Assis sind gestresst

23. Oktober 2009
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Was bislang immer nur als Gerücht galt, ist nun von den Forschern de Fachhochschule Münster bewiesen worden: Der ärztliche Nachwuchs fühlt sich nicht wohl in seinem Umfeld "Krankenhaus". Was die Jungassistenten am meisten stört, wurde in einer Studie aufgedeckt.

Für diese Studie wurden 729 Assistenzärzte zu ihrem Arbeitsalltag in der Klinik befragt. Die Ergebnisse zeigen erschreckende Erkenntnisse. Die Hälfte der Berufstätigen gab an, mit dem Arbeitsplatz nicht zufrieden zu sein.

Was nervt?

Die am häufigsten für die Unzufriedenheit genannten Ursachen sind:

  • Stress im Berufsalltag (57,2%),
  • zu wenig Freizeit (54,6%)
  • und zu geringe Bezahlung (49,6%).

6 von 10 Befragten gaben an, dass die Arbeit in der dafür vorgesehen Zeit nicht zu schaffen sei. Daher fühlten sich von den genannten mehr als zwei Drittel ständig überlastet.

Die Zahlen werden besorgniserregender wenn man bedenkt, dass über 2/3 der Assistenzärzte angab, Überstunden ohne Freizeitausgleich oder Bezahlung ableisten zu müssen. Die Ursache dessen liegt laut der Studie im Personmangel infolge des Ärztemangels und aufgrund der stark gestiegenen Verwaltungsarbeit.

Neue Stelle suchen?

Eine Erkenntnis die gerade Geschäftsführung und Chefärzte aufschrecken müsste, ist dass nur 40% der befragten Jungassistenten ihren Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Auch die Wechselabsicht ist deutlich zu erkennen: 60% gaben an, schon daran gedacht zu haben, die Stelle zu wechseln.

Wichtig und oftmals auch für die Stellenauswahl entscheidend ist für Jungmediziner das Vorhandensein der vollen Weiterbildungsermächtigung. Dies gaben acht von zehn Assistenten an. Allerdings machen auch 40% klar, dass sie in ihren Weiterbildungsbemühungen nicht ausreichend unterstützt werden. Die Hälfte gab sogar an, dass ihr Anspruch auf Weiterbildung überhaupt nicht erfüllt würde!

Und was sagen die Medizinstudenten?

Um auch den ärztlichen Nachwuchs über die aktuelle Motivationslage zu befragen, wurden 316 Medizinstudenten im letzten klinischen Ausbildungsjahr kontaktiert. Auch hier ist ein deutlicher Wandel in den Antworten zu erkennen. Die Studierenden halten den Arztberuf für weiterhin sehr interessant (95% Zustimmung), attraktiv halten ihn allerdings nur 55%. Die Verdienstmöglichkeiten empfinden nur 30 von 100 als in Ordnung!

Befragt zu der Entwicklung des Arztberufes gaben 45% an, dass sie eine Verschlechterung des Gehaltes erwarten. Ebenso vermuten die Studierenden eine Verschlechterung der Arbeitszeiten (80%). Auf der anderen Seite sehen die Befragten auch eine Zunahme der Stellen und auch einen Gewinn an Arbeitsplatzsicherheit.

Fazit

Ein Wandel hat sich vollzogen. Vor Jahren noch war die größte Motivation die Freude an der Tätigkeit, die Erfüllung des Heilauftrags. Heutzutage stehen der berufliche Stress und die Überforderung im Vordergrund. Auch ein Zugehörigkeitsgefühl zum Klinikum und zu seinen Kollegen, ist heute oftmals nur noch wenig vorhanden. Eine Verbesserung der Lage muss an vielen Stellen ansetzen: Vergütete Überstunden, eine kontinuierliche, adäquate Weiterbildung und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind nur einige wenige Säulen.

53 Wertungen (4.55 ø)
Allgemein

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3 Kommentare:

Daniel Heinemann
Daniel Heinemann

Trazrig aber wahr; bin selbst seit 6 Wochen an meiner ersten Stelle…

#3 |
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Nicole Abdelhadi
Nicole Abdelhadi

Super Artikel!! Danke!!!

#2 |
  0
Studentin der Humanmedizin

Bitte geben Sie doch den genauen Titel der Studie an, so dass man nachlesen kann!

#1 |
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