MAPS-Impftechnologie: Wie es euch gefällt

27. August 2013
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Ein neues, baukastenartiges Impfstoffdesign vereinigt alle Vorteile bisher bekannter Impftechnologien und könnte die Impfstoffherstellung und -produktion revolutionieren. Davon könnten auch die Menschen in Entwicklungsländern profitieren.

Wissenschaftler des Boston Children’s Hospital haben eine neue Methode zum Design von Impfstoffen entwickelt, die sämtliche Vorteile bisher bekannter Impftechnologien zu vereinigen scheint. Die sogennante MAPS-Methode (Multiple Antigen Presentation System) ermöglicht die schnelle Konstruktion neuer Impfstoffe, welche gleich mehrere Arme des Immunsystems gleichzeitig gegen ein oder mehrere Pathogene aktivieren. So scheint ein robuster Schutz mit einem geringeren Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen zu entstehen. In ihrer aktuellen Publikation in „Proceedings of the National Academy of Sciences“(PNAS) versprechen die Studienautoren, dass ihre Methode die Entwicklung neuer Impfstoffe beschleunigen wird, wenn es darum geht, die Menschheit vor besonders schwerwiegenden Krankheitserregern zu schützen. Wie kann das gelingen?

Bisher kein perfekter Impfstoff verfügbar

Grob betrachtet lassen sich die derzeit verfügbaren Impfstoffe in zwei Kategorien einteilen: Ganzzell-Impfstoffe, die auf abgeschwächten oder abgetöteten Bakterien oder Viren basieren und nicht-zelluläre oder Totimpfstoffe aus Bestandteilen von Viren, Bakterien oder Giftstoffen. Alle Impfstoffe lösen eine Immunantwort aus, verfügen aber über unterschiedliche Vor- und Nachteile. „Ganzzell-Impfstoffe lösen eine breite Spanne von Immunreaktionen aus, wie sie auch bei einer Infektion auftreten würden. So ist der Körper gut geschützt. Dieser Impfstofftyp ist aber schwer zu standardisieren und kann unerwünschte Nebenwirkungen auslösen“, so Richard Malley, einer der Studienautoren vom Boston Children’s Hospital. „Nicht-zelluläre Impfstoffe führen in der Regel zunächst zu einer guten Immunität mit einem geringeren Nebenwirkungsrisiko. Die Immunantworten, die diese Impfstoffe auslösen, lassen jedoch mit zunehmender Zeit nach.“ Die Schwächen beider Impfstoffarten soll die neue Technik nun ausgleichen.

MAPS-Technologie vereint Vorzüge

Die MAPS-Methode ist eine Art Baukastensystem, mit dem Impfstoffentwickler sich der Vorteile beider Methoden bedienen können. Dabei verbinden sie verschiedene Protein- und Polysaccharid-Antigene von einem oder mehreren Pathogenen, einem Bauwerk aus Legosteinen ähnlich. Der daraus resultierende Komplex, der aus einem Zuckergerüst übersät mit Proteinen besteht, kann sowohl eine Antikörperreaktion als auch eine T-Zell-Antwort stimulieren und das mit einer ähnlichen Intensität wie Ganzzell-Impfstoffe. Da die Zusammensetzung der MAPS-Impfstoffe jedoch genau definiert ist und auf isolierten Antigenen beruht, wie man sie auch in nicht-zellulären Impfstoffen vorfindet, ist das Risiko für unerwünschte Nebeneffekte stark reduziert.

MAPS-Impfstoffe erfolgreich im Tierversuch

In Tierversuchen haben sich MAPS-Impfstoffe bereits bewährt. Wenn zum Beispiel Mäusen ein derartiger Impfstoff injiziert wird, der Proteine des Tuberkuloseerregers Mycobacterium tuberculosis und Polysaccharide von Streptococcus pneumoniae, einem Erreger der Lungenentzündung, enthält, reagierten die Tiere mit starken Antikörper- und T-Zell-Antworten gegen den Tuberkuloseerreger. Mäuse, die hingegen nur mit Proteinen des Tuberkuloseerregers konfrontiert wurden, reagierten lediglich mit einer Antikörperreaktion. Eine T-Zell-Antwort blieb bei diesen Tieren aus. Bisher haben die Wissenschaftler keine unerwarteten Nebenwirkungen im Tierversuch feststellen können. Als nächstes stehen toxikologische Studien auf dem Programm.

Die Art der Antigenpräsentation macht den Unterschied

Andere Versuche zeigten, dass 90 Prozent der Mäuse, denen ein MAPS-basierter Impfstoff mit mehreren Polysacchariden und Protein-Antigenen aus Pneumococcus verabreicht worden war, vor einer tödlichen Pneumokokkeninfektion geschützt waren, da die Tiere eine starke Antikörper- und T-Zell-Antwort gegen die Bakterien entwickelten. Nur 30 Prozent der Mäuse hingegen überlebten einen derartigen bakteriellen Angriff, wenn sie mit denselben Antigenen – allerdings in ungebundener Form – geimpft worden waren. „Die Immunogenität der MAPS-Konstrukte ist größer als die Summe ihrer Einzelteile – unter anderem deshalb, weil sie dem Wirt als ganzer Partikel präsentiert werden“, erklärt Malley den Effekt.

Effektiver ohne kovalente Bindung

Anders als die meisten Konjugatimpfstoffe, die mit kovalenten Bindungen arbeiten, basiert das MAPS-System auf dem Zusammenspiel zweier Verbindungen – Biotin und Rhizavidin. Bei der Herstellung eines MAPS-Impfstoffes wird Biotin an ein oder mehrere Polysaccharide gebunden, Rhizavidin an Protein(e). Biotin und Rhizavidin haften dann durch eine nicht kovalente Bindung aneinander. Laut den Studienautoren ist der Konstruktionsprozess eines MAPS-Impfstoffes so effizient, dass er Zeit und Kosten der Impfstoffherstellung und –produktion erheblich reduziert.

Theoretisch auch gegen Krebs einsetzbar

Während die ursprünglichen Arbeiten von Malleys Team auf bakterielle Pathogene fokussierten, sind die Studienautoren davon überzeugt, dass die MAPS-Technologie die Entwicklung von Impfstoffen gegen zahlreiche Pathogene beeinflussen könnte – hauptsächlich die Impfstoffherstellung in Entwicklungsländern. „Technisch gesehen könnte man MAPS-Impfstoffe gegen Viren, Parasiten und sogar gegen Krebs konstruieren“, so Malley. „Mit dem Baukastensystem könnte man sogar Antigene verschiedener Pathogene in einem Impfstoff kombinieren, um so auch effektive Mehrfachimpfungen durchführen zu können.“ Die Wissenschaftler sind bereits in Gesprächen mit möglichen industriellen Partnern.

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4 Kommentare:

Marianne Koch
Marianne Koch

Sehr geehrter Herr Dr. Antwerpes,

das Thema das von “Gast” angesprochen wurde, ist auf verschiedenen Websites zu finden. Ich bin über Ihre detaillierte Kenntnis von sog. Verschwörungswebsites ziemlich erstaunt. Woher haben Sie diese hier geäußerte Kenntnis ?
Der zugegeben etwas polemisch und kurz formulierte Kommentar von Gast ist jedoch nicht ganz abwegig. Ich muss keine wissenschaftlichen Berichte lesen, manchmal genügt auch der gesunde Menschenverstand, um zu fragen, warum in Dritt-Welt-und Schwellenländern ein so gigantisches Interesse der Pharmaindustrie besteht, Ihre Impfstoffe “an den Mann /die Frau / das Kind zu bringen” .
Wer sich übrigens kritisch mit Impfungen auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich die Seite http://www.impfkritik.de oder die Zeitschrift “Impfreport”.

Hier wird manches zu lesen sein, was den unvereingenommenen (!!) Leser äußerst nachdenklich stimmen muss. Es ist aber natürlich auch jedem selbst überlassen, den Aussagen und Interessen der Pharma-und Impflobby zu folgen und natürlich ist es auch jedem überlassen, die massiven finanziellen Interessen dieser Lobby geflissentlich zu übersehen und danach zu handeln.

#4 |
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@Gast: Die von Ihnen zitierte “Quelle” ist eine der einschlägigen Verschwörungswebsites. Darüber hinaus haben Sie offensichtlich keinen Mut, Ihre zynischen Kommentare unter ihrem Realname abzugeben. Peinlich.

#3 |
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wie dürfen wir das verstehen ” Zuerst in Indien ausprobieren”?

#2 |
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Gast
Gast

Zuerst in Indien ausprobieren

Bill Gates’ Polio Vaccine Program Caused 47,500 Cases of Paralysis Death

#1 |
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