Schilddrüse: So erkennt man Morbus Basedow

17. Dezember 2018

Weit weniger bekannt als die Schilddrüsenüberfunktion ist der Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung. Die Symptome sind ähnlich, deshalb fällt es schwer, die Krankheiten voneinander zu unterscheiden. Wie gelingt die erfolgreiche Diagnose?

Rund 600.000 Frauen in Deutschland sind von der Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow betroffen. Bei Männern tritt sie deutlich seltener auf. Emotionale Verletzbarkeit, Haarausfall, innere Unruhe, Schwitzen, Zittern und Durchfall sind einige der typischen Symptome. Da die Anzeichen denen einer Schilddrüsenüberfunktion ähneln und nur manche Patienten die bekannten hervortretenden Augen zeigen, können die Erkrankungen leicht verwechselt werden.

Um rechtzeitig eine Therapie einleiten zu können, führen Ärzte diverse diagnostische Untersuchungen durch. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) machen in diesem Zusammenhang auf die wesentliche Rolle der Ultraschalluntersuchung aufmerksam.

Unterschiedliche Krankheiten, ähnliche Symptome

Bei der Schilddrüse sind in erster Linie folgende Erkrankungen bekannt: Eine krankhafte Vergrößerung des Organs, der sogenannte Kropf sowie Knoten in der Schilddrüse. Auch bösartige Tumoren können in und an der Schilddrüse auftreten. Neben den strukturellen Veränderungen werden bei der Schilddrüse auch funktionelle Veränderungen in Form einer Unterfunktion (Hypothyreose) oder Überfunktion (Hyperthyreose) festgestellt.

Bei einer Überfunktion kommt es zu Haarausfall, Reizbarkeit, Schwitzen aufgrund von Wärmeunverträglichkeit, Zittern, Bluthochdruck, schnellem Puls, Heißhunger, Durchfall und Muskelschwäche, sagt Prof. Menzel vom Klinikum Ingolstadt. Die Symptome der Unterfunktion sind Haarausfall, Depression, Kältegefühl, verlangsamter Puls, niedriger Blutdruck, Gewichtszunahme, Verstopfung, erhöhte Blutfette und Muskelschwäche.
„Eine weitere, weniger bekannte Erkrankung der Schilddrüse, die leicht mit einer Überfunktion verwechselt werden kann, ist der Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung“, erklärt Menzel. „Normalerweise bilden die Immunzellen des Körpers Antikörper gegen Bakterien oder Viren; bei einer Autoimmunkrankheit wie dem Morbus Basedow greifen sie jedoch körpereigene Zellen an.“ Es kommt zu einer unkontrollierten Freisetzung von Schilddrüsenhormonen.

Wie erkennt man Morbus Basedow?

Bei Morbus-Basedow-Patienten binden sich Antikörper an die Zellen der Schilddrüse und zwar an den Rezeptor für das im Gehirn gebildete Hormon TSH; man nennt die Antikörper deshalb TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK). Die TRAKs können sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion auslösen: „Wenn sie den TSH-Rezeptor blockieren, „denkt“ die Schilddrüse, sie hat eine Unterfunktion und muss gegensteuern, das heißt sie fängt an zu wachsen und es entsteht ein Kropf, also eine Vergrößerung der Schilddrüse“, so der Experte. „Wenn die TRAKs die Schilddrüse aber anregen, schüttet die Schilddrüse vermehrt Hormone aus – dann kommt es zu einer Überfunktion.“

Ob ein Patient tatsächlich an einem Morbus Basedow oder an einer anderen Schilddrüsenerkrankung leidet, müssen einige Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu gehören nach der genauen Feststellung der klinischen Symptome, die körperliche Untersuchung, die Analyse verschiedener Laborwerte – zum Beispiel der TRAKs – und die Ultraschalluntersuchung. „Mit Hilfe des Ultraschalls können wir die Diagnose schnell und sicher stellen“, betont Menzel. „Besonders wenn die sogenannte Farbdopplersonografie eingesetzt wird, kann die Struktur des Gewebes sehr exakt dargestellt werden. So lässt sich dann beispielsweise die für die Krankheit typische, massiv gesteigerte Durchblutung des gesamten Organs feststellen.“

Im Zweifel für die Feinnadelpunktion

„Endgültige Sicherheit gewinnt der Spezialist mit der einfachen, sicheren und schnellen ultraschallgezielten Feinnadelpunktion“, so Professor Menzel. Hierbei entnimmt der Arzt der Schilddrüse unter Ultraschallüberwachung ein kleines Gewebestück und lässt es histologisch untersuchen. Mit diesem Verfahren kann er andere Erkrankungen der Schilddrüse eindeutig ausschließen. „Damit ist die Ultraschalluntersuchung neben der klinischen Symptomatik und den Laborparametern eine tragende Säule der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen“, sagt Menzel.

Die Behandlung des Morbus Basedow kann zunächst mit Tabletten erfolgen, die die Aktivität der Schilddrüse herabsetzen. „Wenn es nach einem Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren nicht zu einer nachhaltigen Besserung kommt, muss die Schilddrüse langfristig entweder durch eine Operation oder durch eine Behandlung mit radioaktivem Jod verkleinert werden,“ so der Experte abschließend.

 

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteiung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM).

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5 Kommentare:

Arzt | Ärztin

Ich gebe den ersten beiden Kommentaren recht, so einen Unsinn habe ich auf einem medizinischen Forum nicht erwartet.
Zu Anja Fitz: ich behandle seit fast 30 Jahren Schilddrüsen, habe unzählige athyreote Patienten und bin auch selbst(wg. V. a. Malignom) total thyreoidektomiert. Bis auf wenige Einzelfälle – dann oft multimorbide Pat.- sind sie zu ihrer Zufriedenheit eingestellt, meistens nur mit T4, seltener mit einer Kombi T4+T3.
Was ich nicht verstehe: warum Ihre Unterfunktion jahrelang nicht erkannt wurde, es wird doch mal eine Blutabnahme gemacht worden sein?

#5 |
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DocCheck Team

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihr Feedback.

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Sollten Sie Interesse daran haben, schreiben Sie uns gerne an feedback@doccheck.com.

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Viele Grüße,
die DocCheck Redaktion

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Psychotherapeut/in

Ich habe seit ca 30 J. M. Basedow. Ohne Augenbeteiligung. Also nicht auf den ersten Blick zu erkennen, sondern nur durch sorgfältige Diagnostik.
Ich habe zwischen Schüben Jahre unter unbehandelten Unterfunktionen gelitten. Es wäre schön gewesen, jemand hätte das erkannt. Mehrfache Arztwechsel wegen Schwangerschaften und Umzügen, alles Fehlanzeige.
Unbehandelte Unterfunktionen machen übrigens Stress und Stress stimuliert das Immunsystem und löst den nächste Schub aus.
Ich habe meine Schilddrüse nach 4 heftigen Schüben durch OP verloren. Jemand , der mal so einfach schreibt, dass man die Schilddrüse dann eben wegtherapiert oder wegoperiert, hat keine Ahnung, seit 15 Jahren keine neuen Veröffentlichungen zu dem Thema mehr gelesen und sich m.E. disqualifiziert.
Mir ging es nach der OP grauenhaft, wie so vielen, und ich musste mir dann selbst helfen, weil alle Ärzte, Internisten, Endos hilflos waren. Beim jetzigen Stand der med. Ausbildung ist kein Schulmediziner in der Lage, mit T4 allein eine vernünftige Hormonversorgung bei Athyreoten wiederherzustellen. Dafür wird in Deutschland aber mutig operiert.
Davon abgesehen hat man eine Autoimmunerkrankung auch noch, wenn das Zielorgan wegoperiert ist. Und gerne auch noch weitere, wenn man sich um leaky gut, Ernährung, Stress etc nicht kümmert. Und darauf hat mich in 30 J kein Arzt gebracht. Man wird dann auch noch belächelt, wenn man nach langen Qualen von Besserungen durch Verhaltensänderungen (glutenfrei, t3 dazu….) berichtet.
Alles in allem ist der Artikel eines solchen Forums nicht würdig. Wenn das der durchschnittliche Stand der Ärzte zu Autoimmunerkrankungen ist, wird mir Angst.
Wie wärs mal mit dem autoimmunkongress? Mit den autoimmune secrets bei youtube? Das ist für Anfänger, macht aber Mut und geht weit über das hier hinaus. Und heilt!!! Im Gegensatz zu Radiojod und Op, die ich heute als Hilflosigkeitsgesten mit extremen Konsequenzen für Leib und Leben sehe.

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Doktor Gabriele Schreiner
Doktor Gabriele Schreiner

Kann mich dem Vorredner nur anschließen!! Der Basedow verursacht eine Form der Überfunktion. Die andere Ursache ist die Autonomie, entweder in Form eines einzelnen Knoten (autonomes Adenom) oder als dissiminierte Autonomie. Beide Erkrankungen zeigen typische Symptome der Überfunktion, die Ursache ist aber jeweils eine gänzlich anders. (Vergleichbar ist das in etwa mit dem Diabetes Typ 1 und dem Typ 2: beide verursachen erhöhte BZ-Werte, haben aber eine jeweils ganz andere Genese.)
Diagnostiziert wird die Überfunktion anhand der Symptome, den Laborwerten (einschließlich Antikörper), der Sonographie und der Szintigraphie. Eine Punktion ist sicher dazu nicht nötig. Die wird meines Wissens in erster Linie bei kalten Knoten durchgeführt.
Insgesamt habe ich den Eindruck, der Artikel ist für medizinische Laien geschrieben. Es ließe sich noch wesentlich mehr dazu anmerken und, würde aber zu weit führen.

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Arzt | Ärztin

Selten so einen Quatsch gelesen. Morbus Basedow führt zur Überfunktion, ist also eine mögliche Ursache einer Überfunktion. Insofern ist die im Artikel kolportierte ‘Abgrenzung’ Morbus Basedow vs. Überfunktion völliger Humbuk. Ein MB mit Unterfunktion ist mir in jahrelanger klinischer Tätigkeit noch nicht untergekommen (außer vielleicht ein jahrelang unbehandelter, ausgebrannter MB). Sehr wohl gibt es aber TRAk-negative MB. Eine Feinnadelpunktion ist überflüssig. Stattdessen sollte man eine Szintigraphie machen, am besten gleich mit Jod, um eine Radiojodtherapie zu planen!

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