Abrechnung: Ärzte mit Betrugs-Syndrom

14. Dezember 2018

Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl an Betrugsfällen in den USA bei Krankenkassen um 200 Prozent angestiegen, sagt eine Gesundheitsökonomin. Ein Blick auf Deutschland zeigt: Auch hierzulande gibt es immer mehr Ärzte, die betrügen.

„Immer häufiger bereichern sich Ärzte am Geld amerikanischer Steuerzahler“, kritisiert Alice Chen. Die Gesundheitsökonomin arbeitet an der University of Southern California. Die Ergebnisse ihrer Auswertungen zu Betrugsfällen, Verstößen und Straftaten von Ärzten gehen heute online. Die Zahlen zeigen, dass es sich häufig um Abrechnungsbetrug handelt. Aber auch die Verstöße im Zusammenhang mit der Verordnung von Arznei- bzw. Betäubungsmitteln sind in den letzten zehn Jahren angestiegen. Die Amerikanerin hat mit ihrer Arbeit Trends entdeckt, die auch für Deutschland gelten.

Anstieg um 200 Prozent innerhalb von 10 Jahren

Um die Ergebnisse von Alice Chen verstehen zu können, muss kurz erläutert werden, welche Daten sie ausgewertet hat. Es sind die Daten von Trägern staatlicher Versicherungen, wie Medicare und Medicaid.

Medicare bietet staatlich subventionierte Krankenversicherungen für Menschen ab 65 Jahren an, ebenso für jüngere Menschen mit Behinderungen. Hier werden Beiträge erhoben, es gibt Selbstbehalte und Patienten müssen in Vorleistung treten. Im Unterschied dazu hat Medicaid Sozialhilfe-ähnliche Leistungen für einkommensschwache Bürger im Programm. Grundsätzlich müssen Ärzte einen Behandlungsvertrag abschließen, um zu Lasten von Medicare oder Medicaid abzurechnen. Genau diese Verträge machen es leichter, Sanktionen gegen schwarze Schafe zu verhängen.

Zwischen 2007 und 2017 schlossen Kostenträger 2.222 Ärzte vorübergehend oder dauerhaft aus, aufgrund von Verstößen oder Betrugsfällen. Das entspricht 0,29 Prozent aller berechtigten Kollegen. Die Zahl solcher Fälle stieg im untersuchten Zeitraum von 48 Kollegen pro Jahr auf 236 Kollegen pro Jahr, das sind im Schnitt plus 20 Prozent pro Jahr. Das entspricht 200 Prozent im Untersuchungszeitraum von zehn Jahren. Besonders häufig waren Männer, Ärzte mit osteopathischer Ausbildung und ältere Ärzte betroffen.

Zu den Delikten gehörten:

  • Betrugsfälle wie Abrechnungsbetrug (In der Grafik fraud)
  • Verstöße in Zusammenhang mit der Verordnung von Arzneimitteln bzw. Betäubungsmitteln (substance abuse) und
  • weitere Straftaten (health crimes)

 

Trends

© Chen J et al., JAMA Network Open, doi:10.1001/jamanetworkopen.2018.5805

Mehr Betrug oder mehr Aufklärung?

Für den drastischen Anstieg hat Chen mehrere Hypothesen:

  • Im Jahr 2010 wurde der Physician Payments Sunshine Act eingeführt, um Verflechtungen zwischen Ärzten und pharmazeutischen Unternehmen zu durchleuchten. Dies könnte zur stärkeren Aufdeckung von Korruptionsfällen geführt haben.
  • Nach der Verabschiedung des Patient Protection and Affordable Care Act („Obamacare“) stieg die Zahl an Versicherten im staatlichen System von 2013 bis 2017 um 12,6 Prozent an. Zeitgleich rechnen mehr Ärzte mit Medicare ab. Das könnte einen Mengeneffekt nach sich gezogen haben.
  • Medicare und Medicaid arbeiten seit 2011 mit sogenannten prädiktiven Analysen. Sie suchen mit künstlicher Intelligenz in Abrechnungsdaten nach möglichen Betrugsfällen. Die Tools haben sich in letzter Zeit weiter verbessert.
  • Und nicht zuletzt: Ärzte haben tatsächlich mehr Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begangen.

Woran es wirklich lag, kann Chen aufgrund ihrer Daten nicht beurteilen. Medicare oder Medicaid bleiben Sonderfälle in den USA. Viele Patienten sind privat versichert, und Chen sieht allenfalls die Spitze eines Eisbergs. Ihre Zahlen lassen sich nicht direkt auf Deutschland mit seiner mitgliederstarken gesetzlichen Krankenversicherung übertragen. Doch welche Entwicklung gibt es bei uns?

Wirtschaftskriminelle im weißen Kittel

In seinem Mitte 2018 veröffentlichten Jahresbericht listet das Bundeskriminalamt wichtige Tatbestände von Heilberuflern. Dazu gehört § 299a des Strafgesetzbuchs (StGB; Bestechlichkeit im Gesundheitswesen). Bestechlichkeit bedeutet, Vorteile von Dritten anzunehmen und dann Leistungen zu erbringen. Letztes Jahr gab es hier 62 Straftaten. Verglichen mit 2016 (8 Fälle) entspricht das einem Anstieg um 54 Prozent. Um Beispeile zu nennen: Von den Fällen in 2017 sind knapp die Hälfte auf Ermittlungsverfahren in Niedersachsen zurückzuführen. In diesem Bundesland gab es einen größeren Fall mit Rezeptzuweisungen von Ärzten an Apotheker. Das lief so ab: Ärzte verordneten pro forma Medikamente, reichten Rezepte an Apotheker weiter, und diese bekamen Geld über ihre Rechenzentren. Pharmaka gaben sie nicht ab. Alles in allem floss Geld, ohne dass Kunden beliefert wurden.

Weitere Fälle beschäftigen sich mit Patientenzuweisungen an Sanitätshäuser gegen Gewinnbeteiligungen und mit der bevorzugten Auftragsvergabe an einzelne Labors. Hinzu kommt § 299b StGB (Bestechung im Gesundheitswesen). Eine Bestechung begeht, wer anderen Personen ökonomische Vorteile anbietet. Das BKA führt 66 Fälle (plus 60 Prozent) auf.

Ein weiterer Schwerpunkt der BKA-Statistik sind Fälle von Wirtschaftskriminalität. Zwischen 2016 (2.465 Fälle) und 2017 (5.588 Fälle) hat sich die Zahl an Straftaten mehr als verdoppelt. Der Schaden lag bei 120 Millionen Euro (2017) versus 29 Millionen Euro (2016). Vorrangig geht es um nicht erbrachte, aber trotzdem abgerechnete Leistungen. Das können Untersuchungen beim Arzt, Laborleistungen oder Leistungen in der Pflege sein.

Neben gesetzlichen Krankenkassen blutet auch die gesetzliche Rentenversicherung: Ärzte sollen bei mehr als 700 Patienten falsche Diagnosen erstellt haben, um deren Frühverrentung zu erreichen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch.

 

BKA

Fallzahlen beim Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen © BKA

In seinem Report verweist das BKA speziell auf Abrechnungsbetrug durch Pflegedienste mit Personen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Sie würden nur teilweise oder nicht erbrachte Leistungen abrechnen, die Pflegebedürftigkeit von Patienten vortäuschen, Ärzte und sonstige Fachkräfte bestechen bzw. Urkunden fälschen. Hier seien bandenartige Netzwerke mit Scheinfirmen im Ausland entstanden. Durch die demographische Entwicklung erwarten BKA-Experten einen weiteren Anstieg.

Ärzte und Patienten waren in einigen Fällen Teil des Systems: Gegen Geld attestierten Mediziner eine hohe Pflegebedürftigkeit, damit Pflegedienste besser abrechnen konnten. Auch für Patienten gab es einen kleinen Obolus oder zusätzliche haushaltsnahe Dienstleistungen. Zur Verschleierung der Straftaten führten die Mitarbeiter des Pflegedienstes sogar Pflegedokumentationen aus, allerdings fehlerhaft. Abweichungen zwischen den Aufzeichnungen und Touren- bzw. Dienstplänen führten Ermittler schließlich auf die Spur.

Whistleblower haben es schwer

Schön und gut, nur wie kommen Ermittlungsbehörden Tätern auf die Schliche? „Um Fehlverhalten, Abrechnungsbetrug oder Korruption aufdecken zu können, sind häufig Hinweise von Insidern ausschlaggebend, wie beispielsweise der Fall des Bottroper Apothekers gezeigt hat“, schreibt der GKV-Spitzenverband. In Bottrop hatten zwei ehemalige Mitarbeiter, der Dipl.-Volkswirt Martin Porwoll und die PTA Maria-Elisabeth Klein, den Stein ins Rollen gebracht. Dafür erhielten sie im letzten Jahr einen Whistleblower-Preis.

Whistleblower hätten in eigens eingerichteten Stellen zuletzt 25.039 Hinweise gegeben, Stand 2016/2017. Im Vergleichszeitraum 2014/2015 sei man 16.764 Meldungen nachgegangen. Daraus resultierten Rückforderungen von knapp 50 Millionen Euro (plus 17 Prozent).

Der GKV-Spitzenverband fordert neben dem gesetzlichen Hinweisgeberschutz spezialisierte Staatsanwaltschaften in allen Bundesländern. Für Ärzte kann die Sache jedenfalls ins Auge gehen. Ihnen droht nicht nur – vergleichbar mit den USA – der Verlust ihrer Kassenzulassung. Bei Strafsachen jeglicher Art ist ein Entzug der Approbation oder ein Berufsverbot im Bereich des juristisch Möglichen.

62 Wertungen (3.74 ø)
Gesundheitspolitik, Medizin

20 Kommentare:

Das bestehende System in Deutschland ist ein immanent korrumpierendes und muss grundlegend geändert werden.
Korrumpierend für den Patienten, weil die Patienten nach wie vor keine Information über die erbrachten Leistungen im Kassensystem erhalten und nach wie vor eine gewisse Vollkaskomentalität herrscht.
Korrumpierend für die Kollegen weil „kleine Leistungen“ nach wie vor bei Zahnärzten unkontrolliert erbracht und abgerechnet werden können.
Ich möchte behaupten , dass es kaum eine Zahnarztpraxis in Deutschland gibt, in der nicht regelmässig Leistngen wie Mu (behandlung von Mundschleimhauterkrankungen), bmf ( besondere Massnahmen beim Füllen), ZST (Zahnsteinentfernung), Ä1 (kurze Beratung), üZ (Behandlung überempfindlicher Zahnhälse) aufgeschrieben werden ohne tatsächlich erbracht zu werden.
Eine Rechnung an den Patienten an den Patienten mit einem geringen Eigenanteil der zurückgefordert werden kann wäre die beste und einzig mögliche Kontrollinstanz.
Ich habe auch erlebt, daß manche Kollegen bei jeder Kronenpräparation zwei F2ZE heisst zweiflächige Füllung bei Kronenpräparation aufgeschrienben haben und es auch von Kollegen in Ausbildung so verlangt haben. Ausserdem werden die Assistentinnenangewiesen so zu handeln.
Spritzen werden regelmäßig aufgeschrieben ohne erbracht zu werden, wenn man wollte könnte man sogar regelmäßig Füllungen die älter sind als zwei Jahre als neue Füllungen wieder aufschreiben ohne je „ertappt“ zu werden.
Man darf nur nicht in der Hundrt Fall Statistik auffällig werden, das ist das grosse Geheimnis.
Wieso viele Kollegen Porsche fahren wurde mir sehr schnell bewusst.
Geld verdient man nicht durch das Arbeiten sondern durch das Aufschreiben!
Das System ist leider schon zu lange so korrupt als daß man als einzelner etwas daran ändern könnte.
Auch ich musste wie der andere Kollege Geld zurückzahlen weil ich versucht hatte ehrlich aufzuschreiben und minimalinvasiv zu behandeln und dadurch „zu viele“ kleine Füllungen hatte.
Dass ich im Gegenzug weit unter dem Schnitt mit Wurzelbehandlungen oder Extraktionen war war der Kasse wurscht, ich musste Geld zurückzahlen!
Gegipfelt hat meine Unzufriedenheit als der gewählte KZV Vorstand in Bayern durch einen Staatskomissar ersetzt wurde
Mir ging es so auf den Keks dass ich meine Praxis verkauft habe und die Kassenzulassung mit Freude abgegeben habe.
Seit 12 Jahren bin ich jetzt in Österreich als Privatzahnrzt tätig mit einer für alle transparaenten Gebührenordnung, die auch zumindest besher keine Streitigkeitn mit Versicherungen auslöst und einfach auf einer DIN A 4 Seite Platz hat.

http://www.zahnaerztekammer.at/fileadmin/content/shared/infocenter/amtliche_mitteilungen/Honorartarife/AHR_2018_2019.pdf

Bitte fragt eure Standesvertreter und Politiker in Deutschland wieso so etwas in Deutschland nicht möglich ist!

Tu felix Austria

#20 |
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Sonstige

Schwarze Schafe wird es leider immer geben. Die Kassen, Regressforderungen, das DRG-System sind übrigens auch nicht unschuldig an dieser Entwicklung. Dieser Irrsinn muss auch aufhören.

#19 |
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Lieber Kollege Fender
Das mit der Patientenquittung ist so eine Sache. Reicht nicht der Unsinn mit Datenschutz, QM (bei dem nicht die Qualität der Behandlung Inhalt ist) usw..
nein nun auch Patientenquittung.
Das Fatale: manch einer kann oder will sich nicht an die Behandlung erinnern.
Was sagte neulich eine Dame nach Whipple-OP und Chemo.
Die im Krankenhaus sollen aufhörn nur mein Geld zu kassieren, ich will endlich
mal behandelt werden………

#18 |
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Ein Fortschritt wäre es schon, wenn ALLE Patienten eine Patientenquittung wie in #3 beschrieben bekämen. Vorstöße für ein entsprechendes Gesetz wurden schon wiederholt gemacht, kamen aber nicht bis in den Bundestag. Warum wohl? Welche Lobby steckt dahinter?

#17 |
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20.000 Fälle von Abrechnungsbetrug zwischen 2013 und 2017 sollten die Anzahl der Verursacher merklich einschränken. Whistle-Blower haben es in Deutschland tatsächlich schwer. Wenn ein Gericht einem anzeigenden Arzt ein Schweigebot auferlegt, ist dies ein fatales Signal. Die kriminelle Einrichtung betreibt ihre Geschäfte weiter und erhält sogar Oberwasser.
Eine Differenzierung der Delikte wäre interessant. Was wird gefälscht? Welche Schäden entstehen?

#16 |
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Dass erbrachte Leistungen in dieser Form nicht bezahlt werden, wäre bei jeder anderen Berufsgruppe undenkbar. Die Gerichte begründen das mit dem Sicherstellungsauftrag der Ärzteschaft.
Auch Richter haben in gewisser Art einen Sicherstellungsauftrag. Da die öffentlichen Haushalte verschuldet sind, würde ich vorschlagen, dass Richter zwar das ganze Jahr arbeiten müssen, aber wegen der Finanzlage der öffentlichen Haushalte nur bis Juli alimentiert werden. Vielleicht würde der Justiz die Situation dann verständlicher.
Andererseits habe ich den Eindruck, dass immer mehr Kollegen ihren Beruf nicht als Ärzte sondern als Kaufleute ausüben. Natürlich werden von manchen nicht erbrachte Leistungen abgerechnet. Natürlich werden in einigen Praxen Leistungen, die an sich Kassenleistung sind, privat berechnet. Natürlich werden überflüssige medizinische Leistungen (z.T. unter dem Begriff “Igel-Leistung”) verkauft.
Auch bei vielen Zahnärzten wird anstelle einer oft ausreichenden Zahnsteinentfernung eine Professionelle Zahnreinigung verkauft. Oft sind schon die Helferinnen angewiesen, auch Patienten mit optimaler Mundhygiene diese besser bezahlte Leistung aufzuschwätzen.

#15 |
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Dr. Karin Rüttgers
Dr. Karin Rüttgers

@13: “Endbudgetierung” ist auch nett; sie meinen wahrscheinlich Entbudgetierung?

Das aktuelle Budgetierungssystem nutzt den Patienten jedenfalls oft nicht.

#14 |
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Michaela, geb. Hoßfeld Schlösser
Michaela, geb. Hoßfeld Schlösser

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Zeitpunkt zur Diffamierung unseres Berufsstandes ist wieder einmal gut gewählt und schwächt uns während der Beratung zum Terminservice- und Versorgungsgesetzes im Bundestag. Das Einzige was die Zweiklassen-medizin beenden könnte ist eine sofortige Endbudgetierung! Davor fürchten sich aber die Krankenkassen und freuen sich über Journalisten, die das Bashing für sie übernehmen. So werden noch mehr Rückstellungen angehäuft, der Patient wird immer noch nicht nicht besser versorgt, aber die Ärzteschaft und nicht das System bleibt weiter im Fokus.

#13 |
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Dr. Gero Schwarz
Dr. Gero Schwarz

Sehr geehter Herr Heuvel,
im Sinne der journalistischen Objektivität und der Ausgewogenheit erwarte ich von Ihnen nun aber auch einen Artikel über die Nichtvergütung ehrlich erbrachter Leisungen im Rahmen der Mengenbegrenzung, deren Ausmaß sicherlich in einer ganz anderen Grüßenordnung liegt als Falschabrechnungen.

#12 |
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Heilpraktikerin

Sehr geehrter Herr van den Heuvel, wenn die von Ihnen genannten Zahlen zur ärztlichen Bestechlichkeit stimmen, handelt es sich 2017 um einen Anstieg von 675% und nicht 54%.

#11 |
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Dr. Volker Alkemper
Dr. Volker Alkemper

Neulich an Halloween hatte ich als Zahnarzt mit Schwerpunkt Kinderzahnheilkunde eine “Verhandlung” vor dem “Beschwerdeausschuss”.
Dieser bestand aus vier Zahnärzten, vier Vertretern der GKV, dem Vorsitzenden, sowie der Protokollführerin und einer Beschwerdeausschuss-Azubi.
Der Vorwurf: Unsere Mehrbehandlerpraxis erbrächte viel mehr kleine einflächige Füllungen als der Durchschnitt der Kollegen.
Vortrag des prüfenden “Kollegen”:
Bei der abgerechneten Punktmenge je Patient ist noch Luft nach oben.
Gleiches gilt für Röntgenleistungen, Parodontologie, Zahnersatz, größere Füllungen und diverse andere Klein- und Begleitleistungen.
Beschluss: Rückforderungen in fünfstelliger Höhe.
Begründung: Die hohe Zahl minimalinvasiver Füllungen sei nicht nachvollziehbar.
Ermahnung: Die Leistungsabrechnung möge sich zukünftig an den Durchschnittswerten orientieren.

Dies sind die Rahmenbedingungen.
Wer ist der Verbrecher:
Derjenige, der nonkonform abrechnet?
Derjenige, der konform abrechnet?
Derjenige, der diese Kriterien formuliert?
Derjenige, der diese Kriterien durchsetzt?
Derjenige, der das Nonkonforme sanktioniert?
Derjenige, der anders behandelt, als er es für sinnvoll hält?
Derjenige, der anders abrechnet, als er behandelt?
Derjenige, der unbelehrbar weiterhin nonkonform behandelt und abrechnet und sich neben der Plünderung dem Risiko des Kassenentzugs aussetzt?

Konstruktive Vorschläge sind herzlich willkommen

#10 |
  2

Milliardenschwerer Cum Ex Steuerbetrug, Diesel Skandal mit einziger Konsequenz Enteignung der PKW Besitzer und Zusatz Gratifikationen f d.Mitarbeiter der Betrüger,
Medikamente (ach was solls eine paar Kanzerogene gratis dabei, dafür steigen die Vorstandsprämien um ein paar Millionen), das passt einfach auf die Dauer nicht.
Da müssen einfach mal wieder diese bösen Betrüger-Ärzte in den Vordergrund gerückt werden, diese Geldgeilen.
Betrüger gibt es sicher immer, ich behaupte dennoch in der niedergelassenen Medizin eher die Ausnahme wenn ich so meine mir bekannten Kollegen betrachte. Falschabrechnungen sind wenn Folge eines rel komplizierten und nicht immer eindeutigen Abrechnungssystems.

Ach ja , probieren Sie einfach mal Folgendes bei der nächsten Auto-Inspektion: Kühlflüssigkeit und Waschwasser vorher auffüllen und anschliessend ein kleiner Blick auf die Rechnung……………………………………………….

#9 |
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Rettungsassistent

Hallo Frau Dr. Riehle,
ernstgemeinte Frage: Welche IGEL-Leistungen meinen Sie? Ich bin da bisher in der fläche eher skeptisch, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Viele Grüße
Tobias Sambale

#8 |
  2

Ich möchte mich mal als langjähriger Privatpatient zu Wort melden: etwa ein Drittel der Liquidationen sind falsch und überhöht. Es ist kaum zu glauben, welche schon fast kriminelle Energie im Umgang mit der GOÄ aufgebracht wird. Da werden die Legenden der GOÄ-Ziffern verkürzt und damit irreführend dargestellt oder einfach abgeändert, Leistungen abgerechnet, die nicht oder nicht indiziert oder auch fehlerhaft erbracht wurden. Es geht um viele hundert Euro. Ich habe meistens reklamiert, sodass ich fast keinen Arzt mehr habe, zu dem ich noch gehen kann. Meine private Kasse habe ich jedesmal informiert. Keine Reaktion, aber massive Erhöhung der Beitragssätze. Auch jetzt habe ich wieder eine gefakte Rechnung auf dem Tisch und liege im Clinch mit meiner Kasse, weil es gefühlt immer schlimmer wird. Es scheint so, dass meinen (ehemaligen, ich bin in Rente) Kollegen jedes Ehrgefühl abhanden gekommen ist. Wie es bei den Versicherten der GKV aussehen mag, kann ich nur ahnen. Hier kann der Versicherte die Rechnung nicht kontrollieren, weil er sie gar nicht zu Gesicht bekommt. Und die meisten privat Versicherten nicken sie einfach ab, weil sie sie nicht verstehen. Dabei soll nach GOÄ die Liquidation für jeden nachvollziehbar sein. Außerdem nutzen die Ärzte es aus, dass der Patient das Vertrauensverhältnis zu seinem “Doktor” nicht aufs Spiel setzen will. Es ist deprimierend. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Wenn ich mit der Ärztekammer drohe, geben die Kollegen regelmäßig klein bei, sodass die meisten Fälle gar nicht erst zur Meldung kommen.

#7 |
  8

Immer wieder werden bei mir erbrachte Leistungen mit Kleinbeträgen in Regress genommen. Weil es mir zu dumm, zu zeitaufwändig und auch zu teuer ist die Angelegenheiten meinem Rechtsanwalt anzutragen, werde ich wohl eines Tages auch als Abrechnungsbetrüger vorgeführt werden.

#6 |
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Mitarbeiter Industrie

Abrechnungsbetrug ist nichts Neues. Den gab es definitiv schon in den 1980er Jahren, festzustellen daran, dass so manche Arzthelferin anmahnte, man habe noch gar keinen Krankenschein für das letzte Quartal vorbeigebracht, auch wenn man gar nicht in Behandlung war. Rückfragen dazu wurden nur beantwortet mit: “Das ist bei uns eben so üblich! Das müssen Sie tun!”

Und zu Zeiten der KVK verkauften sich mobile KVK-Lesegeräte eines bestimmten Herstellers besonders gut, weil sie die Möglichkeit aufwiesen, bis zu 100 KVK-Datensätze “zwischen”zuspeichern. Der Hersteller wurde angewiesen, pro stationärem Lesegerät maximal ein mobiles Gerät zu verkaufen. Dennoch gab es sehr viele Arztpraxen, die 10-20 mobile Geräte besaßen. Jede Nachbestellung wurde dann mit einem Defekt oder Verlust des alten Geräts begründet. Wenn solch ein Defekt wirklich alle paar Monate aufträte, würde jeder normale Kunde das Gerät reklamieren und irgendwann den Hersteller wechseln. Die o.a. kauften jedoch lieber für teures Geld immer weiter “Ersatzgeräte”. Es sollte mich doch sehr wundern, wenn nicht ein erheblicher Teil der Geräte für Abrechnungsbetrug eingesetzt wurden.

#5 |
  11
Nichtmedizinische Berufe

Man muss sicher unterscheiden zwischen echtem Betrug und den ungerechten Auswirkungen der ungerechten GOÄ.
Echter und vor allem schwerer Betrug muss geahndet werden.
Wenn es sich jedoch um die Auswirkungen der viel kritisierten GOÄ handelt, schlage ich vor, dass die Ärzte nach den tatsächlichen Leistungen und dem tatsächlichen Zeitaufwand vergütet werden und nicht nach einer GOÄ, die sehr einseitig einzelne Leistungen besser vergütet und andere Leistungen gar nicht.
Die GOÄ sollte an die Wirklichkeit angepasst werden.

#4 |
  3
Donata Schiffels
Donata Schiffels

Vor ein paar Monaten habe ich bei meiner Krankenkasse eine sog. Patientenquittung angefordert. Wenn ich all die Diagnosen, welche dort aufgelistet sind, tatsächlich hätte, wäre ich definitiv nicht mehr unter den Lebenden.

#3 |
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Medizininformatiker

Als wenn Budgetierung einen Betrug unmöglich machen würde… Sorry, aber Beispiele wurden doch genug genannt und die haben mit der Kopfprämie ja nun überhaupt nichts zu tun.
Nur in Deutschland ist es nicht üblich, Patienten eine Kopie der Abrechnung von Ärztlichen und Krankenkassenleistungen zukommen zu lassen. Ich möchte nicht wissen wieviele Patienten behandelt und Medikamente erhalten haben ohne davon zu wissen.
Auch Ärzte sind nur Menschen und sie sind nicht gleicher wie andere. Sie werden nur schlechte und ungerechter bezahlt!

#2 |
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Dr. med. Barbara Riehle
Dr. med. Barbara Riehle

Mir scheint diese Verfolgung von Ärzten sehr suspekt. Schon vor Jahren hat die Regierung es zum Ziel erklärt, die Hälfte aller Facharztpraxen zu vernichten, z.B. mit (haltlosen) Anklagen wegen irgendeines Betrugs oder finanzieller Ausblutung. Derlei habe ich schon mehrfach von mir bekannten Ärzten mitbekommen, bei denen zum Beispiel die Polizei in die laufende Praxis eindringt, sämtliche Patientendaten beschlagnahmt, und die – unbewiesenen (sic)! Beschuldigten ins Gefängnis wirft. Und weitere vielfältige Schikanen mehr.
Dabei kann ein Facharzt per Abrechnung gar nicht betrügen, da steht die Budgetierung davor. Für jeden Patienten steht nur eine kleine Summe der Krankenkassen zur Verfügung, jede weitere, z.B. bei mir darüber hinausgehende, aber medizinisch notwenige Untersuchung sind praktisch Kostenlos erbracht. Wer seinen Beruf ernst nimmt und eine gründliche Abklärung der Beschwerden oder Befunde unternimmt, wird durch die Budgetierung bestraft, und so arbeite ich in vielen Fällen zwar zum Wohle der Patienten, bekomme aber keinerlei Vergütung für die weitergehenden wichtigen Untersuchungen zur wirklichen Findung der Diagnose und deren Behandlung. Bei der Abrechnung werden 1/3 bis die Hälfte meine Leistungen schlicht nicht bezahlt. Wie soll also ein Abrechnungsbetrug funktionieren? Das ist schlicht nicht möglich, öffnet aber Tür und Tor für reine Scheinsammler, die es auch gibt. Wehe den Patienten, die in solche Hände fallen. Jede Menge an Glaukomen aller Art werden übersehen, mangels weiter führenden Diagnostik:nur EIN Beispiel unter vielen
Für mich gilt: wenn ich einen Beruf ordentlich erlernt habe, übe ich ihn auch ordentlich aus – ohne Rücksicht auf wichtige Untersuchen, die mir erst eine Diagnose und Einleitung des entsprechen Therapie erlaubt – und so wird ca. ein Drittel meiner Leistungen für die Krankenkassen kostenlos erbracht. Viele wichtige, bzw. gerade die Entscheidenden Untersuchungen solle die Patienten per IGEL selbst bezahlen, was bei der steigenden Armut für viele, vor allem Rentner, die nach 40 Jahren Arbeit mit 700.- EUR Rente zurechtkommen müssen nicht möglich ist.
Ingesamt stinkt das deutsche Gesundheitswesen sehr nach Abbau des Rentnerberges via Rentner einfach früher sterben lassen, ganz sie die USA es uns vormacht. Oh Pfui Teufel!! Da mache ich nicht mit.

#1 |
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