Alterung: Läufer hängen Kraftsportler ab

29. November 2018

Kardiologen des Universitätsklinikums Leipzig konnten in einer aktuellen Studie zeigen, dass Ausdauertraining wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen die zelluläre Alterung vermindert. Dieser Effekt ist jedoch nicht nach reinem Kraft-Training zu beobachten.

Gestern veröffentlichten Kardiologen des Universitätsklinikums Leipzig eine klinisch-experimentelle Studie zur Zellalterung. Darin wurden die molekularen und zellulären Wirkungen von körperlicher Aktivität untersucht und verglichen.

Blutzellen lieferten Beleg

Im Rahmen der Untersuchung stießen die Forscher auf neue Erkenntnisse zu den Effekten von Ausdauersport (aerobes Training und hochintensives Intervalltraining) und Krafttraining auf die Zellalterung. „Wir konnten anhand von Blutzellen belegen, dass beide Ausdauertrainingsarten wichtige Regulatoren der Zellalterung, und zwar die Telomeraseaktivität und die Telomerlänge, günstig beeinflussten“, erklärt Studienleiter Prof. Ulrich Laufs. „Bei Krafttraining hingegen war dies nicht der Fall.“

Die Telomeraseaktivität und Telomerlänge gelten als wichtige Indikatoren für den Alterungsprozess der Zellen und deren Regenerationsfähigkeit, mit Auswirkungen auf ein gesundes Altern insgesamt. Entsprechend zeigten die Forscher auch mögliche Mechanismen dieser Effekte auf die Regulation gefäßschützender Substanzen wie Stickstoffmonoxid.

6 Monate überwachtes Training

Es handelt sich um die erste Studie zu diesem Thema. Insgesamt wurden 266 im Schnitt ca. 50-jährige gesunde Probanden ohne vorherige Sporterfahrungen untersucht. Die Studienteilnehmer absolvierten ein genau dosiertes, kontrolliertes und überwachtes Training über sechs Monate, jeweils drei mal 45 Minuten pro Woche. Vor und nach der Studie erfolgten Belastungstests und Blutentnahmen zur Isolation von Zellen aus dem Blut.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass durch gezieltes Training ein eindeutiger positiver Vorsorge-Effekte erzielt werden kann“, so Laufs. Gerade die kardiovaskuläre Zellalterung könne günstig beeinflusst werden, zudem könnte auf der Basis telomer-abhängiger Parameter die zelluläre Antwort auf ein Training gemessen und gesteuert werden. Laufs: „Unseren Patienten können wir also künftig auf der Basis dieser Ergebnisse mit Blick auf die Herzgesundheit klar raten: Krafttraining kann eine Ergänzung zum Ausdauertraining sein, aber kein Ersatz.“

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Leipzig.

29 Wertungen (4.9 ø)

7 Kommentare:

Medizinische Dokumentarin

Das gilt aber nur für Männer. Junge Frauen die alleine Joggen haben in Deutschland neuerdings ein erhöhtes Sterberisiko..

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Danke, Herr Graf – ich denke, jede Einseitigkeit ist kontraproduktiv, aber das nervige, unwissenschaftliche Polemisieren von Nur-Kraftsportlern richtet Schaden gerade bei den ganz, ganz jungen Männern an.
Und wer jemals grauhaarige, muskelbepackte Gestalten mühsam sich aus der Kraftmaschine hat fädeln sehen, weiß, dass auch Flexibilität und Koordination nicht ganz vernachlässigt werden dürfen.

#6 |
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Medizinjournalist

Den Zivilisierten etwas ganz Einfaches beizubringen, scheint sehr mühsam. Zum Thema: Dazu muss man nicht nachdenken. Unsere Körper sind nicht für isoliertes Muskeltraining bei “Mc-irgendwas” konstruiert. Laufen und gehen sind unsere Primemarker oder deutsch Alleinstellungsmerkmale. Einziges ernsthaftes Training, das Couchpotatoes in Form bringt, bevor sie sich beim Joggen wegen schlaffer Muskeln, haltloser Sehnen, unbenutzten Gelenken und eingeschlafenem Rechner auf gehen und joggen einlassen. Erst bergauf gehen, weil nur das alles regeneriert und die eigentliche Leistung des Zweibeiners mit der lustigen Wirbelsäule auf das, das wir Sport nennen, vorbereitet. Bergauf, weil nur dort jedes Bein abwechselnd das Körpergewicht anhebt und dabei die ganze Wirbelkonstruktion sich drehend von Bandscheiben über Sehnen und Muskeln im Konzert organisiert und tauglich gemacht wird. Nur bergauf tragen wir uns selbst hoch. Die Zivilisation hat bergauf aus unserem Leben herausgerissen – das ist aber der einzige Trigger für alles, was dazu gehört. Auf dem Laufband – und nun sind wir endlich da, wo Zivilisierte tatsächlich hingehören, ins Studio, aber nur weil wir dort bergauf gehen trainieren können, ohne Sturzgefahr und natürlich ausschließlich in weichen Schuhen ohne Absatz, weil unsere Füße dazu fit gebraucht werden und nicht in Wanderschuhen eingesperrt degeneriert gehalten werden, wie Schlachtschweine in der Box, in der sie sich nicht bewegen können. Es fängt bei der raffinierten Abrollbewegung an und dem komplizierten Spiel der Fußkonstruktion, um das Gewicht von der einen zur anderen Seite und nach vorne und nach oben auszubalancieren, ohne dass davon jemand etwas merkt. Das ist in Wahrheit die Raffinesse unseres Körpers. Bedenke, nur Menschen können auf einem Bein hüpfen. Gucken Sie mal im Spiegel dem einen Fuß zu, wie er es macht. Danach verstehen Sie, wie kompliziert die Berechnung ist, wo der Fuß hinmuss, damit wir nicht fallen. Erst bergauf gehen, bis es eine halbe Stunde lang, mit 5 km/h bei 20% Steigung geht. Alles andere nebenher ist natürlich begünstigend. Vor allem Ballsportarten, Gymnastik, Tanzen etc. bringen den Rechner auf Trab und er hat Spaß an Anforderungen und belohnt mit Freude ohne Ende. Da der Körper beim Hochtragen des eigenen Gewichts, dessen Überlast bemerkt, wirft er Ballast ab. Weil er schlau ist.

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Naturwissenschaftler

Jeder passionierte Läufer/Ausdauersportler – ich gehöre seit frühester Jugend dazu – weiß heute um die große Bedeutung eines regelmäßigen, begleitenden Kraft- und Stabilisierungstrainings. Aufbau und Erhalt einer leistungsfähigen Muskulatur sind sowohl für die Regeneration und Verletzungsprophylaxe wichtig als auch für “gesundes” Altern und Prävention vor Gebrechlichkeit nicht minder bedeutsam als Training des HK-Systems. Daher gibt es auf die Frage, “soll ich Ausdauer- ODER Krafttraining machen”, nur eine vernünftige Antwort: “BEIDES in individuell adäquater Dosierung!”
Für das Muskeltraining kann man ein Fitnessstudio wählen, muss aber nicht. Das eigene Körpergewicht ist – bei richtiger Übungsauswahl – die beste “Hantel”.

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Nichtmedizinische Berufe

@#2 Das kann man so pauschal nicht sagen.
Fitness-Studios haben alle mindestens 2 Bereiche : Einen für Herz-Kreislauftraining mit in der Regel modernen Cardio-Geräten sowie einen Bereich,der es gestattet, mit speziellen Geräten verschiedene Muskelgruppen gezielt zu trainieren.Man hat hier also die freie Wahl zwischen einem Kreislauftraining und einem Krafttraining.

#3 |
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Da werden die Fitness-Studio-Betreiber garnicht glücklich sein!

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Dr. med. Martin Lion
Dr. med. Martin Lion

Ich kann diesen Studienbericht aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Wir Menschen sind von Natur aus Läufer. Siehe auch Studie der Charité Berlin. Seit ca. 50 Jahren laufe ich regelmäßig, seit ca. 30 Jahren hauptsächlich Vorfuß-Laufen. Ohne Stoppuhr, nach eigenem Tempo. Ich gehe davon aus, dass ich meinen guten gesundheitlichen Zustand zum großen Teil diesem regelmäßigen Ausdauertraining zu verdanken habe. Tipp: Das Buch “Born to run” von Christopher McDougall.

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