Landärzte: Keine Work-Love-Balance

5. Dezember 2018

Es gibt kaum Mediziner, die nach dem Studium in einer Landarztpraxis arbeiten wollen. Als Gründe für den Landarztmangel werden immer wieder fehlende kulturelle Angebote und schlechte Arbeitsbedingungen genannt. Es gibt aber einen entscheidenden Faktor, der in der Debatte vergessen wird.

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16 Kommentare:

Dr. med. Jutta Weisser Thomas
Dr. med. Jutta Weisser Thomas

ich bin in der Klinik (auf dem Land) tätig, dennoch möchte ich meinen Kommentar zu den Vorschlägen die genannt wurden geben. Ich finde es schon ein Armutszeugnis wenn wir hier in Deutschland immer noch Diskussionen führen über Numerus Clausus und Zugangsvoraussetzungen zum Studium, und zu wenige Ärzte ausbilden, und dann auf der anderen Seite überlegen, die ärztliche Tätigkeit an Nichtärzte/bzw. “syrische Flüchtlinge” zu delegieren. Natürlich kann man gewisse Tätigkeiten an qualifizierte Krankenschwestern abgeben, und natürlich kann man Ärzte mit Migrationshintergrund einarbeiten. Aber der Weg ist hier lang, denn es gibt etliche sprachliche, kulturelle und qualitative Probleme, die man nicht ausser Acht lassen darf. Ich bin daher eher dafür, ein Landarzt-Modell einzuführen wie in den andere Ländern (Frankreich, Österreich etc.)wo Ärzte per Quote auch in unterversorgte Gebiete verteilt werden können. Das ist europaweit üblich, auch in USA kann nicht jeder nach NY, und es hat noch niemand geschadet auch mal aus der Großstadt rauszukommen… auch wenns nur vorübergehend ist… wir haben so viele gute Studierwillige und Studenten, denen muss man eine Chance bieten!

#16 |
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Auch ich bin Landarzt und darf noch mind. für 20 Jahre an die Front!
Das Problem, dass oft der/die Lebenspartner/in (meist Akademiker) der Knackpunkt ist, ist bekannt und sehr schwer zu lösen. Als Notfall-Sofortmaßnahme müssen aber wenigstens die einfachen Dinge mal angegangen werden! Es gibt nämlich so einige einfache Lösungen, die uns schon sehr helfen würden. Mir fallen wohl mind. 10 Punkte dazu ein. Ich nenne mal Vier:
1) Wir könnten uns viele Hausbesuche durch Arzthelferinnen abnehmen lassen. Aber abrechnen können wir nur Näpa/Verah Besuche- für Besuche von anderen Helferinnen können wir so gut wie gar nichts abrechnen. Die Ausbildung zur Näpa ist aber überflüssig, teuer und während der Ausbildung wird dringend benötigte Arbeitskraft gebunden! -> Einfach die Ziffer “Hausbesuch durch Helferin” aufwerten auf Näpa-Niveau und schon haben wir Entlastung ohne Schlafstörung in der Nacht aus Angst, dass eine der seltenen und teuer erkämpften Näpas mal schwanger werden könnte.
2) Urlaub muss garantiert sein! Ohne Erholungsurlaub geht es nicht als Landarzt: Aber wenn es immer weniger Ärzte im Dorf werden, findet man keine Praxen mehr, die vertreten. “Alle anderen Ärzte im Ort” wird man nicht mehr auf den AB sprechen können. Ob man Urlaub macht oder nicht ändert auch kaum etwas am Einkommen eines Landarztes, welches von der Scheinzahl maßgeblich abhängig ist, die bekanntlich kaum anders ist, ob man 2 Wochen mehr oder weniger im Quartal die Praxis öffnet. Somit würde ein selbst eingestellter Vertreter im Urlaub auch nur Geld (und zwar enorm viel Geld!) kosten und keines generieren. Es ist wirtschaftlicher Wahnsinn (Budgets, Personalkosten ..-) eine Praxis ohne Urlaub durchlaufen zu lassen. Somit müsste die KV Urlaubsvertreter, die man in der eigenen Praxis einstellen und bezahlen muss, in problematischen Dörfern unterstützen, damit auch für junge Landärzte wenigstens der Erholungsurlaub noch möglich ist, ohne dafür Unsummen zu bezahlen.
3) Es gibt viele ausländische Ärzte, z.B. aus Syrien, die gerne mit ihrer Abreitserlaubnis nach §10 der Bundesärzteordnung auch als Assistentsarzt in den Dprfpraxen arbeiten würden. Da dieses aber nicht als Weiterbildungszeit auf den Facharztitel für Allg.med. angerechnet wird, weigern sich auch die KVen solche Assistenzärzte mit den 4800 Euro pro Monat, die sonst üblich sind in der Allgemeinmedizin, zu fördern -> einfach anrechnen, dann wird auch gefördert und das Projekt ist bezahlbar!
4) Der Nachtfahrdienst ist völlig überflüssig: Entweder Notfall und bitte 112 oder bis zum nächsten morgen warten! Es muss kein Hausarzt nachts um 03.00 Uhr durch die Gegend fahren nach 12 Stunden Arbeit in der Landarztpraxis, wenn auch noch 12 weitere Stunden nach der Nacht folgen (36-Stundenschichten- Arbeitsschutz gilt für Selbstständige angeblich nicht!). Die Aussage: “Nie wieder Nachtdienst” würde bestimmt einige junge Ärzte verlocken!

Ich bin der Meinung, dass ich mit mehr Unterstützung durch MFA und Unterstützung durch einen syrischen Assistenzarzt mit der Sicherheit, dass wenigstens der Erholungsurlaub nicht strittig gemacht werden kann in den nächsten Jahren, und ich nachts nicht mehr sinnlos im Zwangsnotdienst durch die Gegend geistern muss wesentlich enspannter dem Ärztenotstand auf dem Land engegen sehen könnte. Dieses sind mal ganz konkrete Vorschläge und kein allgemeines Gejammer über die böse Politik!

#15 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die Bundeswehr macht es vor: Studium auf ihre Kosten und dafür 17 Jahre Dienstverpflichtung. Warum geht so etwas nicht für Landärzte?
Das ist nicht gegen die freie Berufswahl, denn wer so etwas nicht will, bewirbt sich nicht.
Und falls der Bewerber partout nicht will oder kann , kann er die Schulden auch zurückbezahlen bzw man könnte Härtefallregelungen bei Erkrankung etc. schaffen.

#14 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

@2 @6 Ein Spiel mit den Worten? :o)

#13 |
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Student der Humanmedizin

Sollten weltfremde Politiker wirklich in Deutschland die “Lansarztquote” einführen, dann prophezeie ich ihnen, dass ich einer der Ersten sein werde, die dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht klagen werde. Es ist ein Verstoß gegen Art. 12 GG “Freie Berufswahl”. Alternativ kann man auch immer noch im Ausland arbeiten.

#12 |
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Volker Haupt
Volker Haupt

Einen schöneren Beruf könnte ich mir auch nach vielen Jahren als Hausarzt nicht vorstellen. Wir Allgemeinmediziner sind doch die Zehnkämpfer unter den Spezialisten. Dies ist anstrengend aber auch mit sehr vielen Eindrücken verbunden. Unserem Nachwuchs kann ich nur empfehlen und ans Herz legen, sich dafür begeistern zu lassen.

#11 |
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Andreas Gärtner
Andreas Gärtner
#10 |
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Nichtmedizinische Berufe

zu dem Punkt Facharztversorgung auf dem Land – da könnte ich mir Telemedizin gut vorstellen ,und der Hausarzt verschreibt dann die Medikamente, damit der oft betagte Patient nicht wegen reiner Dauerrezepte 50 km fahren muss – und das dann eventuell gar nicht macht.
ich bin zwar nicht alt, hatte aber einen Hausarzt, der mir die Schmerzmedikamente aus der Schmerzklinik verschrieben hat, damit ich nicht die 30 km fahren musste.

#9 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die Frau Dr. hat Recht: Die Landarztfrau , die den Mann unterstützt, den Haushalt managt, die Kuh melkt und ab und zu noch Apfelkuchen für die Patienten backt, die gibt es kaum mehr .
( Schade eigentlich – könnte auch ein Landärztinnenmann sein). Und Frauen heiraten eher gleich oder nach oben , zumindest ist die Konstellation Ärztin – Arzthelfer ( gibt es da überhaupt Männer?) selten, während es umgekehrt doch vorkommt.
anderseits gibt es viele Menschen, die vom Bio- Leben und eigene Wolle von glücklichen Schafen verspinnen auf dem Land träumen. für die Kinder, solange sie klein sind, eh schöner. Wieso kommen sie nicht zusammen – der Biobauer und die Landärztin?
Vielleicht eine neue Partnervermittlungs- website starten, anstatt ” Bauer sucht Frau” “Landdoctor/i sucht Partner/in “

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Es stimmt, die Infrastruktur für Partner und Kinder ist enorm wichtig. Dass das gar nicht oder kaum thematisiert wird, stimmt aber nicht. Siehe zum Beispiel hier: http://news.doccheck.com/de/blog/post/8267-wir-aerzte-am-land-wollen-mehr-als-nur-geld/

#7 |
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Apothekerin

@ Dr. Ziegler

Sie wollten wohl life schreiben, live ist was anderes!

#6 |
  6
Pharmareferent

Mir machen solche Ärzte/Ärztinnen Angst. Und 2 Kommentare im Anhang verdeutlichen die Problematik;
manche Menschen scheitern schon an Kleinigkeiten.
Ihre individuelle Betrachtungsweise wird als Lösungsansatz ” verwurstet”.
Wenig hilfreich .

#5 |
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Work-Love-Balance: beabsichtigerter Freudscher Lapsus oder heißt live heute love?

#4 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

@Monika
Die Frage kann man leider Relativ einfach beantworten, was das System krank macht.
Unsere Wirtschafts hörigen Politiker, die die Gesetze geschaffen haben das Medizinische Versorgung zum Milliardenmarkt geworden ist.
Dies in Kombination mit grenzenloser Geldgier und schamloser Geldgeilheit von Konzernen.
Ich möchte nicht in der Haut eines frisch fertig Studierten Arztes Stecken, der Allein für eine große Klinik den Notarzt machen muß, in Fachabteilungen die er nicht mal kennt.
Aber Herr Schmarn wird ja nun die Welt Retten :-(

#3 |
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Videoaufnahme akustisch leider nur schwer verständlich

#2 |
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Monika Schübel
Monika Schübel

Meine Tochter hat nach ihrer Ausbildung beschlossen, nicht als Ärztin zu
arbeiten. Erst jetzt habe ich erfahren, dass sie seit zwei Jahren wegen Depressionen in Behandlung ist. Dabei wollte sie immer den Menschen helfen, für Menschen da sein.
Was macht dieses System so krank, dass die Behandelnden krank werden?
Es macht mich traurig, trotzdem bin ich froh, dass meine Tochter raus ist.

#1 |
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