Organspende: Der Gewebe-Geiz greift um sich

10. September 2018

Die Zahl der Organspender ist in Deutschland auf einem historischen Tiefststand. Ein neuer Transplantationsskandal kommt genau zum falschen Zeitpunkt. Wo liegen die Schwächen im System – und wie gelingt es, das Vertrauen von Bürgern zurückzugewinnen?

Seit Jahren verringern Skandale rund um Organtransplantationen die Spendebereitschaft in Deutschland. Wurden 2010 laut Statista noch bei 1.296 Verstorbenen Organe entnommen, lag der Wert in 2017 bei 797 Fällen. Und derzeit warten mehr als 10.000 schwer kranke Menschen auf eine Leber, eine Niere, ein Herz oder eine Lunge. In den genannten Zeitraum, in dem die Spendebereitschaft sank, fiel auch der Transplantationsskandal 2010/2011. Darin waren Zentren in Göttingen, Leipzig, München und Münster verwickelt. Sie hatten systematisch falsche Patientendaten gemeldet, um Organe mit höherer Priorität zu bekommen. Und nun ein neuer Fall: Vor wenigen Tagen geriet ein Essener Klinikum in die Schusslinie. Was ist passiert?

Transplantationen ohne medizinische Notwendigkeit

Organspende1

Zahl der postmortalen Organspenden in Deutschland © Statista, Screenshot: DocCheck

Die Staatsanwaltschaft Essen beschuldigt Prof. Andreas P., den Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral- und Transplantationschirurgie, zwischen 2012 und 2015 bei sechs Patienten Lebertransplantationen ohne dringende medizinische Indikation vorgenommen zu haben. Ein Betroffener soll mittlerweile verstorben sein. Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen, wegen Totschlags in einem Fall und wegen Verstoßes gegen das Transplantationsgesetz in zwei Fällen laufen. Details nennt die Staatsanwaltschaft nicht. Sie hat etliche Patientenakten beschlagnahmt und prüft derzeit, ob weitere Ärzte beteiligt sind. Der betroffene chirurgische Leiter sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Er bestreitet Medienberichten zufolge alle Vorwürfe.

Haben Verantwortliche weggesehen?

Was wirklich überrascht: Vor mehr als einem Jahr stieß eine Prüfungs- und Überwachungskommission in Essen auf „schwerwiegende Rechtsverstöße“. Es sei „willentlich und systematisch gegen geltendes Recht verstoßen worden“. Das Gremium überwacht im Auftrag der Bundesärztekammer, des GKV-Spitzenverbands und der Deutschen Krankenhausgesellschaft, ob alle Vorgaben zur Organtransplantation eingehalten worden sind. Prof. Dr. Jochen A. Werner, Vorstandsvorsitzender am Uniklinikum Essen, bezeichnete damals die Vorwürfe in einer Meldung als „weitgehend haltlos“. Für ihn steht fest, dass „am UK-Essen zu keiner Zeit willentlich und bewusst Rechtsverstöße stattgefunden haben.“ Also stellte er sich damals hinter Andreas P. und sprach ihm sein „vollstes Vertrauen“ aus.

Das könnte Werner vielleicht schon bald bitter bereuen. Denn der genannte Untersuchungsbericht inklusive fehlender Konsequenzen war für Staatsanwälte Grund genug, Ermittlungen einzuleiten. Laut WAZ droht Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit Konsequenzen: Man prüfe, ob das Transplantationszentrum seinen Versorgungsauftrag noch wahrnehmen könne oder aus dem Krankenhausplan des Landes genommen werden müsse. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, „hätten wir es mit einem schlimmen Verbrechen zu tun“, ergänzt Laumann. Das Gesundheitsministerium habe bereits in der Vergangenheit solche Schritte in Erwägung gezogen, aber aufgrund der damaligen Faktenlage nichts unternommen.

Es geht aber nicht nur um die Bewertung des Einzelfalls in Essen, sondern um die Frage: Was muss sich in Deutschland ändern?

Lösung 1: Verantwortung in staatliche Hände legen

Seit Jahren werde beteuert, es handele sich bei Transplantationsskandalen um Einzelfälle, kommentiert Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Aber das Problem sei systemimmanent, denn „so lange der Staat nicht die Verteilung von Lebenschancen übernimmt, stolpern wir von einem Skandal in den anderen“, sagte er der FAZ. „Und die Vertrauenskrise der Bevölkerung wird immer tiefer.“

In einer Stellungnahme seiner Stiftung geht der Experte auf Schwachstellen im Transplantationssystem ein: Der Staat habe „alles unternommen, um keine Verantwortung zu übernehmen, weder bei den Richtlinien der Organentnahme noch bei der Organisation, der Verteilung oder der Aufsicht.“ Bryschs Hauptkritikpunkt: „Nach wie vor liegt alles in den Händen privater Akteure.“ Weder die Bundesärztekammer noch die Deutsche Stiftung Organtransplantation dürften über Lebenschancen entscheiden. Brysch kann sich tiefgreifende Änderungen gut vorstellen: „Um Patienten zu schützen und Gerechtigkeit herzustellen, muss das Transplantationssystem in staatliche Hände übergeben werden.“

Lösung 2: Bessere Vergütung für die Organentnahme

Das Problem ist laut „Report Mainz“ aber deutlich komplexer. Mitte August, sprich kurz vor Bekanntwerden des Essener Skandals, entdeckten Reporter weitere Schwächen im System. Sie geben Kliniken eine Mitschuld.

Dr. Kevin Schulte und Professor Dr. Thorsten Feldkamp vom Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel haben alle Todesfälle in deutschen Krankenhäusern zwischen 2010 und 2016 ausgewertet. Schulte sagt im TV-Beitrag, Kliniken würden potenzielle Organspender zu selten erkennen und zu selten melden. Nach seinen Berechnungen wären in 2015 genau 2.780 Organspenden möglich gewesen, aber nur in 877 Fällen wurden Organe tatsächlich entnommen. Aber warum?

„Die Organentnahme ist ein Minusgeschäft, wenn man sich vor Augen hält, dass wir insgesamt bei der Entnahme mehrerer Organe eine Vergütung von 5.000 Euro erhalten“, erklärt Irmtraut Gürkan, kaufmännische Direktorin der Uniklinik Heidelberg, gegenüber „Report Mainz“. „Dieser Betrag reicht nicht aus.“ Aktuell würden nur die unmittelbaren Kosten, sprich Personal, Material und OP-Saal, gedeckt. „Er deckt aber nicht die Betreuung von Spendern in Intensivstationen ab.“ Aufwändige Untersuchungen des Patienten kommen mit hinzu. Auch das Bundesgesundheitsministerium erklärt den Mangel an Spenderorganen u.a. mit Schwachstellen in der Organisation, mit Arbeitsverdichtung im klinischen Alltag und mit einer „unzureichenden Vergütung der Organentnahme“.

Lösung 3: Widerspruch statt Zustimmung

In der Diskussion dürfen die Organspender selbst nicht vergessen werden. Wie DocCheck berichtet hat, kann sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorstellen, die geltende Zustimmungsregelung bei Organspenden durch eine Widerspruchslösung zu ersetzen. Dahinter steht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Haben Patienten nicht zu Lebzeiten ihr Veto eingelegt, können Organe entnommen werden. Ein Veto von Angehörigen wäre nach dem Tode eines Patienten auch möglich.

Die Widerspruchslösung gibt es schon in vielen europäischen Nationen, etwa in Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, in den Niederlanden, in Österreich, Polen, Portugal, in der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern.

Nicht alle Experten teilen Spahns Sichtweise. Prof. Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, kritisierte alle Pläne im Deutschlandfunk scharf. Dies würde einen „tiefen Eingriff in das Selbstverfügungsrecht über den eigenen Körper“ bedeuten. Und Schweigen würde als eine Zustimmung ausgelegt. Dabrock führt höhere Zahlen an Spendern in anderen Nationen weniger auf die Widerspruchslösung, sondern eher auf bessere Organisationsstrukturen zurück.

Es tut sich was – wirklich?

Doch Spahn setzt nicht nur auf die Widerspruchslösung. Sein Ministerium hat ein Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO) als Referentenentwurf veröffentlicht. Ziel ist es, die Rolle von Transplantationsbeauftragten zu stärken. Sie erhalten uneingeschränkten Zugang zu Intensivstationen und Patientenakten. Auch personell soll es besser werden. Als Quote nennt Spahn 0,1 Stellen je 10 Intensivbehandlungs- bzw. Beatmungsbetten. Eine komplette Refinanzierung über die Kostenträger ist vorgesehen. Auch die Organentnahme soll für Kliniken kein Minusgeschäft mehr sein, der Minister will bessere Vergütungen durchdrücken. Mehr staatliche Verantwortung bei der Organvergabe kommt für Spahn aber nicht infrage.

67 Wertungen (2.94 ø)

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25 Kommentare:

Dr. Andreas Triebel
Dr. Andreas Triebel

Der Göttinger Chirurg, der betrogen hat, ist frei gesprochen worden, das Gericht hat in dreister Weise sogar das Grundgesetz heran gezogen, um den Freispruch zu begründen. Der beteiligte Internist hat noch garkeinen Prozess bekommen. Der süddeutsche Chirurg, der mit einer Spenderleber nach Jordanien geflogen ist, um sie einer Prinzessin der Königsfamilioe einzupflanzen, musste sich nicht vor Gericht verantworten. Wie soll denn unter solchen Umständen, die immer noch fort bestehen, Vertrauen entwickeln?

#25 |
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Medizinjournalist

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht!
Einerseits kann ich viele Bedenken gegen die Widerspruchslösung nachvollziehen, vor allem, wenn sie moralisch-ethischer Art sind. Wer keine Organe spenden möchte, muss dies nicht begründen. Wer glaubt, ein hirntoter Mensch könne ins Leben zurückkommen, soll dies glauben, wer “komplett” den Herz- und Kreislaufstillstand für sich haben möchte, soll ihn haben.
Andererseits würde bei einer W-Lösung kein Mensch gezwungen, seine Organe bei einem festgestellten Hirntod zu spenden. Jeder kann zu Lebzeiten widersprechen (oder, wie geplant, durch die Angehörigen widersprechen lassen.

Im Kern geht es doch darum, ob die Abgabe des Widerspruches zumutbar ist oder nicht.
Der Staat zwingt mich, Steuern und SV-Beiträge zu zahlen, der Staat zwingt mich, mein Kind bei der Schule anzumelden usw. usw.
Aus welchem Grund sollte er mich nicht zwingen, einen Widerspruch abzugeben? Wenn es mir wichtig ist, würde ich es machen. Wenn ich kein Testament anfertige, gilt die gesetzliche Erbfolge. Wenn ich keinen Widerspruch abgebe, gälte die gesetzliche Organspenderegelung. Wo ist das Problem?
Allerdings möchte ich ein Widerspruchsregister wie in Frankreich haben: Dort kann jeder seinen Widerspruch schriftlich/ telefonisch oder im Self-Service abgeben. Die deutschen Krankenhäuser müssten dann den Zugang zum Register haben, um nachzuweisen, dass sie zurecht entnehmen könnten.
Ich habe für jeden Verständnis, der nicht spenden will, ich habe für jeden Verständnis, der keine Organe empfangen will (und ich gehe davon aus, dass nicht empfangen will, der nicht spenden will). Ich habe aber kein Verständnis für Menschen, die die Organspende für Dritte ablehnen/ erschweren/ verunmöglichen wollen.

#24 |
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Heilpraktikerin

Ich finde Ihren Titel absolut unverschämt und respektlos den Personen gegenüber, die sich gegen eine Freigabe ihrer Organe während des Sterbeprozesses entscheiden. Denn auch wenn es eine offizielle Definition des Todes gibt, ab dem Organe entnommen werden dürfen, heißt das noch lange nicht, dass es die absolute Wahrheit ist. Für Menschen mit einer spirituellen Grundhaltung ist der Tod erst abgeschlossen, wenn keine Maschinen mehr am Körper angeschlossen sind und eine angemessene Zeit vergangen ist, damit sich die Seele vom Körper lösen kann. Zu dem Zeitpunkt sind für die Leute mit der Gewebegier – um Ihren Begriff umzukehren – die Organe aber schon nicht mehr verwertbar.

#23 |
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Es mag ein jeder halten, wie er will, aber ich für meinen Teil glaube ganz fest daran, daß eines meiner funktionierenden Organe noch einen Sinn haben soll, wenn ich gestorben bin. Was bringt es mir persönlich denn, vollständig eingeäschert zu werden? Sind wir alle wirklich schon so egoistisch geworden? Und wenn ich ehrlich sein soll, wäre ich unendlich dankbar könnte mein Leben durch ein noch brauchbares Organ eines Verstorbenen verlängert werden, sollte ich jemals in diese schreckliche Lage kommen. Es wird wohl niemandem bei vollem Bewußtsein das Herz rausgerissen *kopf schüttel* – und Zellen können sehr wohl Streßreaktionen zeigen, auch wenn das Gehirn bereits tot ist. Das hat nichts mit dem Gefühl “Streß” zu tun! Ich kann nur #21 vollinhaltlich zustimmen.

#22 |
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Arzt

Bei vielen Kommentaren hier verliert man ja den Glauben an die Menschheit. Ich kann verstehen dass für viele dies ein emotionales und nicht gerade schönes Thema ist. Aber die Leute, die sich Transplantationsmedizin beschäftigen und damit einer Menge Menschen das Leben verlängern oder retten dermaßen herab zu würdigen ist echt das letzte. Ich hoffe keiner von ihnen wird jemans in der schrecklichen Lage sein ein Spenderorgan zu benötigen. Außerdem sehe ich hier viel Halbwissen und Angst um einen sehr komplizierten Prozess… verständlich aber trotzdem traurig wie viele hier reagieren. (Und ja, ich hab meinen Spenderausweis ausgefüllt und spende alles. Und meine Angehörigen wissen von meinen Wünschen.)

#21 |
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Matthias Zepper
Matthias Zepper

Btr: Vasopressin
Nein, leider kann ich ihre Frage nicht beantworten.

Die Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes der Bundesärztekammer (https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Hirntodpdf.pdf) scheinen keine explizite diagnostische Maßnahme vorzusehen, um die Funktion der Hypophyse gesondert zu überprüfen. (Nebenbei bemerkt: Das ist eine eindeutige Definition des “Hirntodes”)

Allerdings reagiert die Hypophyse sehr empfindlich auf intrakranielle Drucksteigerungen. Bedenkt man, dass Blutungen, z.B. nach der Ruptur eines zerebralen Aneurysmas, mehr als die Hälfte der Hirntode bedingen, halte ich es für zu selten, dass eine normale Hypophysenfunktion erhalten bleibt um das separat testen zu müssen.

Ich verweise diesbezüglich noch auf folgenden Artikel (https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/Anaesthesie/fortbildung/pdf/20510493.pdf) der Diabetes insipidus als typische Folge des Vasopressinmangels bei Hirntoten beschreibt. Auch wird zur künstlichen Gabe von Katecholaminen (den “klassischen” Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin) durch den Anästhesisten geraten, um den Kreislauf zu unterstützen und die Organfunktion bestmöglich zu erhalten. Die körpereigene Ausschüttung kann also nicht besonders nachhaltig sein.

Noch eine Anmerkung zu anderen Kommentaren: Ich respektiere alle, die für sich bewusst eine Organspende ausschließen. Aber bitte sie – zerreißen sie nicht ihren Organspendeausweis, sondern führen sie einen mit, auf dem “Nein” angekreuzt ist. Auch wenn es in Deutschland (noch?) nicht die Widerspruchslösung gibt, tut ihr euren Angehörigen mit dieser Klarheit einen großen Gefallen! In dem unwahrscheinlichen Fall, dass es relevant werden sollte, werden eure Angehörigen mit den Nerven fix und fertig sein, geschockt trauern und damit überfordert sein, es in eurem Sinne zu entscheiden!

#20 |
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Medizinphysiker

Kann den niemand meine Frage betreffend die Ausschüttung von Stresshormonen beantworten? Schon vom Wort Stress her ist dabei doch ein wenig Bewusstsein oder geistige Zuständigkeit zumindest nötig um so etwas wie Stress zu empfinden.

#19 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich gäbe bei absolut sicherer Indikation, dass mein Leben dahin wäre, sofort meine Organe alle frei:Nur, leider:Ich hatte Hepatitis,und damit kann ich leider nichts mehr hergeben,-Sehr schade!

#18 |
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Edgar Mendler
Edgar Mendler

Wie soll ich als Angehöriger damit leben wenn ich mein Kind in einer Intensivstation sehe und das Herz schlägt, alles durchblutet und ich weiß es soll ausgeweidet werden? Auch als Krankenpfleger ist so ein Mensch für mich noch nicht tot. Sondern eben erst nach dem Ausweiden. Meine Versorgung für so einen Patienten unterscheidet sich nicht von allen anderen. Wenn ein Patient tot ist gibt es anderes zu tun. So sehr ich den Wunsch von Patienten nach einem neuen Organ verstehen kann. Hier ist eine ethische Grenze über die ich nicht springen möchte. Meine Hoffnung geht in Richtung Stammzellenforschung und gezüchteten Organen.

#17 |
  18
Dr. med. dent. Andreas Kölbach
Dr. med. dent. Andreas Kölbach

Die Vokabel “Gewebe-Geiz” ist eine manipulative Frechheit! Schämen Sie sich nicht so etwas zu Papier zu bringen?!
Der Begriff “Hirntod” ist nicht klar definiert. Zu deutsch: Es gibt ihn nicht! Ein “Hirn”-“Toter” ist nicht wirklich tot. Er kann wieder aufwachen und weiterleben. WAS berechtigt sog. Ärzte die Organe eines solchen Menschen zu stehlen, während er hilflos daliegt?
Es handelt sich nicht um eine “Spende”, sondern um einen Diebstahl in Kombination mit Mord.

#16 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

wie naiv man doch sein kann! Man muss sich doch wirklich über Alles kontrovers informieren. Anstrengend! Sicherheitshalber habe ich den O-Spenderausweis soeben aus dem Portemonnaie entfernt und vernichtet.

Was ist mir wichtig? In Ruhe sterben zu dürfen. Wer weiß schon, was passiert, während sich Leiber bei der Organentnahme aufbäumen? Mir ist die Zusicherung wichtig, dass suffiziente Schmerztherapie stattfindet. Die Organentnahme DARF AUF KEINEN FALL BEWUSST WERDEN.

Gerne möchte ich meine Organe spenden. Einer meiner Familienangehörigen ist Empfänger und hat dadurch ein gutes Leben geschenkt bekommen. Ich nehme an, dass es egal ist, ob ich “ausgeweidet” oder “nicht ausgeweidet” sterbe. Wichtig ist meines Erachtens, dass ich mit einem ruhigen Geist sterbe.

Sobald gesichert sein wird, dass bei der Organentnahme eine ordentliche Sedierung stattfindet, bin ich wieder im Boot. Derweil bleibt im Geldbeutel die Widerspruchserklärung.

Wenn es möglich ist, ein Bein auszukugeln, das Fleisch aufzuschneiden, den Knochen abzusägen, einen Keil in den Knochen hineinzuschlagen ( “mit Gefühl” was auch immer das bedeuten kann in der Situation ) und wenn es möglich ist, dass ein Mensch, dem dies widerfährt, eine Stunde später aufwacht und von nichts eine Ahnung hat, ja dann wird es doch wohl möglich sein, einen Organspender suffizient zu begleiten ?

#15 |
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Studentin der Humanmedizin

Es gibt genug Leute, die an Auto-Immun-Erkrankungen leiden, oder Medikamente nehmen, die die Organe zumindest schädigen, abgesehen davon, sollte es jedem selbst überlassen sein, ob er nach seinem Tod “ausgenommen” (und ich verwende absichtlich dieses reißerische Wort) werden will, wir könnte uns auch darüber aufregen, dass für durch 3D-Drucker hergestellte Organe oder auch für die Immuntherapie u.a. in Krebsfällen wenig bis nichts getan wird, obwohl es in erster Linie auf das Immunsystem ankommt.
Dennoch, ist es einfach so, durch Auto-Immun-Erkrankungen scheidet man eh als Spender aus, die Frage ist nur, ob das vor der Transplantation abgeklärt werden würde bzw. kann, da nach neuster Datenschutzverordnung, niemand an die Daten rankommt. Zudem gibt es auch religiöse Menschen, die komplett beerdigt werden wollen, und nicht nur teilweise. Ich gebe offen zu, dass ich zwar einen Organspendeausweis habe, den ich ständig mit mir führe, aber nur um deutlich zu machen, dass ich der Entnahme jeglicher Organe und auch jedes Gewebes widerspreche, denn so leid es mir tut, aber ich weiß auch nicht an wen meine Organe danach gehen würden, vllt an einen Pädophilen.. Ich persönlich würde nie eine Organspende annehmen und verweiger sogar Blutinfusionen, selbst wenn das bedeutet, dass es zum Volumenschock kommt, man 2l Kochsalzlösung plus Adrenalin etc. reinlaufen lassen muss, und dann eben wochen Eisen-Infusionen, B-Komplex-Spritzen. Ich will nichts von einem Menschen in mir und will auch nichts von mir in einem anderen.

#14 |
  15
Heilpraktiker

Jedem Leser, egal ob Arzt oder Nichtarzt, sollte es zu denken geben, dass die agierenden Politiker das Transplantationssystem nicht in staatliche Hände übergeben wollen. “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass” ,ist auch hier die Devise.
Gibt es ein comming out unserer Spitzenpolitiker, insbesondere der Herren Spahn und Lauterbach, wer als sog. Hirntoter nach (noch) nicht aktualisierter Definition, erforderlich aufgrund des Fortschritts in den bildgebenden Untersuchungsverfahren, aktuell einen Organspendeausweis hat und nicht nur als potentieller, bevorzugter Organempfänger ein Interesse an der “Widerspruchslösung” hat. Mir ist bis heute kein prominenter “hirntoter” Organspender, aber viele prominente Organempfänger bekannt für die es keine Wartelisten, aber Organe gegeben hat.

Wer sicher gehen will, als Sterbender nicht ausgeschlachtet zu werden: Schnitt vom Brust- bis zum Schambein und Aufspreizen der Körperhälften, der muss wohl
dem Rat des Kommentators, Herrn Dr. med. Wormer folgen und sich seinen Widerspruch in die Haut tätowieren lassen.

Die Besichtigung eines Krematoriums ist für Unschlüssige möglich, die Teilnahme, ggf. auch über TV an einer Entnahme aller brauchbaren Organe hingegen nicht. Wenn im Fernsehen darüber berichtet wird, dann wirkt alles clean: man präsentiert ein eiliges Explantationsteam mit Organen, die sich schon in der Kühlpackung befinden.

Auch die Situation der Angehörigen die den toten Körper zurückerhalten, wird ausgespart, eine -gewünschte- psychologische oder theologische Begleitung der Angehörigen zur Trauerbewältigung nach der Organspende gehört nicht zum Leistungsverzeichnis des Organgeschäfts.

Mein Credo: Die Würde des Menschen ist unantastbar und einem Sterbenden oder”Hirntoten”, egal welcher Definition man folgt, kann weder die Menschenwürde noch das Recht auf körperliche Unversehrtheit und den eigenen individuellen Tod ohne ausdrückliche Einwilligung in Organentnahmen, von Ärzten und Politikern abgesprochen werden mit einer zum Missbrauch provozierenden Widerspruchslösung.

#13 |
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Günter Biernoth
Günter Biernoth

Interessant finde ich auch, daß trotz 10.000 wartender Patienten (siehe Text) bei europaweiter Vergabe der Spendeorgane durch Eurotransplant in Österreich ein Ex-Rennfahrer mit einer akuten Erkrankung ins Krankenhaus kommt und kurze Zeit später mit einer neuen Lunge wieder entlassen wird.
Nach Aussage Eurotransplant wurde das Verfahren gemäß der Regeln und Prozeduren von Eurotransplant durchgeführt und es wurde keine Ausnahme gemacht.
Bei mir bleibt ein komisches Bauchgefühl.

#12 |
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Medizinphysiker

Bei der Organentnahme werden bekanntlich Stresshormone freigesetzt und daher wird in der Regel der Spenderkörper narkositiert.
Zu diesen Stresshormonen gehört auch Vasopressin. Dieses wird im Gehirn gebildet. Wie verträgt sich diese Tatsache mit dem Hirntod? Ich bin zu wenig Fachmann auf diesem Gebiet aber sicher wird mich jemand von Ihnen aufklären können.

#11 |
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Klaus-Michael Bartels
Klaus-Michael Bartels

Erstmal empfinde ich den Ausdruck “Spende” etwas euphemistisch, Ich spende für Oxfam, Transparancy international ….. monatlich, aber Herzspende?
Präsident Steinmeier hat seiner Frau eine Niere gespendet, meine Hochachtung, soweit bin ich d’accord.
Wenn ich aber lese, Prof. Hetzer bildet Chinesische Herzchirurgen aus, die an Hinrichtungen “on demand” von oppositionellen Falun Gong Verhafteten beteidigt sind und die “freiwillig gespendeten” Herzen gegen Devisen an reiche Ausländer transplantieren, hört der Spass auf.
Die durchschnittlichen deutschen Kosten Herztransplant 170.000 Euro, Leber, Nieren, Augen-Hornhaus, Haut sind ebenfalls ein Wirtschaftsfaktor.
Lebensspende ja, gern auch Stammzellen.
Ich persönlich habe keinen Organ-“Spender” Ausweis, dafür spende gern für DKMS, Ärzte ohne Grenzen,usw., verschreibe gern Reha- und Kardio-Sport.
Präventions-Medizin rettet vielfach mehr Leben als interventionelle Kardiologie,
Das DHZB war für mich schon immer eine seltsame Gelddruckmaschine, fast nur billige venöse,keine bis kaum arterielle Bypässe. habe persönlich meine patienten in Herzzentren zu Voll-arteriellen Bypässen geschickt.

#10 |
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Regina Clasen
Regina Clasen

Ich selbst möchte in meinem Sterbeprozess nicht gestört werden. Wenn ich “hirntot” bin, ist mein Sterbevorgang noch nicht abgeschlossen, deswegen bin ich mit einer Organspende zu dieser Zeit nicht einverstanden. 1-2 Tage nach meinem Tod mit sicheren Todeszeichen wie Leichenstarre , Totenflecken, habe ich nichts dagegen, meinen Leichnam zu Leerzwecken z.B. für Medizinstudenten zur Verfügung zu stellen. Ich denke, dass meine Seele bis dahin vermutlich den Körper verlassen haben wird. Ich will auch kein Organ gespendet bekommen, da ich auch keinem anderen Menschen diese massiven Eingriff in seinen Sterbeprozess zumuten möchte.
Es wird viel für Organspenden geworben, aber wie ich finde mit unlauteren Mitteln. Die meisten Patienten, die ich kenne und solch einen Spendenausweis unterschrieben haben, waren gar nicht informiert über das genaue Prozedere der Organtransplantationen, haben sich auch nicht mit der Hirntoddefinition auseinandergesetzt und auch oft nicht mit ethischen Fragen rund um Tod und Sterben. Die Werbung – wie ich sie bisher kennengelernt habe – halte ich nicht für echte Aufklärung sondern für Manipulation. Kritische Stimmen werden da totgeschwiegen.

#9 |
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Matthias Zepper
Matthias Zepper

Das Thema Widerspruchslösung war auch Kernelement eines sehr schönen TED Talks von Dan Ariely (https://www.youtube.com/watch?v=9X68dm92HVI&feature=youtu.be&t=5m02s), der sehr schön aufzeigt, warum sie besser ist – zumindest wenn man höhere Spenderzahlen erreichen will.

Und was den grottenschlechten Artikel aus Kommentar #1 betrifft: Sterben ist immer ein Prozess: Manche Körperzellen überleben den Kreislaufstillstand, der hier wohl mit dem “richtigen Tod” gleichgesetzt wird noch um mindestens einige Stunden. Andererseits sterben jeden Tag Millionen unserer Körperzellen den Zelltod, ohne dass unser Körper deswegen in seiner Gesamtheit stirbt. Dass während einer Organentnahme Muskelzellen noch kontrahieren oder Nervenfasern noch elektrische Signale leiten können ist daher nicht verwunderlich und nicht mit einem Bewusstsein gleichzusetzen. Daraus zu konstruieren, dass der Sterbende leidet, ist abwegig. Auch dass hirntote Mütter noch Kinder zu Welt bringen können, ist kein Gegenbeweis – das Kind ist schließlich ein eigenständiger Organismus, der “nur” von der Mutter mit Nährstoffen versorgt wird. Würde man die intensivmedizinische Betreuung der hirntoten Mutter einstellen, stürbe das ungeborene Kind mit ihr. Die grundsetztliche Frage “Wann sind wir tot?” ist also mehr “Was macht uns zu uns?”. Definieren wir uns eher als Zellverbund mit (von somatischen Mutationen abgesehen) identischer DNA (evt. einschließlich unseres individuellen Mikrobioms) oder im Kontext unseres Wesens und Charakters?

#8 |
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Dagmar Boecker
Dagmar Boecker

Wenn ich ganz tot bin, können die meine Organe gerne haben. Dann sind sie nur leider Müll. Wenn ich nur hirntot bin und keiner weiß, wieviel von MIR noch in diesem Körper wohnt, nicht. Mein Sterben gehört mir.

#7 |
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Das Thema Organspende wird hier offenbar von Nichtwissenden disskutiert .Man sollte sich wirklich dort informieren , wo Klartext gesprochen wird . Wer danch immer noch spenden möchte , bitte .Aber lassen Sie bitte das unwissende Gro der Bevölkerung aus dem Spiel .Vor so einem Akt steht immer die vollumfängliche Aufklärung ,nicht einmal die Ärzte wissen , worum es dabei geht ,traurig . Organspende war von Anbeginn der falsche Weg , aber der bequemere , leider .Wie wäre es mit Stammzellenforschung ? Danke für den Kommentar von Herrn Dr.Schätzler ,doch mal ein Wissender .

#6 |
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Zombie-State-of-the-Art-Transplantation.de

Lug und Trug von Transplanteuren, kriminelle Energie, mehr „ausländische“ als deutsche Organe für deutsche Patienten, „unwillige“ Ärzte („für so wenig Honorar mache ich keine Organentnahme“), die Öffentlichkeit ist mehrheitlich angeblich organspendewillig (wer glaubt das denn?) und nun als Krönung die Widerspruchslösung staatlich verordnet (ein paar „Blöde“ werden schon vergessen, zu widersprechen?) – Problem gelöst. Wer glaubt das denn?

Wo bleibt der menschenwürdige und respektvolle Umgang mit diesem zutiefst individuellen und existentiellen Thema?

Ich sehe hierzulande keine angemessene gesellschaftliche Diskussion, kein Gespräch mit den Bürgern, deren Organe man haben möchte, kein Bemühen um konstruktive einvernehmliche Lösungen.

Ich sehe nach wie vor Profitinteressen, Arroganz, Ignoranz und Hilflosigkeit. Was sich gerade abzeichnet, lässt nichts Gutes erwarten: das bisherige strukturelle Interessensgemenge beibehalten und Organ-Akquise mit Druck „von oben“ durchsetzen.

Wenn das kommt, lasse ich meinen Widerspruch in die Haut tätowieren. Wer vertraut einem „Staat“, dem das Wohl seiner Bürger herzlich egal ist (Luft in Städten, Migration, Psychiatrie …).

Obwohl ich als Szenekenner ein Buch geschrieben habe, das dazu einlädt, sich mit dem eigenen Leben und Sterben auseinanderzusetzen (Organspende – Lebensrettende Transplantation, 2010), rate ich jedem ab, hierzulande Organe zu spenden.

#5 |
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Paternalistische Widerspruchslösung in Deutschland verfassungswidrig – verschlechtert Organspende-Bereitschaft weiter!
Die europaweit verbreitete Widerspruchslösung offenbart ein irregeleitetes, paternalistisch geprägtes Verständnis von Transplantations-Medizin. Der Staat, das System der medizinischen Versorgung und die Institutionen, welche mit Organisation, Hirntod-Feststellung, Ex- und Implantation von möglichst lebensfrischen Spenderorganen betraut sind, wollen die Deutungshoheit gegenüber den Patientinnen und Patienten zurückgewinnen und die bio-psycho-sozialen bzw. medizin-ökonomischen Rahmenbedingungen der Transplantations-Medizin bestimmen.
Eine Organspende in “informationeller Selbstbestimmung” ist tatsächlich ein Akt der Hilfsbereitschaft, Solidarität und Nächstenliebe. Aber die u. U. lebensrettende Transplantation von Herz, Leber, Niere, Lunge, Gesicht, Hornhaut etc. hilft, heilt und schützt nicht vor dem späteren biologischen Tod des Empfängers. Sie gewährt nur Aufschub, ebenso wie wir das Leben potenzieller Organspender schützen müssen, selbst wenn diese selbstbestimmt sterben wollen.
Die Widerspruchslösung würde unterschiedslos jeden erfassen, der vergessen hatte, zu widersprechen oder es schlicht und ergreifend nicht kann: Säuglinge, Kleinkinder, Kinder, bio-psycho-sozial Benachteiligte oder Menschen mit geringem Bildungshorizont. Das widerspricht dem verfassungsmäßigen Auftrag von Benachteiligungsverbot und Chancengleichheit bzw. informationeller Selbstbestimmung. Die individuell-aktive Entscheidungslösung ist dagegen ehrlicher und selbstbestimmter, allen Unkenrufen zu Trotz. Eine Widerspruchslösung wird spätestens vorm Bundesverfassungsgericht (BVG) an ihrer potentiellen Verfassungswidrigkeit scheitern. Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/default.aspx?sid=660255
Eine Entscheidungslösung funktioniert nur, wenn Medizin, Medien und Meinungsbildner in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf die Bürgerinnen und Bürger zugehen, sich mit Sachargumenten erklären und Informations- und Selbstbestimmungslösungen vorleben.
Das individuelle, moralisch-ethische Dilemma der Entnahme möglichst vitaler Organe bei maximal fortgeschrittenem Sterben kann nicht in jedem Einzelfall für alle Beteiligten und Angehörigen befriedigend aufgelöst werden: Ein offener Diskurs über die Gratwanderung bei den p e r i – mortalen Abläufen von Organentnahmen bei festgestelltem Hirntod und rein intensiv-medizinisch-künstlicher Lebenserhaltung von Spenderorganen ist notwendig, um Spekulationen, “Fake-News”, haltlose Behauptungen oder Gerüchtebildungen zu vermeiden.
Doch auch bei optimaler Konfliktlösung wird die Zahl der (potentiellen) Organempfänger immer größer sein als die der geeigneten Organspenderinnen und -spender.
Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn selbst hat sich klar für die Widerspruchslösung ausgesprochen. „Nur so kann die Organspende zum Normalfall werden“, sagte Jens Spahn der „Bild“-Zeitung (Montag). SPD-Fraktions-Vize Professor Professor Karl Lauterbach sieht das ähnlich: Ohne die Widerspruchslösung werde die Zahl der Organspender nicht weiter steigen. “Sie ist notwendig, um viel Leid abzuwenden”, sagte er im Interview mit der “Passauer Neuen Presse”. Sie belegen damit, dass sie als selbsternannte “Gesundheits”-Politiker noch nie verantwortlich an einem Krankenbett gestanden haben. Außerdem fehlen ihnen elementare juristische und verfassungsrechtliche Grundkenntnisse.
Wenn man “Mehr Organspende-Bereitschaft wagen” will, geht das nur mit Stetigkeit, Beharrlichkeit, Überzeugungskraft, Selbst-Reflexion, Nachhaltigkeit, Perspektive, Mut, Offenheit, medizinisch-kultureller Reflexion und juristischem Sachverstand.
Allein die Diskussion um eine reine “Widerspruchslösung”, nach der Jede(r) quasi von Geburt an potentieller Organspender sei und bleiben solle, wenn er nicht energisch widersprechen kann, soll oder darf, reflektiert einen der verfassten Demokratie unwürdigen Fundamentalismus.

30 Mrd. € Rücklagen in der GKV und die Transplantations-Medizin liegt danieder!
Zur Finanzsituationen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): Insgesamt haben die 110 Krankenkassen in den ersten sechs Monaten einen Überschuss von 720 Millionen Euro verbucht. Ihre Rücklagen stiegen damit von 19,5 auf rund 20,2 Milliarden Euro.
Zusammen mit der Liquiditätsreserve im Gesundheitsfonds von 9,1 Milliarden Euro verfügt das GKV-System damit über Finanzreserven von fast 30 Milliarden Euro (nach Ärzte-Zeitung).
Sind es etwa systematische Leistungsverweigerungen aus falsch verstandener Sparsamkeit, welche die GKV -Krankenkassen in die Reduzierung der Ausgaben für niedergelassene Vertragsärztinnen und Vertragsärzte bzw. in die Vernachlässigung der Transplantations-Medizin getrieben haben? Die mir bekannten Details zur Honorierung der Transplantations-Medizin sprechen da eine deutliche Sprache:
Liest man die Vereinbarungen für das Jahr 2018 nach § 7 des Koordinierungsstellenvertrages gemäß § 11 TPG (Transplantations-Gesetz)
zwischen der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Frankfurt am Main
DSO und der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Berlin DKG und der Bundesärztekammer, Berlin BÄK sowie dem GKV-Spitzenverband, Berlin im Einvernehmen mit
dem Verband der Privaten Krankenversicherung, Köln PKV…kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus:
“1.2 Für das Jahr 2018 werden insgesamt 2.830 Fälle transplantierter Organe unterstellt.
1.3 Die Organisationspauschale für die Bereitstellung eines postmortal gespendeten Organs zur Transplantation beträgt im Jahr 2018 11.777,00 Euro je transplantiertes Organ. Diese setzt sich wie folgt zusammen:
Organisationspauschale 11.589,00 Euro
Ausgleich für das Jahr 2016 (Schlussausgleich) 188,00 Euro…
2. Pauschale „Aufwandserstattung Entnahmekrankenhäuser“…
Die Vergütung erfolgt über ein Modulsystem mit folgenden Pauschalen:
Modul Vergütung Abbruch während der Intensivstationsphase wegen Ablehnung 522,00 Euro
Abbruch während der Intensivstationsphase nach Zustimmung 1.354,00 Euro
Abbruch im OP 3.905,00 Euro
Einorganentnahme 3.905,00 Euro
Multiorganentnahme 5.003,00 Euro…
2.4 Aus den Pauschalen nach Nummer 2.2, den vorgenannten Fallzahlen sowie den Kosten der Kalkulation nach Nummer 2.7 und den Kosten der IHA-Diagnostik nach Nummer 2.8 ergibt sich für das Jahr 2018 ein Gesamtbudget „Aufwandserstattung Entnahmekranken- häuser“ von 5.016.788,00 Euro.
2.5 Bei 2.830 transplantierten Organen beträgt für das Jahr 2018 die Pauschale „Aufwandserstattung Entnahmekrankenhäuser“ 1.729,00 Euro je transplantiertes Organ. Dieser Betrag wird zusätzlich zur Organisationspauschale gezahlt.
Er setzt sich wie folgt zusammen:
Pauschale „Aufwandserstattung Entnahmekrankenhäuser“ 1.530,00 Euro
Kalkulation 72,00 Euro
IHA Diagnostik 171,00 Euro…
3. Flugtransportkostenpauschale
3.1 Für das Jahr 2018 werden 825 Flüge für extrarenale Organe (zzt. Herz, Leber, Lunge, Pankreas und Darm) unterstellt.
3.2 Die Erstattung der Flugtransportkosten für extrarenale Organe erfolgt für das Jahr 2018 mit einer Pauschale in Höhe von 8.419,00 Euro je transplantiertes Organ, für das ein ei- genständiger Flugtransport durchgeführt wurde. Diese setzt sich wie folgt zusammen:
Flugtransportpauschale 8.297,00 Euro…
Gemäß § 9b TPG haben die Entnahmekrankenhäuser einen fachlich qualifizierten Trans- plantationsbeauftragten zu bestellen. Für das Jahr 2018 wird zur Finanzierung der Transplantationsbeauftragten ein Gesamtbetrag von 18 000 000,00 Euro bereitgestellt.
Die Transplantationsbeauftragtenpauschale setzt sich wie folgt zusammen:
Gemäß § 9b TPG haben die Entnahmekrankenhäuser einen fachlich qualifizierten Trans- plantationsbeauftragten zu bestellen. Für das Jahr 2018 wird zur Finanzierung der Transplantationsbeauftragten ein Gesamtbetrag von 18 000 000,00 Euro bereitgestellt.
Die Transplantationsbeauftragtenpauschale setzt sich wie folgt zusammen:
Transplantationsbeauftragte 6.360,00 Euro…
6.3 Das Budget für die Aufgaben nach 6.1 wird für das jeweilige Jahr auf eine Finanzierungs- pauschale umgerechnet und ist unabhängig von der Zahl der erfolgten Transplantatio- nen. Die Rechnungsgröße für das Jahr 2018 beträgt 654,00 Euro je transplantiertes Organ. Die DSO führt die vereinnahmten Beträge, abzüglich einer Überzahlung aus dem Jahr 2016 in Höhe von 13,00 Euro je transplantiertes Organ, halbjährlich an die Ge- schäftsstelle ab…
7. Zahlbetrag
7.1 Aus den Pauschalen nach den Nummern 1.3, 2.5, 4.1, 6.2 und 6.3 ergibt sich ein Zahl- betrag von 21.300,00 Euro je transplantiertes Organ, für das kein eigenständiger Flugtransport durchgeführt wurde.
7.2 Aus den Pauschalen nach den Nummern 1.3, 2.5, 3.2, 4.1, 6.2 und 6.3 ergibt sich ein Zahlbetrag von 29.719,00 Euro je transplantiertes Organ, für das ein eigenständiger Flugtransport durchgeführt wurde.
7.3 Zusätzlich zu den Pauschalen nach den Nummern 7.1 oder 7.2 wird gemäß § 2 Absatz 2 der Ergänzungsvereinbarung zur sechsten Fortschreibung der Durchführungsbestim- mung zum Aufwendungsersatz nach § 8 Absatz 1 des Vertrages nach § 11 TPG für das Jahr 2011 (Finanzierung des OCS™-Programms) je transplantiertes Herz, für das ein OCS™-Einsatz durchgeführt wurde, ein Zahlbetrag von 43.881,00 Euro abgerechnet…” (Zitat Ende).
“Honi soit, qui mal y pense” – ein Schelm, wer Übles dabei denkt!
Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Quelle: DSO-Budget für das Jahr 2018 – Deutsche Stiftung Organtransplantation
PDFhttps://www.dso.de › uploads › tx_dsodl

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In Österreich gibt es seit Jahrzehnten die Widerspruchslösung. Es gibt keinerlei Probleme.

Jeder der kein Organspenden will, muss auch nicht. Ganz einfach.

Ich weiß nicht, was es dazu diskutieren gibt.

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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

auch wenns keiner hören mag: für mich ist die Widerspruchslösung eine Sache der Vernunft.Wenn ich tot bin und irgendwer kann mit einem Ersatzteil aus meiner sterblichen Hülle noch eine Chance bekommen, bitte, nur zu.
Aber wer gegen die Widerspruchslösung wettert oder seine Zustimmung verweigert, der sollte selbst keine Transplantate bekommen dürfen. Vielleicht kommt dann der eine oder die andere doch noch zum Nachdenken…
Nebenbei beruhigt mich die Option, als Organspender eine quasi amtliche Todesfeststellung vor der Entnahme zu bekommen und nicht gegen meinen erklärten Willen von Intersivmedizinern maltraitiert zu werden, wenn ich mal hirntot bin…

#2 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Mich wundert, daß es so wenig Kommentare gibt. Vielleicht sollte man meinen beiliegenden Link einmal durchlesen, sagt das nicht alles zum Thema Organspende?

https://www.deutschlandfunk.de/organspende-hirntote-sind-sterbende-menschen.886.de.html?dram:article_id=427220

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