Praxis: Ärzte sollen samstags arbeiten

21. Dezember 2018

„Sprechzeiten beim Arzt müssen flexibler werden.“ Diese Erwartung hat der GKV-Spitzenverband in einem Statement formuliert. Konkret heißt das: Arztpraxen sollten auch am frühen Abend und samstags geöffnet sein.

Folgendes Statement veröffentlichte der GKV-Spitzenverband auf seiner Website:

Mittwoch und Freitag hat am Nachmittag der Großteil der Arztpraxen geschlossen, Sprechstunden am Abend sind eher selten, am Samstag werden sie faktisch gar nicht angeboten. „Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen. Denn Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte“, resümiert Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage unter 1.400 niedergelassenen Ärzten in einem Gespräch mit dpa.

Danach haben mittwochs zwischen 14.00 und 17.00 Uhr 20 Prozent der Praxen Sprechstunden, freitags unter 20 Prozent. Am Montag, Dienstag und Donnerstag bieten etwa 52 bzw. 53 und 59 Prozent der befragten Praxen Sprechstunden nach 18 Uhr an. Bisher hat rund jede zehnte Arztpraxis zumindest zwischen 19.00 und 20.00 Uhr Sprechstunde. „Diesem guten Vorbild sollten viele Ärzte folgen, damit die Menschen besser versorgt werden können. Gerade am frühen Abend und an den Wochenenden muss sich einiges ändern“, so von Stackelberg weiter.

Stackelberg mahnt zudem an, dass Ärzte, die nur die Mindestzahl von derzeit 20 Sprechstunden pro Woche anbieten, in dieser Zeit keine Privatpatienten behandeln und Privatleistungen anbieten dürften: „Für private Zusatzgeschäfte müssen zusätzliche Termine und Sprechstunden angeboten werden“, fordert er. In der vom GKV-Spitzenverband in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage gaben 99 Prozent der Ärzte an, in den Sprechzeiten auch Privatpatienten zu behandeln.

Damit es nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch genug Ärzte für die ganz normalen Erkrankungen gibt, müsse zudem stärker vorgegeben werden, was im Rahmen von Sprechstunden möglich ist und was nicht: „Manchmal gibt es nur auf dem Papier genug Ärzte, weil zum Beispiel ausreichend Augenärzte da sind, diese aber operieren und deshalb für einfache Augenerkrankungen oder Routineuntersuchungen keine Zeit haben“, erläutert er gegenüber dpa. “Hier müssen Ärzte und Krankenkassen bei der Verbesserung der Bedarfsplanung Hand in Hand arbeiten“, so von Stackelberg abschließend.

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Die DocCheck Redaktion möchte das Thema aufgreifen und in wenigen Tagen in einem Artikel umfassend beleuchten. Wie sehen Sie als niedergelassener Arzt die Situation? Muss sich etwas ändern? Geben Sie von Stackelberg recht? Oder können Sie viel besser die Aussagen von Andreas von Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), nachvollziehen? Er schrieb: „(…) Die Aussagen des GKV-Spitzenverbands sind ein Schlag ins Gesicht der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und zeugen von der Ferne von Krankenkassenfunktionären zur Versorgung von Patienten. Die Niedergelassenen arbeiten 52 Wochenstunden im Schnitt und leisten häufig viel mehr Sprechstunden als sie müssten. (…)“

Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare oder schreiben Sie uns eine Mail an: feedback_news@doccheck.com

28 Wertungen (4.07 ø)

27 Kommentare:

Heilpraktikerin

Diese Forderungen beschleunigen nur den Wegfall der selbständigen Einzelpraxen hin zu profitmaximierenden Ärztezentren, da sie von einem niedergelassenen Arzt gar nicht mehr erfüllbar sin.
Ob diese Forderungen für die Patienten Sinn machen, halte ich für fraglich.
Wie in den Kommentaren angedeutet, gibt es über die Notdienste m.E. wesentlich verträglichere (=machbarere) Lösungen zur Bedarfsdeckung.

Bei uns gibt es schon jetzt kaum einen eigenständigen Facharzt, der noch KV-Leistungen erbringen mag. Weitestgehend nur noch angestellte Ärzte, also weisungsgebunden an die Vorgaben ihrer Arbeitgeber.

Für die Patienten sehe ich darin einen nicht sehr vorteilhaften Trend einer immer unpersönlicheren Medizin und einen Ausbau der Zweiklassenmedizin. Einen Arzt, der den Patienten noch kennt und sich bei komplizierteren Problemen auch die notwendige Zeit nehmen kann (weil er eigenverantwortlich handeln darf), können sich wohl in Zukunft wohl nur noch Privatpatienten in den höheren Versicherungskategorien (nicht jeder PKV-Versicherte ist gut versichert) leisten.

Ich hoffe, dass sich genug Ärzte gegen diesen Trend stark machen können. Meine Achtung dafür!

#27 |
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Nichtmedizinische Berufe

Als Patient möchte ich mich in eigener Sache zu dieser Problematik aus meiner Sicht äußern.
Mein Wohnort ist Chemnitz. Wenn man nach Chemnitz zieht, muss man mit der Problematik leben, keinen Hausarzt zu haben. Auf Grund der Ärzte Situation gibt es keine freien Termine oder man hat das große Glück, dass gerade ein Paar Patienten verstorben sind. Das hat aber nichts damit zu tun, weil die Ärzte sich auf den Golfplätzen herumtreiben, sondern weil die Politik und Kassen der Auffassung sind, dass es genug Ärzte gibt, lt. Statistik.
Wartezeiten in überfüllten Praxen von mehr als zwei Stunden sind an der Tagesordnung. Termine für Spezialuntersuchungen wie MRD usw. sind rar und mit mindestens einer Wartezeit von einem viertel Jahr verbunden.
Das ist der Fakt in Chemnitz. Ich ziehe meinen Hut vor den Ärzten, die sich diesem Chaos Tag für Tag stellen und als Dank für ihre Einsatzbereitschaft sich noch das Geschwätz bestimmter Leute in Führungspositionen anhören müssen.
Als Dauerpatient mit Parkinson uns schwerer Polyneuropathie bin ich unmittelbar an der Praxis des Geschehens dran.
Was ich sehe ist, dass die Bürokratie im gesamten Gesundheitswesen sukzessive zunimmt und die Ärzte und Therapeuten nahezu überfordert. Diese Verfahrensweise kostet viel Zeit und Geld, und geht letztendlich von den Behandlungszeiten ab. Das Beste Beispiel ist der sogenannte “Datenschutz”, der nichts weiter ist als eine Zusatzbeschäftigung für den Bürger und den Mittelstand, wo der Staat versucht “Datensicherheit” vorzutäuschen. Ist meine persönliche Meinung. Über die Tonnen Papier, die dieser bürokratischer Kraftakt gekostet hat, spricht man nicht. Einen Nutzen für den Patienten kann ich allerdings nicht erkennen.
Solange es so ist, dass im Schriftverkehr mit einem Krankenhaus (kirchlich) zuerst der Verwaltungsdirektor, dann der Pfarrer und zum Schluss der Chefarzt unterschreibt, können wir uns alle Diskussionen über Menschlichkeit und Gesundheitspolitik für den Patienten sparen.
Noch eins, es gibt in Deutschland zig Krankenkassen, jede Kasse hat eine Führungsriege, die gute Gehälter einstecken. Über diese Gelder, die die Menschen mit Ihren Beiträgen finanzieren, spricht man nicht. Es wäre ein leichtes mit diesen Kassen aufzuräumen, die Gelder in ein solides Gesundheitswesen mit Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, Therapeuten und Pflegepersonal zu investieren und damit die Probleme auf ein normales Niveau zu bringen.
Leider ist die Lobby, welche gutes Geld für wenig Arbeit bekommt (nicht verdient) noch zu stark.
Liebe Ärzte, wenn Sie nicht zusammenhalten und sich gegen diese Lobby und Zustände auflehnen, arbeiten Sie bald 60 Stunden und mehr pro Woche und müssen das sinnlose Geschwätz der Besserwisser weiter erdulden.

#26 |
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@#23 stephanie von goldacker:
Ich weiß ja nicht, ob es wirklich die Stephanie von Goldacker mit einer Tierarztpraxis, Völkerstr. 2, in 91541 Rothenburg ob der Tauber ist?

Aber selbst wenn nicht, was ist daran denn so wi[e]derlich, dass sich niedergelassene Vertragsärzte weigern wollen, noch weitaus mehr als im Durchschnitt 52 Stunden pro Woche arbeiten zu müssen, um eine durchschnittliche “Kassenpraxis” zu führen, zumal Sie als Tierärztin ja eine reine Privatpraxis führen. Ihre Schimpftiraden sind kontraproduktiv.

#25 |
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#24: Was hat es mit Berufsethos zu tun, wenn sich Ärzte/Innen geregeltere Arbeitszeiten wünsche?

#24 |
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das gehabe niedergelassener deutscher ärzte ist teilweise einfach nur wiederlich , berufsethos fehlanzeige – weshalb sind sie alle ärzte geworden , wenn ihnen nichts/keinerlei zentrale eigenschaften des arztberufes passen – ach ja es geht ja ums geld – es wird zeit daß deutsche ärzte endlich von ihrem hohen ross heruntergeholt werden – gehen sie alle mal in andere länder arbeiten – egal ob industriestaaten oder 3.welt-länder – vielleicht bekommen wir dann endlich wieder anständigere ärzte

#23 |
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Nichtmedizinische Berufe

Dass nun alle Hausärzte samstags für die Notfälle eine Sprechstunde anbieten in die dann, wenn überhaupt, sich mal ein oder 2 Patienten “verirren”, halte ich für wenig wirtschaftlich.
Wieso baut man dann nicht besser die Bereitschaftsdienste aus und stattet diese mit einem Arzt mehr aus?
Da die Bereitschaftsdienste in oder neben einem Krankenhaus liegen, kann dann auch eine in Notfällen oft sinnvolle Blut- oder Röntgenuntersuchung schnell organisiert werden, was in Hausarztpraxen nicht möglich ist.

#22 |
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Unsere Gesundheitspolitik in Deutschland hat für eine wirklich gute ärztliche Versorgung mit deutschen Ärzten in Westeuropa gesorgt. Z.b. Schweiz ohne deutsche Ärzte , unvorstellbar. Skandinavien krank werden, kein Problem deutscher Arzt vor Ort. Nur in Deutschland braucht manch ein deutscher Patient das Vielsprachen-Lexikon um sich mit seinem Arzt zu verständigen.
Naja , dann vermehren unsere schlauen Poliker die Wochenarbeitszeit von von
70 auf 80 Stunden, super. Da lass ich dann meine Patienten unterschreiben, das ich jgl. Haftung wegen Üvbermüdung ablehne. Kassenanfragen bekommen den Einheitsbrief,das ich leider durch den Gesundheitsminister zu
anderen Tätigkeiten verpflichtet wurde.
Wenn wir das alle so machen brauchen wir nicht mal zu streiken.

#21 |
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Nichtmedizinische Berufe

“Für diese Zeiten gibt es eine Versorgung außerhalb der Notaufnahme. Hausärztlicher Notdienst wird nicht von der Bevölkerung angenommen. Sollte man nicht eher hier ansetzen?

#3 | 21. Dezember 2018 um 16:48

Das Problem des hausärztlichen Notdienstes bzw des Fahrenden Bereitschafts­dienst ist, dass keine Untersuchungen gemacht werden können. Als meine Tante erkrankte, riefen wir ihn und haben zwei Stunden gewartet. Der sehr nette Arzt schickte uns dann doch in die Notaufnahme – damit hatten wir aber Zeit verloren.
Als medizinischer Laie ist die Unterscheidung Lebensgefahr /Nicht- Lebensgefahr einfach nicht zu treffen, das erklärt wohl, warum der Service nicht gerne angenommen wird.
Meine Tante wurde dann nach einigem Hin -und Her noch in der gleichen Nacht operiert.

#20 |
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Unterdessen schlage ich vor, dass alle KollegInnen und ich Ihnen, Herr von Stackelberg, bzw. Ihnen, Herr Kollege Prof. Dr. Karl Lauterbach, persönliche Fotos unserer Praxisschilder per E-Mail schicken an:
kontakt@gkv-spitzenverband.de
und
karl.lauterbach@bundestag.de

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin in Dortmund

#19 |
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#18 |
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Der geschätzte Kollege Dr. Lorenz nimmt das Problem mit seiner bekannten Gelassenheit, frei nach dem Motto: “Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” Das ist in zunächst in keinster Weise zu kritisieren und sicherlich auch eine gesundheitsfördernde Einstellung. Als langjähriger Kliniker und Ehemann einer Vertragsärztin sowie Absolvent zahlreicher KV-Dienste habe ich von zwei Seiten Blick auf das System. Wie Dr. Lorenz angedeutet hat ist die Problematik so vielschichtig, dass eine Lösung schier unmöglich scheint. Ich sehe u.a. die KVen in der Pflicht, sich noch mehr hinter ihre Vertragsärzte zu stellen. Aber der Fisch fängt ja bekanntlich vom Kopf her an zu stinken. Die Höhe der Vorstands-Saläre erscheint mancherorts reziprok zur produktiven Arbeitsleistung. M. E. lassen sich die Vertragsärzte zu viel gefallen, gerade auch von den KVen. Ein Schulterschluss und verstärktes Aufbegehren wäre hier wünschenswert. Nur wie, wenn der Konkurrenzgedanke im Vordergrund steht?
Bzgl. der 116117 denke ich schon, dass zur Zeit ausreichend Aktionen laufen, die Nummer flächendeckend noch bekannter zu machen, die Wartezimmer müssten ja fast schon mit Postern und Flyern austapeziert sein. Solange es aber “Kollegen” im Notdienst gibt, die grundsätzlich jeden Hausbesuch zu vermeiden suchen, wird die Akzeptanz des Dienstes nicht größer werden und die Menschen weiterhin die Notaufnahmen aufsuchen. Dabei ist mir durchaus das hohe Missbrauchs-Potenzial bewusst: viele Patienten haben schon genau gelernt, welche Alarm-Symptome am Telefon geschildert werden müssen, um einen Hausbesuch auszulösen. Trotzdem, nicht nur wegen der Approbation: im Zweifel für den Angeklagten und lieber ein Besuch mehr, als einer zu wenig.

#17 |
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“Do you have Sex or are you playin’ golf”? Eine beliebte Frage auf Parties oder Abendgesellschaften. 
Der “geschätzte” Kollege Lauterbach von der SPD setzt noch einen drauf: “Lauterbach kartet nach – Ärzte zu oft auf dem Golfplatz” https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/978787/lauterbach-kartet-nach-aerzte-oft-golfplatz.html
Er kann wohl keinem Fettnäpfchen ausweichen? Am liebsten liest er trockene Studien, deren praktische Anwendungen er kaum realisieren dürfte, weil seine Approbation als Arzt bis 2010 ruhte, und er bis bis zum damaligen Zeitpunkt nicht mal Privatrezepte ausstellen konnte: Sollen er doch privat in Talkshows diskutieren, Bio-Körner mahlen, salzlose vegetarische Speisen zubereiten und niedergelassene Vertragsärzte bzw. -Psychotherapeuten “dissen” oder anderen Menschen sein angeblich vorbildliches gesundheitsbewusstes Verhalten aufdrängen wollen, das kann und darf er als persönliches Hobby gerne betreiben. 

Aber dann sollte er aufhören, professionell agierenden, niedergelassenen Vertragsärzten und Kollegen als Haus-, Familien- und Fachärzten bzw. psychologischen Psychotherapeuten vorzuschreiben, wie sie ihre “Work-Life-Balance” erhalten und bei einer 50-Stunden-Woche ihre Freizeit gestalten wollen. 

Ich persönlich hasse vielleicht den VW-Golf-Diesel, aber doch nicht den Golf-Sport. Für mich persönlich ist seit 1994 Skifahren das Größte an Entspannung, Rekreation und Herausforderung: In einer Gruppe über 50 Km fahren, einige tausend Höhenmeter überwinden und die unendliche Weite der winterlichen Gebirgslandschaften genießen. 

Aber Kollege Lauterbach, mal ganz im Ernst, und nicht mehr in der 3. Person wie vielleicht beim Freiherrn von Stackelberg angemessen, bitte versuchen Sie nicht, ihre Kolleginnen und Kollegen an den Frontlinien der ambulanten, bio-psycho-sozialen Versorgungsebenen mit billigen “Golfplatz”-Unterstellungen zu diffamieren, zu denunzieren, bloßzustellen, auszugrenzen und zu schikanieren. Golfspieler sind eine insignifikante Größe bei ca 172.000 niedergelassenen Vertragsärztinnen und Vertragsärzten bzw. Psychologischen Psychotherapeuten. 

Sonst müsste ich ja noch auf meine alten Tage auswandern, wenn Sie auf einmal doch Bundesgesundheitsminister werden würden? 

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#16 |
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Oder wir treten alle in den Ausstand. Das wird aber nicht stattfinden, denn es gibt genug “Kollegen”, die auf den anderen Zug aufsprigen. Daß wir uns nicht untereinander einigen können, ist unser Problem. Wir sind keine Kollegen. Wir sind in Wirklichkeit Konkurrenten. Jeder kämpft um seinen Vorteil.

#15 |
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Super spitzen Beitäge. Die KV bleibt aber die KV. Das System bleibt das System. Wir werden nichts daran ändern können. So ungerecht wie es ist.

#14 |
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Wie kann man nur so mit uns Vertragsärztinnen und Vertragsärzten bzw. -Psychotherapeuten umspringen?

Der Spitzenverband Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen scheint damit das “Sozialverträgliche Frühableben” von Vertragsärzten herausfordern zu wollen?
Der Vize-Vorstandsvorsitzende des SpiBu und gelernte Betriebswirt (Uni Köln), Freiherr Johann-Magnus von Stackelberg, gibt der Deutschen Presse-Agentur ein Interview: So weit, so gut.

Aber ist das jetzt eine private Meinungsäußerung, außerhalb seiner vertraglichen Dienstzeit, die sowieso in etwa 6 Monaten enden wird? Und ist ihm wenigstens bewusst, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesetzlichen Krankenkassen als Sozialversicherungs-Fachangestellte eine tariflich vereinbarte 39-Stunden-5-Tage-Woche genießen.

Und sollen die Forderungen nach grenzenloser Mehrarbeit der freiberuflich tätigen ca. 172.000 Vertragsärzte und -Vertragspsychotherapeuten zur Sicherstellung der ambulanten ärztlichen/psychotherapeutischen Versorgung etwa deren “Sozialverträgliches Frühableben” befördern, damit die GKV Mittel, Material und Menschen “einsparen” kann?

Das Vorstands-Personal des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen gibt sich im Bereich der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland Medizin-, Betriebswirtschafts- und Versorgungs-fremd.
https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/der_verband/wir_ueber_uns.jsp
– Dr. Doris Pfeiffer (Vorstandsvorsitzende), Volks­wirt­schafts­lehre Uni Köln, Penn­syl­vania State Univer­sity PA/USA, MPH: Ihr Vorstandsbereich umfasst die Abteilungen Systemfragen, Telematik/IT-Management und Medizin sowie die Stabsbereiche Politik, Kommunikation, Selbstverwaltung und Justiziariat.
– Johann-Magnus Frhr. v. Stackelberg (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender), Betriebswirtschaft (Uni Köln), WiDO, AOK-Bundesverband: Sein Vorstandsbereich umfasst den Stabsbereich Vertragsanalyse sowie die Abteilungen Ambulante Versorgung, Krankenhäuser und Arznei- und Heilmittel.
– Gernot Kiefer (Vorstand), Sozi­al­wis­sen­schaften Uni Göttingen, Sozi­al­recht, Sozi­al­po­litik, Volks­wirt­schafts­lehre, IT: Sein Vorstandsbereich umfasst die Abteilungen Gesundheit, Zentrale Dienste und die DVKA.
Bearbeitet nach https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/der_verband/vorstand/der_vorstand.jsp

Zugleich sitzten die Gesetzlichen Krankenkassen der GKV zusammen mit den Rücklagen des Gesundheitsfonds derzeit auf 30 Milliarden(!) Euro Kapitalreserven.
https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/pflege/article/977617/gkv-zahlen-2018-kassenpolster-waechst-waechst.html

Bei diesem geballten Wissen und Macht sind jedoch Verständnis, Kenntnisse und Empathie(?) für vertragsärztliche, -psychotherapeutische Gegebenheiten, sozio-ökonomischer Status, Professionalität, Arbeits- und Lebensbedingungen in Theorie und Praxis Mangelware.

Bei 35 offiziellen Wochensprechstunden-Zeiten plus deren Vor- und Nachlauf inklusive einer Sprechstunde Donnerstags von 11 bis 20 Uhr seit Praxisgründung als Haus- und Familienarzt bzw. Facharzt für Allgemeinmedizin 1992 in der Dortmunder City liegen meine wöchentlichen Gesamt-Arbeitszeiten schon immer bei deutlich über 50 Stunden pro Woche. Meine Mittwochs-Hausbesuchs-Tour geht wie beim letztes Mal oft bis 15 Uhr, fließt aber in diese Berechnungen extra nicht mit ein, weil es auch mal ruhigere Tage gibt.

Und dann, mit Verlaub, kommt noch ein alternder, studierter Betriebswirtschaftler her, um mir meine Betriebsorganisation, in der selbstverständlich Privat- und Kassenpatienten gleich behandelt werden, umzukrempeln? Vielleicht noch mit Extra-Eingang, Extra-Wartezimmer und Extra-Zeiten? Wieviel weitere Privilegien hätten’s denn gern, Freiherr von Stackelberg?

Ganz ehrlich, der gesamte SpiBu-Vorstand kann doch froh sein, dass wir diese ganze Kärrnerarbeit überhaupt noch machen und Ihm das nicht alles vor die Füße werfen. Stattdessen wird konfabuliert: “Krankheiten richteten sich nicht nach Lieblingsöffnungszeiten”, offensichtlich ohne über den geregelten ambulanten vertragsärztlichen Notdienst (ZND) an 365 Tagen im Jahr informiert zu sein? Und kommt da bloß nicht nochmal mit Trennung von Kasse und Privat im ZND. Das hätte uns gerade noch gefehlt!

Unterdessen schlage ich vor, dass alle Kolleginnen und ich Ihnen ein persönliches Foto unserer Praxisschilder per E-Mail schicken an: 
kontakt@gkv-spitzenverband.de

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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Dr. med. dent. Wolfgang Carl
Dr. med. dent. Wolfgang Carl

Sehr geehrter Herr professor von Zwackelberg,

auf den ersten Blick erscheint Ihre Idee: verständlich, patientenorientiert.
Auf den zweiten Blick: warum eigentlich haben die Kassen so patientenUNFREUNDLICHE Öffnungszeiten?
Drittens: nach all den Kassenschikanen der letzten Jahrzehnte: warum sollten wir Ihren Ideen folgen?
Viertens: kennen Sie (vielleicht) die Ärzte-Demografie?
Fünftens: wissen Sie wirklich(?), was Sie da für eine Idee propagieren?
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Wolfgang Carl, St. Ingbert

P.S. Was haben Sie eigentlich getrunken (oder – geraucht)?
P.P.S. Nein, noch sind nicht alle Ärzte im Weihnachtsurlaub…

#12 |
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Sonstige

Werden eigentlich auch anderen Unternehmern Vorschriften gemacht, wie und wann sie zu arbeiten haben? Denn das sind wir: Unternehmer, die selbständig Entscheidungen zu ihrem Unternehmen Praxis treffen, und so das alleinige Risiko zu tragen haben! Wenn ich mich dazu entschliesse, patienten(und damitkunden-)unfreundliche Öfnungszeiten zu haben, ist das mein alleiniges Risiko, das keiner kommt.
Wozu haben wir denn die Notdienste? Und wenn mich ein Patient am Sonntag anruft und es dramatisch ist, fahre ich allemal raus, egal, welche Zeit ist.
Das Problem ist m.M.n. die fehlende Aufklärung der Bevölkerung, im hausärztlichen Notfall die 116117 anzurufen oder eine hausärztliche Notpraxis aufzusuchen und nicht in die Notaufnahmen der Kliniken zu spazieren, um seinen Schnupfen dort auszuleben.
Aber diese Aufklärung kostet ja Gelder, die die KKen lieber in die Werbung um neue Mitglieder stecken.
Ich bin froh, schon vor 17 Jahren meine Kassenzulassung abgegeben zu haben und von solchen (in meinen Augen nicht gesetzeskonforme) Gängelungen verschont bleibe.

#11 |
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Ich war 37 Jahre als Landarzt niedergelassen und habe genügend Nacht-und Wochenenddienste geschoben. Die Aussage von Herrn von Stackelberg ist ein unglaublicher Schlag ins Gesicht aller niedergelassenen Kollegen, die einen Teil ihrer Arbeit von den Kasse nicht bezahlt bekommen. Herr von Stackelberg könnte in seinen Geschäftsstellen mit gutem Beispiel voran gehen und die Öffnungszeiten verlängern. Von Freitag 16.30 Uhr bis Montag 08.30 Uhr ist niemand erreichbar.

#10 |
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Student der Humanmedizin

ich lehn mich jetz mal ganz weit aus dem Fenster aber ich gehe schwer davon aus, dass Herr Stackelberg brav um 5 seinen Bleistift, mit dem er so einen Mist schreibt, fallen lässt und nach 8 Std. Arbeit heim geht und auch Samstags nicht arbeitet…
Herr lass Hirn oder Ziegelsteine regnen, Hauptsache du triffst

#9 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

In manchen anderen Ländern werden Ärzte vom Staat angestellt, mit festem Einkommen und festen Arbeitszeiten.

#8 |
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Prof. Dr. Harry Finke
Prof. Dr. Harry Finke

Ist doch nur eine Frage intelligenter Organisation. Ob wir das im total verkrusteten Land hinbekommen ? So, wie es jetzt in fast allen Ländern ist, ist es Unterlassene
Hilfeleistung (im ethischen Sinn), zumindest

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich weiß noch, als ich nach meinem letzten Kaiserschnitt zu Hause lag und mich plötzlich mit ausbleibendem Wochenfluss und hohem Fieber herumquälte. Im Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, wurden wir telefonisch abgewimmelt mit der Ansage, eine gewisse Nummer anzurufen, die wir noch nie zuvor gehört hatten. Mein Mann, der mit der Entbindungsstation telefonierte, verstand: “Rufen Sie bitte die 116 ODER 117 an.”

Die Nummer 116117 muss per Flyer irgendwie an alle schwarzen Bretter dieses Landes, in alle Briefkästen der Einwohner.

Und was mir auch aufgefallen ist: Die Menschen sind in der jetzigen Zeit immer mehr gewöhnt, ALLES in kürzester Zeit zu bekommen. Amazon verschickt jetzt same day! Oder Turboversand innerhalb von 2 Stunden. Und vielleicht werden die Leute auch wehleidiger? Wo man vor 50 Jahren einfach noch die Zähne zusammengebissen hat, erwartet man jetzt same day sofort ne Lösung. UND noch zu guter Letzt: Einigen Menschen ist langweilig und sie nutzen ihren Schnupfen, um ihre Neugier in der Notaufnahme nach Action zu befriedigen. Nicht umsonst sind Serien wie Emergency Room so erfolgreich gewesen.

PS: Das Entbindungskrankenhaus hat mich danach doch noch spitzenmäßig behandelt, als wir uns ein paar Tage später mit mir – mega geschwächt und am Rande der Sepsis – einfach in die Notaufnahme begeben haben!

#6 |
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Ich arbeite bestimmt meine 52h- Woche in der Praxis mit den gemachten Hausbesuchen, locker. Mehr möchte ich sicher nicht machen, das reicht. Wenn ich mit dieser Zahl angehenden Allgemeinmedizinern komme winken die dankend ab und machen gerne etwas anderes. Die sehen nämlich genau, dass ich Verantwortung für 10 Angestellte habe, Bürokratie- Stunden an die Sprechstunde anhänge und mich mit Kassenanfragen und – REGRESSEN abgeben muss. Und immer werde ich nach dem Geld am Ende des Monats gefragt. Wenn ich dann meine Summe nach Steuern nenne, ernte ich ungläubige Blicke und bekomme immer wieder besorge Nachfragen bezüglich meiner geistigen Gesundheit gestellt. Warum ich mir das antue? ich könnte doch im Krankenhaus oder mit der Betriebsmedizin ein vernünftiges Gehalt bekommen mit 40h Woche? Die Antwort ist: Noch macht es mir meistens Spaß und Freude. Ein Spitzenfunktionär kann einem den Spaß aber so derart vermiesen, dass ich immer öfter über die Rückgabe meines Kassensitzes nachdenke, wäre einfach möglich, die Träger in der Region sind sehr daran interessiert. Es gibt mehrere Beispiele in der Region. Dann werden MVZ gegründet. Und die Patienten kommen in Scharen zu den verbleibenden Niedergelassenen: hohe Fluktuation des ärzlichen Personals im MVZ ist einer der Gründe dafür und die viel schlechter zu bekommenen Termine, lange Wartezeiten etc..
Ich frage mich immer nach den Motiven solch fieser Auslässe, was treibt jemand zu solchen pauschalen Anwürfen? Wo ist das Ziel? Und ein Herr Lauterbach macht mittwochs auf dem Golfplatz mehr Kollegen aus als sonst, kann es sein, dass er an den anderen Tagen sich selbst auch dort häufig aufhält, dass er das beurteilen kann? Sehr schöne Vorstellung Herr mdB. Ich gehe jedenfalls nicht zum Golfen, danke auch.
Frohes Fest allen und für den Fall, dass jemand eine Assistenzarztstelle sucht: hier gibt es eine interessante Allgemeinarztpraxis mit weitem Spektrum und motiviertem Team mit großem Engagement für die Ausbildung…

#5 |
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Dr. med. Walter Hauf
Dr. med. Walter Hauf

Diese Pseudo-Forderung ist in meinen Augen nichts anderes als primitiver Populismus, um sich als Anwalt der Patienten zu profilieren.
Die Kassen mischen sich über allerlei Beratungsangebote bereits jetzt schon massiv in die Behandlung der Patienten ein. Und nicht wenige Kassenangestellte Sofas beraten schon mal die Patienten zur Therapie, was eine unerlaubte Anmaßung darstellt.
Die Forderung ist schlicht eine Frechheit und ein Schlag ins Gesicht aller Ärzte und Psychotherapeuten.
Die Gesellschaft wird nach und nach Ärzte bekommen, denen durch solchen Zynismus jede Empathie abgewöhnt wurde und die den Patienten dann als Kunden behandeln.

Wehe den Kranken!

#4 |
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Krankenschwester-GuK Barbara Götten
Krankenschwester-GuK Barbara Götten

Für diese Zeiten gibt es eine Versorgung außerhalb der Notaufnahme. Hausärztlicher Notdienst wird nicht von der Bevölkerung angenommen. Sollte man nicht eher hier ansetzen?

#3 |
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Psychotherapeut

Die angebotenen Behandlungszeiten am Samstag wurden von den Patienten nicht angenommen!! Sie kommen lieber in den normalen Arbeitszeiten!!

#2 |
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Die Kassenärzte bezahlen den Bereitschaftsdienst freitags ab 14°°Uhr und am Wochenende. Bei mir immerhin 1500€ im Quartal.
Jetzt verlangt der GKV Spitzenverband, dass ich für eine Vertretung bezahle und gleichzeitig arbeite. Das ist die schlauste Idee überhaupt!

Das wäre ja genauso, als wenn ich hochbezahlte Minister und Staatssekretäre habe und dann gleichzeitig noch Millionenbeträge für externe Berater ausgebe, damit ich ja nichts selbst entscheiden muss.

#1 |
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