Radfahren verbessert das Darmmikrobiom

16. Oktober 2018

Ausdauersport verändert die Zusammensetzung der Mikrobiota im Darm auf positive Weise, so die These finnischer Forscher. Im Rahmen einer kleinen Studie beobachteten sie Veränderungen bei übergewichtigen Frauen, die sechs Wochen lang auf dem Fahrradergometer trainierten.

Ausdauerdraining modifiziert die Zusammensetzung der Darmmikrobiota auf positive Weise, fanden finnische Forscher in einer aktuellen Studie heraus. Was haben sie untersucht?

6-wöchiges Radelprogramm

Es handelte sich um ein ein Sportprogramm für 19 übergewichtige Frauen, die den Großteil des Tages über sitzend verbringen. Letztendlich wurden 17 Frauen in der Studie berücksichtigt, zwei Versuchspersonen fielen aufgrund einer Antibiotikabehandlung aus. Der BMI aller Teilnehmerinnen betrug >27.5 kg/m2. Es herrschten strikte Ausschlusskriterien hinsichtlich des allgemeinen Gesundheitszustandes, zudem hatten die Probanden in den letzten zwei Monaten vor Untersuchungsbeginn keine Antibiotika eingenommen.

Für einen Zeitraum von sechs Wochen absolvierten die Frauen drei Trainingseinheiten pro Woche an einem Fahrradergometer. Die Trainingsintensität wurde anhand der Herzfrequenz kontrolliert. Andere Lebensstil-Faktoren wie die Ernährung wurden nicht verändert, um einzig Effekte der Sport-Intervention zu beobachten. So sah das Sportprogramm im Detail aus:

  • Wochen 1 bis Woche 2: 40 Minuten stetiges Radfahren mit niedriger Intensität (unter der aeroben Schwelle)
  • Woche 3 bis Woche 4: 50 Minuten Training, davon bestand jede zweite Einheit aus drei 10-Minuten-Intervallen mit moderater Intensität (zwischen der aeroben und anaeroben Schwelle), die restliche Zeit wurde in niedriger Intensität absolviert. Die andere Trainingseinheit bestand dann nur aus Radeln in durchgehend niedriger Intensität
  • Woche 5 bis Woche 6: 60 Minuten, die Einheit inkludierte vier 10-Minuten-Intervalle von moderater Intensität, der Rest des Trainings wurde in niedriger Intensität vollzogen.

Die Trainingsintensität wurde an das individuelle Anstrengungsempfinden (dabei wird der aus der Sportmedizin bekannte RPE-Wert anhand der Borg-Skala ermittelt) und die Blut-Laktat-Werte zu Beginn des Sportprogramms angepasst.

Die Ergebnisse

Zwar konnte das Forscherteam der University of Jyväskylä keinen signifikanten Gewichtsverlust bei den Studienteilnehmern feststellen, dafür brachte das Sportprogramm andere Vorteile. Nach sechs Wochen Training verringerte sich die Zahl potenziell entzündlicher Mikroben (Proteobakterien), während die Zahl von Mikroben, die den Stoffwechsel fördern (Akkermansia), stieg.

„Wir fanden heraus, dass sich Phospholipide und Cholesterin in VLDL-Partikeln durch die Bewegung verringerten. Diese Veränderungen wirken sich positiv auf die kardiometabolische Gesundheit aus, weil VLDL Lipide von der Leber zu den peripheren Geweben transportiert. Innerhalb des Blutkreislaufs verwandelt sich das VLDL in ‚schlechtes‘ LDL-Cholesterin und hat deshalb nachteilige kardiovaskuläre Auswirkungen zur Folge,“ sagt Studienautorin Satu Pekkala in der Pressemitteilung der Universität.

Des Weiteren konnte durch das Training die Aktivität des Zelladhäsionsmolekül VAP-1 (Vascular adhesion protein 1), auch bekannt als VCAM-1 (vascular cell adhesion molecule 1) gesteigert werden. Dieses Protein der Super-Immunoglobulinfamilie kann begünstigende antientzündliche Effekte speziell auf das Gefäßsystem haben. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind allerdings noch nicht verstanden.

Die Zusammensetzung und Funktion der Darmmikrobiota wurde anhand von Sequenzierungen der 16S rRNA und des Metagenoms analysiert. Die Körperzusammensetzung wurde anhand einer Dual Energy X-ray Absorptiometry (DEXA) gemessen. Die Energiezufuhr wurde anhand von Ernährungstagebüchern erfasst.

Alle Augen auf Akkermansia

Die Gattung der Akkermansia ist immer öfter Untersuchungsgegenstand unterschiedlicher Studien: Die Autoren erwähnen in ihrer Arbeit vergangene Studien, die bereits nahelegten, dass diese Gattung des Bakterienstamms Verrucomicrobia in der Darmmikrobiota von sportlich aktiven Menschen stärker angesiedelt ist als in der Darmflora weniger sportlicher Menschen. Manche Forscher haben die Theorie, dass Akkermansia eine Schlüsselrolle beim Schutz vor Übergewicht und Diabetes spielt.

Angesichts bereits gewonnener Erkenntnisse über die positive Wirkung von Sport auf die Gesundheit des Darmmikrobioms (DocCheck berichtete) sind die vorliegenden Untersuchungsergebnisse zwar stimmig und interessant. Aussagekräftig sind sie bei einer Teilnehmerzahl von 17 Personen allerdings keineswegs. Die Autoren betonen, dass es weitere und umfassendere Studien braucht, um den Zusammenhang zwischen Mikrobiom und körperlicher Aktivität genauer zu verstehen sowie die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Akkermansia zu belegen.

18 Wertungen (4.06 ø)
Bildquelle: ranjithsiji, pixabay / Lizenz: CC0

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3 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Es geht gerade nicht um “richtigen Sport”. Damit werden dicke oder unbewegliche Menschen auch eher abgeschreckt “Das schaffe ich nie!”, als etwas für ihre Gesundheit tun zu wollen.
Man muss Leute von da abholen, wo sie sich aufhalten.
Und die gute Nachricht: Die Verbesserung des Mikrobiomes geht auch ohne Gewichtsverlust um jeden Preis

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Nichtmedizinische Berufe

Jetzt weiss ich, warum ich nach den Jogging – Einheiten immer eine Flatulenz habe.
Da wird die Flora und Fauna wohl mal so richtig gut durchgemischt.
Und es fühlt sich danach immer besser an, als vorher.
Plus die frische Luft – bombastisch!

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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Na wenns auf dem Ergometer schon so toll funktioniert, wie gut macht sich das Microbiom denn dann wohl bei “richtigem” Sport an der frischen Luft …!?

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