Null Empfängnis in der Homezone

18. November 2009
Teilen

Wer als Mann sein Handy in der Hosentasche oder am Gürtel trägt, sollte die Familienplanung vielleicht besser abgeschlossen haben. Es mehren sich nämlich die Hinweise darauf, dass elektromagnetische Wellen den Spermien schaden.

Die Qualität des männlichen Spermas soll ja seit Jahren abnehmen. So behaupteten Carlsen und seine Mitarbeiter schon 1992, Beweise für abnehmende Spermienzahl und Ejakulatvolumen in den voraus gehenden 50 Jahren gefunden zu haben. Ähnliches konnte im vergangenen Jahr eine Studie für neuseeländische Männer nachweisen. Alles halb so schlimm, kontern dagegen andere, die eher methodologische Probleme für den angeblichen Schwund an Männlichkeit verantwortlich machen und gar von einem Mythos sprechen. Spermienkrise? Welche Krise?

Während die Kontroverse um Spermienzahl und –volumen also andauert, gibt es inzwischen Hinweise darauf, dass den kleinen Babymachern oxidativer Stress von Mobilfunkgeräten droht. Und zwar dann, wenn das Handy am Gürtel oder in der Hosentasche getragen wird. Mitte des Jahrzehnts sorgte eine ungarische Studie für Aufsehen, die 2005 veröffentlicht, aber schon 2004 auf dem Kongress der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) vorgestellt wurde. Der ungarische Forscher Imre Fejes hatte damals 451 Männer untersucht und nach ihrer Handynutzung befragt. Fejes interessierte sich für die Spermienzahl und deren Beweglichkeit und konnte zeigen: Je länger die Probanden ihre Telefone auf oder unter Gürtelniveau angeschaltet mit sich herum trugen, desto stärker verringerte sich die Anzahl der Spermien. Diesen Befund kommentierte damals der ehemalige ESHRE-Präsident Prof. Dr. Hans Evers nach Informationen der „Welt“ mit den Worten: „Vielleicht haben Handybenutzer in Ungarn ein besonders stressiges Leben, oder sie kommen aus einer anderen sozialen Klasse als die Nichttelefonierer.“

Spermien bekommen Sauerstoff-Stress

Der Hinweis auf den Stress ist dabei prinzipiell richtig. Den haben aber wahrscheinlich nicht die Handy-am-Gürtel-Träger, sondern eher ihre Spermien. Darauf deuten zwei Studien hin, die in den letzten Wochen veröffentlicht wurden. In Australien spendeten 22 gesunde junge Männer im Durchschnittsalter von 24,1 Jahren ihren Samen für die Wissenschaft. Forscher setzten deren aufbereitetes und gereinigtes Sperma über Nacht einer elektromagnetischen Strahlung mit einer Frequenz von 1,8 GHz und spezifischen Absorptionsraten von 0,4 W/kg bis 27,5 W/kg aus. Danach zeigte sich, dass die Spermienmotilität und –vitalität signifikant herabgesetzt war. Gesteigert hatte sich dagegen die mitochondriale Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies – sauerstoffhaltigen Molekülen wie etwa Superoxiden und Peroxiden, die sehr instabil und hoch reaktiv sind. Sie können durch oxidativen Stress Zellen schädigen. Außerdem zeigten sich unter der elektromagnetischen Exposition signifikant mehr DNA-Brüche.

Gestützt wird dieses Ergebnis durch ähnliche Befunde aus den USA. Dort gaben 23 gesunde und neun infertile Männer ihr Bestes. Das Sperma wurde geteilt und jeweils eine Portion eine Stunde lang einer elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt, die jener eines Handys im Standby-Modus entspricht. Die zweite Portion diente als Kontrolle. Auch hier bildeten sich unter der Strahlung vermehrt reaktive Sauerstoffspezies, während die Spermienmobilität und –vitalität sank.

Wie weit muss das Handy weg vom Hoden?

Die australischen Studienautoren zeigen sich durch ihre Studienergebnisse alarmiert. Sie befürchten, dass vor allem die hohe Rate an DNA-Brüchen in den Spermien negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern haben könnte, wenn deren Väter zum Zeitpunkt der Zeugung häufig ihr Handy an Gürtel oder in der Hosentasche trugen. Sie raten Männern daher grundsätzlich davon ab, ein Handy auf Gürtelniveau oder gar darunter zu tragen. Weniger dramatisch sehen das die Amerikaner. Sie haben richtig erkannt, dass sich ihre In-vitro-Studie nur bedingt auf die Wirklichkeit übertragen lässt. In der Regel liegen doch wohl mehrere Lagen Stoff zwischen Handy und Hoden. Weitere Studien sollen nun klären, welchen Schutz der Stoff bildet. Ob das mobile Sprechwerkzeug in der männlichen Hosentasche und der kleine Brabbler auf dem Arm sich gegenseitig ausschließen, muss also die Zukunft erweisen.

168 Wertungen (4.32 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

12 Kommentare:

Dr. rer. nat. anette Schweizer
Dr. rer. nat. anette Schweizer

Daß Handy-Strahlen TUmoren auslösen können, ist durch die Tatsache belegt, daß in den USA Hodenkrebs bei Polizisten als berufskarnkheit anerkannt ist (dies tragen Handy in Dauerbereitschaft am Hosengürtel). Außerdem empfehle ich das brandneue Buch von Dr. Joachim Mutter (Elektrosmog-Experte) “Gesund statt chronisch krank”. Danach erübrigen sich weitere müßige Diskussionen.

#12 |
  0
Dr. med. vet. Burghard Junghans
Dr. med. vet. Burghard Junghans

Es verblüfft mich immer wieder, dass es Menschen gibt, die sich über wissenschaftliche Arbeiten ein Urteil erlauben, wenn ihnen bereits das Grundwissen zum Untersuchungsgegenstand fehlt. Über die paar Lagen Stoff zwischen Hoden und Handy lachen sich die Mikrowellen nur halb tot, die würden sich in ihrer Ausbreitung nur behindert fühlen, wenn die Stofffäden mit viel Silber, Alu oder dergleichen überzogen wären. Außerdem erhöht sich die Strahlenbelastung im Bauchraum um fast das doppelt (Troulis 2003), wenn man das Handy beim Telefonieren am Gürtel trägt, weil sich all das Wasser im Bauch und die Mikrowellen einer ganz besonderen Beziehung erfreuen. In der Forschung wird der menschliche Körper daher oft als ¿lossy cylinder¿ bezeichnet, weil er eben so viel Mikrowellenstrahlung absorbiert ¿ und zwar durch die normale Kleidung hindurch! Beim Bayerischen Landesamt für Umwelt kann man übrigens eine Broschüre kostenlos herunterladen, die wissenschaftlich fundierte Schirmwirkungen zu einzelnen (Bau)stoffen bietet: http://www.bestellen.bayern.de/shoplink/lfu_mf_00002.htm
Ansonsten kann ich folgende Links zur neuesten Forschung über freie Radikale und Handystrahlung empfehlen: http://www.diagnose-funk.ch/aktuell/brennpunkt/auva-report-athermische-wirkungen-bestaetigt.html und http://www.broschuerenreihe.net/broschueren/wie-empfindlich-reagieren-die-gene/index.html

#11 |
  0
Peter Wirtz
Peter Wirtz

Gepulste Mikrowellenstrahlung … hört sich an, als ob ein Dämon aus einem feuerspuckendem Strom Lava springt …
lest den Eintrag von Univ.-Doz. Dr. Thomas Krüger da steht es kurz erklärt und mitten ins Schwarze.

#10 |
  0
Heilpraktikerin

Es ist immer wieder schön ,das sich Erwachsene Menschen so gegenseitig kleine Seitenhiebe zukommen lassen. Oft ist es doch erst die Information, welche einen zum Nachdenken anregt. So steht eine Aussage im Raum welche ihren Nachweis sucht. Punkt! Nun ist es an uns es als möglich oder unmöglich abzutun.
Ich rate jedem bei Spermienstörungen die Handysituation anzusprechen und alle anderen Ursachen nicht zu vergessen. Mir reicht ein reiner Verdacht.

#9 |
  0
Dr. med. Bernhard Geiselmann
Dr. med. Bernhard Geiselmann

Herrn Kosmalla: Mit dem Argument, erst einmal das Studiendesign zur Verfügung zu haben, bevor man eine Nachricht zur Kenntnis nimmt, bedeutet, das Lesen wissenschaftlicher Literarur einzustellen. Denn selbst in Beiträgen in Science oder im NEJM ist das Design meist nicht so detailliert angegeben, dass alle Zweifel ausgeräumt wären. Man muss eine Nachricht ja nicht gleich “glauben”, aber Hinweise sind wichtig. Gerade in der Medizin dauert es oft lange, bis sich Hinweise mehren und Annahmen bestätigt oder widerlegt sind. Also behalten wir erst einmal alles im Hinterkopf, was wir lesen, wir müssen mit Unsicherheiten leben können!

#8 |
  0

Leider bewegt sich auch das Niveau einiger Beiträge unter der Gürtellinie! Also, selbsternannte Experten, aufgemerkt: Selbstredend wird elektromagnetische Strahlung beim Durchtritt durch Materie durch Absorption oder Streuung mehr oder weniger abgeschwächt. Es kommt dabei jedoch entscheidend auf die Frequenz der Strahlung und die Eigenschaften der Materie an. Handystrahlung wird durch zwei Lagen Baumwollgewebe praktisch NICHT beeinflußt.

#7 |
  0

@ Herrn Muszynski: An welcher physikalischen Fakultät wird denn solcher Blödsinn gelehrt? Natürlich schwächt Materie egal welcher Art elektromagnetische Strahlung ab, oder können Sie durch Papier sehen? (Grundpraktikum Physik!) Generell: Erst informieren, dann kritisieren, am besten auf einem für gebildete Menschen angemessenen Niveau!

Trotzdem würde mich folgendes interessieren: Es war vom Trageniveau des Gerätes die Rede. Dementsprechend scheint kein Unterschied darin zu liegen, ob das Gerät in der vorderen oder der hinteren Tasche bzw. vorne oder hinten am Gürtel getragen wird, obwohl da ein großer Unterschied in der Schichtdicke dichter Materie liegt. Das macht ehrlich gesagt für mich die Ergebnisse etwas unglaubwürdig…

#6 |
  0
Weitere medizinische Berufe

Im Tierversuch wurde an Hühnerembryonen mit 0,9mW/qcm bis 1,25GHz schwerste Schäden festgestellt.Es kommt zu schweren Mißbildungen bei den Küken(A.Varga) Der Grenzwert für Menschen von 2,5mW/qcm ist für Hühnerembryos bereits tödlich. Es überrascht also nicht, dass auch die Spermogenese durch HF Strahlung reduziert ist.

#5 |
  0
Edzard F. Keibel
Edzard F. Keibel

Belegte Studien hin oder her: Es gibt sicherlich noch weitere Körperregionen, auf die dauerhaft eingeschaltete Handys negative Auswirkungen haben, wenn sie ständig in ihrer Nähe getragen werden, z.B. die Herzregion. So trage ich mein Handy niemals in meiner Brusttasche… Mal sehen, ob es für diesen Hinweis (eines Heilpraktikers) irgendwann einmal eine glaubwürdig belegt Studie gibt. Solange werde ich aber vorsorglich vom “worst case” ausgehen und mein Handy möglichst nicht am Körper tragen, wenn es sich vermeiden lässt, auch wenn meine Familienplanung inzwischen abgeschlossen ist.

#4 |
  0
Apotheker

Oh mann, wer sich so weit aus dem Fenster lehnt und andere versucht lächerlich zu machen sollte sich zumindest mit den Dingen auskennen über die er da spricht!
Elektromagnetische Wellen können nur durch elektrisch leidente Materialien abgeschirmt werden!
Aber vielleicht ist Ihre Jeans ja mit Silberfäden durchzogen, wer weiss das schon…
Was den Punkt mit dem Studiendesign angeht gebe ich recht, dazu müsste man sich die Studie mal anschauen.

#3 |
  0
Medizininformatiker

@ HP Andreas Brandl
Physiklehrstoff der 2. Klasse. Wow. Wir hatten seinerzeit Physik erst ab der 5. Klasse. Dennoch, so einfach wie der Physikunterricht für Heilpraktiker in der 2, Klasse ist die Welt natürlich nicht. Und ja, alle Stoffe schirmen elektromagnetische Welle ab. Mehr oder weniger. Sonst würde mein W-Lan auch vom 2. Stock bis in den Keller reichen (nur ein Beispiel). Ob die Abschirmung einer Jeans allerdings ausreicht ist eine andere Frage. Und, die Ergebnisse solcher Untersuchungen glaube ich erst, wenn ich das Design gesehen habe.

#2 |
  0
HP Andreas Brandl
HP Andreas Brandl

Seit wann schirmt Jeans-Stoff Elektromagnetische Strahlung ab? Ich habe hier einen interessanten Link gefunden, der etwas Licht ins Dunkel bringen könnte: http://www.abenteuer-physik-chemie.at/Unterrichtshilfen/Lehrer2/Durch%20welche%20Stoffe%20geht%20das%20Magnetfeld%20hindurch.htm
Das ist Physiklehrstoff der 2. Klasse!!!

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: