Systemische Therapie soll Kassenleistung werden

27. November 2018

Systemische Psychotherapie soll künftig als Versicherungsleistung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. So lautet der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses.

In seiner gestrigen Sitzung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Nutzen und die medizinische Notwendigkeit der Systemischen Therapie für Erwachsene bestätigt. Damit hat er den Grundstein dafür gelegt, dass Systemische Psychotherapie künftig als Versicherungsleistung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden kann.

Beim Konzept der Systemischen Psychotherapie wird die Tatsache berücksichtigt, dass ein Mensch niemals vollkommen isoliert sondern in einem sozialen Kontext aufwächst. Das soziale Umfeld wie etwa die Familie des Klienten werden in die Therapie miteinbezogen.

Zukünftige Anwendungsgebiete

Die heutige Entscheidung wurde mit den Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft sowie der drei unparteiischen Mitglieder ermöglicht. Auch die nicht stimmberechtigte Patientenvertretung unterstützte den Beschluss. Der G-BA stellt mit diesem Votum den Nutzen Systemischer Therapie in fünf Anwendungsgebieten der Psychotherapie fest, darunter die am häufigsten auftretenden Erkrankungen Angst- und Zwangsstörungen und affektive Störungen. Für eine Zulassung muss der Nutzen zwingend für diese beiden Indikationen belegt sein.

Basis für die heutige Entscheidung ist die Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das im Auftrag des G-BA den Nutzen in sieben Störungsbereichen festgestellt hatte. Den Antrag auf die Nutzenbewertung hatte 2013 das damalige unparteiische Mitglied Dr. Harald Deisler gestellt. Die Anerkennung der Systemischen Therapie durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie ist bereits vor zehn Jahren erfolgt.

Start in 2019

„Wir begrüßen es, dass erstmals nach 31 Jahren wieder ein hoch wirksames Psychotherapieverfahren vor der Aufnahme in den Leistungskatalog der Krankenkassen steht“, erklärt Dr. Ulrike Borst, Vorsitzende der Systemischen Gesellschaft (SG). Neben den beiden psychoanalytisch begründeten Verfahren und der Verhaltenstherapie wäre Systemische Therapie dann das vierte Richtlinienverfahren zur Behandlung psychischer Störungen.

Bis März 2019 soll laut einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag das Bewertungsverfahren zur Systemischen Therapie abgeschlossen sein.

 

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung der Systemischen Gesellschaft.

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Medizin, Psychiatrie

1 Kommentar:

Zahnarzt | Zahnärztin

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: gerade psychische Erkrankungen, die auf Beziehungen und deren Problemen aufbauen, sind über systemische Therapie gut zu erreichen und oft zügig zu beeinflussen, ohne das es zu Symptomverschiebungen kommt, weil die zugrunde liegenden Probleme direkt bearbeitet werden. Da bewegt sich im GBA glücklicherweise dann doch noch mal was, wenn auch sehr spät.

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