Hormonrezeptoren gegen das Altern

12. August 2013
Teilen

Forscher entdeckten nun, dass bei Fadenwürmern ein Hormonrezeptor den Zusammenhang zwischen Ernährung und Lebenserwartung verantwortet. Womöglich steuern verwandte Rezeptoren auch die Lebenserwartung beim Menschen.

Der Fadenwurm Caenorhabditis elegans lebt nicht lange: Nach 20 Tagen ist meistens schon Schluss. Für Wissenschaftler macht ihn das zu einem idealen Forschungsobjekt, denn sie können so innerhalb von kurzer Zeit den kompletten Lebenszyklus des Wurms untersuchen. Außerdem ist das Erbgut des aus weniger als tausend Zellen aufgebauten Organismus komplett analysiert. Viele der Wurm-Gene kommen in ähnlicher Form auch beim Menschen vor. Forscher um Adam Antebi vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns wollen deshalb mithilfe von Caenorhabditis elegans herausfinden, wie Hormone das Altern steuern. Sie interessieren sich dabei besonders für die Hormonrezeptoren im Zellkern, die die Aktivität von Stoffwechsel-Genen regulieren.

Die Ergebnisse der Kölner Forscher zeigen, dass der Rezeptor NHR-62 aktiv sein muss, damit eine verringerte Kalorienzufuhr in vollem Maß lebensverlängernd wirkt: Mit aktivem NHR-62 lebt Caenorhabdititis elegans bei reduzierter Kalorienaufnahme 25 Prozent länger. „Offenbar gibt es ein unbekanntes Hormon, das die Lebensspanne über NHR-62 kontrolliert. Wenn wir dieses Hormon finden und dem Wurm verabreichen, könnten wir möglicherweise seine Lebenszeit auch ohne den Umweg über die Kalorienzufuhr verlängern“, erklärt Antebi.

Viele Kandidaten-Gene

Eine Diät hat darüber hinaus starke Auswirkungen auf die Aktivierung von Genen: Von den rund 20.000 Wurm-Genen ändern 3.000 ihre Aktivität, 600 davon werden alleine von NHR-62 reguliert. Es gibt folglich viele weitere Kandidaten-Gene, die die Lebenserwartung beeinflussen. Die Max-Planck-Forscher vermuten zudem, dass die Hormonrezeptoren nicht nur das maximale Lebensalter des Fadenwurms kontrollieren, sondern auch das des Menschen. Denn der Mensch besitzt NHR-62-ähnliche Rezeptoren, sogenannte HNF-4 alpha.

Die Ernährung beeinflusst aber die Lebensspanne auch noch auf andere Art. Eine weitere Studie der Wissenschaftler hat nämlich ergeben, dass Würmer ohne den Hormonrezeptor NHR-8 einerseits länger in einem „vorpubertären“ Jugendstadium verharren, bevor sie ausgewachsen sind. Sie sterben dann aber auch früher als Tiere mit Rezeptor. NHR-8 ist ein Rezeptor im Zellkern, der die für das Cholesterol-Gleichgewicht des Organismus zuständig ist. „Ohne ihn kann der Wurm aus dem Cholesterol nicht genügend Steroidhormone bilden und wird dadurch später geschlechtsreif. Außerdem verändert sich sein Fettstoffwechsel und seine Lebenserwartung sinkt“, sagt Antebi. Auch von NHR-8 gibt es ähnliche Varianten beim Menschen. Der Cholesterol-Stoffwechsel könnte also möglicherweise auch die körperliche Entwicklung und Lebenserwartung des Menschen beeinflussen.

Originalpublikationen:

Dietary Restriction Induced Longevity is Mediated by Nuclear Receptor NHR-62 in Caenorhabditis elegans
Adam Antebi et al.; PLoSGenetics, doi: 10.1371/journal.pgen.1003651; 2013

The NHR-8 Nuclear Receptor Regulates Cholesterol and Bile Acid Homeostasis in C. elegans
Adam Antebi et al.; Cell Metabolism, doi: 10.1016/j.cmet.2013.07.007; 2013

25 Wertungen (4.28 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Gast
Gast

Gott sei Dank sind wir ja schon etwas weiter als diese Fadenwürmer.
Übergewicht soll auch irgendwie Einfluss entfalten,
es soll da eine Drüse geben, die aus Luft Fett macht.
Die müsste man in den Griff bekommen.

mfG

#2 |
  0
Alexander Imtiaz
Alexander Imtiaz

Statine erfüllen ähnliche Kriterien.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: