Krebs durch Handy: Die 30-Millionen-Studie

19. November 2018

Eine 30 Millionen Dollar teure Langzeitstudie der amerikanischen Regierung findet „eindeutige Beweise“, dass elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen Krebs auslöst. Die FDA zweifelt am Zusammenhang. Was ist im Labor schief gelaufen?

Bereits im Jahr 1999 beschloss die US Food and Drug Administration (FDA), herauszufinden, ob Handystrahlung zu mehr Krebserkrankungen führt. Sie beauftragte Forscher des National Toxicology Program (NTP) mit Untersuchungen. Das NTP selbst ist dem amerikanischen Gesundheitsministerium untergeordnet. Kürzlich veröffentlichte Ergebnisse erfreuen nicht alle Gesundheitspolitiker.

Eindeutige Beweise im Tierexperiment

NTP-Experten kamen zu dem Schluss, dass „eindeutige Beweise“ für Krebserkrankungen in Zusammenhang mit den Mobilfunkstandards 2G und 3G vorliegen. „G“ seht dabei für „Generation“. Bis 2012 gab es in Deutschland vor allem 2G- und 3G-Mobiltelefone. Sie unterscheiden sich im Datenübertragungsverfahren sowie in der Frequenz. Mittlerweile ist die Entwicklung bei 4G und 5G angelangt.

Die Kategorie „eindeutige Beweise“, welche die Experten wählten, ist die höchste von vier NTP-Kategorien. Es gibt:

Bei männlichen Ratten führte die Bestrahlung mit 2G- und 3G-Frequenzbereichen zu Schwannomen (Neurinomen). Es gab auch Hinweise auf Gliome und auf Nebennierenkarzinome (speziell auf Phäochromozytome). Bei weiblichen Ratten sowie bei männlichen und weiblichen Mäusen blieb unklar, ob Krebserkrankungen mit einer Hochfrequenzstrahlungs-Exposition (RFR) in Verbindung standen.

Methodische Kritik

Die 30 Millionen US Dollar teure Studie dauerte zehn Jahre und gilt als größte Bewertung im Tierexperiment. John Bucher vom NTP weist in einer Meldung auf Ungenauigkeiten in der Studie hin: „Die in den Studien verwendeten Expositionen können nicht direkt mit der Exposition verglichen werden, die Menschen beim Benutzen eines Mobiltelefons erfahren. In unseren Studien wurden Ratten und Mäuse am ganzen Körper bestrahlt.“

Bucher: „Darüber hinaus war die Exposition hinsichtlich ihrer Dauer und Stärke größer als beim Menschen.“ Tiere wurden im Mutterleib exponiert. Nach der Geburt ging es nahtlos weiter. Das Versuchsprotokoll sah für neun Stunden am Tag abwechselnd zehn Minuten Bestrahlung und zehn Minuten Pause vor.

Jeffrey Shuren, Direktor des FDA’s Center for Devices and Radiological Health, weist auf weitere Ungereimtheiten hin. Er kann sich nicht erklären, warum es keine Unterschiede je nach Dauer der Exposition gegeben habe. Erstaunlich sei auch, dass Ratten unter Bestrahlung durchschnittlich länger lebten als Tiere einer Kontrollgruppe ohne Exposition. Krebserkrankungen seien nur bei männlichen Ratten beobachtet worden, aber nicht bei weiblichen Ratten oder bei Mäusen.

Und nicht zuletzt gehören 2G- und 3G-Standards längst der Vergangenheit an. Damit bleibt der Erkenntnisgewinn gering.

Besser vorbeugen

In Deutschland befasst sich das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit elektromagnetischen Feldern. „Aufgrund dieser wissenschaftlichen Unsicherheiten rät das BfS dazu, die persönliche Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern vorsorglich gering zu halten“, heißt es auf der Website. Das bedeutet, wenig zu telefonieren, dem Abstand zwischen Gerät und Kopf etwa per Headset zu vergrößern und Telefonate bei Kindern stark einzuschränken: eine Vorsichtsmaßnahme, bis es mehr Wissen zum Thema gibt.

51 Wertungen (4.24 ø)
Medizin, Onkologie

4 Kommentare:

Heilpraktiker/in

Klar, weniger mit Handy telefonieren ist ein billiger Ratschlag.
Aber wenn’s denn so ungefährlich ist, frage ich mich schon, warum ich in meinem Bekanntenkreis in den letzten 7 Jahren drei Akustikusneurinome gesehen habe. Könnte natürlich reiner Zufall sein.

Und der Strahlung aus dem Weg gehen mag funktionieren, wenn man ein freistehendes Einfamilienhaus irgendwo im Wald hat. Aber wie ist es eigentlich bei Leuten, die im Hochhaus wohnen, wo 350 Leute ein Handy und jede Mietpartei ihr eigenes W-Lan haben?

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Dipl.-Ing. Reinhard Lauer
Dipl.-Ing. Reinhard Lauer

Was im Labor wirklich schiefgelaufen ist, wird nicht so richtig klar. Das NTP hat die Gesundheitsschädlichkeit des Mobilfunks festgestellt, und die FDA kritisiert das, weil sie natürlich um den wirtschaftlichen Erfolg der Mobilfunk-Industrie besorgt ist. Bisher geht man in der Medizin davon aus, dass Mobilfunkstrahlung, auch bei intensivem Gebrauch, lediglich zur Erwärmung des Gewebes (z.B. am Kopf) führt, ähnlich wie beim Tragen einer Pudelmütze oder beim Gang in die Sauna. Wer bisher anderes behauptete, gehörte zur Fraktion der Aluhut-Träger. Durch Erwärmung kann aber kein Tumor entstehen. Vielleicht tragen jetzt auch die NTP-Autoren den Aluhut, denn sie haben gefunden, dass durch Mobilfunkstrahlung doch Tumore entstehen können. Ob das Problem nur bei der 2G- und 3G-Technologie (Gegenstand der Studie) oder auch bei der 4G- und der 5G-Technologie auftritt, darüber darf jeder mal spekulieren.
Einen interessanten Beitrag zur NTP-Studie hat Franz Adlkofer geschrieben: “How the Mobile Communication Industry Deals with Science as Illustrated by ICNIRP versus NTP” (https://pandora-foundation.eu/2018/10/26/how-the-mobile-communication-industry-deals-with-science-as-illustrated-by-icnirp-versus-ntp/).

#3 |
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Die Menschen sind eh schon alle längst tot oder sterben spätestens morgen !?
Egal was wir essen oder sonst tun – Alles bringt uns um.
Das Giftigste ist die Panikmache von Wichtigtuern mit Gesundheitswahn.
Sofort Alles ausziehen, Alles wegwerfen und nackt in die Wüste laufen – dann kann uns der Krebs etc. … nichts mehr anhaben.
Alternative: Mit etwas mehr Hausverstand weiterleben – schon mal daran gedacht,
Zufriedenheit zu suchen !

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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Auch bei Strahlung gilt: dosis sola facit venenum. Wenn ich manche Handy-abuser so sehe, glaube ich mehr an mentale Nebenwirkungen als Schäden durch böse “Handy-Strahlen”.

#1 |
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