Psychotherapie: Spahn plant neuen Studiengang

7. Januar 2019

Nach jahrelanger Kritik an der Ausbildung von Psychotherapeuten macht Jens Spahn nun Ernst. Er präsentiert Vorschläge für einen neuen Studiengang. Dadurch könnten Psychotherapeuten früher Patienten behandeln und Geld verdienen.

Bisher müssen Psychotherapeuten ein Vollstudium der Medizin oder Psychologie absolvieren, bei Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ist ein Zugang über die Pädagogik möglich. Daran schließt sich eine Fachausbildung an – ohne Vergütungsanspruch. „Die Ausbildung zum Psychotherapeuten dauert Jahre, kostet Zehntausende Euro und Praktika werden kaum bezahlt“, kritisierte beispielsweise der Spiegel. Das soll sich nach dem Willen von Jens Spahn bald ändern.

Neuer Studiengang nimmt Gestalt an

Vor wenigen Tagen hat das Bundesministerium den Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung veröffentlicht. Bislang gilt ein Regelwerk aus dem Jahr 1998. Es bildet weder wissenschaftlich noch strukturell die Realität ab. „Der vorliegende Gesetzentwurf kommt der Forderung nach einer Neuregelung der Psychotherapeutenausbildung in Form eines wissenschaftlichen Masterstudiums, das zur Approbation führt, nach“, heißt es im Dokument. „Das schafft Platz für die Integration weiterer Bezugswissenschaften in das Studium und ermöglicht eine verfahrensbreite und altersspannenübergreifende psychotherapeutische Qualifikation.“

Spahn stellt sich ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium vor. Am Ende steht eine staatliche psychotherapeutische Prüfung und bei Erfolg die Approbation. Mit diesem Handwerkszeug geht es dann weiter zu Weiterbildungen in stationären und ambulanten Einrichtungen. Im Unterschied zu früher können Psychotherapeuten bereits Patienten behandeln und Geld verdienen. Der Gesundheitsminister will seinen neuen Studiengang ab 2020 anbieten.

Bislang viel Lob

Gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, er begrüße „das Ziel eines eigenständigen Studienganges, der mit einer staatlichen Prüfung und der Approbation abschließt und den Weg zu einer anschließenden Weiterbildung vorsieht“. Das sei „der richtige Weg.“ Man werde gründlich prüfen, ob dieses Ziel tatsächlich erreicht werde. Dazu gehöre „insbesondere eine ausreichende Finanzierung der Weiterbildung“. Neue Vorschläge zur psychotherapeutischen Behandlung gesetzlich Versicherter enthält Spahns Entwurf aber nicht.

Die DocCheck Redaktion möchte in den nächsten Tagen einen weiteren Artikel dazu veröffentlichen. Wie wird sich dadurch der Beruf verändern? Wird sich dadurch die Behandlung verändern? Welche Chancen eröffnen sich für Psychotherapeuten oder sehen Sie auch Gefahren? Was sagen Sie als Psychotherapeut zu dem Thema? Schreiben Sie uns doch ein Statement in die Kommentare oder schreiben Sie uns eine Mail an: feedback_news@doccheck.com (Wenn wir Sie namentlich im Artikel nennen dürfen, geben Sie uns doch bitte einen kleinen Hinweis.)

22 Wertungen (3.82 ø)
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6 Kommentare:

Regina Pelzer
Regina Pelzer

Ich gebe Herrn Keller eindeutig recht. Nach dem Psychologie Studium haben die angehenden Psychotherapeuten eine gute Basis. Dass sie nach dem Studium dann noch lange Zeit für einen Hungerlohn oder sogar umsonst arbeiten müssen und viele frustriert das Handtuch werfen ist äußerst unbefriedigend. Eine angemessene Bezahlung, damit sie sich voll auf die Therapieausbildung konzentrieren können wäre wünschenswert.

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Annika Diederichs
Annika Diederichs

Müßte man nicht erstmal allgemeine Qualitätsstandards für die PT entwickeln, bevor man da einen separaten Studiengang entwickelt? Es ist ja nicht so, als hätten wir aktuell zu wenig Psychothrapeuten. Das Problem ist weit eher, daß viele von denen ziellos herumirren, anstatt ihren Patienten wirklich zu helfen, gesund zu werden. Würde man jetzt noch zusätzlich massenweise anfangzwanzigjährige Juniortherapeuten auf den Markt werfen, die dann auch alle beitragsfinanzierte Schwafelstündchen anbieten, würden die Kosten für die Krankenkassen explodieren. P.S.: Wer mal versucht hat, jemandem bei der Suche nach einem fähigen Psychotherapeuten zu helfen, weiß, wovon ich schreibe.

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Man ist gewillt nach Radio Eriwan zu antworten. Im Prinzip ja.
Ein Mastestudium mit vier Semester in klinischer Psychotherapie und dem folgend eine Klinikphase ist sicher besser als das aktuelle Modell. Jedoch…
. Wer stellt die Klinikplätze?
. wie finanzieren die sich,?
. wie sicher sind die Anstellungen?
. entspricht dies dem Weiterbildungsassistenten,
. wie gleichwertig werden die Forderungen gesetzt usw?
Im Grunde gilt es diese Fragen zu beantworten und nicht dem freien Spiel der Interessensverbände, der Politik, der Leistungsträger, der Klinikbetreiber u.a. zu überlassen. Eine Veränderung, die am Ende nur eine Verschlechterung ist, sollte unbedingt verhindert werden.
Daher ist Schwarzmalen bei einer schwarzen aktuellen Situation nicht gerechtfertig, jedoch sind noch eine große Zahl Fragen offen.

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Mitarbeiter von DocCheck

Lieber Herr Kugelstadt, danke für den Hinweis. Da ist uns wohl was durchgerutscht. Wir haben es korrigiert. Viele Grüße aus der Redaktion

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Dipl. Psychologe Rainer Keller
Dipl. Psychologe Rainer Keller

Wenn das alles so leicht wäre. Klar, handwerkliche Berufe können rasch vermittelt werden, da kann auch meist nur Materielles Schaden nehmen. Betrifft es aber die Psyche des Menschen, greift dieser Ansatz nicht – wenn das was falsch gemacht wurde, ist es kaum wieder zu richten. Statt den Ausbildungsweg, der derzeit durch die fundierte Ausbildung mit Voll-Studium und anschließender praktischer Heranführung an Patient und Materie, einen sehr guten Einstieg ins Therapeutenleben ermöglicht, zu zerschlagen und mindere Qualität durch Verkürzung der “Lehr”-Zeit zu erzeugen, sollte er lieber daran gehen, den in der Therapieausbildung Befindlichen mehr Unterstützung zukommen zulassen. Hier sollte der Staat Mittel bereitstellen, die die “Hunger”-Löhne während der Therapieausbildung soweit aufstockt, dass in Ruhe gelernt werden kann und nicht ein Zweitjob zum Überleben nötig wird.
Solche Ideen, wie die von Herrn Spahn, verwässern alles und helfen im Endeffekt niemanden. Leider hat der Mensch viele solcher Ideen – vielleicht ein Fall von Profilierungssucht… ;-)

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Liebe DocCheck News-Redaktion,
ich wundere mich sehr über diesen Artikel. DocCheck ist doch ein Medizin-Portal.
“Bisher müssen Psychotherapeuten ein Vollstudium der Psychologie absolvieren, bei Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ist ein Zugang über die Pädagogik möglich.” schreiben Sie.
DocCheck weiß doch, dass die Psychotherapie integraler Bestandteil der Medizin ist und der ursprüngliche Weg ein Medizinstudium ist, an dessen Anschluss eine Facharztweiterbildung in Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie zum Berufsbild des Psychotherapeuten führt. Die meisten Psychotherapeuten in Deutschland haben (und das ist eine weitere Möglichkeit Psychotherapeut zu werden) die Zusatzbezeichnung “Psychotherapie” als Zusatz zu einer medizinischen Facharztqualifikation. (Ich denke nicht, dass diese DocCheck-Mitglieder hier alle ausgeblendet werden sollten.)
Nun ist es seit 1998 (zum Glück!) auch möglich, mit einem Psychologie-Studium in den Beruf des Psychotherapeuten zu gelangen, sodass das Berufsbild viel diverser wurde und Berufsgruppen-übergreifend an einer flächendeckenden Versorgung gearbeitet wird. Aber die obige Aussage ist sehr interessengeleitete oder schlicht fehlerhafte Agenturmeldung. Ich würde mich freuen, wenn die Diskussion in den nächsten Tagen sachlicher verlaufen würde und deutlich wird, wie unterschiedlich derzeit die Zugangswege zum Beruf Psychotherapeut/in sind und zu wieviel ganz verschiedene Kompetenzen des deshalb im Bereich der Psychotherapie heute vorgefunden werden können! Denn genau diese Vielseitigkeit könnte mit der Reform abgewickelt werden.

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