Arthrose-Therapie: Wirkstoff per Fähre

4. Dezember 2018

Inzwischen sind Wirkstoffe bekannt, die den geschädigten Gelenkknorpel bei Arthrose regenerieren könnten. Doch noch gelingt es nicht, sie an die entscheidende Stelle im Knorpel zu transportieren. Mithilfe einer Nanofähre wollen Chemieingenieure dieses Problem nun gelöst haben.

Mithilfe von Transportmolekülen soll Arthrose zukünftig direkt am Gelenk behandelt werden. Die sogenannten Nanofähren können Medikamente direkt zum geschädigten Gelenk und in tiefere Gewebsschichten bringen. Dadurch können diese effektiver und langfristiger wirken.

Bereits bekannt ist, dass der insulinartige Wachstumsfaktor 1 (IGF-1) bei der Regeneration von geschädigtem Knorpel helfen kann. Bisher galt es aber als problematisch, dass IGF-1 abgebaut wird, bevor er seinen Wirkungsort erreicht. Chemieingenieure vom MIT synthetisierten deshalb baumartige Molekülstrukturen, Dendrimere genannt, und koppelten sie mit IGF-1. Die positiv geladenen Fortsätze binden den negativ geladenen Knorpel, sodass das Molekül länger im Knorpel verbleibt. Zusätzlich ausgestattet mit einem wasserlöslichen Polymer kann die Nanofähre biologische Barrieren durchdringen. Im Tiermodell konnte IGF-1 so erfolgreich in die Knorpelzellen der Kniegelenke transportiert werden.

Bewirkt mehr als bloße Schmerzlinderung

Es stimuliert dort das Zellwachstum, repariert zerstörtes Gewebe und könnte damit entgegen gängiger Therapien mehr bewirken, als bloß Beschwerden zu lindern. Die biologische Halbwertszeit lag bei vier Tagen und war damit zehnmal höher als bei reinem IGF-1. 30 Tage lang war die Medikamentenkonzentration hoch genug, um eine Wirkung zu erzielen. Die Gelenke wiesen außerdem weniger Entzündungen und Knochenwucherungen auf. Geklärt werden muss noch die Übertragbarkeit auf den Menschen. Zumindest konnte schon bewiesen werden, dass die Partikel auch Knorpelstücke mit einer Dicke, wie sie bei Menschen üblich ist, durchdringen konnten.

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Bildquelle: AnnaAnouk, pixabay / Lizenz: CC0
Medizin

4 Kommentare:

Naturwissenschaftler

Sehr geehrter Herr Dr. Arndts2: “Verwertbare wissenschaftliche Erkenntnisse” gibt es durchaus:
https://arthritis-research.biomedcentral.com/articles/10.1186/ar4218
https://arthritis-research.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13075-018-1575-2
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1798417/

Es gab zwar eine Studie von Mnatzaganian G. et al. (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/art.30400), die seinerzeit (2011) gern von Rauchern als Beleg für einen positiven EInfluss des Rauchens auf die “Gelenkgesundheit” vorgebracht wurde. Aber diese Studie hält keiner wissenschaftlichen Beurteilung stand. Es wurden nämlich lediglich die Zahlen der Kunstgelenksimplantationen verglichen – unabhängig vom Zustand der Gelenke. Zudem belegten die Zahlen wie erwartet eine deutlich höhere Mortalitätsrate bei Rauchern, die damit viel seltener das Alter erreichten, in der gewöhnlich Endoprothesen implantiert werden. Weitere Schwächen im Studiendesign senken die Evidenz noch weiter.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte in keiner Weise Ihre persönliche Expertise aus Ihrer langen chirugischen Praxis anzweifeln, aber ich halte die Evidenz für durch Rauchen geförderte Knorpelschäden für gegeben. Freundliche Grüße

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Dr. Rudolf Arndts2
Dr. Rudolf Arndts2

Zum Beitrag von Dr.Stefan Graf:
Es ist unbestritten, daß Rauchen schwerst gesundheitsschädlich und Ursache vieler Erkrankungen ist.Über eine extrem ungünstige Wirkung des Rauchens auf die Knorpelernährung gibt es jedoch keine verwertbare wissenschaftliche Erkenntnisse.Nach “meiner” Erfahrung während 35-jähriger chirurgischer Tätigkeit sowie im gesamten Familienkreis tritt Arthrose sogar wesentlich häufiger bei Nichtrauchern,vor allem Frauen auf.
Daraus jedoch falsche Empfehlungen hinsichtlich einer Arthroseprävention vorzunehmen , wäre natürlich unwissenschaftlicher Quatsch.

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Naturwissenschaftler

Liebe Frau Kurzweil, sicher sind ursächliche Therapien bzw. die Arthroseprävention (Lebensstil) wünschenswert. Aber man muss doch auch jenen, von stärksten Schmerzen Geplagten helfen, deren Knorpel bereits hochgradig degeneriert ist? Zum einen wird sich allein durch Bekämpfung der Arthroseursachen kein zerstörter Knorpel wiederaufbauen und zum anderen hat Arthrose auch eine wesentliche genetische Komponente, die sich gentherapeutisch noch nicht “ausschalten” lässt. Dass man Athrosepatienten von der Bedeutung eines gelenkfreundlichen Lebensstils (nicht rauchen, tägliche adäquate Bewegung und ggfls. Ernährungsumstellung) überzeugen soll, steht natürlich außer Frage. Nach meiner Erfahrung ist gerade das Unwissen um die extrem ungüstige Wirkung des Rauchens auf die Knorpelernährung sehr weit verbreitet. Das muss von “uns Wissenschaftlern/Ärzten” noch sehr viel deutlicher kommuniziert werden.

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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Es macht doch mehr Sinn die Ursache zu behandeln

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