Klinische Studien: Ist der Ruf erst ruiniert

19. November 2012
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Wenn bei wissenschaftlichen Studien das Marketing wichtiger als objektive Information ist, leidet der Ruf. Die Konsequenz: Generelles Misstrauen gegen die Pharmaindustrie bei vielen Ärzten. Das macht zuweilen auch gute Ergebnisse schlechter als sie sind.

Kennen Sie MEZIS? Die Abkürzung steht für eine 350 Mitglieder große Ärzteinitiative namens „Mein Essen zahl ich selbst“. Die Mitglieder verpflichten sich, keine Pharmareferenten in ihrer Praxis zu empfangen und verzichten auf Pharmaindustrie-gesponserte Hard- und Software. Dabei sind in Deutschland drei von fünf Ärzten überzeugt, dass sie sich durch Geschenke oder „Unterstützung“ niemals in ihren Verordnungen beeinflussen lassen würden.

Ärztetest mit fiktiven Studien

„Pharma“ hat einen schlechten Ruf. Bei Patienten und – inzwischen – auch bei Ärzten. Die subjektive Grenze zwischen Marketing und objektiver Information über aufwändig getestete Wirkstoffe verläuft an jedem Schreibtisch etwas anders. Sind „unabhängige“ Forschungseinrichtungen, die der Steuerzahler finanziert, besser als profitabhängige Hightech-Entwicklungsfabriken? Glaubt man einer Studie, veröffentlicht von Bioethikern von der Harvard Universität im New England Journal of Medicine (NEJM), würde auf eine solche Frage von der Mehrzahl der Ärzte ein „Ja“ kommen. Dabei befragten die Autoren Mediziner nicht einfach nur nach ihrer Meinung, sondern stellten sie auf die Probe.

Mit fiktiven Wirkstoffen wie „Lampytinib“ gegen Hypercholesterinämie als Statin-Alternative, „Bondaglutaraz“ als Antidiabetikum statt Metformin und „Provasinab“ als Wirkstoff bei therapierefraktärer Koronarerkrankung produzierten die Autoren Studien in unterschiedlicher Qualität. Je ein Abstract über die Untersuchungen dieser Wirkstoffe schickte Aaron Kesselheim und seine Kollegen an 269 Internisten und bat sie danach um ihre Meinung zu den Berichten. Regelmäßige Fortbildungen und intensive Lektüre von Fachzeitschriften schlug sich in der Beurteilung der Studienreports nieder. Die randomisierte Doppelblindstudie mit aktiver Kontrollgruppe und einer ausreichend großen Patientenzahl war der klare Favorit gegenüber schwächeren Studiendesigns. So getestet waren dreimal so viele Ärzte bereit, diesen Wirkstoff ihren Patienten zu verschreiben als jenen, der nur einfach verblindet mit kurzem Follow-up erprobt worden war. Noch ein Drittel weniger vertrauenswürdig war jenes Medikament, das die Studie im offenen Vergleich mit herkömmlicher Therapie testete und dessen Vorteile sich an einem Surrogatparameter festmachten.

„Pharma“ senkt Verordnungsbereitschaft

Die Internisten achteten bei ihrem Zeugnis aber nicht nur auf die Qualität der Studie, sondern auch auf den Geldgeber. Dabei hatten sich die Harvard-Wissenschaftler entweder einen Namen aus den „Big 12“ der großen Pharmafirmen ausgewählt, das National Institute of Health (NIH) oder sie ließen jede Information über den Studiensponsor einfach weg. Die Ärzte legten dabei offen ihr Misstrauen gegenüber den offensichtlich „Bösen“ dar. NIH-Unterstützung garantierte bei gleicher Studienqualität doppelt so viele Verordnungen wie der Name eines Arzneimittelproduzenten bei den Autorenadressen. Selbst fehlender Sponsoringformation schenkten die Ärzte noch mehr Vertrauen als privaten Geldgebern.

Industrie: Teufel oder Heilige?

Vor kurzem überschrieb der „Lancet“ eine Buchbesprechung mit dem Titel „Saints or Sinners“. Der bekannte Pharmakritiker Ben Goldacre rechnet in seinem Buch „Bad Pharma“ gnadenlos mit der Arzneimittelindustrie ab. In der britischen Fachzeitschrift weist Michael Rawlins, Vorstand des britischen „National Institute for Health and Clinical Excellence“ in aber auch auf die Verdienste der Industrie um moderne Heilmittel hin, die ohne aufwändige und teure Forschungsarbeit nicht auf den Markt gekommen wären.

Ghostwriting nach Marketing-Diktat

Ben Goldacre prangert „Big Pharma“ jedoch nicht ganz unbegründet an. So ist „Ghostwriting“ immer noch weit verbreitet. Um äußerlich den Anschein von unabhängiger Kompetenz zu wahren, schreiben professionelle Schreibdienste im Auftrag der Sponsorfirma die Veröffentlichung, oft in enger Abstimmung mit deren Marketing-Abteilung. In der Autorenliste ersetzen dann jedoch renommierte Experten den Namen des Schreiberlings. Vor einiger Zeit deckte ein Prozess in den USA einen solchen Fall auf, in dem auf diese Weise 26 Veröffentlichungen zum Thema „Hormonersatztherapie“ zustande kamen. Je nach Preis – rund 25.000 Dollar pro Manuskript für eine klinische Studie – übernimmt eine Agentur wie etwa „DesignWrite“ in Princeton auch die Korrespondenz mit Herausgeber und Reviewer.

Der Profit mit guten Ergebnisse einer Studie kommt aber nicht nur dem Wirkstoff-Hersteller zugute, sondern auch dem Fachjournal. Laut Statistik werden Firmenstudien öfter als solche mit anderen Geldgebern zitiert und heben damit den Impact Factor. Bis zu einer Million Dollar können Fachzeitschriften angeblich mit gern georderten Sonderdrucken einnehmen.

Studiensponsoring erzeugt Misstrauen

Daneben ist auch der vielzitierte „Publication Bias“, das Weglassen von wichtigen, aber ungünstigen Daten im Ergebnisreport einer Studie für das allgemeine Misstrauen gegenüber dem Pharmasponsoring von Arzneimitteltests verantwortlich. Selbst fundierte Ergebnisse können dann nicht mehr überzeugen. Ein Beispiel dafür ist die JUPITER-Studie zum Einsatz von Statinen bei Patienten mit normalen Cholesterinwerten. Das New England Journal fragte bei seinen Lesern nach, ob die Ergebnisse die Verschreibungsgewohnheiten ändern werde. In den „Nein“ Antworten und entsprechenden Kommentaren spiegelte sich ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Geldgeber dieser anerkannten Studie wider. Allerdings, so schreibt NEJM-Herausgeber Jeffrey Drazen in einem Begleitkommentar, seien auch öffentliche Geldgeber nicht frei von eigenen Interessen und investieren hohe Summen in ihr Marketing.

Wer bezahlt, schafft an. Auch in deutschsprachigen medizinischen Fachzeitschriften bestimmt die Finanzierung den Inhalt. Das gilt auch für Fortbildung mittels CME-Punkte. Kostenlose anzeigefinanzierte Blätter empfehlen in entsprechenden Fachartikeln dabei öfter bestimmte Wirkstoffe als solche, die nur mit Abonnement zu erhalten sind. Das fand Annette Becker und ihre Kollegen von der Universität Marburg heraus.

Transparenz und Unabhängigkeit – Basis für gute Partnerschaft

Ist es deswegen gut, der Pharmaindustrie generell zu misstrauen? Die Studie von Kesselheim und seinen Kollegen von der Harvard University zeigt deutlich, dass es noch großer Anstrengungen bedarf, um diesen Argwohn abzubauen. Strenge Regeln bei der Registrierung von Studien und deren Veröffentlichung können dabei bloß der Anfang sein. Vergünstigungen für Ärzte gehören vielleicht irgendwann auch einmal der Vergangenheit an. Objektive Information statt Marketing.

Wer sein Essen selbst zahlt, schafft sich zumindest einen gewissen Grad an Unabhängigkeit. Immunität gegen Gefälligkeiten zusammen mit transparenter Forschung wäre schon einmal eine gute Grundlage für eine bessere Partnerschaft zwischen Ärzten und Arzneimittelindustrie.

92 Wertungen (4.25 ø)

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21 Kommentare:

Dr. Peter Mandry
Dr. Peter Mandry

Alle Menschen die glauben, dass Werbung bei Ihnen nichts bewirkt, sind der beste Beweis, wie gut diese tatsächlich ist. Genau so soll Werbung sein: unterschwellig manipulativ. Dabei ist Schönfärben erlaubt ¿ Lügen aber wettbewerbswidrig und verboten. Von einem Erfinder/ Hersteller/ Verkäufer zu verlangen sich öffentlich kritisch über seine Produkte zu äußern, dürfte wohl ein wenig weltfremd sein (Gefahrensituationen ausgenommen). Selbst ohne bösen Willen greift hier schon der Tunnelblick. Die eigenen Kinder sind immer die Schönsten! Das kritische Hinterfragen obliegt hier dem Käufer. Da der Verkäufer ein Wissensvorsprung hat, gehört auch Vertrauen dazu. Die Studie zeigt, wie schnell das Vertrauen zu Recht zerstört werden kann, wenn es mit dem Schönfärben übertrieben wird. Aber es ist auch nicht so einfach. Viele Daten sind nicht schwarz und weis ¿ es gibt große Graubereiche. Wie soll man diese auslegen? Wenn etwas passiert ist, haben es natürlich alle schon vorher gewusst und der Schuldige ist schnell gefunden. Rückwärts betrachtet, lässt sich immer leicht eine Kausalitätskette konstruieren, die vorher im Informationsnebel so kaum erkennbar war. Sie kennen das: der Sportreporter erklärt uns meist warum eine Fußballmannschaft gewinnen wird und nach dem Spiel, warum sie es nicht getan hat, der Börsenexperte warum eine Aktie unbedingt steigen wird und warum sie es dann doch nicht getan hat.

Auf der anderen Seite werden viele Informationen unkritisch hingenommen und statistische Auswertungen, die ja die eigentliche Qualitätskontrolle darstellen sollen, werden mangels guter Ausbildung kaum hinterfragt. Nur wenige medizinische Publikationen geben den Beta Fehler bzw. die Power eines Hypothesentests an. Ohne diesen ist es so aber überhaupt nicht möglich einzuschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine These zutrifft. Diese Autoren und leider auch viele Leser glauben, dass das Signifikanzniveau von meist 5% die Irrtumswahrscheinlichkeit der Hypothese ist – weit gefehlt. Die tatsächliche Irrtumswahrscheinlichkeit bzw. der negative prädikative Wert der meisten Studien liegt wohl eher bei 30-40%, d.h. mindestens jede dritte Studie, obwohl signifikant, lohnt sich nicht zu lesen.

Die Lösung sind harte Qualitätskriterien, wie sie von der evidenz-basierten Medizin zu Recht gefordert werden. Doch das ist teuer. Hohe statistische Sicherheit kostet. Studien mit einer Power von 90% statt 80% und einem (wahren) p von 0,1% statt 5% würden den prädikativen Wert erheblich verbessern. Doch wer bezahlt das? Heute gilt für den Investor die alles oder nichts Methode: Läuft die Studie schlecht – ist das investierte Geld weg, und zwar eine erhebliche Menge. Da einfach Geldgier zu unterstellen, greift zu kurz. Hier muss sich m. E. strukturell was ändern und andere kooperative Modelle in Betracht gezogen werden.

#21 |
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Thomas Keller
Thomas Keller

In 38 Jahren klinischer psychiatrischer Tätigkeit (davon 24 J. Chefarzt) musste ich lernen, dass nicht nur psychopharmakologische Studienergebnisse nach ökonomischen Interessen frisiert werden, sondern sogar die diagnostischen Grundlagen des Fachgebiets in diesem Verdacht stehen: In der Vergangenheit hatten mehr als die Hälfte der Autoren des DSM IV (offizielles Diagnosenverzeichnis der American Psychiatric Association, auch auf dem Rest unseres Planeten einflussreich) beträchtliche Einkünfte von der Pharma-Industrie hatten. Allein der Leitautor William Carpenter jr. hatte in 3 Jahren Geld von 13 Unternehmen erhalten, darunter alle großen Namen.
Quelle: aerzteblatt.de vom 7.5.2008, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/32287

#20 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Unter mir:
Danke Herr Prof. Klieser (19)!
Wenn ich mir überlege, was in den Fakultätetn so an praxisuntauglichen Dogmen produziert wird … da sind die “Pharmas” mitunter harmlos!
Hier wie da: Eigensinn tut machmal gut!

#19 |
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Prof. Dr. med. Eckhard Klieser
Prof. Dr. med. Eckhard Klieser

wenn es die pharmaindustrie nicht gäb, wo ständen wir dann mit dem fortschritt: bei kamilleetee, honigwickel und würden mit unter 70 versterben, also mal die kriche im dorf lassen, man kann sich nbeben der pharmaindustrie zusätzlich umfassend informieren, auch manche indoktrinationsversuche meinungsführender ordinarien sind nicht besser

#18 |
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@ 15: Herr Grieß, gerne würde ich Ihnen etwas vorab zukommen lassen. Ich hatte aber Schwierigkeiten, Sie ausfindig zu machen. Vielleicht senden Sie mir Ihre Email-Adresse zu: boss@quantum-krueger.com

#17 |
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“Exempla trahunt”,frei übersetzt: es machen ja alle.-
Keine wesentliche Änderung in den letzten 50 Jahren.
Ein Mezis-Abzeichen müsste es geben……, und mehr Kämpfernaturen.

#16 |
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Medizinjournalistin

Was habe ich doch neulich bei einer Veranstaltung des Cochrane Zentrums gelernt: ¿Clinical trial data is not
commercial confidential information” (Quelle: EMA). Also jeder Arzt und jede Ärztin kann sich informieren. Journalisten natürlich auch. Das Transparenzproblem ist damit aber leider nicht gelöst. Es wird immer noch viel zu viel verschleiert, gemogelt, getrickst und betrogen. Patienten sind dabei das schwächste Glied in der Kette. Wem können sie überhaupt vertrauen? Meine Hausärztin hat mir im sommer d. J. einen Krimi von Wolfgang Schorlau “Die letzte Flucht” empfohlen. Dieser Krimi enthält mehr Wahrheit über das ganze Thema als so mancher scheinbar kompetente Artikel. Auf der Website von W. Schorlau finden Sie alle Quellenangeben. Schauen Sie einfach mal rein. http://schorlau.com/Materialien.html

#15 |
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Naturwissenschaftler

Herr Krüger,
ich hoffe Sie finden noch einen Weg für eine ordentliche Veröffentlichung.
In jedem Fall würden mich Ihre Ergebnisse sehr interessieren, könnten Sie mir diese, gerade als “Nicht-Bäckerblume-Leser”, vorabe oder nach Veröffentlichung zur Verfügung stellen?

#14 |
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@ 12: Sie haben m. E. vollkommen recht. Statistik ersetzt die Suche nach dem Zusammenhang. Korrelation statt Kausalität. Diesbezüglich müßte die Medizinerausbildung grundlegend verändert werden. Es würde ja im ersten Schritt schon helfen, den Studenten klarzumachen, was ein Mittelwert wirklich aussagt. (Nicht nur viele Mediziner haben damit ein Problem.) Setzt man nämlich einen nackten Mann mit dem Hintern auf eine heiße Herdplatte und steckt seine Füße in Eiswasser, so hat er im Mittel doch eine sehr angenehme Temperatur. Aber auch die Berücksichtigung von Verteilungsbreiten u. ä. hilft nicht grundlegend weiter, da Krankheit und Therapie ein multifaktorielles, hochgradig nichtlineares Problem ist. Nur die Fähigkeit zu kausalanalytischem Denken bringt da was.

@ 8: Vielen Dank für den Hinweis auf die Bäckerblume. Ich versuche derzeit, zwei Manuskripte “an den Mann zu bringen”, in denen ich die Hypothese ernährungsbedingter Versäuerung zerlege. Bislang kein Erfolg. Negative Ergebnisse sind eben wirklich nicht gewünscht, zumal wenn damit einer ganzen (Basenpulver-)Industrie die Geschäftsgrundlage geschmälert würde.

#13 |
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Naturwissenschaftler

Leider leider
Es gibt mal und wieder solche Manipulationen in der Endpräsentation der durchgeführten klinischen Arzneimittelstudien.
durchaus kann hier die Manipulation an unterschiedlichen Stellen passieren:
– Entweder in der Durchführung (an der Basis: z.B. Arztpraxis, Studien-Zentrum, KH¿etc)
– Oder in der Änderung der erhaltenen-ausgewerteten Ergebniszahlen (im Gremium, in der GF¿etc)
Dies ist aber absolut unmoralisch und sogar kriminell, denn Das Geld und die Gier treiben diese Menschen, so wie überall (Banken, Unternehmen, Versicherungen…etc.), in die Profit Wahnsinn und vergessen dabei, dass Menschenleben davon abhängt!!!

Zulassungsarzneimittelprüfung

#12 |
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Dieser Artikel tippt Grundfragen der Medizin nur oberflächlich an. Es geht nicht nur um die Pharmaindustrie, das eigentliche Übel ist das Studienunwesen selbst, das inzwischen wichtige Fachgebiete vollständig überlagert hat. Die Rede ist von evidenzbasierter Medizin, einem sprachlich ungenießbaren Ausdruck, der eigentlich sagen will: Statistik ersetzt Kausalität.
Randomisierte Doppelblindstudien können in Therapiesituationen im Grunde niemals in strenger Form durchgeführt werden, sie sind zu aufwendig, die Fragestellungen zu komplex, und viel zu oft müßten sie ethische Grenzen überschreiten. Andere Studienformen sind immer unzuverlässig. Das anhaltende Gewese um die sog. hormonelle Ersatzttherapie z.B. ganz besonders in Deutschland zeigt den deprimierenden Mangel an kausalanalytischem Denken in der herrschenden Medizin, der vermutlich auch Folge einer mangelhaften naturwissenschaftlichen Ausbildung ist.
Leider ist das Thema viel zu diffizil, um hier ausreichend diskutiert werden zu können.

#11 |
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Ich würde sagen: jeder hat seinen Preis…
Wie man die werbepsychologisch ausgefeilten Manipulationen, die hinter der Erstellung sog. wissenschaftlicher Exzesse (Exkremente)zu verstecken getrachtet werden auch immer benennen mag – immer mehr deutet darauf hin, dass der Einzelne – ob Doc oder Patient oder Mensch – die Verantwortung für sich selber übernehmen muss. Orientierungshilfen sind immer tendentiös und – cui bono – zu hinterfragen. Em Ende steht dann doch nur die Aufforderung: gib Deine Verantwortung ab. Das klingt nach dem Teufelsbild, der um den kleinen Finger bittet und dann den ganzen Arm beansprucht…
Um also nicht wiederholt in die Falle: “gesellschaftlich verordneter Meinungsterror” zu tappen wird es nötig sein immer wieder sehr aufmerksam und wach die Frage sich selber zu stellen: cui bono (wem nützt, was mir da angedient wird?).

#10 |
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Qualität klinischer Studien – stetiger Bedarf an Transparenz und Unabhängigkeit

Trotz bestehender Qualitätskriterien für klinische Studien sind oft Studien in eben dieser Hinscht nicht brauchbar. Meist sind schon primär Abhängigkeiten erkennbar, diese können unterschiedlich sein, je nach Interessenlage – Industrie (möchte und muß verkaufen); Kostenträger (wollen offiziell sparen, aber auch ihre Lobbies bedienen, dann sparen sie allerdings nicht; klinische und akademische Einrichtungen wollen primär Renommee erzeugen und wahren etc etc).

Dabei können auch positive Motivationen einzelner oder einzelner Gruppen bestehen – dennoch, die primären Intentionen und Vorgehensweisen der Institutionen bleiben anders orientiert. Damit ist Abhängigkeit und Intransparenz vorgegeben, Unabhängigkeit bleibt zunächst auf der Strecke. Auch wenn Ebendiese beteuert wird.

Dies gilt nicht nur auch, sondern vor allem für traditionelle Forschung – in diesem Bereich sind Abhängigkeiten und Intrasparenz weitaus am ausgeprägtesten. Das ist, sowohl in Fachkreisen, als auch allgemein bekannt.

Wenn man Transparenz und Unabhängigkeit sucht, egal, ob als Arzt, Forscher oder als sonstig Interessierter, bleibt nur die mühselige Vorgehensweise, selbst nach Daten zu suchen, die ein gfs. objektives Bild ergeben können. Möglichkeiten hierzu gibt es, auch wenn es nicht einfach ist (da nicht schnell und direkt “konsumierbar”).

Dr. med. Walther Kirschner.

#9 |
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Vielleicht kann nun der ausschließlich schulmedizin hörige Leser verstehen, warum es erstens wenig gut gemachte Studien über Homöopathie gibt und warum zweitens jede negativ ausgefallene Homöopathie-Studie überall zitiert wird, gute für die Homöopathie positive Studien (z.B. ADHS-Studie von Heiner Frei Uni Bern) nirgends erwähnt werden.
Ein homöopathisches Mittel kostet je nach Hersteller 5-20 ¿ und hält bei regelmäßiger Einnahme je nach Potenz für 3 Mon bis 10-40 Jahre (Verfallsdaten stehen auf der Packung weils der Gesetzgeber vorschreibt, sind aber irrelevat; die Mittel halten Jahrzehnte). Was läßt sich da für den Hersteller schon verdienen??

#8 |
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Johann Wilhelm von Krause
Johann Wilhelm von Krause

Die Frage ist doch eigentlich, in wieweit die Forschung überhaupt frei ist.
Forschung kostet Geld, wird meist aus sog. Drittmitteln finanziert. Die Geldgeber finanzieren aber nicht über Spenden, sondern über Forschungsaufträge. Geforscht wird also, was die Auftraggeber, sprich die Pharmafirmen, wollen. Und diese wollen vermarktbare Produkte.
Deshalb wird es kaum Forschung geben, die z.B. nachweist, dass bestimmte Mittel NICHT wirken oder nicht sinnvoll sind. Das Ziel muss immer sein, nachzuweisen, dass etwas funktioniert und dass es besser ist als andere Produkte.
Beispiel: In Deutschland gilt Hashimoto als nicht heilbar. ” Sie nehmen halt ab jetzt ihr Thyroxin-Präparat und die Sache hat sich” ist die Aussage der Schulmedizin. In USA gibt es Mediziner, die Behandeln diese Erkrankung sehr erfolgreich. Aber es es gibt kaum Studien dazu.
Wie sollte es auch? Welcge Firma wäre so blöd, eine Studie zu finanzieren die nachweist dass man die Medikamente NICHT auf Dauer benötigt?

#7 |
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Ein schlecht recherchierter und schlechtgeschriebener Artikel. Schade, denn das Thema ist wichtig: “Ich zahl mein Essen selbst” hört sich gut an, hat aber mit klinischen Studien einfach garnichts zu tun, es ist nur ein journalistischer Aufhänger – und auch der wird nicht differenziert betrachtet. Einfach ein Aufregerhäppchen für den Artikel. Die kritische Auseinandersetzung mit klinischen Studien und ihren Ergebnissen ist dringend nötig, aber nicht so platt, wie in diesem reiserischen Artikel. Natürlich beeinflussen die Ergebnisse klinischer Studien ärztliches Handeln (und nicht nur das Verordnungsverhalten), darauf begründet sich ja gerade die aktuell über die klinische Erfahrung hochgelobte evidenzbasierte Medizin. Welche Evidenz, denn die, die aus klinischen Studien resultiert sollte denn berücksichtigt werden? Wir Ärzte haben es selbst in der Hand, gute Wissenschaftler müssen die Manuskripte guter Zeitschriften reviewen und das nicht nur mit einem Driezieler sondern gründlich und kritisch, wenn man so vorgeht, sortiert man mehr als 50% aller Manuskripte aus, die dann nicht erscheinen werden und zeigt den Autoren, dass man andere Standards bei der Durchführung und Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse erwartet. Dies alles erbringen einige engagierte Kollegen in der Freizeit, die sich Sonntagsnachmittags durch Manuskripte Arbeiten, die ausführlich kommentieren und so die Qualität verbessen. Wer von den Kollegen, die das kritisieren war auch nur ein Wochenende auf einem Seminar über Chochraneanalysen oder recherchiert selbst Originalliteratur im nennenswerten Umfang?
Ich habe kein Problem damit, mein Essen bei Fortbildungen selbst zu zahlen, aber die wenigsten Zuhörer dieser Fortbildungen werden bereit sein, die realen Kosten des Vortragshonorars, des Veranstaltungsraums und die Reisekosten des Referneten zu übernehmen. Die wenigsten Referenten werden sich einmal im Monat unbezahlt zu Vorträgen begeben, dann wird die Anzahl der ärztlichen Fortbildungen rasch sinken, denn die Krankenkassen werden nicht bereit sein, pharmaunabhängige Fortbildung mit Experten zu finanzieren. Aber mit klinischen Studien hat das einfach nichts zu tun. Das ist wirklich kein Fachjournalismus, schade drum.

#6 |
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Altenpfleger

Ich lese immer “Pharma”. Was ist denn genau gemeint? Sind die Firmen gemeint, die aufwändig und teuer forschen und Wirkstoffe bis zur Zulassung bringen? Oder sind die Firmen gemeint, die unbedingt die teure Forschung und Zulassung wieder “hereinbekommen” wollen? Das sind zwar fast immer dieselben Firmen aber zwischen den einzelnen Abteilungen können Welten liegen.

Im Artikel wird nicht deutlich gemacht, um welche Art von Studien es geht. Aus meiner Sicht ist die Erforschung und die Zulassung neuer Wirkstoffe und Therapien sowie von Medizingeräten international schon sehr gut und ethisch vertretbar geregelt. Da hat in Deutschland das BfArm (Bundesamt für Arzneimittelsicherheit) seinen Daumen drauf und ist nicht zimperlich eventuelle Scharlatane (Sponsoren) auzusortieren. Das haben wir letztlich dem Contergan-Skandal und den daraus gezogenen Lehren zu verdanken.

Natürlich will, wer so teuer geforscht und zugelassen hat, sein Zeug auch loswerden. Das ist die Stelle, wo ich allen Anwendern wirklich nur raten kann unbestechlich zu sein bzw. zu bleiben. Was auf dem Markt ist sollte schließlich nach Patientenbedürfnissen, nach Wirksamkeit, Verträglichkeit usw. angewendet werden und nicht, weil der Pharmareferent Einen ausgegeben hat.

#5 |
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Wer gut schmiert, der gut fährt …
Erstaunlich wie weite Kreise da wie viel gesponsert bzw. vertragen (haben).

#4 |
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Dr. med. Rita Laeufle
Dr. med. Rita Laeufle

Ich würde erstmal “Saints or Sinners” richtig übersetzen – der Teufel steckt im Detail… :)

#3 |
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Arzt

Alle Menschen sind bestechlich!

wenn ich die Blöd-Zeitung lese erwarte ich keinen Kommentar vom Osservatore Romano oder der Prawda!

Wenn mir die ÄK oder die KV oder gar das Stattliche G-Amt eine Fortbildung verkauft, weiss ich noch lange nicht, wer den Referenten gekauft hat.

Nicht alle Bestechlichen sind so billig zu haben, wie selbsternannte Gutmenschen!

Eventuell kann ich mir trotz eines Abendessens oder einer Freundlichkeit noch eine eigene Meinung bilden.

Für ‘PRINCIPIIS OBSTA’ ist es wohl schon lange zu spät.

Der gesellschaftlich verordnete Meinungsterror lässt zwischenmenschliche Beziehungen ja nur noch als Bestechung und nicht zur Meinungsbildfung zu!

Darf ich nur noch glauben, was mir ‘VON OBEN’ vorgesetzt wird, oder darf ich auch noch selber denken?

Eugen Rehm

#2 |
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Dr. med. Walter Bachmann
Dr. med. Walter Bachmann

die “Chappi-Fortbildung” ist eh ein Auslaufmodell

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