Eine Frage des Wertes

25. Oktober 2018

Wir müssen den Pflegeberuf attraktiver machen, fordert die Politik. Gemeint ist damit: Den Beruf akademisieren. Ich glaube, der Pflege mangelt es grundsätzlich nicht an Attraktivität. Das eigentliche Problem ist die fehlende Wertschätzung und zwar in Form einer angemessenen Gehaltssteigerung.

Wir haben einen Mangel an Pflegekräften. Manche sprechen sogar vom Pflegenotstand. Zeit, einige grundsätzliche Überlegungen anzustellen.

Stimmen wir uns ein mit der Betrachtung eines untauglichen, wenn nicht gar zynischen Versuchs, dem Problem abhelfen zu wollen: Man möchte die Pflege attraktiver machen, indem man sie akademisiert. Ich bin der Meinung, dass es der Pflege grundsätzlich nicht an Attraktivität mangelt. Aber dazu gleich.

Viele gucken, einer schaufelt

Beim Nachdenken über das Vorhaben, die Pflege zu akademisieren, trat mir ein Poster vor Augen, das jahrelang im Büro unseres neuroradiologischen Oberarztes hing und das ich als gelungenes Beispiel gehobenen Bürohumors betrachten würde. Auf dem Poster ist einer, nennen wir ihn der Einfachheit halber Horst, zu sehen, der in einem Loch steht und schaufelt. Gleichzeitig stehen unzählige Manager mit verschiedenen Subspezialitäten um das Loch herum und überwachen den Prozeß des Schaufelns.

Überträgt man das Bild auf die Pflege, so könnte man sich vorstellen, wie eine Pflegefachkraft einen betagten Patienten in seinem Bett wendet, wäscht und wickelt, während um das Bett herum diverse Pflegewissenschaftler positioniert sind, die den Prozeß des Wendens, Wickelns und Waschens auf seine SOP-Konformität hin überwachen. Zu diesem Zweck füttern sie verschiedene hochsensitive Bewertungsinstrumente auf ihren Touch Pads mit Daten, die dann mit komplexer Statistik ausgewertet werden und zu völlig neuen Einsichten führen.

Eine Pflegekraft braucht ein gutes Gespür

Angeregt durch dieses Bild betrete ich im Geiste ein Zimmer auf einer neurologischen Station. Im Zimmer befindet sich zumeist ein besonders pflegeintensiver, weil häufig immobil und gleichzeitig kognitiv beeinträchtigter Patient. Dort sehe ich den hochbetagten Herrn Breuer mit einem frischen ischämischen Hirninfarkt. Es besteht eine mäßig ausgeprägte, armbetonte, rechtsseitige Hemiparese und eine leichte motorische Aphasie. Vorbestehend findet sich eine leichte kognitive Störung, degenerativ bedingt, als Vorstadium einer manifesten Alzheimer-Erkrankung. Insgesamt eine klassische Symptomenkonstellation.

Ich frage mich, was Herr Breuer sich von den Pflegern und Schwestern so wünscht. Ich glaube, er wünscht sich genau das, was wir uns alle wünschen. Eine aufmerksame und empathische, individuelle Nöte berücksichtigende Zuwendung in Verbindung mit exzellentem, praktisch fokussierten medizinischem Know-how. Eine Pflegekraft muss nicht die neusten Studien zum Schlaganfall kennen oder – um bei dem Krankheitsbild zu bleiben, das mittlerweile die Neurologie dominiert – auf dem aktuellen Stand der Diskussion von biophysikalischen Prozessen in der Penumbra sein. Nein, sie muss ein genaues, medizinisch unterlegtes Gespür dafür haben, wie es einem Patienten geht und wann man intervenieren muß.

Fehlende Wertschätzung: Mehr Gehalt für die Pflege

Ich erinnere mich sehr gut an die inzwischen pensionierte Schwester Chen, die in den 70er Jahre, als es auch schon einmal einen Mangel an Pflegekräften gab, aus Korea nach Berlin kam. Wenn Chen den diensthabenden Arzt anfunkte, dann gab es ein nicht aufschiebbares Problem. Sie hatte ein untrügliches Gespür für den Zustand eines Patienten. Und damit sind wir auch gleich bei des Pudels Kern. Die Diskussion anläßlich des Pflegemangels nimmt das eigentliche Problem nicht ins Visier. Dieses Problem besteht darin, dass die Essenz der pflegerischen Tätigkeit nicht ausreichend gewertschätzt wird. Diese, um einmal ganz konkret zu beginnen, muss zunächst in Geldwert stattfinden. Mit einer signifikanten Gehaltssteigerung würden sowohl Ansehen als auch Attraktivität dieses Berufs steigen.

Die in diesem Zusammenhang häufig hervorgebrachte Äußerung, eine angemessene Honorierung stelle nicht das zentrale Problem dar und man solle sich doch bitte nicht nur auf Geld fokussieren, erschließt sich mir nicht. Ich frage mich dann, warum der Pflegeberuf in dieser Frage im Vergleich zu allen anderen Berufen eine Ausnahme darstellen soll. Krankenhausärzte, um bei einem verwandten Metier zu bleiben, haben vor Jahren heftig dafür gestritten, dass eine neue Gehaltsstruktur im Krankenhaus etabliert wurde. Und Fluglotsen werden auch nicht müde, die besonderen Anforderungen ihres Berufsstandes herauszustellen.

Praktische Tätigkeiten werden weniger wertgeschätzt

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt in dieser Debatte. Die ganze Diskussion ist unehrlich: Denn praktische Tätigkeiten werden in unserer Gesellschaft insgesamt weniger wertgeschätzt; im politischen Diskurs gibt das aber niemand zu. Viel lieber betont man stattdessen die große Verbundenheit, die man mit der praktischen Sphäre spürt, forciert aber gleichzeitig die Akademisierung aller Lebensbereiche.

Wie trefflich formulierte es vor einigen Wochen ein Elektroingenieur in meiner Sprechstunde: Weder im Bachelor- noch im Masterstudium lernt man, wie man ein Kabel unter Putz verlegt. Das muss aber auch einer machen. Hier folgt häufig unmittelbar der Einwand, dass solche Tätigkeiten, wie auch die Pflege, zunehmend von kleinen wieselflinken R2D2s übernommen werden könnten. Ich habe eine nicht-repräsentative Umfrage unter meinen Freunden und Bekannten gemacht. Auch wenn alle R2D2 ziemlich süß finden, möchte sich derzeit doch niemand von ihm pflegen lassen.

74 Wertungen (4.49 ø)
Bildquelle: samchills, flickr / Lizenz: CC BY

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36 Kommentare:

Studentin der Humanmedizin

Und geht es bei dieser Erhebung überhaupt um Krankenpflege oder nicht viel mehr um Altenpflege?

#36 |
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Studentin der Humanmedizin

zu 33

Hallo Herr Müller,
haben Sie auch etwas dazu gefunden wie die Zeitumfänge der Aufgaben sich entwickelt haben?
Brauchte das Personal 2001 genauso viel zeit für Dokumentation wie 2015?
Wie hoch war der Prozentsatz der multimorbiden/pflegeaufwändigen Patienten pro Schwester/Pfleger?

Einfach zu sagen, dass sich die “Pflegesituation insgesamt verbessert” hat, nur weil zahlenmäßig mehr Pflegende pro Patient eingesetzt werden, halte ich für eine fragwürdige Interpretation von Statistik.

#35 |
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Studentin der Humanmedizin

Wie oft bleiben Pflegestellen unbesetzt, wie oft fehlen Schwestern/Pfleger auf den Stationen? Das liegt nicht an der Bezahlung, sondern daran, dass der Job sowohl körperlich als auch emotional sehr anstrengend ist. Den Anreiz durch Akademisierung erhöhen zu wollen, ist vermutlich irreführend, da es primär besserer Arbeitsbedingungen bedürfte und mehr examinierter, noch nicht vollends überarbeiteter Pflegefachkräfte, um unbesetzte Stellen wieder besetzen zu können…

#34 |
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Biologe

Laut statistischem Bundesamt haben sich die Anzahl der Pflegebedürftigen und des Pflegepersonals beinahe gleich entwickelt:
2001: Personal: 665T und Bedürftige: 2040T
2015: Personal: 1086T und Bedürftige: 2860T
Personal +63% und Bedürftige +40%

Das bedeutet, dass sich die Pflegesituation insgesamt verbessert hat. Vor 17 Jahren pflegte ein Pfleger etwas mehr als 3 Bedürftige, 2015 waren es etwas weniger als 3 Bedürftige.

Ein großes Problem der Entlohnung liegt in der hohen Teilzeitquote von gut 70%.
Auch scheint ja die Verteilung der Pflegekräfte nicht gut genug organisiert zu sein. Wenn die Berichte über zu hohe Arbeitsbelastungen stimmen, dann haben wir auch ein Problem der Verteilung der Pflegekräfte.

Nach den Daten haben wir bestimmt keinen nationalen Mangel an Fachkräften.

#33 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Zusammenfassung:

Pflgekräfte tretet der Gewerkschaft bei, organisiert Euch!

Schluss mit nur jammern und klagen!

Nehmt Eure Rechte in Anspruch!

Mit Geld lockt man Leute, mit Zufriedenheit hält man sie !

#32 |
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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Ja, Herr Ottens, sie haben recht dass wir uns mehr für uns selbst einsetzen müssen! Viele sind dazu zu bequem oder fürchten etwaige Folgen.
Ein Beispiel: 90% der Pflegenden auf unserer Station scheuen sich durchzusetzen dass die Umziehzeit zur Arbeitszeit gehört.
Die Pflegedienstleitungen stehen nicht hinter uns und sagen dies sei zu teuer. Unsere eigene Berufsgruppe torpediert uns.
Ich mache es trotzdem – ohne Folgen, denn es ist gesetzlich so geregelt!

Ich wünsche mir dass ALLE Vorgesetzten hinter uns stehen (ja, es gibt so Häuser!!) und die Politik auffordern die Krankenhausfinanzierung so zu gestalten dass wir auch das bekommen was uns gesetzlich zusteht.
Die müssten wöchentlich in Berlin ordentlich Radau machen. Statt dessen wird bei uns gespart, gekürzt und geschummelt..

Wenn alle Pflegenden in Deutschland das durchsetzen was uns von Gesetzes wegen zusteht (Umziehzeiten, Pausen die auch Pausen sind etc.) würde die ganze Pflege zusammenbrechen.

Und zum Gehalt: Wenn ich hier lese es läge nicht am Gehalt, dann kommt die Galle hoch! Typisch Pflege!
Geringschätzung der eigenen Arbeit!!!!!! Wochenenden, Feiertagsdienst, Schichtdienst, Überstunden, psychische Belastung (Konfrontation mit Hetze, Druck und Stress, Leid, Schicksalen, Schmerz, Tod -> das macht doch was mit uns), Nachtschichten die gewisse Krankheitsrisiken massiv erhöhen.

Vor 30 traten erstmals Forderung für eine Pflegekammer auf. Politisch wird seit dem fein geblockt.
Die Ausbildung wird verschlechtert: Alle in einen Topf! Keiner kann mehr was richtig, siehe Kinderkrankenschwester (besser wäre Päd. Pflegefachkraft), Altenpflege (Ger. Pflegefachkraft) usw.
Weiterbildungen müssen so gut sein dass sie auch zu mehr Gehalt führen, und nicht nur 50€ mehr.

Ärzte/ Ärztegesellschaften blockieren zu einem großen Teil die Weiterentwicklung der Pflege und lt. eines Kommentars sind wir ja immer noch die Bettpfannenschieber, kommt jedoch ein neuer Arztkollege sind wir gut genug ihm in so mancher Hinsicht zu unterstützen weil niemand da ist der ihn ordentlich einarbeitet).

Jeder von uns Pflegenden hat Freunde und einen Bekanntenkreis. Unsere Arbeitsbedingungen samt schlechter Bezahlung zieht Kreise und Kreise. Das bekommen mehr Menschen mit als wir uns vorstellen.
In unserer Gesellschaft geht die Wertschätzung über die Bezahlung – und nur bei uns soll das nicht so sein?

Über die Rente möchte ich gar nicht mehr schreiben!

#31 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Dem Kollegen Hofmann kann ich in Bezug auf Selbst-Wertschätzung nur zustimmen. Leider sind es immer wieder die Pflegenden selbst, die ihren Weg zur Selbstbestimmung und Wertschätzung verbauen. Dabei sollte bei aufmerksamer Lektüre der Kommentare der Nicht-Pflegekräfte auch die/ der Letzte begreifen, wie sehr die Pflege fremdbestimmt wird. Wer, wenn nicht wir Pflegefachleute, weiß den was “Pflege” braucht und was “Pflege” kann. Ich möchte das Geschrei der Ärztelobby und -standesvertretungen nicht hören, wenn wir Pflegeleute denen erzählen würden, was sie lernen und wissen müssen und ob sie es an der Uni oder einer Berufsfachschule lernen sollen. Allerdings ist der Organisationsgrad in der Pflege mehr als bescheiden, eine Lobby gibt es schon garnicht. Berufsverbände, Gewerkschaften und Fachgesellschaften könnten sicherlich noch weit mehr Engagement von Pflegeleuten gebrauchen um die gemeinsamen Interessen durchzusetzen. Durch jammern und klagen ändern wir garnichts. Wollt ihr mehr Gehalt, dann werdet Mitglied in einer Gewerkschaft und unterstützt sie konsequent, dann kann sie auch entsprechende Tarifverhalndlungen führen. Werdet doch endlich Mitglieder in Parteien, Fachgesellschaften und Berufsverbänden. Organisiert Euch endlich! Es gibt viel zu verbessern in der Pflege in Deutschland. Bessere Arbeitsbedingungen bekommt man nicht geschenkt, die muss man sich erstreiten. Zwar auch jede/r Einzelne von uns in ihrer/seiner Position, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft, ganz bestimmt aber in einer starken Gemeinschaft, denn die großen Veränderungen und Verbesserungen in und für die Pflege bekommen wir nur, wenn wir endlich lernen alle an einem Strang zu ziehen.

#30 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ich arbeite seit einem Vierteljahrhundert in der Intensivpflege. Ich beobachte in diesem Zeitraum einen progredienten Abbau des Gehaltes, wenn man es mit der jährlichen Inflationsrate gegenzeichnet und durch versteckte Lohnkürzungen durch Zunahme der Wochenarbeitszeit seitens der Arbeitgeber. Außerdem ebenfalls rapide ansteigend sind die Erwartungen, Forderungen und Arbeitsaufwand.

Um Personal in den Beruf zurück zu holen, die resigniert diesem Beruf den Rücken gekehrt haben bedarf es m.E. einer guten Gehaltssteigerung, die sich weitab von den üblichen 3% oder ähnlichem bewegt.

Darüber hinaus muss man die Arbeitsbedingungen verbessern. Das geht erstmal nur über realistische Personaleinstellungen, um den Pflegeschlüssel zu verbessern. Im Moment ist es doch in den meisten Bereichen ein eklatanter Missstand im Pflege/Patienten Verhältnis.

Um das gute alte Manager Zitat in den Ring zu werfen:
Mit Geld lockt man Leute, mit Zufriedenheit hält man sie !

Die Kommentare von Heilpraktikern, Pflegewissenschaftlern und ähnlichen Berufsgruppen werde ich an dieser Stelle nicht bewerten.

#29 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Nochmal kurz nachdem ich die weiteren Kommentare nach meinem gelesen habe.
– Nein, in der Pfege sammeln sich schon lange keine Helfersyndrimler mehr!
– Die meisten die den Krankenpflegeberuf erlernt haben verlassen ihn nicht wegen der schlechten Bezahlung sondern wegen der schlechetn Rahmenbedingungen!
– Mir ist der Pflegenotstand sehr wohl bekannt. In meiner Klinik war es aber tatsächlich schon öfter so, dass es tolle Bewerber gab die man auch gerne eingestellt hätte, aber da andere Berufsgruppen der PDL übergeordnet sind und von wieder anderen Managern obendrüber (die nur die Gewine im Blick haben) eben solche Entscheidungen getroffen haben, war es immer wieder ein Schlag ins Gesicht für die Pflege!!!

#28 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Herzlichen Dank für die zutreffenden Kommentare der KollegInnen aus der Pflege.
Ja, außer monetärer Wertschätzung fehlt ein Peronalschlüssel wie z.B. 5 – 8 Patienten pro Fachpflegekraft auf perpheren Stationen, IMC/ITS 2 Pat.
In jeder Schicht.
Keinen Nachtdienst mehr alleine. U.vm.
Entlastungsanzeigen werden manchmal nicht geschrieben aus Resignation oder Angst vor negativen Konsequenzen, das ist fatal.
Brauchen wir einen Schutz für Whistleblower im Pflegebereich??
Alle in der Pflege leisten Arbeit oft über ihre Grenzen hinaus… wie lange noch?

#27 |
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Anästhesiepfleger

@Thomas Günther
was hat gutes Wirtschaften mit Pflege zu tun?
Ich brauche kein Pflegestudium um gut zu wirtschaften, evtl. brauche ich eine wirtschaftlich geschulte Kraft als Organisator auf jeder Station, die muss aber keine Ahnung von Pflege haben, solange sie im Gesprach mit den Pflegenden ist.
Was ist an dem, Praktikum des Medizinstudenten nicht veständlich?

#26 |
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Anästhesiepfleger

@Thomas Günther
was gutes Wirtschaften mit Pflege zu tun?
Ich brauche kein Pflegestudium um gut zu wirtschaften, evtl. brauche ich eine wirtschaftlich geschulte Kraft als Organisator auf jeder Station, die muss aber keine Ahnung von Pflege haben, solange sie im Gesprach mit den Pflegenden ist.
Was ist an dem, Praktikum des Medizinstudenten nicht veständlich?

#25 |
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Weitere medizinische Berufe

@Rigobert Hofmann

ausgezeichneter Kommentar, so sehe ich das auch.
Vielleicht fühlen sich auch und gerade Menschen, die zwar gerne helfen wollen, aber kein Gefühl für den eigenen Wert und die eigene Leistung haben, zu diesem Beruf hingezogen.
Es sind dann wohl auch diese, die sich aufopfern bis zum Zusammenbruch.

#24 |
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Rigobert Hofmann
Rigobert Hofmann

Ich bin wirklich entsetzt darüber, was ich hier teilweise an Kommentaren lese. Und es entspricht leider dem, was ich über viele Jahre als Krankenpfleger und engagierter Betriebsrat erlebt habe. Deshalb ein weiterer Kommentar von mir. Es gibt in der Pflege eine große Fraktion, die in meinen Augen Verbesserungen selbst im Wege steht. Sie fällt den Bemühungen um mehr Wertschätzung, die sich sehr wohl auch deutlich im Gehalt niederschlagen muss, in den Rücken. Überlegt Euch vielleicht mal, ob ihr selbst eure eigene Leistung wertschätzt, wenn ihr mit “es braucht nicht mehr Gehalt” um die Ecke kommt. Es geht hier um eine objektive Wertung der Leistung, die erbracht wird, wozu auch die Verantwortung gehört, die getragen wird. Würdet ihr mit eurer sozialen Einstellung anderen Berufsgruppen wie z. B. Erzieherinnen genauso sagen “Ihr braucht nicht mehr Geld, ihr braucht nur bessere Arbeitsbedingungen”? Was glaubt ihr, warum es zu wenige Erzieherinnen gibt? Sorry, eure Kommentare hier sind sicher gut gemeint, aber in der Sache völlig kontraproduktiv. Ein Dr. Lüschow unterstützt mit seinem Artikel die Pflege und wird dafür dann kritisiert? Liegt es daran, dass die Pflege ein Frauenberuf ist, liegt es daran, dass Menschen aufgrund ihrer sozialen Ader diesen Beruf ergreifen? Bitte, bitte macht euch mal Gedanken über eure eigene Wertschätzung euch selbst gegenüber. Das Gehalt sollte objektiv im Vergleich mit anderen Berufsgruppen betrachtet werden und ist, wie hier schon erwähnt, auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Noch ein Wort zu den Pflegewissenschaftlern: Natürliche werden sie gebraucht. Ich erwarte aber, dass Pflegewissenschaftler auch die Arbeitssituation an der Basis sehen und erkennen können, dass unter schwierigen Arbeitsbedingungen zusätzliche Qualitätsanforderungen die Situation verschärfen. Die Frage ist, was überhaupt noch leistbar ist! Und so warte ich darauf, dass Pflegewissenschaftler uneingeschränkt ein deutliches Signal senden, dass sich auch am Gehalt deutlich etwas ändern muss.

#23 |
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Weitere medizinische Berufe

Schade, gibt es keine Korrekturmöglichkeit. Sorry, Flüchtigkeitsfehler.

#22 |
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Weitere medizinische Berufe

@Thomas Günther

“Mit Alten und Kranken macht man keine Geschäfte”
Ehrenvoll , dieser Grundsatz, aber leider gibt es heute viele private Organsisationen, die genau das wollen, zumindest in der CH ist es so.

Für alle Idealisten aus dem Beruf: nein, Geld ist nicht das Wichtigste, aber es gehört zur Wertschätzung dazu, dass man für dieses verantwortungsvollen, heute weit über das “Bettpfanne unterschieben” hinaus geht, wie hier eindrücklich beschrieben wurde.

Eindrücklich im Dok
“Kranke Pflege – Alexander Jorde kämpft für einen Neustart” ARD Mediathek wie die Pfleger in Norwegen ( gegen Ende des Films ) die sich wertgeschätzt fühlen und geren pflegen durch einen richtigen Personalschlüssel u n d eine anständige Bezahlung.

#21 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Die Legende von der Erschaffung der Krankenschwester

Als der liebe Gott die Krankenschwester schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden.
Da erschien ein Engel und sagte: „ Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur!“ Der liebe Gott antwortete: „ Hast Du die lange Liste der speziellen Wünsche auf der Bestellung gesehen?
Sie soll als Mann und Frau lieferbar sein, wartungsfrei und leicht zu desinfizieren, aber nicht aus Plastik, sie soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Rücken, auf dem sich alles abladen lässt, dabei aber so zierlich, dass sie sich in viel zu kleinen Dienstzimmern wohlfühlen kann. Sie muss fünf Dinge zur gleichen Zeit tun können und soll dabei immer noch eine Hand frei haben.“
Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: „ Sechs Hände, das wird kaum gehen!“
„ Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen“, sagte der liebe Gott, „ aber die drei Paar Augen, die schon das Standardmodell haben soll: ein Paar, das nachts durch alle Wände sehen kann, damit eine Nachtwache zwei Stationen betreuen kann, ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was man vor ihr verbergen möchte, was sie aber unbedingt wissen muss, und natürlich das eine hier vorn, mit dem sie einen Patienten ansehen kann uns ihm bedeutet: „ Ich verstehe sie und bin für Sie da“, ohne dass sie ein Wort sprechen muss“
Der Engel zupfte ihn leicht am Ärmel und sagte: „ Geht schlafen Herr und macht morgen weiter.“- „ Ich kann nicht“, sagte der liebe Gott. „ Ich habe bereits geschafft, dass sie fast nie krank wird, und wenn, dann heilt sie sich selber; sie kann begreifen, dass zehn Doppelzimmer 40 Patienten bedeuten kann, aber zehn Stellen oft nur 5 Schwestern sind; sie hat Freude an einem Beruf, der alles fordert und schlecht bezahlt wird, sie kann mit Schaukelschichten leben und kommt mit wenigen freien Wochenenden aus.“
Der Engel ging langsam um das Modell der Krankenschwester herum: „ Das Material ist zu weich“, seufzte er. „ Aber dafür zäh“, entgegnete der liebe Gott. „ Du glaubst gar nicht, was es alles aushält!“ – „ Kann sie denken?“ – „ Nicht nur denken, sondern auch urteilen und Kompromisse schließen“, sagte der liebe Gott.
Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. „ Da ist ein Leck“, sagte er. „ Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht zu viel in das Modell hineinzupacken.“ – „ Das ist kein Leck, das ist eine Träne!“ – „ Wofür ist die?“- „ Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit“, sagte der liebe Gott versonnen, „ die Träne – die Träne ist das Überlaufventil!“

#20 |
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Medizinische Dokumentarin

Im Grunde bräuchte es nicht einmal die Gehaltssteigerung. Eine Senkung der Steuern wäre schon völlig ausreichend. Geld wäre vorhanden, just der Staat weigert sich.

#19 |
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Nichtmedizinische Berufe

Außerdem
war ich mal im Krankenhaus,und ein junger Mann hatte ein volluriniertes Bett neu zu überziehen:
Er sagte, er mache hier sein Praktikum im Medizinstudium in Pflege.
Verwunderte mich darüber.War so.

#18 |
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Nichtmedizinische Berufe

Eine Akademisierung im Pflegeberuf befürchte ich nicht:Das ist eine Sache für die Oberschwester, für die Pflegeleitung. Dass hier alles immer optimierter durchorgansiert zu sein hat, dürfte allseits klar sein.So eine logistische Straffung tut zumal bei nahezu schmerzendem Personalmangel, der mit einer krankrmachenden Erhöhung abwendbaren Stresses einhergeht, wirklich not.
Ich persönlich z.B. war mal zuhöchst verwundert, dass eine Mitschülerin von mir, die übrigens ein seltenes jungfräuliches “Käpsele” in Mathematik war( die meisten Mädchen waren doch schlecht in Mathe-die aber hellflink ), sich dazu entschied, mit Abitur Krankenschwester zu werden:Für mich ein sehr großes mysterium fascinosum schon immer gewesen.Die idealistische,caritativ-soziale, von Nächstenliebe geprägte Seite eines solchen Berufes wird nicht einfach durch einen besseren Verdienst erworben werden können.Aber das richtige Wirtschaften ist ebenso materiell eine absolute Grundlage zur gelingenden Subsistenz im Einen Sein Aller.

#17 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Selbstverständlich brauchen wir die Pflegewissenschaft, sonst wären wir heute noch beim “Eisen + Fönen”. Aber Pflegewissenschaftler ersetzen nicht die Basis, die Pflege auf Station und am Patienten. Und bei dieser Pflege immer noch das Unterschieben der Bettpfanne hervorzuheben (@#1) zeugt von Unwissenheit und ist unverschämt. Selbstverständlich unterstützen wir auch bei den Ausscheidungen. Aber wir übernehmen auch verantwortlich die Wundversorgung, entwöhnen Patienten von Beatmungsgeräten, steuern das Nierenersatzverfahren, bringen Frischoperierte sicher aus dem Bett um Pneumonien vorzubeugen und das mit diversesten Kabeln und Drainagen usw. Genau diese Reduktion auf satt und sauber zeigt das Problem. Keiner weiß was Pflege macht und leistet, eine Lobby für uns ist nicht vorhanden.
Und selbstverständlich hilft hier nur eine deutliche Gehaltssteigerung (nicht die üblichen 2-5% Tarifsteigerung). Ein Beruf wird attraktiv unter anderem durch seine Bezahlung. Hohe Bezahlung = hohe Anerkennung. Hohe Bezahlung = viel mehr Interessenten für diesen Beruf. Und wenn wir endlich mal wieder viele Pflegekräfte hätten, die sehr gut bezahlt werden, dann kann es auch weitergehen mit besseren Arbeitsbedingungen, kürzeren Schichten, mehr Freitagen/ Urlaub zur Erholung, was auch immer. Solange uns die Pflegekräfte fehlen, werden sich die Arbeitsbedingungen nicht ändern.
Und Schwester Anette Latka, es ist mitnichten so, das Kliniken nicht einstellen um zu sparen. Es gibt schlicht keine Pflegekräfte, die eingestellt werden könnten.
In der freien Wirtschaft wären die Gehälter für einen Fachkräftemangelberuf sicher längst nach oben geschnellt, nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Nur in unserem DRG-gesteuerten Gesundheitssystem wird es das nicht geben. Wir arbeiten in einem budgetierten System. Es ist Summe x zur Verfügung für Gesundheit und darum buhlen alle Wettbewerber. Solange es dieses DRG finanzierte Gesundheitssystem gibt, wird sich nichts ändern. Und ob die Politik da mal rangeht? Ich bezweifle es.

#16 |
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Altenpflegerin

Guten Abend Zusammen,
zunächst möchte ich mich bedanken für die vielen, sehr zutreffenden Beiträge über Pflegekräfte, möchte gerne aber noch etwas hinzufügen.
Mehr Geld ist zwar nicht zu verachten, aber ein paar weitere Hände oder in meiner Mitte einen Reißverschluss kann ich mir davon auch nicht zulegen.
Was sich meines Erachtens zuerst ändern muss ist die Vorstellung dessen, was meinen Arbeitsalltag ausmacht, in den Köpfen der Menschen.
Natürlich benötige ich kein Abitur ( habe ich auch nicht), um eine Urinflasche anzulegen oder eine Schüssel unterzuschieben. Das kann man sogar pfiffigen Heilpraktikern beibringen *zwinker*.
Ich arbeite in der vollstationären Pflege ausschließlich für Menschen mit fortgeschrittener Demenz.
Heißt in Klartext:
1. Habe ich keinen Arzt im Dienstzimmer sitzen
2. Habe ich ein Gegenüber, was zwar nonverbale Zeichen gibt, aber nicht sagen kann, das Wasserlassen brennt mir oder ich kann nicht abführen, habe Bauchweh.
3. Benötige ich eine lückenlose Dokumentation der Vorschichten, welche Aussagen dazu trifft, ob und wie viel Flüssigkeit mein Bewohner zu sich genommen hat, ob und wann er abgeführt hat
4. Brauche ich das Wissen darum, was welche Farbveränderung ich sehe, welcher Geruch mir entgegen kommt, welche Grunderkrankungen liegen vor, welche Dauermedikation erhält derjenige
5. Muss mir der Umgang mit einem Stethoskop vertraut sein, denn ich könnte ja nebenbei mal eben kontrollieren, ob ich Darmgeräusche hören kann
6. Zu wissen, was es zum Mittagessen gab, ist auch nicht falsch, könnte ja Spargelzeit sein
7. Und ein Bauchgefühl dafür zu bemerken, dem geht es nicht gut, da ist etwas faul, was bedingt, ich kenne meinen kognitiv und kommunikativ stark eingeschränkten Bewohner ausgezeichnet.
8. Dann treffe ich nämlich die Entscheidung, ob ich einen Hausarzt/Bereitschaftsarzt oder den Notarzt informiere oder doch erst bei Frau Müller die Bluse wechsele, weil die Tochter meinte, es sei eine Frechheit, dass ihre Mutter 15 Minuten nach einer Mahlzeit immer noch die Bluse mit Soßenfleck trägt.
9. Wenn ich Pech habe, hat mir mein dementer Bewohner mit unerkannten Schmerzen derweil einen deftigen Kinnhaken verpasst.
Krasse Worte, aber dies war nur ein ganz winziger Ausschnitt dessen, was täglich innerhalb weniger Minuten jede Fachkraft erlebt. Die absolut unersetzbaren Pflegehelfer trifft es noch härter, die müssen nämlich ohne jegliche Ausbildung feststellen, oh oh, lieber mal die Fachkraft rufen und sich notfalls anhören, was willst du nun schon wieder.

Für mich bedeuten die wenigen Worte oben, dass sich die Vorstellung der breiten Masse unserer Mitbürger in Bezug auf den Arbeitsalltag von Pflegekräften ändern muss. Vielleicht sollten Politiker zu Beginn ihrer Karriere ein Pflichtpraktikum in der Pflege ableisten……

#15 |
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Nichtmedizinische Berufe

Vor gut 30-40 Jahren hatte, wer Altenpflege lernen wollte, zumeist noch ein nicht geringes (mehrere hundert Mark) monatliches Schulgeld zu zahlen (wohl längst Vergangenheit).Historisch-traditionell sind Hospitäler caritativ-barmherzige Einrichtungen.Für mich galt der von mir gebildete absolute Grundsatz:Mit Alten und Kranken macht man keine Geschäfte.Wer gut verdienen will, oder gar reich werden, sollte sich einen anderen Beruf bzw. anderen Geschäftsbreich erwählen.
Und ich sehe dies so: Unterbezahlt will keiner sein.Allgeimein überall und immer.Aber nur mehr Geld könnte eine kurzfristige Ausgleichung für die immer stärker und stressiger (wie -nicht nicht nur wie, sondern als Akkordleistungen, die zur Zeit abverlangt werden durch Unterbesetzung an Personal) zwar erbringen, doch wer ständig überfordert wird, ist sehr gequält und muß zusehen, dass er nicht selbst erkrankt.Mehr Geld ist da noch nicht immer ein befriedigender Ausgleich.Es wird im Pflegeberuf das Höchstangesehene eben immer bleiben:Das Opfer, der hingebungsvolle Dienst, die Nächstenliebe:Alles geistliche höchste und als allerhöchste Werte zu erkennende und wertzuschätzende Werte in ihrem nahezu oder geradezu göttlichen Leuchten.Das habe ich immer geschätzt.Dass alles gut wirtschaften muss, setze ich voraus.

#14 |
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Katja Herter
Katja Herter

Dieser Text macht mich sprachlos.

Bei allem guten Willen:
Schuster bleib bei deinen Leisten.
Der Text hier ist ungefähr so, wie der Versuch eines Pflegehelfers einen neurochirurgischen Eingriff bewerten oder gar durchführen zu können, weil er ja schon mal dabeigestanden hat.
Sieht easy aus, schnipp schnapp, Patient gerettet.

Ungefähr genau so ist es, wenn jemand (sicher mit guter Intention) Texte wie diesen verfasst.
Herr Lüschow, verzeihen sie mir die direkte Ausdrucksweise, aber sie haben in Punkto Pflege offensichtlich nicht mal rudimentäre Qualifikationen.
Das sollten sie eventuell nachholen, bevor Sie Texte darüber verfassen.

#13 |
  13
Barbara Götten
Barbara Götten

Es ist doch immer wieder schade, dass gerade Ärzte die Akademisierung belächeln. Geht es doch um die in Beitrag #4 genannten Punkte. Mit, im internationalen Vergleich, wirklich geringer Anzahl an Pflegewissenschaftlern. Es geht doch auch darum pflegerische Handeln zu reflektieren und zu verbessern.
Würden wir dies nicht anstreben, könnten wir heute noch eisen und föhnen und uns auf die Schulter klopfen.
In der Medizin werden Millionen für Forschung ausgegeben und hier wird das Streben nach mehr Forschung belächelt.

Wenig anerkennend und wertschätzend.

Was die Attraktivitätssteigerung angeht ist mehr Geld sicher eine Lösung. Allerdings nicht langfristig. Jemand der heute mehr Geld bekommt ist in 3 Jahren darüber trotzdem wieder unzufrieden.
Ich mache die Erfahrung, dass gerade junge Kollegen wesentlich mehr (gesunden) Wert auf Ausgeglichenheit von Privat- und Arbeitsleben legen. Wenige die ich kenne arbeiten Vollzeit, nehmen also weniger Geld in Kauf zugunsten eines besseren Privatlebens. Also ja, z. B. gleiches Gehalt bei geringerer Arbeitszeit, früherer Renteneintritt, flexiblere Schichtmodelle, …

Auch ist vielen eine Weiterentwicklung ihrer Qualifikation wichtig. Wertschätzung durch die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Platz und Zeit seine Qualifikationen einzubringen und in seiner Fachlichkeit ernst genommen zu werden.

Zum Wenden, Waschen und Wickeln benötigt man keine Fachkraft.
Hinter Wenden, Waschen und Wickeln stecken noch wesentlich mehr Ebenen.

Ebenso korrekt ist, dass vieles an Motivation verloren geht, wenn man als Pflegekraft in einem profitorientiertem System arbeitet. Wenn es nur noch um Fallzahlen, DRGs, mittlere Verweildauer oder Belegungsstatistiken geht. Wenn der Mensch (Patient, Bewohner, Kunde) nicht mehr Mittelpunkt der Handlung ist sondern die Gewinnoptimierung.

Ein Ernst nehmen von Überlastung wäre auch häufig angebracht. Verpflichtende Stellenschlüssel, Schließung von Betten bei Unterbesetzung, Aufnahmestopps, und und und

Also, alles nur aufs Geld zu schieben wäre doch eine recht seichte Betrachtung der Situation.

#12 |
  4
Anästhesieschwester

Wenn ich endlich die Pflege machen dürfte, die ich mal gelernt habe, dann wäre schon viel geholfen. Ich möchte für Patienten da sein, die Hilfe benötigen. Nicht am PC sitzen, den Xten Zettel ausfüllen, unendliche Telefonate führen usw.
Am schlimmsten finde ich dann noch die “studierte Pflege”, in meinen Augen die, die auf Station nicht zurecht kamen und dir dann erzählen wollen, wie du zu arbeiten hast.
Ja, es geht einfach um Rahmenbedingungen, die verbessert werden müßen. Wer gut ist, der sollte entsprechend seiner Fähig- und Fertigkeiten auch so eingesetzt werden, dann hat er Freude an der Arbeit und die überträgt sich auch auf Patienten und Mitarbeiter.
Fragt doch mal nach, was geändert werden könnte, ich meine, es müßen nicht zwangsläüfig höhere Gehälter sein. Könnte es nicht auch die 7Stunden Schicht sein, oder ein herabgesetztes Renteneintrittsalter, oder eine betriebliche Zusatzrente, oder die Pausenzeit, die als Arbeitszeit gilt. Die Liste läßt sich beliebig verlängern. Einfach dem Volk auf’s Maul schauen und nicht nur Reden halten!

#11 |
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Heilpraktiker

… und “Urinal, Schüssel, wickeln, wenden, waschen” : ohne Worte!

#10 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

#1) Herr Wagner, Herr Wagner! Was haben Sie denn für eine überalterte Vorstellung was Pflege im Job tut und für Aufgaben hat!!!!Zitat aus Ihrem Beitrag: “Damit die Pflegekraft das Urinal oder die Schüssel richtig unterschiebt, braucht es mit Sicherheit weder Abitur noch Uni-Abschluss.” Ich bin entsetzt!!! Bei Äußerungen wie dieser fängt doch die mangelnde Wertschätzung der Pflege schon an!!! Vielleich sollten Sie mal bei der Pflege hospitieren um sich einen wirklichen Einblick zu verschaffen!! Unsere Ausbildung die aus 6 Semstern besteht und mit einem Staatsexamen (Schriftlich, mündlich, praktisch) abschließt ist mit Sicherheit umfänglicher als eine Heilpraktikerausbildung. Das Problem sind die Bedingungen: Aus Kostengründen wird bei der Pflege gespart. Selbst wenn es gute Bewerber gibt werden keine eingestellt weil gespart werden soll. Dafür arbeiten viele Stationen in der Unteresetzung wie ja auch die jüngste diesbezügliche Verdi-Erhebung vor den letzten Tarifverhandlungen ergab. Ein weiteres Problem das uns von allen anderen Berufsgruppen in Kliniken unterscheidet: Ist ein Arzt oder Therapeut oder Psychologe/Sozialdienst erkrankt dann entfallen eben die geplanten Gruppen/ Einzelgespräche/ Schreiben von Anträgen etc. und es geht damit erst weiter wenn er wieder im Dienst ist. Ärzte werden dabei von auch oft unterbesetzten anderen Stationen vertreten in den aller notwendigsten Dingen, denn niemand kann für 2 arbeiten! Fällt von der Pflege jemand aus, so muss ein anderer Pflegender aus dem Frei geholt werden weil die Unterbesetzungen auf der einen Seite und die Überbelegung auf der anderen Seite es bei eh schon ausgezehrtem Personal nicht mehr möglich macht mit noch wenigre Personal die Patienten versorgen zu können. Klar verdienen wir nicht die Welt, aber was es richtig, richtig übel macht ist die Unterbesetzung! @ Prof. Dr. Bernd Reuschenbach (#4): Danke für Ihre deutliche Darstellung. Und liebe Kollegen aus der Pflege, schreibt hier was und lasst nicht immer nur die anderen über unsere schlechten Bedingungen und unsere Bezahlung reden und schreiben!

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Rigobert Hofmann
Rigobert Hofmann

In meinen Augen kann man Herrn Dr. Lüschow nur in allen Belangen zustimmen. Ich habe etwa 20 Jahre als Krankenpfleger, bzw. in der Pflege gearbeitet. In diesem Beruf wird zumeist eine Höchstleistung erbracht, anderswo gibt es für sowas Akkordlöhne. Ich kann mich noch gut an den Lokführerstreik für höhere Gehälter erinnern, bei dem mit der hohen Verantwortung für das Leben der Fahrgäste, etc. argumentiert worden ist. Und die Pflege? Darf man sich nicht mit anderen Berufsgruppen vergleichen und angesichts der Verantwortung und der hohen Arbeitsbelastung ein angemessenes Gehalt erwarten? Es ist tragisch, dass es immer wieder viele Kollegen sind, die einem in den Rücken fallen, wenn z. B. höhere Gehälter gefofrdert werden. Ich war als Betreibsratsvorsitzender an einer Klinik tätig und habe erleben müssen, dass eine große Zahl der Pflegekräfte dem Betriebsrat in den Rücken fiel, bloß weil der forderte, dass Überstunden bezahlt werden, und zwar so, wie es im Tarifvertrag geregelt war! Wer glaubt, man könne Arbeitsbedingungen verbessern, wenn man einfach nur den Stellenschlüssel verbessert, hat den Schuß nicht gehört. Um mehr Pflegekräfte für höhere Pflegeschlüssel bekommen zu können, muss das Gehalt und damit die Attraktivität stimmen. Das ist unabdingbar! Junge Leute, die sich für einen Beruf entscheiden, ticken heute anders. Für Gotteslohn war gestern. Und, ach ja, die Pflegewissenschaftler … Als Pflegekraft Formulare für Studien ausfüllen trotz hoher Arbeitsbelastung, wunderbar. Und als Lohn wird dann ein neuer wissenschaftlicher Standard durchs Dorf getrieben, den man dann unter der Überschrift “Qualität” oder “Wissenschaftlichkeit” erfüllen soll. Wie wäre es, wenn Pflegewissenschaftler sich mal erinnerten wo sie herkommen und die Menschen unterstützen, die ihnen manche Studie ermöglichen?

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Heilpraktiker

Treffend formuliert Herr Reuschenbach! Ich arbeite seit 20 Jahren als Krankenpfleger und kann die Äußerungen des Autors weder nachvollziehen noch bestätigen – Wir brauchen nicht mehr Geld, sondern mehr Zeit und Kollegen; das ist der von mir wahrgenommene Tenor! Wie kommen Sie auf die Vermutung, dass eine Attraktivitätssteigerung durch Akademisierung erreicht werden soll?

#7 |
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Medizininformatiker

Ein Beruf kommt von Berufung um darin alt werden zu können. Dazu ist wichtig das man von dem Verdienst leben kann und mit Leben sind auch die Arbeitsbedingungen gemeint. Solche Berufe die das erfüllen sind attraktiver als die wo man noch erhänzungsleistungen beantragen muss. Da hilft auch kein Studium, das hilft nur den Wasserköpfen die irgendwas studiert haben was keiner Braucht um sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung des Pflegeberufs eine gut und besser bezahlte Daseinsberechtigung zu schaffen.

Im übrigen wird das gesamte Gesundheitssystem känkeln solange damit Renditen wichtiger gestellt sind wie das Wohl der Bevölkerung und der Patienten. Im europäischen Ausland gibts genug Beispiele für gute Systeme und komischerweise finden sich dort auch immer mehr zufriedene Deutsche in den Gesundheitsberufen.

#6 |
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Wenn unser Gesundheitssystem wieder mehr den Fokus auf das menschliche legt, das Wohl des Patienten und weniger auf das Geld, dann wird der Beruf, denke ich, auch wieder attraktiver!

#5 |
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Pflegewissenschaftler

Ein wesentliches Problem der Pflege ist sicherlich die historisch gewachsene Überfremdung durch andere Berufsgruppe. Dies offenbart sich auch darin, dass Personen glauben über Pflegewissenschaft und Pflegepolitik schreiben zu können, ohne dies alles ausreichend zu kennen. Der Beitrag ist ein Beispiel dafür. Daher einige Richtigstellungen:
(1) Die Akademisierung begründet sich primär in den veränderten Versorgungsanforderungen, nicht in der Attraktivitätssteigerung.
(2) Die knapp 70 Pflegestudiengänge bilden für die Praxis aus – also für die Grube – wie das der obige Beitrag so abschätzig bezeichnet. Wenn es im Gesundheitssystem randständige Befehlsgeber gibt, dann sind es meist pflegefremde Berufsgruppen.
(3) Die Chance auf einen Pflegeakademiker oder eine Pflegeakademikerin zu trefffen sind leider noch sehr gering (unter 1%), daher existieren viele Vorstellungen und Fehleindrücke, die mit der Realität wenig zu tun haben. So wie auch der Beitrag oben.
Es ist immer wieder putztig zu sehen, wie sich nicht-pflegerische Assiszenzgruppe bemühen, über die Pflege zu schreiben. Umgekehrt findet man das kaum. Das ist Teil des Problems, begründet sich im Arztzentrismus und in historisch gewachsenen Hierachien. Aber wir arbeiten in den 70 Pflegestudiengängen daran, dass es besser wird…..

#4 |
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Weitere medizinische Berufe

Von einem Pflegenotstand zu sprechen, ist wohl nicht übertrieben.
Hier ein Krankenpfleger zur Situation:
https://www.ardmediathek.de/tv/Monitor/Krankenpfleger-gegen-Kanzlerin/Das-Erste/Video?documentId=45935492

Es gibt auch einen Dok, in dem Alexander Jorde mit einem Filmteam durch Einrichtungen geht und Pflegende interviewt. Am Ende noch in Norwegen, wohin offenbar deutsche Pflegekräfte gernen gehen , die unabhängig sind. Der Unterschied sei dramatisch: Das Gesundheitswesen unterliegt fast vollkommen der staatlichen Kontrolle, also keine privaten Institutionen, die am Patienten verdienen wollen.
Gute Personalschlüssel, guter Lohne, so macht pflegen wieder Freude, sagen die dort Angestellten.

#3 |
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Krankenpflegehelferin

Viele kommen bei Wertschätzung automatisch auf Gehaltssteigerung. Ja, Gehaltssteigerungen schon, in erster Linie aber geht es m. E. um eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

#2 |
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Heilpraktiker

Eigentlich ist dieser Aussage nichts hinzuzufügen, allenfalls kann man e1s bildhaft ergänzen, was ich hiermit versuche. Damit die Pflegekraft das Urinal oder die Schüssel richtig unterschiebt, braucht es mit Sicherheit weder Abitur noch Uni-Abschluss. Was die mittlerweile geforderte und normgerechte Dokumentation angeht, da verzweifeln selbst Akademiker zeitweise, weil man manchmal den Zweck dieser, der eigentlichen Pflege zeitstehlenden Doku nicht einzusehen in der Lage ist. Doku ist gut, solange sie nicht zum Selbstzweck verkommt. Was nützt die angeblich lückenlose Dokumentation, solange weder Pflegekraft noch Patient einen Nutzen davon haben.

#1 |
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