Harnwegsinfekte: Der Trick mit dem Eisen

6. November 2018

Die Therapie komplizierter bakterieller Harnwegsinfekte ist für Ärzte immer noch eine Herausforderung. Jetzt haben Forscher ein Antibiotikum mit neuartigem Wirkmechanismus entwickelt: Es funktioniert auch bei resistenten Erregern, indem es diese überlistet.

Komplizierte Harnwegsinfektionen treten laut Paul-Ehrlich-Gesellschaft meist als Folge anatomischer oder funktioneller Anomalien des Urintransports auf. Das beeinträchtigt das Ausspülen der Erreger und erleichtert ihren Aufstieg im Urogenitaltrakt. Um resistente Erreger zu entlarven, ist eine mikrobiologische Charakterisierung unerlässlich. Vor allem gramnegative Bakteren werden durch Resistenzen zum Problem. Simon Portsmouth zeigt im Rahmen einer herstellerfinanzierten Studie, dass Cefiderocol therapeutische Lücken schließen könnte.

Neuer Mechanismus – neues Glück

Er berichtet über neue biochemische Mechanismen seines Arzneistoffs. Bakterien benötigen Eisenionen, um zu wachsen. Unser Immunsystem versucht, eine eisenarme Umgebung zu schaffen, damit Bakterien „verhungern“, was nicht immer gelingt. Genau hier setzt Cefiderocol an. Es bindet Eisen und gelangt über bakterielle Transportmechanismen an den Ort des Geschehens. Effluxpumpen schleusen als typische Strukturen bakterieller Resistenz normalerweise Antibiotika wieder aus dem Erreger heraus. In diesem Fall ist die Gier der Bakterien nach Eisen aber zu groß und das an Eisen gebundene Cefiderocol findet sich bald wieder im Inneren der Bakterien. Portsmouth’ Erkenntnissen aus Laborexperimenten folgte eine klinische Studie.

Überlegenheit nachgewiesen 

452 Patienten mit komplizierten bakteriellen Harnwegsinfekten erhielten randomisiert Cefiderocol (n = 303) oder Imipenem/Cilastatin (n = 149). Cefiderocol führte bei 73 Prozent zum Erfolg, bei Imipenem-Cilastin waren es 55 Prozent. Die Nebenwirkungen (41 versus 55 Prozent) waren vor allem gastrointestinaler Natur. Da Imipenem zu den Carbapenemen zählt, wurden nur Patienten ohne Resistenz gegen die Wirkstoffklasse aufgenommen. Welchen Effekt Cefiderocol bei Carbapenem-Resistenz zeigt, ist deshalb offen.

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Bildquelle: TheDigitalWay, pixabay / Lizenz: CC0
Gynäkologie, Medizin
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2 Kommentare:

Annika Diederichs
Annika Diederichs

Vielleicht hat die Natur sich gedacht, eine Schwangere inkl. Kind benötig mehr Blut, weshalb es im Körper vorhandenes Eisen zur Hämosynthese nutzt. Sollte ich da falsch liegen, würde ich gerne die Studie sehen, die belegt, daß das Absinken des Eisenspiegels weder mit dem Speichereisenwert von Mutter und Kind korreliert noch mit derenHb. Interessant wäre auch eine Studie, die Ihre Annahme untersucht, Eisensupplementation würde zu vermehretn Infektionen während der Schwangerschaft führen. Die entsprechenden Studien gibt es vermutlich bereits und wenn man schon öffentlich spekuliert, wäre es fein, sich auf deren Ergebnisse zu beziehen, anstatt unsubstanziierte Gerüchte zu verbreiten.

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Heilpraktiker Gerhard Hildebrandt
Heilpraktiker Gerhard Hildebrandt

Also stellt sich die Frage, ob die künstliche Eisenspiegel Anhebung in der Schwangerschaft, nicht bakteriellen Infektionen den Weg bereitet oder sollte sich die Natur etwas dabei gedacht haben, daß in einer Schwangerschaft der Eisenspiegel regelmäßig sinkt?

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