Rauchende Mütter, schielende Kinder

7. November 2018

Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, riskieren die Gesundheit ihres Nachwuchses. In diesem Zusammenhang gibt es nun eine neue Erkenntnis: Erstmals zeigt eine Meta-Analyse, dass bei diesen Kindern auch das Risiko für Strabismus signifikant erhöht ist.

Rauchen während der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko beim Nachwuchs, an Schielen bzw. Strabismus zu erkranken, assoziiert. Das ist das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Meta-Analyse, in der 11 Arbeiten untersucht wurden.

Ein chinesisches Forscherteam durchsuchte vier elektronische Datenbänke und fand 17.929 Artikel zur Thematik. Nach eingehender Überprüfung erfüllten 11 Artikel, die sich auf 20 Studien beziehen, die Untersuchungskriterien der Wissenschaftler.

Wer wurde untersucht?

Insgesamt wurden die Daten von 94.953 Personen analysiert, darunter befanden sich 4.833 Fälle von verschiedenen Formen von Strabismus, darunter Esotropie, Exotropie sowie ein Strabismus, der sich isoliert oder divergent äußert. Die Untersuchungsteilnehmer waren zwischen 6 Monaten und 17 Jahren alt. Von den 20 Studien waren 11 Querschnittsstudien, 7 Kohortenstudien und zwei Fall-Kontroll-Studien. Die Studien wurden in fünf verschiedenen Ländern (9 in den USA, 3 in Großbritannien, 3 in Dänemark, 3 in Deutschland und 2 in Australien) durchgeführt und im Zeitraum von 1992 bis 2017 veröffentlicht.

Signifikanter Zusammenhang

Die Datenerhebung zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen mütterlichem Rauchen während der Schwangerschaft und dem Risiko eines Strabismus beim Kind. Für den Nachwuchs von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchen entspricht dies laut Studienautoren einem um 46 % erhöhtem Risiko für Strabismus (OR = 1.46, 95 % CI = 1.32-1.60). Auch nach dem Ausschließen potenzieller Störfaktoren blieb der Zusammenhang signifikant. Für die beiden speziellen Formen Esotropie und Exotropie betrug das Risiko 65 Prozent.

Die Forscher erhoben dort, wo es die Angaben zuließen, einen konkreten Wert an gerauchten Zigaretten pro Tag. Bei 10 Studien gab es konkrete Angaben zur Konsummenge, bei den restlichen 10 Studien nicht, deshalb bezieht sich folgendes Ergebnis auf eine kleinere Gruppe: Bei einem Wert von weniger als 10 Zigaretten pro Tag war das Risiko des Nachwuchses für Strabismus verglichen mit Kindern von Nichtrauchermüttern um 17 Prozent erhöht (OR 1.17, 95 % CI = 1.06-1.29). Bei 10 oder mehr Zigaretten täglich war dieses Risiko sogar um 79 Prozent erhöht.

Achtung, Bias

Die Studienautoren betonen, dass es sich um die erste Meta-Analyse auf diesem Gebiet handelt. Sie weisen aber auch auf Schwächen der Arbeit hin. So gibt es keine Differenzierung zwischen männlichen und weiblichen Nachkommen, weil diese Unterscheidung auch in den untersuchten Studien fehlt. Es gab zudem keine durchgehende Definition von Strabismus in den Studien: Mal wurde zwischen den unterschiedlichen Formen unterschieden, mal nicht. Die Menge der täglich gerauchten Zigaretten wurde durch Interviews und Umfragebögen ermittelt. Eine Verzerrung ist nicht auszuschließen – schließlich ist es denkbar, dass Teilnehmerinnen weniger Zigaretten angaben, als sie tatsächlich geraucht hatten. Für zukünftige Studien in diesem Feld empfehlen die Autoren objektivere Maßeinheiten sowie eine einheitliche Definition von Strabismus.

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Bildquelle: ukieiri, pixabay / Lizenz: CC0
Forschung, Gynäkologie, Medizin

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1 Kommentar:

Was soll man dazu noch sagen? Zu werdenden Müttern, die während der Schwangerschaft rauchen, erübrigt sich jeder Kommentar. Und wenn die zugehörigen männlichen Partner ihrer schwangeren Frau/Freundinn täglich die qualmenden Zigaretten unter die Nase halten, sind sie keinen Deut besser und spielen genauso mit der Gesundheit ihres Kindes.

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