Praxisübergabe: Nichts schwieriger als das

11. Januar 2019

Für Ärzte wird es immer komplizierter, an der Schwelle zum Ruhestand ihre Praxis zu verkaufen. Zwei Kollegen berichten von ihrem Verkauf. Der Trend geht klar in Richtung MVZ oder Berufsausübungsgemeinschaft. Die Selbstständigkeit hat an Attraktivität verloren.

In Kürze steht ein gewaltiger Generationenwandel an: Jeder dritte niedergelassene Arzt ist mittlerweile 60 Jahre alt, berichtet die Bundesärztekammer. Zuletzt lag das Durchschnittsalter aller Hausärzte bei 54,7 Jahren, und bei Fachärzten waren es 53,6 Jahre. Einzelpraxen standen mit 55,8 Jahren Altersdurchschnitt weit vorne, gefolgt von Gemeinschaftspraxen (52,7 Jahre) oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZ, 52,1 Jahre). Das heißt: In Kürze müssen viele Praxen übergeben werden. Doch das wird keine leichte Aufgabe, denn es gibt zu wenig Nachfolger. Auf der Suche nach Gründen sprachen wir mit zwei Ärzten und haben einen Blick in Umfragen geworfen.

„Ärztefeindlichkeit“ und „fehlende Unterstützung“ für Niedergelassene

„Ich habe seit 2002 niedergelassen in der eigenen Praxis gearbeitet, meine Praxis aber zum September 2018 aufgegeben“, erzählt der Neurochirurg Dr. Martin Gliese (59) im Gespräch mit DocCheck. „Meine Hauptgründe waren die Veränderungen der letzten Jahre im Gesundheitssystem, insbesondere die aktuelle Politik von Jens Spahn und die Angriffe auf den Datenschutz.“

Gliese spricht von „Ärztefeindlichkeit“ sowie von „fehlender Unterstützung durch Politiker und KVen bei der Praxisführung und Telematik-Infrastruktur“. Sein Fazit: „Das wollte ich nicht mehr mitmachen, und ich habe meine Praxis an ein MVZ verkauft.“ Als Vorlaufzeit gibt er anderthalb Jahre an. „Man braucht Zeit dafür, das geht nicht von heute auf morgen“, sagt der Kollege. Ihm war es ein Anliegen, dass der Nachfolger sozial verträglich alle Arbeitsverhältnisse seiner Angestellten übernimmt. Gliese selbst arbeitet bis zum Ruhestand noch ein paar Jahre im Krankenhaus.

Sein Rat lautet: „Ich würde allen Ärzten, die sich selbstständig machen wollen, raten, sich gut zu überlegen, ob sie sich in diesem staatlichen Gesundheitssystem wiederfinden und weiterarbeiten möchten.“ Besser sei, über berufliche Alternativen nachzudenken. „Die Honorare aus unserem GKV-System sind immer weniger geworden, die erbrachten Leistungen werden schon seit Jahren nur noch zu 70 bis 80 Prozent von der KV abgerechnet bzw. vergütet, und seit etwa fünf Jahren können wir damit nicht mehr kostendeckend arbeiten.“

Er selbst musste in letzter Zeit deshalb die Personalkosten senken. „Gut laufende Praxen leben ja nicht vom GKV-System allein, sondern von Privatversicherten, von Kooperationen mit Krankenhäusern etc.“, sagt Gliese. Er kritisiert, immer häufiger würden individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) mit „grenzwertigem Nutzen“ verkauft: Ein Trend, den er ablehnt.

Als Niedergelassene „nur noch Pflichten, aber keinerlei Rechte“

Mit Medizinischen Versorgungszentren hat der Chirurg Michael Rost (68) ganz andere Erfahrungen gemacht. Das kam so: „Nach meinem 60. Lebensjahr erreichten mich über Rechtsanwälte öfters Anfragen von Ärzten, die Interesse an einer Übernahme hatten.“ Rost war seit 1988 Inhaber einer chirurgischen Einzelpraxis. „Den Kollegen ging es aber nur darum, meine Zulassung zu übernehmen, sie wollten die Praxis nicht weiterführen.“ Auch über den Preis habe man sich nicht verständigen können.

Annoncen in der Fachliteratur brachten keinerlei Resonanz. Schließlich zeigte ein Krankenhaus Interesse. Es bot an, Rosts Praxis mit allen Angestellten und allen Unterlagen in ein MVZ zu übernehmen.

Rost selbst wurde vom Inhaber zum Angestellten, was er bis heute nicht bereut: „Die wirtschaftlichen und haftungsrechtlichen Rahmenbedingungen sind so extrem geworden, dass ich niemandem raten würde, das Risiko einer eigenen Praxis auf sich zu nehmen“, so Rosts Fazit als Chirurg. „Wir haben als Niedergelassene nur noch Pflichten, aber keinerlei Rechte.“ Alternativ auf Privatpatienten zu setzen und auf sichere KV-Honorare zu verzichten, sei eine riskante Strategie. Nicht an jedem Standort sei die Klientel vorhanden. Aber warum betreibt das Krankenhaus überhaupt ein MVZ? Rost vermutet, dies sei eine Möglichkeit, um stationäre Patienten zu rekrutieren. So manches MVZ schreibe rote Zahlen, werde aber trotzdem weiter betrieben.

Einzelpraxen – eine aussterbende Spezies

Beide Kollegen berichten unisono, dass die Einzelpraxis an Attraktivität eingebüßt hat. Nun sind zwei Meinungen noch lange kein Trend. Aber in ihrer Studie „Zukunft Heilberufler 2030“ kommt die apoBank zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Basis waren Interviews mit Young Professionals zwischen 25 und 40 Jahren. Sie werden im Jahr 2030 eine tragende Rolle im Gesundheitssystem haben.

Ärztinnen entscheiden sich den Befragungen zufolge am häufigsten für eine Anstellung im MVZ (23 Prozent), gefolgt von der Anstellung in einer Praxis (14 Prozent). Selbstständige Tätigkeiten in unterschiedlichen Bereichen (< 11 Prozent) waren nicht sonderlich beliebt. Anders bei den männlichen Ärzten: Sie sehen sich vor allem selbstständig in Berufsausübungsgemeinschaften (BAG, 20 Prozent), aber auch angestellt im Klinikum (19 Prozent).

Noch ein Blick auf die Zahnmedizin: Sowohl Zahnärzte (35 Prozent) als auch Zahnärztinnen (23 Prozent) stellen sich vor, in einer BAG zu arbeiten. Gerade Ärztinnen können sich vorstellen, in Teilzeit zu arbeiten (zwei Drittel Zustimmung), aber auch ein Drittel aller Ärzte ist dem Gedanken gegenüber offen. Das heißt: Selbstständige Tätigkeiten sind für Young Professionals nur noch eine von vielen Optionen.

„Ich hatte kein Problem, Nachfolger zu finden“

Das sehen Kollegen aus der Praxis ähnlich. Für Dr. Hubertus Koenen aus Titz-Müntz (Nordrhein-Westfalen) gewinnen größere Gemeinschaftspraxen in Zukunft an Bedeutung. Sie bieten unterschiedliche berufliche Perspektiven, je nach Lebensplanung: Es gibt neben der Inhaberin oder dem Inhaber angestellte Ärzte mit geregelten Arbeitszeiten. Auch Koenen ist vom Inhaber zum Angestellten geworden. Er verkaufte seine hausärztliche Praxis vor drei Jahren ohne Probleme. Das kam so: „Seit 1990 hatte ich immer ärztliche Weiterbildungsassistenten. Und ich konnte das bekannte Vorurteil an Unis, Allgemeinmedizin sei furchtbar, in meiner Praxis korrigieren.“

Durch Lehraufträge an zwei Hochschulen stand er immer mit angehenden Ärzten in Kontakt. „Ich hatte kein Problem, Nachfolger zu finden“, erzählt Koenen. Ein früherer Weiterbildungsassistent ist Inhaber geworden. Über Kollegen, die mit 65 Jahren langsam beginnen, Käufer zu suchen, vorher keine Kontakte aufgebaut haben und potenziellen Interessenten eröffnen, dass sie noch einige Jahre gleichberechtigt mitarbeiten wollen, kann er sich nur wundern. Daher sagt er: Ohne langfristige Strategie gelingt der Übergang nur selten.

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Bildquelle: Anete Lusina, pexels / Lizenz: CC0
Gesundheitspolitik, Medizin
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10 Kommentare:

Meinen orthopädischen Kassensitz habe ich bereits 2010 an ein MVZ verkauft. Führe nun eine Privatpraxis und habe diesen Schritt nie bereut. Bereut habe ich, dass ich als Kassenarzt angefangen habe. Von der KV wurde ich über 18 Jahre nur verarscht. Die KV ist eine Mafia, wo nur die Funktionäre das Geld abgreifen. Ich kann jedem nur abraten in dieses System einzusteigen. Die Gesundheitspolitik ändert sich ja nicht, man sieht es doch mit dieser Fehlbesetzung Spahn.

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Dr. med. Walter Müller
Dr. med. Walter Müller

Das stimmt alles, was die Kollegen und Kolleginnen darstellen. Ich habe in einer Einzel- und später in einer Gemeinschaftspraxis insges. 31 Jahre gearbeitet. Wir waren zu viert und dann zu 6 Kollegen an 2 Standorten. Arbeitsteilung in Finanzen, Personal etc jeder für das Gesamte mitveran-twortlich. M.E. tun ÄK , KV und Berufsverbände nichts um den Ärztemangel in Stadt und Land intelligent anzugehen. Wenn sich ein single alle 11 min verliebt ,warum gibt es keine gute Partnerbörse für junge Kolleginnen und Kollegen, die sich je nach Alter und Familienstand die Arbeit, Verantwortung und Finanzen und Risiken teilt ? Da die ÄK vom Marburger Bund dominiert sind und er der hauptsächlich angestellte Ärzte vertritt, wäre es ja schön wenn wenigstens die anderen Interessenvertreter sich auf den Weg machen würden. Der Weg ins MVZ entspricht ja dem Wunsch nach Team-arbeit und Entlastung vom Bürokram, das MVZ ist aber fremd- und nicht selbstbestimmt. Jeder Assistent kennt Kollegen, mit denen er sich eine gemeinsame Niederlassung vorstellen könnte. Damits klappt erfordert es aber auch eines gewissen Handwerkszeugs wie Rechtsgrundlagen, Personalführung, Teamfähigkeit, Supervision, Finanzfragen u.m.

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Die Statistik über die Altersverteilung und das mittlere Alter der Kollegen in den einzelnen Formen der Berufsausübung ist Banalität.

1) In MVZs werden angestellte Ärzte mitgezählt, die kurz nach der Weiterbildung eine Übergangsphase bis zur Niederlassung durchleben – eine “Bedenkzeit”.
2) Nach einer Niederlassung hat der Arzt 30 Jahre Berufsleben noch vor sich, bis er “zwangsberentet” wird. Er kann zwar weiterarbeiten, aber nicht als Kassenarzt.
3) Die Facharztanerkennung erfolgt i.d.R. zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr, im Mittel mit 37 J. Daraus ergibt sich – bis zur Zwangsberentung ein arithmetisches Mittel von 52 J.
4) Nach der Facharztanerkennung folgt nicht unmittelbar die Niederlassung. 3 Jahre Bedenkzeit ergibt Niederlassung mit 40 oder mehr. Die Verteilung – abzüglich unerwarteter Todesfälle – ergibt eine nahezu ideale Gauß-Verteilung.
5) Vor 20 Jahren war die Niederlassungs-Willigkeit größer als heute, wo “Work-Life-Balance” im Vordergrund steht. Daraus resultiert die leichte Verschiebung der Gauß-Verteilung zu höherem Lebensalter.

Ein genereller “Generationen-Wechsel” steht also n i c h t an – weil Generationen nicht abgrenzbar voneinander sind. Für die Einzelpraxis schon, wenn der Inhaber, >60 an einen 40-Jährigen übergibt.

Für die Übernahmewilligen: Sie haben n i c h t unendliche Zeit zur Verfügung, um Ihre Investition zu tilgen und d a n a c h Vermögen anzusparen. 1/3 Ihrer Niedergelassenenzeit dient der Tilgung, 2/3 dem Ansparen. Da müssen Sie sich ganz gut ranhalten! Ihr Klassenkamerad, der durchgefallen ist und mit 16 eine Lehre begonnen hat, ist Ihnen, der Sie mit ca. 49 schuldenfrei (also Null-Null ) sind, um 30 Jahre voraus, in denen er gut verdient, seinen Meister gemacht und ein Unternehmen gegründet und betrieben hat, wo Sie noch von den Eltern subventioniert wurden. Bafög-Darlehen hat er auch nicht abzuzahlen … Letztlich – im Vergleich – ist der Gescheite der Dumme und der Dumme ist gescheit…

Insofern ist der Artikel Schmonzes, die Statistik ist nicht anders zu erwarten. Panikmache ist nicht angesagt.

Ich würde es mir wünschen, daß Unternehmens-, Lebens- oder Lebenslaufberater und natürlich auch die dahinter agierenden “Wissenschaftler” endlich mal die Realität zur Kenntnis nehmen würden, daß Lehrberufler i.d.R. hinsichtlich ihrer Lebensleistung wirtschaftlich erfolgreicher sind als Akademiker. Die PISA- und OECD-Mahnungen, mehr Akademiker zu erzeugen, sind f a l s c h !

Und dennoch hat der Artikel insoweit recht: Wer niedergelassen ist, sollte sich frühzeitig, spätestens v o r dem 60. LJ, nach einem Partner, der übernahmewillig ist, oder nach einem Käufer umsehen. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert Jahre. Und unter Zeitdruck zu verhandeln ist G i f t. Der Käufer kann auch ein MVZ sein. Wer erst mit 65 sich auf den Weg macht, wird v e r l i e r e n , Geld, Zeit und Nerven. Lieber – wenn man denn eine Übernahme gefunden hat, selbst früher in Rente gehen – jedes nicht gearbeitete Jahr schenkt die doppelte Zeit als Überlebenszeit! -, notfalls Abschläge hinnehmen, aber noch verkaufen können.
Wer unbedingt weiterarbeiten will, weil es seine Berufung ist oder er sonst in das Rentnerloch der Langeweile zu stürzen fürchtet, kann es ja tun, als Privat-Kollege in seiner alten Praxis oder im MVZ oder auf See oder zu Hause in einer “Privat-Ambulanz”, er kann sich aber auch ein Hobby suchen, das ihn ausfüllt … Je früher man daran denkt, umso besser geht das vonstatten.

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Dr. med. Silke Zinke
Dr. med. Silke Zinke

Ja, es ist viel drum her rum, … aber ich kann die Kollegen nicht ganz verstehen.
Ich bekomme nur 65% meiner angeforderten Leistungen derzeit im GKV-System ausgezahlt, trotzdem kann man durch ein bisschen “Anpassung” ein gutes Gehalt erzielen.
Die Niederlassung bietet eine große Freiheit, und man kann am Ende mehr verdienen als im MVZ.
Ich finde es nicht gut, dass hier Fast-Rentner ihre Situation beschreiben (ich kann verstehen , dass man da lieber im MVZ noch ein wenig arbeitet) und damit die jungen Kollegen (auch bei den Studien der Aerztebank, werden Kollegen befragt, die gar nicht Erfahrungen gesammelt haben, sondern vor allem durch Meinungen beeinflusst werden) beeinflußt.
Selbständigkeit ist Verantwortung, aber auch ein großes Mass an Freiheit (ich kann alles auch die Arbeitsbelastung selbst!!! bestimmen), mit viel Gestaltungsfreihei (z.B. Bildung eines Teams, Selbstbestimmung usw.). Ich vermisse diese Punkte sehr in der Diskussion. Schade.

Ich hab als Frau, Mutter, Ärztin und inzwischen auch Berufspolitikerin … die Selbständig nicht nur nicht bereut, sondern plädiere dafür!!!!

#7 |
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Ich habe vor der Wende 10 Jahre als angestellte Ärztin für Allgemeinmedizin gearbeitet. Anfangs wurden wir innerhalb unseres Landkreises immer überall dorthin geschickt, wo akuter Ärztemangel war. Darüber hatten wir kein Mitspracherecht. Mit der Wende wurden wir in die Niederlassung gezwungen. Zusammen mit einer Kollegin bildeten wir 1992 eine Gemeinschaftspraxis in einer mittelgroßen Stadt. Bei allen anfänglichen Schwierigkeiten waren wir froh, endlich selbständig zu sein. Meine Kollegin erkrankte, eine Nachfolgerin kam vorübergehend, und seit 13Jahren bin ich jetzt zufrieden in meiner Einzelpraxis tätig. Meine wöchentliche Arbeitszeit beträgt oftmals 50 Std., aber gegenüber den 90er und 2000er Jahren ist das Honorar jetzt annehmbar, auch ohne Privatpatienten. Leider habe auch ich bisher keinen Nachfolger gefunden. Ich bin seit über 2Jahren in der Praxisbörse registriert, aber
kaum jemand will noch so lange arbeiten und ein finanzielles Risiko auf sich nehmen. Ich würde mich immer wieder in einer Einzelpraxis niederlassen, aber für junge Kolleginnen mit einer Familie mit Kindern ist eine Anstellung im MVZ zeitmäßig deutlich besser.

#6 |
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Ich führe eine große hausärztliche Praxis und bin seit 10 Jahren selbständig. 7davon als Doppelpraxis, nach dem Ausscheiden meines Praxispartners jetzt als Einzelpraxis. Ich habe aus einer für 2 Ärtze sehr kleinen Doppelpraxis inzwischen eine sehr große Einzelpraxis gemacht. Sie liegt in einem sozialen Brennpunktviertel einer norddeutschen Landeshauptstadt und der Privatpatientenanteil ist verschwindend gering. Ich bin weiblich und werde 55Jahre alt. Ich kann das hier gesagte mit der Verknechtung durch die Gestztgeber und das Honorarsystem nicht bestätigen. Es gibt immer Spielräume, im Einklang mit der geltenden Rechtssprechung Medizin auf hohem Niveau zu machen, die Patienten gut zu versorgen und selbst auch von dem Honorar als Kassenärztin gut zu leben. Natürlich ist das viel Arbeit, aber gerade der betriebswirtschaftliche Aspekt ist reizvoll und die Arbeit vielseitig.
Ich bin zu keiner Zeit meiner Berufstätigkeit so zufrieden gewesen wie aktuell und ich mache mir keine Sorgen über die Übergabe. Diese Praxis besteht an diesem Standort mit wechselnden Inhabern seit 40 Jahren und wird auch nach mir weiter bestehen.
Und die viele Arbeit? Na , aus irgendeinem Grund ist man doch mal Arzt geworden.

#5 |
  5

Aus Rücksicht auf die eigene Gesundheit musste ich vor 6 Jahren innerhalb kurzer Zeit zwei meiner Praxen verkaufen. Es war sehr mühsam, Nachfolgerinnen mit einem ähnlichen Einsatz und Leistungswillen zu finden.
Bei der dritten, eigentlich nur zum Nebenerwerb gegründet, war es gänzlich unmöglich eine Nachfolgerin zu finden. (Nachfolger sind in der Veterinärmedizin mit unter 10% männlicher Absolventen sowieso kaum zu entdecken.)
Aber die beiden Grundsatzfragen aller Interessenten lauteten immer: wieviel Stunden arbeiten Sie und weiviel bleibt dabei für Sie übrig?
Legitime Frage. Aber wenn die Antwort 1 lautete: um die 60 Wochenstunden plus Dienste, dann ging das Interesse meiner prospektiven Nachfolgerinnen gegen Null.
Es ist sehr leicht der Generation Y vorzuwerfen, sie schiele immerfort nur auf eine nette work-life-balance, wo sich die Waage ganz deutlich zugunsten des “life” neigt. Wir Älteren, wir “Vorbilder”, waren halt die nie präsenten Väter. Aber ich meine , hier schwingt das Pendel zu weit in die Gegenrichtung.
Gerade die Selbstständigkeit bietet doch ungeheure Chancen im Vergleich zu all diesen befristeten Kurzzeitverträgen und Jobs auf Sicht. Und wer eine gut eingeführte Praxis übernimmt, hat weitaus weniger berechtigte Existenzängste, als ein Praxisgründer, der sich eventuell auf Jahre immens verschuldet, ohne zu wissen, ob er in 12 Jahren noch gesund genug für den Schuldendienst an die Apobank ist.
Also bitte: habt mehr Mut, dann kommt auch mehr raus!

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Student der Humanmedizin

Das ist auch etwas, was ich nicht verstehe. Hausärzte insbesondere Landärzte sind Mangelware. Lösungsideen? Verpflichtungen für neue Medizinstudenten wie vorgeschriebene Anteile des praktischen Jahres in Hausarztpraxen oder eine 5% Quote die sich von Anfang an als Landarzt verpflichtet. Wie immer lieber Zwang und wenn man nur genug drückt werden es die Leute schon machen. Die Idee klassische Einzelpraxen für Ärzte wieder attraktiver zu gestalten scheint leider keinem zu kommen, lieber immer noch mehr Pflichten und weniger Rechte wie es oben so schön heißt und dann wundern wenn es keiner mehr machen will.

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Dr. med. Antje Pauly
Dr. med. Antje Pauly

Mit Berichten wie diesem werden die jungen ÄrztInnen immer wieder in der Überzeugung bestätigt, dass das Leben als Angestellte in einem MVZ oder einer Praxis wäre einfacher als die Selbstständigkeit. Vor- und Nachteile einer Selbstständigkeit werden nicht dargestellt. Als angestellte Ärztin muss man auch all das beachten, worüber viele selbstständige Ärzte klagen, wie Laborbudgets, Regelleistungsvolumen, Leitsubstanzen, Heilmittelbudgets ect. Auch den ganzen Bürokratiekram wie Anträge, Atteste ect. muss die angestellte Ärztin ausfüllen. Gut sie muss sich nicht um die Fianzierung des Praxiskaufs kümmern. Aber das ist eine einmalige Arbeit. Ich verdiene als Teilhaberin einer 2 er hausärzlichen Gemeinschaftrspraxis deutlich mehr als angestellte Ärztinnen und kann mit Absprache mit meinem Partner meinen Arbeitsplatz selbst gestalten. Wieviele und welche Mitarbeiterinnen wollen wir beschäftigen, welche Untersuchungsgeräte wollen wir in welcher Qualität haben ect. Bei einer hausärzliche Gemeinschaftspraxis in guter Lage besteht kein finanzielles Risiko. Und wenn ein MVZ in finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte, wer muss dann gehen, die angestellte Ärztin oder der Inhaber ??? Macht den jungen Ärzten Mut zur Niederlassung! Von der Anstellung von Ärzten profitieren nur die Praxis – bzw. MVZ Inhaber!

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Dr. med. Erika Plöntzke
Dr. med. Erika Plöntzke

Durch die Wende wurde ich in die Selbständigkeit gezwungen, zum Glück hatte ich 25 Jh Berufserfahrungen und profitierte von meinen alten Beziehungen, aber gut fand ich es nicht, weil ich für alles alleine verantwortlich war.Einen Psychologen durfte ich erst nicht anstellen und keinen Sozialarbeiter, was aber gut gewesen wäre.Ich denke,dass die Einzelkämpfersituation weder für Facharzt noch für
Patient günstig ist.Die Nachfolge löste dann meine Tochter ,d.h.unter finanziellen
Mindestaufwand verzichtete ich auf alle Möglichkeiten weiterhin zu arbeiten.Abgesehen von den privaten Anspannungen.Erika

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