PJ auf die Palme gebracht

27. November 2009
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Einige Monate vor dem PJ fing ich an, mir Gedanken zu machen, welchen Fleck der Erde ich genauer unter die Lupe nehmen wollte. Das PJ war vorerst meine letzte Chance, für längere Zeit in einem fremden Land zu sein. Und warum nicht dann gleich in die Karibik fliegen?

Die Vorbereitung

Etwa 6 Monate vor Beginn meines PJs begann ich mit den Vorbereitungen. Ich wollte 2 Monate im französischsprachigen Ausland verbringen, möglichst in einer warmen Gegend, da es in Deutschland Winter war. So suchte ich stundenlang im Internet nach Adressen und Ansprechpartnern auf Tahiti, Neu-Kaledonien, Martinique und Guadeloupe. Parallel dazu informierte ich mich beim Landesprüfungsamt, welche Orte anerkannt wurden. So kam ich schnell auf Guadeloupe, wo ich mich bewarb und auch gleich eine positive Rückmeldung bekam.

Guadeloupe also, eine kleine französische Insel der Karibik, sollte für 2 Monate meine Gastheimat werden. Zielgerichtet forschte ich weiter im Internet, um Auslandsberichte oder sonstige Tipps zu erhalten, was nicht sehr leicht war. Letztendlich stieß ich doch auf die eMail-Adresse eines ehemaligen Medizinstudenten und war erleichtert, einige Tipps zu bekommen, was mich dort erwarten würde.

Die Anreise

Der Flug für war gebucht, der Koffer gepackt. So startete ich im März 2009 ins Ungewisse. Ich hatte von den Mitarbeitern der Affaires medicales (Medizinische Angelegenheiten) in Pointe-à-Pitre (Hauptstadt von Guadeloupe) erfahren, dass ich im Wohnheim des Krankenhauses wohnen könnte. Bei meiner Ankunft im Krankenhaus begab ich mich also zum Wohnheim, wo ich nicht schlecht staunte, als mich dort eine Horde deutscher PJler empfang. Es ist wohl nichts Neues und auch nichts Außergewöhnliches, dass deutsche Medizinstudenten ihr PJ auf Guadeloupe machen. Das war sehr beruhigend, da ich 1.000 Fragen hatte und genügend deutsche Studenten, die mir weiterhelfen konnten.

Das Wohnheim

Das Wohnheim war sehr einfach, aber ich hatte auch nicht viel erwartet. In meinem Zimmer hatte ich das Nötigste: ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Schrank. Es gab auch einen Aufenthaltsraum und eine kleine Küche. Das Essen wurde uns jeden Morgen, Mittag und Abend von der Krankenhauskantine geliefert. Der erste Monat war kostenlos und für die Miete des 2. Monats mussten wir lediglich 116 Euro zahlen.

Der Tagesablauf

Schnell hatte ich mich in die Gruppe der 15 deutschen PJler eingefunden. Wir unternahmen jeden Tag spannende Dinge. Schon an meinem ersten Wochenende machten wir alle zusammen einen Ausflug auf die Nachbarinsel Marie Gallante. Des Weiteren gingen wir Tauchen, im Dschungel wandern, an den Strand, auf den Markt. Es gab so viel zu sehen, dass wir uns nie langweilten. Im Krankenhaus hatten wir nie viel zu tun, sodass wir uns jeden Tag frühzeitig verabschieden konnten, um die Insel zu erkunden.

Das Krankenhaus

Das Universitätskrankenhaus CHU Pointe-à-Pitre umfasst 745 Betten aufgeteilt in Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Psychiatrie. Ich absolvierte dort 2 Monate meines Chirurgie Tertials und war in der Allgemeinchirurgie untergekommen. Dort gab es etwa 20 Betten. Jeden Tag lief eine Operation, manchmal auch zwei. Es gab viele Tumoroperationen, aber auch Cholezystektomien und Appendektomien. Eigentlich das gleiche Programm, wie in Deutschland auch, nur viel weniger. Wenn man motiviert war, konnte man assistieren. Wenn nicht, konnte man zum Strand gehen. Die Ärzte waren alle sehr nett. Dennoch gab es teilweise schockierende Aspekte vor allem der Hygiene und der postoperativen Versorgung.

Fazit

Ich hatte eine tolle Zeit auf Guadeloupe. Es war spannend, diese Insel kennen zu lernen: Die mir so fremde Kultur, der teilweise zu spürende Rassismus der Einheimischen gegenüber den Touristen, die wunderschöne vielfältige Natur. Ich habe auf dem Gebiet der Chirurgie nicht viel gelernt, dafür aber umso mehr über einen unglaublichen, traumhaften, aber auch von Armut geplagten Fleck der Erde.

Adresse

Centre Hospitalier Universitaire de Pointe-à-Pitre/Abymes
Route de Chauvel
97139 Les Abymes
Tel: 00590-(0)5 90 89 10 10

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