Psychotherapie: Wer muss draußen bleiben?

12. Dezember 2018

Bundesgesundheitsminister Spahn will die Vergabe von Psychotherapieplätzen neu regeln. Ein „qualifizierter Behandler“ soll künftig die Dringlichkeit einer Behandlung bewerten. Psychiater Jan Dreher findet das sinnvoll: Manch eine verordnete Psychotherapie sei eigentlich ein Coaching.

Im Frühjahr 2019 soll das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) in Kraft treten, mehrere parlamentarische Hürden wurden bereits genommen. So hat der Gesetzesentwurf bereits im September das Bundeskabinett passiert. Spahns Ziel ist es, Terminservicestellen zu stärken und Patienten schneller einen Facharzttermin zu ermöglichen. Ein Blick in den Entwurf zeigt, dass das Vorhaben insbesondere im Bereich der Psychotherapien nicht unproblematisch ist.

Spahn bringt eine sogenannte gestufte Versorgung ins Gespräch und zwar als Ergänzung des § 92 Abs. 6a im V. Sozialgesetzbuch. Ärzte und Psychotherapeuten, deren Qualifikation erst noch durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu definieren ist, sollen demnach bei Patienten mit Verdacht auf psychische Erkrankungen in Zukunft eine Begutachtung durchführen, bevor die eigentliche Behandlung erfolgt.

„Ich befürworten die unabhängige Instanz“

„Ich bin dafür, einen unabhängigen Behandler einzusetzen, der entscheiden kann, ob es bei der Person tatsächlich um eine Erkrankung geht oder ob eher ein Fall für ein Coaching vorliegt“, sagt Dr. Jan Dreher zu DocCheck. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Dreher: „Diese Aufgabe könnte beispielsweise von Hausärzten, Psychiatern oder Psychologischen Psychotherapeuten übernommen werden.“

Der Experte kritisiert am Status quo: „Meiner Meinung nach fällt manches von den verordneten psychotherapeutischen Behandlungen in den Bereich Coaching. Coaching kann in vielen Fällen auch sehr hilfreich und sinnvoll sein, nur ist das eben keine Kassenleistung.“ Deshalb, so Dreher, mache es Sinn, eine unabhängige Instanz vorzuschalten, um zu erkennen, ob es sich um eine Depression oder um Trauer handele. „Auch bei Trauer kann ein Coaching oder eine Psychotherapie helfen, aber die Behandlung von Trauer ist keine Krankenkassenleistung“, so Dreher.

Er befürchtet, dass ein Psychotherapeut keinerlei Interesse daran habe, dass der Patient seine Behandlungen selbst zahlen muss. „Die wenigsten Patienten werden einen Stundensatz von 85 Euro zahlen und kommen deshalb lieber gar nicht. Bevor das passiert schreibt der Therapeut also lieber eine Depression auf, sodass die Krankenkasse die Therapiesitzungen über einen längeren Zeitraum übernimmt“, so der Experte.

Psychotherapeuten kritisieren Selektion

„Der Passus, der in letzter Minute in den Kabinettsentwurf eingeführt wurde und eine völlig neue Art ‚gestufte Steuerung‘ der Behandlung von hilfesuchenden psychisch kranken Menschen vorsehe, wird als schädlich erachtet“, schreibt Benedikt Waldherr vom Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (BVVP). „Eine derartige Selektion, bevor eine Behandlung in Anspruch genommen werden kann, hebelt den freien Zugang zum ärztlichen oder Psychologischen Psychotherapeuten aus.“ Der Verband fordert den Minister auf, seinen Zusatz in § 92 Abs. 6a SGBV zu streichen. Deshalb hat er auch eine Online-Petition (Petition 85363) gestartet. Einige der wichtigsten Argumente gegen den Entwurf:

  • Der Entwurf diskriminiert eine ganze Patientengruppe mit Erkrankungen, die ohnehin schon als schambehaftet gelten.
  • Vertrauliche Gespräche mit Ärzten oder Psychotherapeuten, die man nie wiedersehen wird, sind verpflichtend.
  • Anstatt den Zugang zu erleichtern, wird ein neues Nadelöhr geschaffen.
  • Psychotherapeutisch tätigen Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten wird die Expertise zur Diagnostik und Behandlungsplanung abgesprochen. Dazu gibt es – auch aus Sicht der Versorgungsforschung – keinen Anlass.
  • Auch diese gestufte Steuerung bindet Ressourcen.

Quorum der Petition erreicht

Bislang unterstützen knapp 145.000 Personen die Forderung. Das Quorum mit 50.000 Unterzeichnern wurde rasch überschritten. Die Mitzeichnungsfrist endet morgen (13.12.2018). Laut Tagesordnung wird auch morgen im Bundestag das Gesetz thematisiert. Dort heißt es offiziell: „Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes für schnelle Termine und bessere Versorgung (Terminservice- und Versorgungsgesetz – TSVG)“.

55 Wertungen (4.13 ø)

43 Kommentare:

Ärztin

Ulrike Wörner,
Fachärztin f.Psychiatrie,Neurologie u.Psychotherapeutische Medizin
Ich bin seit fast 45 Jahren überwiegend psychotherapeutisch tätig und wundere mich seit langem über den angeblich so hohen Psychotherapie-
Bedarf, der merkwürdigerweise erst bejammert wird,seit Nicht-Ärzten der
Zugang zu (Kassen-)Psychotherapien ermöglicht wurde. Obwohl seit dem
“Psychotherapeuten-Gesetz” zig-Tausende mehr Therapeuten zur Verfügung stehen, ist es für die Patienten tatsächlich schwieriger geworden, einen”Therapie-Platz” zu bekommen.Die Gründe dafür dafür liegen zum einen schon bei der Anmeldung: Es wird bei der Anmeldung nicht schon am Telefon u.zwar von dem Therapeuten selbst,ausführlich mit dem Patienten gesprochen, um sich ein ungefähres diagnostisches Bild zu machen,die Dringlichkeit eines Erst-Gespräches innerhalb zweier Wochen zu beurteilen (es ist unethisch,einem Pat.,der ertmals Panikattacken,schwere Schlafstö-
rungen, depressive oder gar psychotische Gedanken und Impulse hat, zu verweigern!),die Erwartungen an eine Therapie und das”Glücksmaß” im Leben abzuklopfen.”Stammkunden” wird das Recht auf eine wöchentliche
Stunde, womöglich noch zur gleichen Zeit, zugestanden, obwohl ihnen
durchaus zugemutet werden kann,einige Wochen auch ohne Therapie
ihr Leben zu gestalten und dadurch auf der “Warteliste” Platz zu schaffen
für einen Menschen,der vielleicht ganz dringend ein Gespräch braucht,
um nicht weiter gefährdet zu sein und unnötig lange leiden zu müssen.
Viele unserer Aufgaben haben früher Familienmitglieder, der Beichtvater
oder der weise Alte in einer Gemeinde erfüllt.Nehmen wir uns nicht so
wichtig! Wir füllen ein Loch,das durch das Auseinanderfallen von Familie
und sozialem Netz entstanden ist.
Einen Gutachter vor dem Gutachter brauchen wir nicht!Ein bodenständiger
Hausarzt, der seinen Patienten wirklich kennt, würde genügen!

15. Dezember2018 um 19: 15

#43 |
  4
Kain Voss
Kain Voss

Psychotherapeuten und Objektivität scheinen mir ziemlich unvereinbar zu sein. insofern dürfte es auch bei diesen unabhängigen Experten erhebliche Unterschiede in der Beurteilung der Patienten geben. Im einen Bundesland würde man vielleicht auf manchmal auch Autismusspektrum erkennen, während im anderen Bundesland die Diagnose Autismus eigentlich überhaupt nicht erwogen wird, da dort alle Freudianer sich standardmässig von selbst verliebten Narzissten umgeben sehen, etc..

#42 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

@Ralph Jahn: Die von Ihnen zurecht kritisierten Mängel in der psychotherapeutischen Praxis lassen sich durch die von Ihnen geforderte externe Indikationsstellung ganz sicher nicht beheben. Denkbar wären eher strukturierte Vorgaben zu Dokumentation und Qualitätsmanagement, welche in gewissem Rahmen auch ganz ohne Gesetz von den Krankenkassen vorgegeben werden könnten, sofern die das für sinnvoll halten.

#41 |
  8

Anderseits: was ist mit der Zahl jener Patienten, die ganz einfach einen Versorgungsanspruch zu haben meinen und im Grunde das System ausnutzen? Da ist eine Filterung bzw. Triage vonnöten und da gebe ich Herrn Spahn recht. Die Medaille hat 2 Seiten.

#40 |
  28

So sehr die Argumente stimmen, da gibt es noch eines: wenn dieser Zusatz verabschiedet wird, werden die Patienten und -Innen den unabhängigen Begutachter umgehen und z.B. die psychiatrischen Notaufnahmen in den Kliniken massiv aufsuchen. Dies ist ggw. schon der Fall, zumal bei den niedergelassenen Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie oder psychologisch-psychotherapeutischen Kollegen die Wartelisten lang sind (bis zu 6 Monaten). Die Schaffung von mehr Fachambulanzen und eine personell vernünftige Anstellungspolitik, aber auch die Schaffung von mehr Tageskliniken eben in jenen Ambulanzen wäre die Lösung! Ausserdem gibt es noch die freie Arztwahl, oder?

#39 |
  2
Nichtmedizinische Berufe

Und wenn der erste Suizid geschieht, weil ein Patient bei der “unabhängien Instanz” “durchgefallen” ist – wer trägt dann die Verantwortung?
Es werden Psychiater kritisiert, weil sie innerhalb von 10 Minuten psychiatrische Diagnosen geben – aber was macht diese Vorinstanz dann anders?
Und wer kommt auf so etwas, bei einer Mangelsituation ein zweites Nadelöhr – womöglich mit einer weiteren Warteliste – zu schaffen?
Den einzigen Vorteil, den ich eventuell sehe, ist, dass auch “schwierige Fälle” gleichermaßen den Zugang zu Psychotherapie hätten – bisher fallen die oft heraus. Es ist beispielsweise schwierig, eine Psychotherapie für Psychoseerkrankte zu finden , da Psychotherapeuten de Sorge haben, ihr Patient dekompensiert.

#38 |
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Psychotherapeut

Dieser Artikel sagt natürlich auch viel über die Qualität der DocCheck News aus. Da wird irgendein “Experte” zitiert, der seine Meinung bekannt gibt. Nachweise? Nicht nötig. Belege für seine Behauptungen? Fehlanzeige. Es reicht ja, wenn irgendein Experte seine Meinung in die Öffentlichkeit hinaus posaunt.
Das sollte man mal mit Ärzten machen. Wie wäre es, wenn ich mich zum Experten ernenne und berichte, dass ich (insbesondere Haus)Ärzte erlebe, die Psychopharmaka verordnen, ohne die Standard Untersuchungen im Blick zu behalten. Und dann fordere, dass da erst noch eine unabhängige Instanz drüber gucken sollte, bevor solche Medikamente verordnet werden dürfen.

#37 |
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Wolfgang Muetz
Wolfgang Muetz

Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier ein Versorgungsproblem auf politischem Wege beseitigt werden soll, ohne des Pudels Kern zu tangieren. In der Vergangenheit war immer wieder – von offizieller Seite und auch von vielen Betroffenen – zu hören, dass wir bzgl. PT massiv unterversorgt sind; dass Patienten monatelang auf Termine warten müssen, wenn sie überhaupt welche bekommen. Jetzt wird anscheinend geplant, durch ‘unabhängige Stellen’ festzustellen, dass die für PT relevanten Fallzahlen gar nicht so hoch sind. Damit ist das Problem gelöst. Allerdings nur für die Statistik und nicht für die kranken Menschen. Zu befürchten ist, dass das eigentliche Problem verschoben wird und uns in mittelfristiger Zukunft umso heftiger wieder ereilt…

#36 |
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Heilpraktikerin

Hat der Minister Spahn die Kosten für den zusätzlichen administrativen Aufwand bei der Einführung von Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) betrachtet?
Hat sich der Minister Spahn gefragt: was bedeutet diese zusätzliche Hürde für Patienten, die sich in akuten Zustände befinden?
Ich frage mich wie viel mehr Kontrolle und Entmündigung diese Gesellschaft bereit ist zu tolerieren?!

#35 |
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Coaching ist sicher oft sinnvoll, aber erstens zahlt es mW die Krankenkasse nicht und 2. gibt’s zuwenig Therapeut/inn/en dafür. Also eine weitere Seifenblase.

#34 |
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Arzt

Als Facharzt für Psychiatrie in einer großen Schwerpunktambulanz kann ich nur bestätigen, dass viele Psychotherapien (PT) ohne nachhaltigen Erfolg bleiben. Bei vielen Patienten habe ich das Glück, sie über die PT hinaus behandeln zu können.
Wenn ich um eine PT Weiß, gehört es zu meiner Standartintervention, mit dem Patienten den Auftrag an den Therapeuten zu klären und ggf. vorzubereiten. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich ein Laie unter PT vorstellt. Im Verlauf einer PT muss ich viel zu oft und anstelle des Therapeuten (Zwischen-)Ergebnisse/ Zielereichen abfragen und klären, wie weit das initiale Anliegen (Roter Faden) noch verfolgt wird. In den Schilderungen meiner Patienten laufen die PT-Gespräche dann doch häufig auf ein Coaching hinaus.
Meiner Meinung nach sollten zwei Regeln berücksichtig werden:
Was der Patient will, ist nicht zwangsläufig das, was er brauch und
Priorisierung vor Rationierung. Deshalb würde auch ich eine externe Indikationsstellung befürworten.

#33 |
  51
Dr. med. Roland Hunecke
Dr. med. Roland Hunecke

Komisch, ich muss wohl in einer anderen Galaxie gearbeitet haben, als die meisten Kommentatoren hier. Ich habe kaum Patienten kennengelernt, die von einer Psychotherapie nachhaltig, d.h. auch dauerhaft profitiert hätten, aber ganz viele, die unbedingt und ganz dringend für sich eine eingefordert haben.
Das trifft allerdings genauso auch für viele somatische Therapien und Diagnostik zu.
Ich habe kenne auch viele „Organmediziner“, die derartigen, häufig nicht nachvollziehbaren Forderungen widerspruchslos nachkommen. Sie tun das nicht immer aus schnödem Eigennutz, sondern m.E. sogar öfter aus nResignation oder Angst vor rechtlichen Konsequenzen.
Als Ärzte sollte wir aber nicht nur „helfen wollen“, sondern wir sollten auch mit den uns anvertrauten Ressourcen verantwortungsvoll umgehen! Wer jedem alles geben will, der glaubt vermutlich auch, dass das dazu erforderliche Geld von Windrädern verdient oder von den Migranten mitgebracht wird.
Ich finde daher die Vorbehalte von Herrn Spahn durchaus realitätsorientiert.

#32 |
  58
dr.med eva-susanne koitschka-maus
dr.med eva-susanne koitschka-maus

Herr Spahn hat ja in seiner Amtszeit schon viel unausgegorene Pläne geschmiedet,denke man nur an die Erweiterungen der Sprechzeiten.
Sicherlich ist der Wunsch nach Psychotherapie gestiegen,das merkt man im Praxisalltag.Als Hausärztin habe ich meistens nicht die Zeit mich umfassend mit den seelischen Nöten meiner Patienten zu befassen.Ich bin sehr dankbar,das es dafür Fachleute gibt,die meine Patienten an die Hand nehmen und sich
ihrer Probleme annehmen.Dazu gehört auch durchaus eine Begleitung bei pathologischer Trauerreaktion.Nur der Patient allein kann beurteilen,wie sehr ihn eine Situation belastet und er Hilfe benötigt.Dies ist sehr individuell und kann nicht nach Schema F beurteilt werden.Herr Spahn sollte seine unqualifizierten Schnellschüsse unterlassen

#31 |
  4

Dazu eine Statistik am Rande: Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Spahns Novelle: Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt… https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97529/Krankheitstage-wegen-psychischer-Belastung-haben-sich-verdoppelt

#30 |
  1
Ildiko Siemon
Ildiko Siemon

Ich habe versucht, den Hessischen Rundfunk auf das Thema aufmerksam zu machen, aber ich habe bis dato leider keine inhaltliche Antwort erhalten.
Jetzt 0:45 Uhr habe ich noch einen Bundestagsabgeorneten angeschrieben und hoffe das das wenigstens etwas bringt.

#29 |
  2
Ärztin

Coaching geht nur berufsbezogen, das ist in der Ausbildung zum Psychotherapeuten nicht drin. Wie man Trauer coachen soll, ist mir ein Rätsel. Herr Spahn müßte eigentlich wissen, was Coachen ist – ich vermute, alle Politiker lassen sich coachen, um mehr Erfolg zu haben – das ist ja Sinn und Zweck des Coaching. Aber vielleicht hat Herr Spahn das versäumt? Von Psychotherapie hat er jedenfalls keine Ahnung. Es ist ihm vermutlich immer so gut gegangen, daß er das nie gebraucht hat. Das sind immer die selben Leute, die noch nie ein wirklich schweres Problem hatten. Sie machen sich über die Menschen lustig, die in echten Nöten sind und verurteilen sie als Simulanten, Drückeberger und Sozialschmarotzer. Herr Spann argwöhnt darüber hinaus auch noch, daß die Psychotherapeuten, die ihnen helfen, allesamt Betrüger sind. Möglicherweise hat er Informationen vom drohenden Bankrott der Krankenkassen, die wir nicht haben? Und die statistische Auswertung der drohenden Pleite führt unweigerlich zu den Psychotherapie-Patienten, die allesamt äußerst wohlhabende Geschäftsleute sind, welche sich über ihre gesetzlichen Kassen ein kostenloses Coaching finanzieren?
Die neueste Verschwörungstheorie?

#28 |
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Student der Zahnmedizin

Man kann natürlich wieder nur den Kopf vor Scham senken der einen Facharzt seiner medizinischen Mündigkeit entheben will.
Wozu also überhaupt noch ein Gutachten eines Facharztes einfordern, wenn solche als Kompetenz durch Legislation auf Geheiß der Krankenkassen behindert werden.
Eine weitere Unverschämtheit unserer Krankenkassen die sich einreihen darf in Erdöl und Autoindustrie. Ich bin erschüttert

#27 |
  4
Psychotherapeut

Noch ein Nachtrag: Es ist jetzt 22:30 Uhr und ich sitze noch in der Praxis, um im Anschluss an die Behandlungen Bürokratie zu bewältigen und mich fachlich auf dem Laufenden zu halten. Und viele Kommentator*innen schreiben hier zwischen 20:00 und 22:00 Uhr – alles unbezahlte Arbeit im Dienste der Patient*innen. Und dann dieser Hohn.

#26 |
  4
Psychotherapeut

Zu Herrn Spahn fällt mir nichts mehr ein. Diese Art von Inkompetenz und Verkennung der Realität psychotherapeutischer Versorgung ist schon erschreckend. Profilierungssucht mit Unkenntnis gepaart ist wohl das größte Übel, dass fran sich vorstellen kann. Psychotherapeut*innen, die täglich in ihrer Praxis sich um schwerkranke Menschen kümmern solche Unterstellungen und Bevormundungen angedeihen zu lassen – eben, da fällt mir nichts mehr ein. Erinnern möchte ich noch daran, dass der Bedarf u.a. wegen neoliberaler Gesinnung und daraus resultierender Arbeitsbedingungen erwächst. Im gemeinsamen Bericht der OECD und der EU werden die ökonomischen Kosten psychischer Erkrankungen auf 600 Milliarden EUR/Jahr beziffert (28 EU-Staaten). Deutschland muss nach diesem Bericht allein 4,8 % seines Bruttoinlandsproduktes für diese Ausfälle aufwenden. Und mit 18% Betroffner von psychischen Erkrankungen lag Deutschland 2016 über dem EU Durchschnitt (17,3%) (Ärzteblatt PP, Dezember 2018). Bei diesen Zahlen sei auch noch daran erinnert, dass in der BRD lediglich 0,4% der Krankenkassenleistungen für Psychotherapie aufgewendet werden. Herr Spahn: Stellen Sie sich einfach mal der Realität!
[Link von der Redaktion entfernt]

#25 |
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Arzt

Bitte keine Panikmache. Noch ist gar nicht klar, welche Regelung der GBA zu einer gestuften Versorgung erlassen wird. Dass ein Gutachter vorgeschaltet wird, ist keineswegs beschlossene Sache.

Wie sieht die Versorgungsrealität augenblicklich aus? Wer einen Psychotherapieplatz sucht, bekommt in der Regel nicht einmal einen Notfalltermin, den niedergelassene Psychotherapeuten anbieten müssen. Stattdessen wird sie/er mit einer Warteliste vertröstet und der Aussicht, dass dort in 6-12 Monaten etwas frei werden könnte. Insbesondere Menschen, deren Erkrankung über das Maß eines alltäglichen Neurotizismus hinausgehen, haben Schwierigkeiten, selbst einen Termin innerhalb dieses Zeitraums zu bekommen und erhalten Antworten wie: “Darauf bin ich nicht spezialisiert.”

Frage ich Menschen, die eine psychotherapeutische Behandlung haben, können diese mir oft gar nicht sagen, ob es sich um eine Verhaltenstherapie oder ein psychodynamisches Verfahren handelt. Die Antwort lautet dann: “Wir besprechen, was ich seit dem letzten Termin erlebt habe.” oder “Ich hatte einen Konflikt mit meinen Sohn und die Therapeutin hat mir gesagt, wie ich mich verhalten soll.” Eine Klientin hat es mal auf den Punkt gebracht: “Meine Therapiesitzungen laufen so ab, wie ein Gespräch mit einer guten Freundin. Da tauschen wir uns über Alltagsprobleme aus.” Das ist im besten Fall Coaching aber keine Richtlinienpsychotherapie.

Ich bin mir sicher, dass das Ausnahmen sind und die meisten niedergelassenen Psychotherapeuten eine verantwortungsvolle Arbeit leisten. Allerdings ist eines klar: Wenn Bedürftige ein halbes bis ein Jahr auf einen Termin warten müssen und damit länger als in jedem anderen Gebiet ambulanter Versorgung, dann ist das nicht akzeptabel. Da muss der Gesetzgeber reagieren.

#24 |
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Anästhesieschwester

“Spahnsinn”hoch 10.
Vertrauensbildung geht anders.In wie vielen Fällen soll denn der “unabhängige” Gutachter zum Ergebnis kommen,daß eine Therapie nicht nötig sei? Wenn man auch den Zeitaufwand bedenkt,da könnten doch die Gutachterzeiten sinnvoll an anderer Stelle,nämlich in die Therapie des Patienten,investiert werden.Oder sollen die Gutachter Therapien abschmettern,damit sich die Krankenkassen einen schlanken Fuß machen? Das spahnsche System ist krank und muß in Therapie.

#23 |
  4
Ildiko Siemon
Ildiko Siemon

@ Dr. Jan Dreher:

Es gibt bereits, neben dem potentiellen Behandler, einen weitere fachlich kompetente und unaghängige 2. Prüfinstanz: den Gutachter.
Im Gutachterverfahren wird explizit u. a. die Indikation, Prognose und Wirtschaftlichkeit regelmäßig und anonymisiert geprüft.

Eine 3. Kontrollinstanz zu finazieren, wie im TSVG vorgesehen, bedeutet also zusätzliche Ausgaben, Organisationsaufwand usw..

#22 |
  3

Ich widerspreche dem Kollegen Dreher explizit und hoffe, dass bei der ärztlichen Bezeichnung einer hilfreichen Behandlung unserer Kolleginnen und Kollegen als “Coaching” abgewogen nachgedacht wurde und nicht für uns Ärzte womöglich interessante berufsständische Gedanken eine Rolle spielten. Ich überblicke unzählige Fälle erfolgreicher psychologischer Psychotherapie und ebenso viele Fälle verzweifelter Patientinnen und Patienten und von Ärzten auf der Suche nach einem auch zeitlich zumutbaren Behandlungsangebot. Meinerseits fordere daher im Gegenteil gerade mehr Psych. Psychotherapie, ohne Engpass und Bevormundung.

#21 |
  2
Dr. med. Alma Gaidosch
Dr. med. Alma Gaidosch

Ich kenne viele, die eine Psychotherapie benötigen, aber keine in Anspruch nehmen, ich kenne andere, die eine Psychotherapie benötigen und auf einen Therapieplatz warten. Und dann gibt es noch solche, oft eher betuchte Leute, denn dazu braucht man Geld, die sich einen Coach leisten, entweder, weil sie nicht wahr haben wollen, dass sie und zwar sie selbst ein ernsthaftes Probelm haben, oder weil sie es als stigmatisierend empfinden, Psychotherapie zu beanspruchen, oder beides. Das sind leider diejenigen, die nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem engeren und weiteren Umfeld große Schwierigkeiten bereiten! Wir brauchen in Deutschland nicht weniger, wir brauchen mehr qualifizierte Psychotherapie. Das ist leider unsere bedenkliche und traurige Realität.

#20 |
  4
Werner Wöhrle
Werner Wöhrle

Haha…

…Psychotherapie mache ich selber: am Stammtisch.

Da kostet die Sitzung keine 85 Euro – dauert aber manchmal ausgesprochen lange…

…die Stimmung zu Hause bei meiner Göttergattin ist dann allerdings manchmal auch auf dem Tiefpunkt, wenn sie mich heimkommen sieht oder hört – oder beides.

#19 |
  86

Man reibt sich alle paar Monate die Augen, welch´ merkwürdige Vorschläge und Gesetze unvermittelt aus der Politik kommen: Jahrelang wurde den Notaufnahmen und Praxen mit dem Kassieren einer Praxispauschale ohne jede Steuerungsfunktion die Zeit gestohlen, bis deren überfällige Abschaffung noch dazu verwendet wurde, die FDP zu irgendeinem politischen Kuhhandel zu nötigen. Notärzte müssen 15 h außerhalb des Rettungsdienstes arbeiten, damit sie sich ein kafkaeskes “Statusfeststellungsverfahren” über ihre Selbstständigkeit ersparen. Dabei ermöglicht nur diese Selbstständigkeit die notärztliche Versorgung in weiten Teilen unseres Landes – ohne Kollision mit dem Arbeitszeitgesetz. Geht in Österreich einfacher. Vertragsärzte und Psychotherapeuten werden im geplanten TSVG mit der Anhebung der wöchentlichen Mindestsprechstundenzeit bevormundet, obwohl man sich an drei Fingern abzählen kann, dass das unterm Strich eine Luftnummer ist. Allein die SPD kann sich damit in den Schlaf singen, bzgl. der Wartezeiten etwas in den Koalitionsverhandlungen erreicht zu haben. Apotheker stöhnen unter den schikanösen Rezept-Bemängelungen der Krankenkassen, die eine riesige Bürokratielawine für ein paar Cent lostreten. Und jetzt soll ein völlig überflüssiger Kontrolleur über die Notwendigkeit einer Psychotherapie entscheiden. Versteh isch nicht. Gibt in unseren Ministerien Leute, die nicht wissen, was sie mit ihrem lieben langen Tag anfangen sollen? Oder die dank ihrer Genialität mit niemanden sprechen müssen, der tagtäglich die Versorgung aufrecht erhält?

#18 |
  1
Gesundheits- und Krankenpflegerin

Welch ein Wahnsinn!
Den Betroffenen fällt es meist schwer genug, sich zu offenbaren….
PsychotherapeutInnen sind nicht raffgierig, wie kann ein Fachmann (?) auf diese Idee kommen?
Es gibt zu wenig Psychotherapieplätze, zu lange Wartezeiten für die Betroffenen.
Die Idee von Frau Diederichs ist großartig!
Zu Herrn Voigt:
Nun, statt Schwachsinn wäre auch das Wort Fremdgefährdung bezeichnend.
Ob Herr Spahn weiß, was er da von sich gibt, wage ich zu bezweifeln.

#17 |
  2
Heilpraktiker

Da schrieb jemand von Schwachsinn. Der kommt doch aber von Spahn. Ist es dann nicht “Spahnsinn”? (Wie manches andere auch?)

#16 |
  3
Nichtmedizinische Berufe

Ich dachte immer, der Staat sei religionslos-inzwischen, leider.Nun kommt da ein riesiger Kadettentrupp an Staatsagenten herangelaufen, der vorgibt, Psychotherapie machenzu können. Sind wir im Idiotenland, oder bleibt jeder so dumm, nicht zu wissen, dass es seiner Freiheit an den Kragen geht?Wisse um die Freiheit ist das Erste des Seins.Schade, dass die Dummheit immer größer wurde.

#15 |
  8
Psychotherapeut

Ich habe gerade eine schwer traumatisierte (vergewaltigte) Patientin in der Sitzung gehabt. Die soll nun zu einem Gutachter und dort retraumatisiert werden???
Der Gesetzesentwurf ist Schwachsinn (entschuldigung, mir fällt dazu kein anderes Wort ein)

#14 |
  3

Ein abgestuftes Verfahren gibt es doch schon längst!
Überweisung an einen Vertragsarzt zur Abklärung somatischer Ursachen vor Aufnahme einer Psychotherapie (Muster 7) und der Konsiliarbericht vor Aufnahme einer Psychotherapie (Muster 22). http://www.kbv.de/html/27068.php

Als Haus- und Familien-Mediziner fülle ich Muster 22 fast täglich aus. Die Überweisung nach Muster 7 kommt selten vor, weil meine Patientinnen und Patienten vor Aufnahme einer Psychotherapie körperlich komplett durchuntersucht und differenzialdiagnostisch abgeklärt wurden.

#13 |
  0
Dr. med. Antje Pauly
Dr. med. Antje Pauly

Um den riesigen Bedarf an Psychotherapie besser decken zu können, wäre eine Förderung der Gruppentherapien sicher besser, als den Zugang zur Therapie zu behindern. Eine zentrale Stelle, die geeignete Therapiegruppen zusammen stellt nach einer Ersteinschätzung eines Psychotherapeuten und diese Gruppen dann geeingneten Therapeuten zu weist, würde das Problem der Gruppenbildung durch den einzelnen Therapeuten vereinfachen. In allen Kliniken läuft ein Großteil der Therapie als Gruppentherapie. Auch sollten mehr Internetangebote in hoher Qualität geschaffen werden, die in die persönliche Therapie durch den Therapeuten mit einbunden werden, denn sehr vieles ist bei aller Individuallität der Patienten auch immer wieder gleich, und Psychoedukation ist unverzichtbarer Bestandteil aller Therapie.
(Hausärztin mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie)

#12 |
  21
Heilpraktikerin

Es macht einen schier verrückt zu lesen, dass ein Facharzt, nämlich Dr. Jan Dreher, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie befürchtet(!), dass ein Psychotherapeut keinerlei Interesse daran habe, dass der Patient seine Behandlungen selbst zahlen muss??? „Die wenigsten Patienten werden einen Stundensatz von 85 Euro zahlen und kommen deshalb lieber gar nicht. Bevor das passiert schreibt der Therapeut also lieber eine Depression auf, sodass die Krankenkasse die Therapiesitzungen über einen längeren Zeitraum übernimmt“, so der Experte.

Da frage ich mich doch: wie kommt dieser Experte zu seiner Expertise, die grundsätzlich ein Hintergehen aus Geldgier, unterstellt? Der Psychotherapeut – so der „Experte“ – würde also den Patienten lieber eine falsche Diagnose aufstempeln, nur damit die Kasse bezahlt? Das nennt man Betrug!

Was muss man sich eigentlich alles gefallen lassen?
Denken sie doch bitte erst einmal in Ruhe nach, bevor sie sich äußern. Vielleicht könnte ja ein Coaching gut tun…

#11 |
  7
Heilpraktikerin
#10 |
  1
Dr. Ute Strehl
Dr. Ute Strehl

Und wann wird dieses Verfahren für die Hausärzte und übrigen Fachärzte eingeführt? Bevor ich mich als krank behandeln lassen darf, muss mein Bedarf unabhängig überprüft werden?!

#9 |
  3

Vor vielen vielen Jahren wurde das neue Psychotherapeutengesetz – heisst es so? – genau deswegen und genau so wie es jetzt ist, gemacht, um den Zugang zur Psychotherapie zu erleichtern und den Psychotherapeuten den direkten Zugang zur Kassenversorgung zu ermöglichen. Vor 30 Jahren ging das nur über den Psychiater. Jetzt soll das alles wieder rückgängig gemacht werden? ich hoffe nicht! So viel Unverstand wie bei Herrn Spahn für grundlegende medizinische Zusammenhänge ist mir selten begegnet, es sei den bei völligen Laien – und das ist er ja leider. Ich weiß, daß Herr Spahn seine Fachleute im Miniterium hat, dass es Ministervorlagen gibt, in denen er sich informieren kann. Offensichtlich tut er das nicht und erfindet Dinge, die völlig an der Lebensrealität und an unseren Patienten vorbeigehen. Ich hoffe inständig, wir können diese rückständige Option abwenden.

#8 |
  4
Anästhesiepfleger

Sind denn Psychotherapeuten plötzlich unfähig zu erkennen, ob jemand Therapie benötigt?
Die Hemmschwelle ist sowieso schon so hoch und die Chance schnell jemand zu finden, der einem hilft und sich bei diesem Menschen auch verstanden und wohl zu fühlen, denn das ist für eine Therapie einfach notwendig, ist schon schwer genug. Jetzt soll der Patient, wenn er sich endlich überwunden hat, sich seine Krankheit einzugestehen, auch noch zusätzlich zu irgendeinem “Fachmann”, damit der bestätigt, dass der Patient Therapie braucht?
Wie Frau Diederichs vorschlägt, wäre eine Erste Hilfe für die Seele – eine frei zugängliche Krisenintervention – eine gute Einrichtung.

#7 |
  2
Dr. rer. nat. Detlef Exner
Dr. rer. nat. Detlef Exner

Das ist doch sowohl für den Behandelnden gleichwohl wie für den Patienten kaum noch zu verstehen. Eigentlich sollte der Zugang zu qualifizierter Behandlung für Betroffene doch erleichtert werden ? Das möchte doch wohl Herr Spahn mit seinem neuen Gesetzentwurf nicht etwa erreichen ?
Viele Patienten mit sowieso schon recht hohem Leidensdruck werden dadurch noch mehr diskriminiert und man unterstellt Ihnen, noch nicht “ genügend erkrankt “ zu sein. Über die Begriffs-Neuschöpfung, vorgeschaltete “ Unabhängige Instanz “ kann man wirklich nur den Kopf schütteln ! Selten so gelacht, Herr Minister …

#6 |
  2
Psychotherapeutin

Psychotherapeut(inn)en möchten Menschen mit psychischen Störungen therapieren, und zwar mit psychotherapeutischen Methoden. Das ist der Beruf, für den wir uns entschieden haben, auch wenn Herr Spahn und Herr Dreher sich nicht vorstellen können, dass man freiwillig gerne psychisch (schwer) kranken Menschen hilft, lieber, als zu coachen. Wer lieber oder auch gerne Coaching macht, bietet das auch so an (und verlangt doppelt soviel!). Ich persönlich bin Psychotherapeutin und mache auch genau das gerne: diagnostizieren und therapieren. Und wenn die Diagnostik zeigt, dass jemand gar nicht psychisch krank ist, sage ich: “Herzlichen Glückwunsch, Sie sind psychisch gesund!”. Das ist allerdings in meinen 20 Jahren Psychotherapie erst einmal vorgekommen, denn zumeist kommen die Leute nach wie vor erst dann in Therapie, wenn (fast) gar nichts mehr geht.

#5 |
  3
Medizinjournalistin

Wieviel Entmündigung von Patienten und Therapeuten erträgt das System noch? Selten so gelacht, wie beim Begriff ‘Unabhängige Instanz’…

#4 |
  2
Annika Diederichs
Annika Diederichs

Das würde in erster Linie die Hemmschwelle noch weiter erhöhen. Letztlich würde es darauf hinauslaufen, daß die vorgeschaltete Begutachtung leicht verdientes Geld ist ohne einen echten Nutzen zu bieten. Dabei bin ich sogar dafür, Patienten umgehend ein orientierendes Vorgespräch zu ermöglichen – aber nicht, um deren Therapiebedürftigkeit zu hinterfragen, sondern als Nothilfe/Krisenintervention. Dabei könnte man dann auch besprechen, welche Therapieform für den Patienten am ehesten geeignet wäre und wie der Patient Zugang dazu bekommen kann. Wenn es dafür eine Abrechnungsziffer gäbe, könnten sowas Niedergelassene mit Weiterbildung in Psychotherapie als Standardleitung anbieten. Der Bedarf aufseiten der Patienten ist auf jeden Fall da, die fühlen sich oftmals alleine gelassen bei der Suche nach einem geeigneten Therapieplatz.

#3 |
  3
Psychotherapeut

Ich frage mich ganz dringend, woher Herr Dr. Dreher seine Informationen bezieht, auf die er seine Meinung stützt.
Mein beruflicher Alltag sieht jedenfalls anders aus: In meiner Praxis suchen jeden Tag Menschen Hilfe, die sicherlich mehr brauchen als nur ein “Coaching”, Menschen, die sämtliche Kriterien für eine psychische Erkrankung erfüllen und keine dahergelaufenen Stadtneurotiker wie der Artikel suggeriert. Für Menschen mit “Coachingbedarf” wurde die Sprechstunde eingeführt, und bitte glauben Sie mir, dass ich die Leute nachhause schicke, die meiner Hilfe nicht ernsthaft bedürfen.

#2 |
  1
Jürgen Möller-Nehring
Jürgen Möller-Nehring

Irgendwas habe ich da wahrscheinlich nicht verstanden. Der Gedanke bei Einführung der Terminservicestellen war doch, den Zugang zu ärztlicher und therapeutischer Hilfe möglichst niedrigschwellig und zeitnah möglich zu machen. Jetzt soll aber genau das Gegenteil erreicht werden ?! Wo ist der der rote Faden im BGM?

#1 |
  2


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