6 Tage vor Geburt: Stent bei Baby eingesetzt

14. Dezember 2018

Kürzlich wurde ein besonderer Fall in der Pränatalmedizin vorgestellt: So knapp vor der Geburt wurde weltweit noch nie eine Stentimplantation im Herzen eines Ungeborenen durchgeführt.

Ärzte des Linzer Kepler Universitätsklinikums (KUK) haben nach eigenen Angaben erstmals weltweit wenige Tage vor der Geburt einen Stent in das Herz eines Kindes eingepflanzt.

Diagnose: Hypoplastisches Linksherzsyndrom

Vier Monate nach seiner Geburt war Jan am Dienstag Mittelpunkt einer Pressekonferenz im KUK. Dort erklärten Gerald Tulzer, Vorstand der Klinik für Kinderkardiologie, und Wolfgang Arzt, Vorstand des Instituts für Pränatalmedizin den Eingriff. Die Eltern hatten nur wenige Tage Zeit, sich zu entscheiden, ob sie den Schritt wagen wollten.

Bei dem Ungeborenen war ein hypoplastisches Linksherzsyndrom diagnostiziert worden. Dabei ist eine wichtige Verbindung im Herzen verschlossen. Das von der Lunge kommende Blut kann nicht von den Vorhöfen in die Kammer fließen, wodurch das Baby nach der Geburt nicht lebensfähig wäre.

„Mittels einer langen Hohlnadel wurde beim ungeborenen Kind kurz vor dem Entbindungstermin ein neun Millimeter langer und drei Millimeter im Durchmesser haltender Stent ins Herz (in der Vorkammerscheidewand) unter Ultraschallsicht implantiert. Dadurch wurde eine Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen hergestellt und so bereits vor der Geburt ein ausreichender Abfluss des sauerstoffreichen Blutes aus der Lunge gesichert.“, erklärt Arzt in einer Meldung des Klinikums.

Eingriff sechs Tage vor der Geburt

Durch den sechs Tage vor der Entbindung durchgeführten Eingriff war Jan nach der Geburt lebensfähig. Mittlerweile wurden zwei Operationen vorgenommen, eine weitere ist noch nötig. Das Herz von Jan werde wohl nicht ganz so belastbar sein wie das anderer Menschen, aber er werde ein „fast normales Leben führen können“, versicherte Tulzer.

Die Operation dauerte ca. 30 Minuten, verlangte den Ärzten aber einiges an Geschick und Können ab: Sie mussten unter Ultraschall nicht nur exakt mit einer Nadel durch die Bauchdecke der Mutter das Herz des Kindes erreichen. Auch Bewegungen des Kindes mussten einkalkuliert werden, da das Baby im Fruchtwasser schwimmt und das Herz schlägt.

Der in Linz vorgenommene Eingriff ist laut KUK weltweit der erste dieser Art, der so knapp vor der Geburt durchgeführt wurde. Es habe in den USA und in Kanada zwar bereits einige Versuche von Stentimplantationen im Mutterleib gegeben, aber nie so kurz vor der Entbindung.

 

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung der APA-Science.

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Bildquelle: jerseybarb85, flickr / Lizenz: CC BY
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3 Kommentare:

Arzt

Danke für den Link. Bei solchen Hochrisikogeburten muss ein riesiges Team in genau diesem Moment bereit stehen, um – falls nötig – alles tun zu können, um das Leben des Kindes zu retten. Wenn es überhaupt möglich ist, ohne einen solchen pränatalen Eingriff. Spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle, ob eine Spontangeburt möglich war oder nicht?
Ich finde es toll, dass mit einem komplizierten Eingriff trotz einer solch schwerwiegenden Fehlbildung anschließend offenbar ein relativ normales Ankommen des Kindes möglich gemacht wurde.

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Annika Diederichs
Annika Diederichs
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Heilpraktiker

Chapeau! Interessieren würde mich, ob hernach eine Geburt per vias naturales erfolgte.

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