Intensivstationen: Kinder werden abgewiesen

21. November 2018

Auf deutschen Kinderintensivstationen herrscht ein gravierender Mangel an Pflegepersonal, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Etwa jedes fünfte Intensivbett ist demnach wegen fehlender Pflegekräfte gesperrt. Die Fachgesellschaft fordert einen sofortigen Notfallplan.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) mahnt den gravierenden Mangel an Pflegepersonal auf deutschen Kinderintensivstationen an. Zuletzt mussten deshalb Betten der Kinderintensivstation an der Medizinischen Hochschule Hannover gesperrt werden. „Das gefährdet die Patientensicherheit und Versorgungsqualität kritisch kranker und verletzter Kinder, insbesondere in den großen Ballungsräumen, wo Sperrungen von Betten aufgrund eines Mangels von Pflegenden an der Tagesordnung sind“, sagt Dr. Florian Hoffmann, Sprecher der Sektion „Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin“ der DIVI.

Bis zu 100 Kinder im Jahr pro Intensivstation abgelehnt

Eine aktuelle Umfrage der Sektion ergab, dass im Mittel rund 20 Prozent der möglichen Intensivbetten wegen fehlender Pflegekräfte gesperrt sind. 25 Prozent der befragten Stationen gaben an, im vergangenen Jahr 25 bis 50 Patienten wegen fehlender Bettenkapazitäten nicht aufgenommen zu haben. Weitere 25 Prozent mussten sogar 50 bis 100 Kinder ablehnen. 72 Prozent der befragten Stationsleiter gaben an, dass in ihrer Region ein Defizit an Intensivbetten für Säuglinge und Kinder herrsche.

Sofortiger Notfallplan

Die DIVI fordert die Politik jetzt auf, die Rahmenbedingungen für die Kinderintensivpflege mittels eines sofortigen Notfallplans zu retten: „Wir steuern seit Jahren offenen Auges auf dieses Problem zu und können nun in einem der reichsten Länder der Welt die flächendeckende Versorgung von kritisch kranken oder schwer verletzten Kindern nicht mehr sicher gewährleisten“, so Hoffmann.

Allen voran müssten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sowie die Bezahlung der Pflegekräfte deutlich verbessert werden. „Wenn auch in Ballungsräumen weiterhin kranke Kinder versorgt werden sollen, dann müssen sich die Pflegenden dieser Kinder auch das Leben in den Ballungsräumen leisten können. Vermeintlich ‚billige‘ Arbeitskräfte aus dem Ausland können kein ernst gemeinter Lösungsansatz sein“.


Der Text basiert auf der Pressemitteilung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V.

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9 Kommentare:

Rettungssanitäter

Guten Morgen, wer möchte auch im Dezember DIVI 18 in Leipzig besuchen. Unterschiedliches Themenangebot individuell besuchbar.
Für gemeinsamen Besuch m e i n e email; uls1805@gmail.com
Info https://divi2018.de/

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Rettungssanitäter

Guten Morgen liebe Claudia, Sie brauchen sich am allerwenigsten gedanken um Ihre berufliche Veränderung machen. Sie sind/ waren jahrelang der Prellbock für unsagbare Fehlplanungen und verantwortunglosen Umgang im Menschenrecht.
Für eine ordendliche information nach dem GG Arikel 17 empfehle ich sorgsame Information unter https://www.openpetition.de
PS Ihren pessimismus kann ich nachvollziehen, sicherlich ist es für einige, nennen wir es Gegebenheiten bereits nach zwölf, das Recht auf allumfassende medizinische Versorgung besteht seit mehr als tausend Jahren, wenn auch >>Yppocratis genus, vita, dogma im Abendland immer mehr an Achtung, Wertschätzung und Bedeutung verloren hat…

#8 |
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Kinderkrankenpfleger

Ich gehöre leider zu diesen Pflegekräften, die ihren Beruf wegen nicht mehr tragbarer Zustände und miserabler Bezahlung an den berühmten Nagel gehangen hat. Es tut mir in der Seele weh nur an diese Zustände zu denken. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber wenn die eigene Familie unter dem Beruf der Mutter leidet und ich den, für mich damals schönsten Beruf überhaupt, nicht mehr für mich zufriedenstellend ausüben kann, mit Zeitdruck und am Fließband meine Dienste abarbeite, mit massenhaft Überstunden dann irgendwann mal nach Hause komme und überhaupt nichts an Wertschätzung für mein Tun erfahre, dann reicht es einfach…
Bei einer Petition wäre ich dabei, aber ich habe mittlerweile einen gewissen Pessimismus entwickelt, dass ich nicht mehr an eine Besserung glauben kann…

#7 |
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Ärztin

Danke, lieber Kollege Uwe Fred. Ich würde gerne eine Petition starten, aber das Internet verzeichnet so viele Anbieter! Welcher ist der beste? Oder gibt es andere gute Möglichkeiten? Ich bin da leider völlig unerfahren, würde aber gern etwas tun. Hat jemand Vorschläge?

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Medizinisch-Technischer Assistent

Wir wollen an dieser Stelle nicht vergessen, dass Herr Spahn ebenfalls geäußert haben soll, dass sich die meisten Probleme von alleine lösen würden, wenn nur jede Pflegekraft mal freiwillig ein Stündchen in der Woche mehr arbeiten würde…
Bei soviel Unkenntnis der (Pflegepersonal-)Situation und geballten Inkompetenz seitens der Politik dürfte das Problem vermutlich niemals gelöst werden. Im Gegenteil, das eh schon überlastete (nicht-ärztliche) Krankenhauspersonal soll sich nach Herrn Spahn durch noch mehr (Ü)Be(r)lastung noch kränker arbeiten, damit durch noch mehr Personalausfälle noch mehr Patienten nicht adäquat versorgt werden können.

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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ich schließe mich Herrn Fred an!

#4 |
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Rettungssanitäter

Bis zu 100 Kinder im Jahr pro Intensivstation abgelehnt….woher nimmt dieser Bundesvorstand und seine Helfershelfer sich das Recht heraus, den kleinsten in dieser maroden Gesellschaft unter umständen das Leben in eine lebenswerte Zukunft zu verwehren. Im eigenen Lande übersieht man aus nächster Nachbarschaftshilfe die Gefahr und den Untergang des letzten moralistischen Gedankens!
Ich und ich hoffe noch v i e l e andere med. Beauftragte schliessen sich der tollen Meinung unserer verehrten Frau Kollegin Sylvia Robinson t a t ü b e r g r e i f e n d an. Meine Unterschrift mit öffentlichem Statement in einer knallharten Petition ist hiermit garantiert
Ich dank Ihnen hier Kniefallend sehr!!!!!!! DozNotmed.

#3 |
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Brigitte Beckhäuser
Brigitte Beckhäuser

Immer mehr der ausgebildeten Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen flüchten aus ihrem Beruf. Grund hierfür ist nicht unbedingt die Bezahlung, sondern die Arbeitsbelastung, das zwischenmenschliche Verhalten (Team) zwischen den Mitarbeitern, sowie das hierarchische Verhalten einzelner Ärzte. Trotz langjähriger Tätigkeit auf Kinderintensiv-Stationen wird das Wissen der Fachkraft ignoriert. Dies führt zu Frust und früher oder später zur Kündigung. Auch ein Grund ist die Übernahme zusätzlicher Aufgaben (z.B. Praxisanleitung, Wundmanagement etc.) welches zusätzliche Ausbildung erfordert, aber finanziell oft nicht vergütet wird. Weiterhin ein Problem ist die dauernde Bereitschaft. Oft ist man im Team vernetzt, so dass zu jeder (Frei-) Zeit angerufen wird um einzuspringen. Dies lässt eine Erholung nicht in ausreichendem Maaße zu. Ein burn out ist vorprogrammiert.

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Ärztin

Es ist eine Schande. Da sonnt sich unser Gesundheitsminister in der vollmundigen Ankündigung, 13000 neue Stellen schaffen zu wollen, und tausende vorhandene sind jetzt schon nicht besetzt, und die besetzten Stellen werden wegen immer höherer Krankenstände nicht bedient. An die Hoffnung, dass ausländische Arbeitskräfte diese Lücken dauerhaft ausfüllen können, kann ich mich nicht anschließen. Eigentlich müsste es einen Aufschrei und Demonstrationen des medizinischen Personals geben.

#1 |
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