Bundeswehr: Ärzte aus dem EU-Ausland?

3. Januar 2019

Der Bundeswehr fehlen Ärzte. Jetzt soll geprüft werden, ob Bürger aus anderen EU-Staaten rekrutiert werden können. Die Union kritisiert: Diese Strategie kann das Personalproblem auf Dauer nicht lösen. Was macht die Bundeswehr für Ärzte so unattraktiv?

Die Bundeswehr hat Probleme ausreichend Ärzte und medizinische Assistenzkräfte zu finden. Der aktuelle Wehrbericht liefert Zahlen zum Fachkräftemangel. Auf den ersten Blick sieht alles gut: Bei Offizieren sind gute 90 Prozent der Stellen besetzt. Die Sanitätsversorgungszentren, die für die truppenärztliche und truppenzahnärztliche Versorgung verantwortlich sind, sind laut Bericht zu 85 Prozent besetzt. Das klingt wenig dramatisch. Aufgrund von Einsatzverpflichtungen, Urlaub oder aus anderen Gründen liegt die tatsächliche Zahl der medizinischen Fachkräfte vor Ort in der Regel aber deutlich darunter, heißt es in dem Bericht.

Fachleute aus EU-Staaten rekrutierten

Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, sagte gegenüber der Funke-Mediengruppe, man wolle deswegen Fachleute aus anderen EU-Staaten rekrutieren. „Wir reden hier beispielsweise von Ärzten oder IT-Spezialisten.“ Dies sei „eine Option“, die geprüft werde. In Zeiten des Fachkräftemangels müsse die Bundeswehr „in alle Richtungen blicken“. Laut dem Wehrbeauftragten des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), ist die Rekrutierung von EU-Ausländern bereits „eine Art Normalität“. In der Truppe gebe es bereits viele Soldaten mit Migrationshintergrund oder mit doppelter Staatsbürgerschaft.

Kritik kommt aus der Union. „Es mag Einzelfälle geben, in denen ein EU-Ausländer eine dringend benötigte Spezialfähigkeit sinnvoll in die Truppe einbringen kann“, erklärt Henning Otte (CDU). „Aber das ist keine Lösung für unser Personalproblem.“ Er hält es für sinnvoller, die Attraktivität der Truppe zu erhöhen. Warum entscheiden sich Ärzte mehrheitlich gegen die Bundeswehr? Das hat mehrere Gründe.

Riskanter Dienst

In den letzten Jahren ist die Bundeswehr zur Einsatzarmee geworden, davon zeugen etliche Auslandseinsätze. Das wirkt sich auf die Arbeitsbedingungen aus. Naheliegend ist, dass nur wenige Ärzte bereit sind, tausende Kilometer entfernt von ihrer Heimat zu arbeiten und ihr Leben dabei möglicherweise zu riskieren. Als beweglicher Arzttrupp begleitet medizinisches Personal der Bundeswehr im Ausland Patrouillen, die jederzeit angegriffen werden können.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Junge Medizinstudenten werden vor allem von der lange Bindung an die Bundeswehr abgeschreckt. Die Mindestverpflichtungszeit liegt üblicherweise bei 17 Jahren, in der die Studienzeit inbegiffen ist. Wer vorher aussteigt, muss zahlen. Das bestätigt ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig (Az.: 2 C 16.16) aus dem Jahr 2017.

Die Klage ging auf mehrere Bundeswehrsoldaten auf Zeit zurück, die auf Kosten des Bundes ein Medizinstudium absolviert hatten. Sie verpflichteten sich, zehn Jahre nach Abschluss des Studiums in der Bundeswehr als Sanitätsoffiziere Dienst zu leisten. Allerdings stiegen sie schon nach zwei bzw. drei Jahren aus, um nach einer zivilen Tätigkeit zu suchen. Letztendlich summierten sich alle Rückforderungen pro Kopf auf sechsstellige Beträge. Es mag aus Sicht der Bundeswehr verständlich sein, so zu handeln. Die starre Laufbahn ist für Ärzte in spe jeoch nicht besondes attraktiv.

 

25 Wertungen (3.92 ø)

7 Kommentare:

Gudrun Carius
Gudrun Carius

Die Bundeswehr sucht sich ihre Studienbewerber mehr nach Abinote als nach Vorerfahrung. Wenn dann ein smarter Student nach 5 Jahren bezahltem Studium beschließt, eine Prüfung zu wiederholen, um aus der Bundeswehr herauszukommen, kann man nur sagen: Das kommt davon! Die Abbrecherstory habe ich 3x unabhängig voneinander gehört, und meine Tochter wurde nach FSJ im Rettungsdienst nicht genommen – sie hätte sich nie getraut, eine Prüfung absichtlich zu versieben. Während dem Studium nur Bafögsatz zahlen und vielleicht eine Leistungszulage bei bestandenen Prüfungen, dafür mehr Kulanz bei Nachprüfungen würde vielleicht eher Bewerber anziehen, die auch bleiben.

#7 |
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Dirk-Justus Hentschel
Dirk-Justus Hentschel

Ein unverständliches Problem: Die Bundeswehr hat ein eigenes Kontingent an Medizin-, Zahnmedizin-, Veterinärmedizin- und Pharmaziestudienplätzen.

Sie ist also de facto unabhängig vom “Mediziner-Markt”. Wenn die Zahl der Mediziner nicht ausreicht, müsste Frau von der Leyen sich für eine deutliche Quotenerhöhung bei den Studienplätzen einsetzen.

Faustregel: Für jeden durch Wehrdienstverweigerung verlorenen Mediziner zwei zusätzliche Studienplätze für die Bundeswehr.

Es müssten auch nicht alle eine volle Verpflichtungszeit von 17 Jahren eingehen, vieleicht wäre eine andere Laufbahn möglich:
1. Studienplatz der Bundeswehr mit freiem Studium ohne Geld- oder Sachbezüge.
2. Freie Facharztausbildung in zivilen Kliniken
3. Mit Facharztanerkennung als Gegenleistung für den Studienplatz Verpflichtung zu einer Dienstzeit von 3 Jahren oder Zahlung einer Ausgleichsprämie von 100.000 EUR, falls der Dienst verweigert wird.

Dieser Weg wäre sicher auch für die Bundeswehr günstiger, als 6 Jahre ein Studienstipendium unter vollem Leutnantsgehalt zu finanzieren.

Und viele angehende Mediziner wären froh, gleich studieren zu können, statt 14 Semester (!) auf einen Studienplatz zu warten. Davon müssten sie dann weniger als die Hälfte der Wartezeit in Uniform Dienst leisten.

#6 |
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Dr. med Klaus Thomas Kumpe
Dr. med Klaus Thomas Kumpe

Aus eigener über 35 jähriger Erfahrung als Offizier und Arzt kann ich bestätigen, dass gerade diese Kombination – militärische Führung und Medizin – in vielen Bereichen ergänzend sind und viel Freude machen (können).
Die Bundeswehr stekkt genügend Sanitätsoffizieranwärter ein – allein die Pflege der sogenannten “Bestandskunden” ist – ähnlich wie bei Energieversorgern und Kfz-Versicherern (nur Neukunden werden beworben, der jährliche Wechsel wird mit Prämien belohnt) ist miserabel: Die korrekte Verwaltung eines Mangels hat Vorrang vor der Auftragserfüllung (Controlling, Qualitätsmanagement, allein der Versuch, aus Streitkräften ein “Profit-Center” zu machen ist absurd!):
Dazu kommt, dass die Perspektiven in zivilen Tätigkeiten außerhalb der Streitkräfte (und auch außerhalb Deutschlands!) seit Jahren wesentlich attraktiver sind. Vor und während des Studiums gegebene Zusagen des Dienstherrn wurden – sicherlich der Not folgend – ohne wirksame Erklärung nicht eingehalten.
Das wirkt sich ganz wesentlich auch auf die Maßnahmen der Nachwuchswerbung in den Medien und durch personelle Werbemaßnahmen aus: Wenn die dort dargestellten Bedingungen durch Äußerungen von bereits im Dienst befindlichen “Bestandskunden” widerlegt werden.
Ich habe meinen mit Freude ausgeübten Beruf als Sanitätsoffizier (Offizier und Arzt), in dem ich eine sehr große Zahl verschiedener Tätigkeiten ausgeübt habe, nach über 35 Jahren gekündigt und eine mich ebenfalls mit Berufsfreude erfüllende Tätigkeit gefunden – die Anforderungen mit den “Gesundheitsverwaltern” von KV über GV der Krankenversicherungen (“Grüß Gott Herr von Stackelberg”) bis zum “Spahnsinn” (alle Arzttermine über zentrale Servicestellen vergeben!) halten mich beweglich und fit – und die Arbeit für meine Patienten bereitet Freude.

#5 |
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Arzt | Ärztin

Die Frage, um die es sich dreht ist, wie viele Sanitätsoffiziere der Bundeswehr fehlen. Nicht Ärzte an sich sind das zu besetzende Fehlobjekt, sondern solche, die eben bereit sind nicht nur Arzt zu sein, sondern Offizier, Soldat mit allem, was dazu gehört. Eben auch neben der ärztlichen Tätigkeit die Pflichten zu erfüllen hinsichtlich körperlicher Leistungsfähigkeit und den Einsatzverpflichtungen. Elegant finanziell gesponsert zu studieren darf nicht die Motivation sein zur Bundeswehr zu gehen. Man entwickelt sich weiter während des Studiums, setzt vielleicht andere Schwerpunkte, sodass das Konzept der Sanitätsoffizieranwärter bei manchen zur Stolperfalle wird, wenn persönliche Planung und Verwendungsplanung weit auseinander liegen. Wenn dies dann in einer kostenpflichtigen Entlassung mündet ist das verglichen mit statistisch besetzten Stellen einsatzunwilliger und unmotivierter Ärzte das kleinere Übel. Und wenn sich in Zeiten zunehmender und notwendiger Internationalisierung willige und motivierte Kameraden finden, ist das doch eine gangbare Alternative. Unabhängig davon kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die medizinische Ausbildung bei der Bundeswehr deutlich besser ist als in der privatisierten zivilen Welt, wo Patienten wie auch das Personal zu Wirtschaftsgütern geworden sind, die möglichst gewinnbringend verarbeitet werden müssen.

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Medizininformatiker/in

Man sollte nicht unterschätzen was es bedeutet einen Kriegsdienst live zu leisten! Einmal fehlt es an der Vorstellungskraft daran, zum anderen entwickelt man sich im studium über die Jahre weiter. Ob man dann noch in der Lage ist sich der bisher unvorstellbaren Realität im Auslandseinsatz zu stellen, lass ich mal dahingestellt.
Ich habe im Saninätsdienst im Ausland, meine Erfahrungen gesammelt und mein allergrösster Respekt gilt allen die trotzdem bereit sind dort Ihren Dienst zu leisten. Jedoch hab ich auch Verständnis für die, die sich warum auch immer dazu entscheiden dies nicht tun zu können. Das sie dann kostenpflichtig befreit werden sollte selbstverständlich sein denn deren Einkommen in der Zeit ist wirklich nicht unerheblich.

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Stefanie Roché
Stefanie Roché

Starre Laufbahn nicht nur, was die Zeitspanne angeht. OTon Ausbilder “Wie? Handchirurgie? Frauen bekommen nur eine Weiterbildung für Allgmeinmedizin.” und Tschüß!

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Gesundheits- und Krankenpfleger/in

Wenn ich 7 Jahre auf Bundeskosten lebe und studiere, ist es doch nur rechtens, dafür eine Gegenleistung zu erbringen. Die (Bundeswehr)-ärzte beziehen ja sicher auch nach dem Studium ihren Sold. Bekommen Fortbildungen…..auf Bundeskosten.
Wenn ich zivil studiere und das Glück(?) habe durch Bafög einen Teil meines Lebensunterhalts zu bestreiten, muss ich nach dem Studium auch eine nicht unbeträchtliche Summe zurückzahlen.
Also, liebe Bundeswehrstudenten, wenn man schon während des Studiums finanziell deutlich besser gestellt ist, nach dem Studium keine Sorge um Zulassung,Anstellung,soziale Absicherung haben muss…..dann wird auch noch geklagt,wenn man zur Kasse gebeten wird,weil man seine freiwillig eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt? Also in meinen Augen: armes Deutschland…Generation Ponnyhof lässt grüßen.

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