkstoff, der als Tablette eingenommen werden kann, verbesserte die Haut der Patienten deutlich. Bereits nach acht Wochen reduzierte sich der Anteil an kranker Haut wie die Rötungen, Bläschen und Kratzspuren um die Hälfte. An der klinischen Studie nahmen 98 Patienten teil. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Journal für Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.

Histaminrezeptor als neue Zielstruktur

Bei dem Wirkstoff handelt es sich um einen Histamin-4-Rezeptor-Blocker. Er unterbricht den Entzündungsprozess und lindert den Juckreiz, indem er verhindert, dass der Botenstoff Histamin an den entsprechenden Zellen wirken kann. Der dafür notwendige Rezeptor auf diesen Zellen wurde im Jahr 2000 entdeckt und seitdem im Hinblick auf die Anwendung bei entzündlichen Hautkrankheiten intensiv vom Team aus Hannover erforscht. „Labor- und In-vivo-Ergebnisse im Mausmodell, die wir seit 2005 kontinuierlich veröffentlichten, sprachen dafür, dass der Histamin-4-Rezeptor eine interessante Zielstruktur für die Behandlung der Neurodermitis ist“, berichtet Professor Dr. Thomas Werfel, MHH-Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, der auch die klinische Studie zusammen mit einem der Entdecker des Histamin-4-Rezeptors und einer Firma konzipierte. Es wurden keine Nebenwirkungen beobachtet, die auf die Gabe des Medikamentes zurückführbar waren. Aktuell startet unter Beteiligung des Teams aus Hannover eine größere internationale Studie mit rund 400 Patienten, um die optimale Dosierung dieses Wirkstoffes herauszufinden.

Derzeitige Therapien helfen nicht allen Patienten

Neurodermitis hat unterschiedliche Ursachen, zu denen hautreizende Stoffe, Allergene sowie mikrobielle, hormonelle und psychologische Einflüsse gehören. „Wir gehen davon aus, dass der Histamin-4-Rezeptor-Blocker unabhängig von der Ursache der Neurodermitis wirkt und untersuchen derzeit, welche Patienten am stärksten von der neuen Therapie profitieren können“, sagt Professor Werfel. Grundsätzliche förderlich bei Neurodermitis sind strukturierte Patientenschulungen. Zudem spielen äußerlich anzuwendende Kortison-Verbindungen und Calcineurin-Inhibitoren eine zentrale Rolle. Schwere Formen der Neurodermitis wurden bisher mit dem Immunsuppressivum Cyclosporin behandelt, welches jedoch viele Nebenwirkungen hat. Seit einem Jahr steht der Antikörper Dupilumab zur gezielten Hemmung von Botenstoffen der allergischen Entzündung zur Verfügung. „Dupilumab stellt einen sehr großen Fortschritt in der Behandlung von schwer betroffenen Patienten dar, hilft aber nicht allen Patienten ausreichend gut. Zudem muss das Medikament gespritzt werden, was vor allem Kinder, die besonders häufig an Neurodermitis leiden, schwerer tolerieren werden“, erläutert Professor Werfel. Die Erkrankung betrifft rund elf Prozent aller Mädchen und Jungen im Vorschulalter sowie ein bis zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland, bei vielen ist die Erkrankung chronisch und verläuft schwer.

 

Diese Meldung basiert auf einer Pressemitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover.

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Bildquelle: Taki Steve, flickr / Lizenz: CC BY
Dermatologie, Medizin
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