Hat jemand „Digitalisierung“ gesagt?

30. November 2018

Eine aktuelle Studie zum Gesundheitswesen zeigt: Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Im internationalen Vergleich landete die Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz. Digitale Rezepte und online einsehbare Untersuchungsergebnisse sind in anderen Ländern bereits üblich.

In einer gestern vorgestellten Bertelsmann-Studie zur Digitalisierung im Gesundheitswesen belegt Deutschland den 16. Platz – von 17 erfassten Ländern. Dies ist bei 646 Millionen ausgestellten Papierrezepten im Jahr 2016 wenig überraschend. In vielen Staaten ist schob üblich, was für uns wie Zukunftsmusik klingt: Rezepte werden digital übermittelt, die wichtigsten Gesundheitsdaten der Patienten sind in digitalen Akten gespeichert und Bürger können ihre Untersuchungsergebnisse, Medikationspläne oder Impfdaten online einsehen – und entscheiden, wer Zugriff auf die Daten haben darf. Im Jahr 2016 wurden in Deutschland hingegen mehrere hundert Millionen Papierrezepte ausgestellt.

Was können wir von anderen Länden lernen?

Nach den Studienautoren liege der Schlüssel zum Erfolg in drei Bereichen: eine politische Führung, die das Thema forciert, eine vorhandene Strategie und vor allem eine zentrale, koordinierende Institution, die sich um Digital Health kümmert und alle Akteure vereint. In all diesen Bereichen hinke Deutschland hinterher. Die internationale Vergleichsstudie befragte Experten aus 14 EU-Ländern sowie drei weiteren OECD-Staaten (Australien, Kanada und Israel).

Ihre Bewertungen von mehr als 150 Einzelkriterien flossen zu einem Index zusammen. Unter anderem wurden das politisch-strategische Vorgehen, die technische Implementierung sowie die tatsächliche Datennutzung erhoben. Beispielsweise wurde die Nutzung elektronischer Patientenakten mit gezielten Fragen danach erfasst, wie viel Prozent an ein System angeschlossen sind und wie viel Prozent es tatsächlich nutzen.

Best Practices als Vorbild

Im nächsten Schritt reisten die Studienleiter in fünf Länder (Dänemark, Frankreich, Israel, Niederlande, Schweiz), sprachen mit Experten und schauten sich Best Practices in Kliniken vor Ort an. Das Bundesministerium für Gesundheit steht nun mit der Bertelsmann Stiftung im Austausch. Es bleibt abzuwarten, ob entsprechende Maßnahmen nach Vorbild der Best Practices in anderen Ländern folgen.

20 Wertungen (2.9 ø)
Allgemein

7 Kommentare:

@ Wolfram Benner #6 Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
1. habe ich eingangs von “Apothekerverbänden” gesprochen und den “Deutschen Apothekerverband (DAV)” zitiert.
2. Eine Thematik, wie von Ihnen mit “Ihrem Kommentar nach haben Sie schreibbar überhaupt keine Ahnung, welche Schritte bei der Arzneimittelabgabe zu Lasten der GKV in einer Apotheke aufgrund von juristischen Zwängen seitens dieser durchlaufen werden MÜSSEN!” unterstellt, findet sich auch an keiner Stelle meiner Ausführungen.
3. haben Sie offensichtlich keine Vorstellung davon, wie verwirrend es für Patienten ist, plötzlich o h n e das rote Arztrezept (Muster 16) und mit einer fremdartig neuen Verpackung die Apotheke verlassen zu müssen. Darüber sollten Sie sich vielleicht mit “Ihren” Ärzten unterhalten. Meine Apotheken in der Dortmunder City kennen meine Position schon seit 1992!

#7 |
  7
Apotheker/in

#1
Sehr geehrter Herr Dr. med. Thomas Georg Schätzler,
Ihrem Kommentar nach haben Sie schreibbar überhaupt keine Ahnung, welche Schritte bei der Arzneimittelabgabe zu Lasten der GKV in einer Apotheke aufgrund von juristischen Zwängen seitens dieser durchlaufen werden MÜSSEN! Bitte setzen Sie sich doch einmal mit einem Apotheker in ihrer Nähe in Verbindung und lassen Sie sich das Procedere kurz erklären. Das wird ihre Sichtweise auf dieses Thema grundlegend verändern.
Mit freundlichen Grüßen,
Wolfram Benner

P.s.: Frei nach dem Motto “wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte” versuchen die Krankenkassen und Politik schon lange einen Keil zwischen Ärzte und Apotheker zu treiben ( siehe Arzneimittelabgabe durch Ärzte/Impfen durch Apotheker). Wenn wir nicht bald lernen zusammenzuhalten, wird es nur einen Gewinner geben. Ich lade also ALLE Mediziner ein, sich einmal mit ihrem Apotheker auszutauschen (falls nicht schon geschehen).

#6 |
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Hebamme | Entbindungspfleger/in

Die Digitalisierung, die stets als so notwendig dargestellt wird, braucht kein Mensch. Sie treibt lediglich die Kosten immer mehr in die Höhe und kostet immer mehr Zeit, die für Patientenversorgung fehlt. Sie spült das Geld dort hin, wo sowieso schon viel ist. Die negativen Auswirkungen auf das menschliche Zusammenleben, auf unsere Jugend und Gesellschaft werden immer deutlicher.Und auch im Gesundheitswesen kann den ganzen Datenmüll keiner mehr überblicken. Das erlebe ich täglich.

#5 |
  15
Heilpraktiker/in

Als ich kürzlich meiner Schwiegermutter erklärte, wie aufwendig es ist, bei verschiedenen Ärzten immer neu die (komplette) Anamnese aufzurollen, bestehende Befunde usw. vorzulegen, war sie sehr erstaunt. In Spanien sind Befunde auf der Gesundheitskarte der Sozialversicherung hinterlegt. Somit kann sich jeder neu hinzugezogene Arzt sofort einen Einblick über die bestehende Historie verschaffen.
Ob das immer gewünscht ist, ist eine andere Frage (Datenschutz). Ob Patienten Einfluss darauf haben, welche Daten von wem eingesehen werden können, weiß ich leider nicht; meine Schwiegermutter ist schon weit über 80 und etwas unbedarft (wenn auch nicht ganz!) im Umgang mit dem ganzen Thema Internet und Digitalisierung.

#4 |
  2
Dr. med. Christel Schluender
Dr. med. Christel Schluender

Bitte nicht hauptsaechlich die Experten fragen, sondern die Betroffenen. Vielleicht gab’s sogar Erfahrungsberichte von portugiesischen “Experten”? Die betroffenen Aerzte und Patienten hier sind nicht begeistert – vor allem wenn schon mal der Strom fehlt, irgendwer in der Kette streikt oder die Software schlicht “spinnt”.
Weniger und sicherere Kommunikation ist noetig!

#3 |
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Apotheker Udo Geyer
Apotheker Udo Geyer

Guten Tag!
Ich glaube nicht , dass Deutschland hinterher hinkt!
Im Gegenteil sind wir in Vielem Vorreiter! Leider!Die wenigen o. a. gegebenen
Länder, geben nur ein Minibild der Wirklichkeit. Noch mehr Digitalisierung im med.
pharm. Bereich zerstört immer mehr das Bild der Realität und Menschlichkeit!
Ärzte agieren heute schon vielfach wie Roboter, Apotheken haben vielfach ihren
Sinn als General Anbieter für umfassende Gesundheits Artikel verloren!
Es geht mit Schallgeschwindigkeit auf ein all umfassendes “Big Brother is watching you” zu.
Mit freundlichem Gruss! U.Geyer Ap. Alte Apotheke, 26160 Bad Zwischenahn.

#2 |
  11

„Rote Laterne“ für Deutschland?
Seit Jahrzehnten blockieren und verhindern die Apothekerverbände z. B. bei unseren GKV-Patientinnen und -Patienten informationelle Selbstbestimmung und Kontrollen über die von Ihren Vertragsärztinnen und Vertragsärzten ausgestellten Verordnungen und Signaturen: Und beim elektronischen Rezept würden die Soll-Ist-Daten jederzeit nachkontrollierbar bleiben.

Derzeit kann ich meinen Patienten nur empfehlen, alle Kassenrezepte nach GKV-Muster 16 mit den von mir vermerkten Signaturen (M.D.S.-“man nehme…”) und ihre ausgehändigten Präparate-Packungen mit ihrem Smartphone zu fotografieren, um zu dokumentieren, was als Rezeptformular zu Apotheken-Abrechnungszwecken ersatzlos einbehalten wurde. Privatpatienten bekommen immer das P-Rp. quittiert und ausgehändigt, ebenso wie die “grünen” Selbstzahler-Verordnungen.

464 Mio. GKV-Rezepte mit laut Deutschem Apothekerverband (DAV) 741 Millionen ärztlich verordneten Medikamenten wurden 2017 zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen in öffentlichen Apotheken eingelöst. Das wären seit der Deutschen Wiedervereinigung am 3.10.1990 in nunmehr 28 Jahren mindestens 14 Milliarden Medikamenten-Packungen, die ohne für Patienten direkt verfügbaren Beleg über den Offizin-Tisch überwiegend gegen Verordnungsgebühren abgegeben wurden.

Aus diesem Dilemma ist übrigens der immer noch papiergestützte Medikationsplan entstanden, der aber oftmals mit den tatsächlich ausgegebenen Generika- und Original-Namen nicht mehr viel zu tun hat bzw. damit ständig neu formuliert und ausgedruckt werden muss.

Die problemlos aufs Smartphone geladenen Bahntickets machen es uns vor: DB-Zugbegleiter und Bahnkunden behalten b e i d e eine bleibende elektronische Dokumentation ihrer Bahnfahrt. Wäre die Deutsche Bahn AG eine öffentliche Apotheke, würde sie ihren “GKV-Kunden in der 2. Klasse” im Gegensatz zu “privat Versicherten in der 1. Wagenklasse” mit Antritt ihrer Reise mit der Deutschen Bahn die papiergestützte Fahrkarte einfach wegnehmen!

Warum funktionieren die GKV-Versichertenkarten als eGK und eRp im E-Health-Zeitalter nicht schon längst wie meine Bankkarten bei der Dortmunder Sparkasse? Über “elektronic banking” kann ich jederzeit vor Hackern passwortgeschützt an jedem Ort der Welt übers Internet/Smartphone/Festnetz auf meine Kontodaten zugreifen, Überweisungen, Infos und den gesamten Zahlungsverkehr überwachen, Gehälter, Steuern, Miete und Abgaben zahlen, aktuelle Informationen und Nachrichten abrufen und mich über Öffnungszeiten, Zuständigkeiten und Konditionen informieren und interagieren.

#1 |
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