MS: Kaliumkanal reguliert Immunzellwanderung

15. August 2013
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Wissenschaftler entdeckten einen neuen Mechanismus zur Behandlung der Multiplen Sklerose - einen Kaliumkanal, der die Einwanderung von Immunzellen in das Gehirn reguliert. Die Erkenntnisse könnten die Basis für neue Therapien bieten.

Wissenschaftler der Uni Münster haben einen Kaliumkanal entdeckt, der die Einwanderung von Immunzellen in das Gehirn reguliert. Könnte man diesen Kanal aktivieren, wäre das die Basis für neue MS-Therapien, zeigen die Biologen und Mediziner um Professor Dr. Dr. Sven Meuth in ihrer aktuellen Veröffentlichung in der  Fachzeitschrift Nature Medicine.

„Wir gehen davon aus, dass ein komplexer Prozess zur Entstehung von Symptomen der Krankheit beiträgt“, erläutert Meuth, Oberarzt und stellvertretender Direktor an der Klinik für Allgemeine Neurologie der Uniklinik Münster: „Zunächst werden die schädlichen Immunzellen in den Lymphknoten und der Milz aktiviert. In einem zweiten Schritt passieren sie die Blut-Hirn-Schranke – jene Barriere zwischen Gehirn und restlichem Körper, die sie normalerweise nicht durchdringen können –, um danach im Gehirn eine schädliche Entzündungsreaktion auszulösen.“

Aktivierung des Kanals verhindert Wanderung

An allen drei Phasen sind Zellen mit bestimmten Ionenkanälen beteiligt – das sind Proteine in der Außenmembran der Zelle, die geladenen Teilchen (Ionen) das Durchqueren der Membran ermöglichen. In der aktuellen Arbeit beschäftigten sich die münsterischen Wissenschaftler mit der Rolle des Kaliumkanals TREK1 für die Immunzellwanderung durch die Blut-Hirn-Schranke. „TREK1 reguliert die Wanderung von Immunzellen. Eine Aktivierung des Kanals verhindert diese Migration“, sagt Dr. Stefan Bittner, der neben Dr. Tobias Ruck Erstautor des „Letters“ in der Nature Medicine ist.

Das Fluoreszenzmikroskop zeigt: TREK1 (rot) ist im Gewebe von MS-Patienten (unten) weniger stark präsent als bei gesunden Menschen (oben) © S. Bittner

Schon jetzt existieren MS-Medikamente, die die Immunzellwanderung über die Blut-Hirn-Schranke blockieren und so beweisen, dass die Strategie aufgeht. In weiteren Studien wollen die Forscher nun Substanzen entwickeln, die auf den speziellen Kaliumkanal gezielter und stärker einwirken und eines Tages die Therapie der Multiplen Sklerose bereichern können.

Originalpublikation:

Endothelial TWIK-related potassium channel-1 (TREK1) regulates immune-cell trafficking into the CNS
Tobias Ruck et al.; Nature Medicine, doi: 10.1038/nm.3303, 2013

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