Antidepressiva: IQWIG zeigt Zähne

17. Dezember 2009
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Auch wenn die Personalie Peter Sawicki als Chef des IQWIG derzeit offenbar zur Diskussion steht: Sein Institut wird uns erhalten bleiben. Anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Abschlussberichts zu neuen Antidepressiva zeigen die Kölner einmal mehr, dass sie Kontroversen nicht scheuen.

In dem Ende November vorgelegten Bericht geht es um die drei als Antidepressiva vermarkteten Substanzen Reboxetin, Mirtazapin und Bupropion XL. Die rein medizinische Kernbotschaft ist schnell erzählt: Nach Sichtung des Studienmaterials sieht das IQWIG sowohl in der Akuttherapie als auch in der Rückfallprävention keinen Nutzen der Substanz Reboxetin. Bei Mirtazapin halten die Experten zumindest den Nutzen in der Akuttherapie für belegt, während sie die Bücher in der Rückfallprävention offen lassen beziehungsweise – bei allerdings geringem Datenumfang – ein vorläufiges Negativfazit ziehen. Bupropion XL schließlich ist der große Gewinner: Hier sei sowohl in der Akuttherapie als auch in der Rückfallprävention von einem Nutzen auszugehen, so die Autoren.

Reaktionen: Psychiater machen keinen auf Hochdruckliga

Die Community der Psychiater zeigt sich von diesen Ergebnissen nicht übermäßig überrascht, wie sich beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin zeigte. „Dass Reboxetin in Monotherapie nicht besonders effektiv ist, ist uns bewusst gewesen. Es wurde schon vor Veröffentlichung des Berichts wenig eingesetzt“, sagte beispielsweise Professor Klaus Lieb von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Etwas erstaunlicher sei da schon das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Mirtazapin gewesen. Hier seien viele doch von einer stärkeren Wirksamkeit ausgegangen, so Lieb. Dass Bupropion XL ein wirksames Antidepressivum ist, war auch bisher kein Geheimnis. Insgesamt dürfte der aktuelle Bericht die Realität der psychiatrischen Verordnung in Deutschland also nur begrenzt beeinflussen. Dass die organisierte Psychiatrie auf die Barrikaden geht, wie es beispielsweise die Hochdruckliga nach dem Abschlussbericht zur antihypertensiven Monotherapie getan hat, ist nicht anzunehmen. Trotzdem hat der aktuelle IQWIG-Bericht mehr Wellen geschlagen als so mancher andere. Der Grund war, dass das IQWIG die Publikation des Berichts zu einer scharfen Kritik an den Publikationsgepflogenheiten der pharmazeutischen Industrie bei klinischen Studien genutzt hat.

Die Vorbehalte wurden fallen gelassen

Ganz überraschend kam die Breitseite nicht. Schon der Vorbericht zu Reboxetin, Mirtazapin und Bupropion XL sah etwas anders aus, als man das bisher von IQWIG-Vorberichten gewohnt war. Zu Reboxetin war in diesem Bericht gar keine Bewertung enthalten gewesen, und zu Mirtazapin war die Bewertung unter Vorbehalt gestellt worden. Der Grund war, dass zwei der drei Hersteller Studiendaten, die das IQWIG angefordert hatte, zunächst nicht zur Verfügung gestellt hatten. Erst nach Veröffentlichung des Vorberichts wurden die entsprechenden Daten dann vorgelegt. „Wir gehen jetzt tatsächlich davon aus, den gesamten Studienpool verfügbar gehabt zu haben. Entsprechend sind wir uns unserer Bewertung sicher genug, um sie im Abschlussbericht ohne Vorbehalt zu veröffentlichen“, sagte die stellvertretende Leiterin des Ressorts Arzneimittelbewertung des IQWIG, Dr. Beate Wieseler. Dass anlässlich der Veröffentlichung des Berichts noch einmal an diese vom IQWIG als Hinhaltetaktik empfundene Verzögerung erinnert wurde, ist angesichts der Entstehungsgeschichte des Berichts nicht verwunderlich. Die Unternehmen erklärten im Gegenzug, sie sähen sich zu Transparenz verpflichtet.

Scheinheilig bis zum Geht-nicht-mehr…

Tatsächlich hat der zwischen Unternehmen und Institut unter Einbeziehung der Öffentlichkeit ausgetragene Disput tiefere Wurzeln. Gar nicht so sehr die Industrie, vor allem die deutschen Gesundheitspolitiker müssen sich hier unangenehme Fragen gefallen lassen. Die gleichen Politiker, nebenbei bemerkt, die gerne mal auf der Pharmaindustrie herum hacken, wenn sie sich davon eine positive Presse versprechen. Denn wie erfährt das IQWIG von Studien, die existieren, aber nie publiziert wurden? „Wir konsultieren Webseiten, studieren Kongressbände und gehen Verweisen in Publikationsregistern nach“, so Wieseler.

Eine Sisyphos-Arbeit also. Sie wird nötig, weil die Politik es seit Jahren nicht schafft, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die für die Arbeit eines Instituts wie des IQWIGs nötige Transparenz auch wirklich existiert. Das fängt beim Fehlen eines nationalen Studienregisters an. Es geht aber noch viel weiter: Es gibt nämlich zumindest auf europäischer Ebene mit EudraCT seit 2004 durchaus ein verpflichtendes Studienregister der EMEA. Nur: Das IQWIG darf darauf nicht zugreifen. Nur den Zulassungsbehörden ist das erlaubt. Krass formuliert: Die Politik wirft erst einmal Nebelkerzen, um die Transparenz im Arzneimittelmarkt so weit zu reduzieren wie möglich. Sie gründet dann ein Institut, dem sie Detektivarbeit zumutet, um das zu Tage zu fördern, was an anderer Stelle längst zusammengeführt worden ist. Das ist der eigentliche Skandal.

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Allgemein

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25 Kommentare:

Dr. Corinna Spott
Dr. Corinna Spott

Sehr geehrter Herr Graetzel,

dass das IQWIG keine Einsicht in die EMEA-Studiendatenbank hat, finde ich grotesk. Zumal die Arbeit des IQWIG damit v.a. verlangsamt wird, die Ergebnisse sich aber vermutlich nicht ändern. Die Frage, die sich m.E. anschließt: Was kann unternommen werden, um das zu ändern? Wenn sich DocCheck-Leser die Haare raufen, bringt das ja nichts.

#25 |
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WIr wissen inzwischen sehr viel über krankhafte Depressionen..nur, weil Sie nichts darüber wissen und auf die Leber schauen, heisst das nicht, dass die Medizin nicht weiter fortgeschritten wäre..dies ist IHR Ausbildungsmangel, sehr geehrte Fr. Eckstein-Kunz..sorry, wenn ich das so hart sagen muss..

#24 |
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DiplIng.Heilpraktikerin Margot Eckstein-Kunz
DiplIng.Heilpraktikerin Margot Eckstein-Kunz

Wir wissen dass wir Nichts wissen, und das indilviduell unterschiedlich.
Mal nebenbei bemerkt, wie viele Patienten werden mit allopathischen und oder naturheilkundlichen Mitteln behandelt bei denen die Wirksamkeit des Mittels silch auf eiln ganz anderes Anwendungsgebiet bezieht.
Mein ehemaliger Mentor hat immer gesagt: bei Depressionen pass auf die leber auf.
Wie schon aus den Kommentaren ersichtlich. das sagt alles und nichts

#23 |
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..ein letzter Satz noch zu den guten Kommentaren hier zum Artikel..
ich selbst habe KEINERLEI finanzielle Interessen dabei, ich habe Wartezeiten von 2-6 Wochen, fast immer 1x pro Jahr 3 Monate Aufnahemstopp ,wie gerade noch.. die meisten meiner Patienten behandele ich wg einer schweren Depression..ca. 3-4000 bisher in meinem Berufsleben..bezahlt wird dies alles von den Krankenkassenbeiträgen..da ich dadurch in einem sehr engen finanziellen Korsett stecke, habe ich nichts davon ,noch mehr Patienten zu behandeln, was ich auch nicht leisten könnte..Also, die Finanzinteressen liegen immer bei denen, die von den depressiv Erkrankten leben müssen (Liebe Patienten, öffnet NIE Euer Portemonnaie zu schnell, es wird auch heute alles erwiesen Hilfreiche von der Kassen bezahlt!!!!!.)…die, die privat abrechnen, bei der Pharmaindustrie sowie bei den “Verkäufern” neuer Psychotherapien .Diese sind meist alter Wein in neuen Schläuchen, wurden unter Hochdruck in USA gestrickt , da man dort Milliarden Staatshilfe bekommt, wenn man irgendeine neue Fornm der Psychotherapie neu anbietet..

#22 |
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Sehr geehrter Herr Ftko,

wünsche Ihnen gute Besserung..seien Sie sicher, dass es Ihnen wieder besser gehen wird, die Depression ist selbstlimitierend, sie kann nur langsamer und beschwerlicher oder schneller heilen, aber : Sie werden wieder gesund werden!

Bitte verzeihen Sie, aber hier schreibe ansonsten meine Meinung , bin nicht hier als Therapeut..Danke für Ihr Verständnis!!

#21 |
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Sehr geehrte Frau Dongus,

hm, verstehe Ihre Reaktion…ich meine es aber nicht arrogant, sondern bin öfters verärgert, wenn ich höre (immer wieder!!), wie lange Patienten leiden müssen ( manche auch wollen) ,bevor sie zum Facharzt kommen..und das liegt nicht an den Wartezeiten, denn die sind bei Psychologen z.B. viel länger als bei uns…ich sehe mich in dieser Beziehung ( und muss mich,uns Ärzte auch so sehen, das ist ein Teil unserer Aufgabe im System) als Vertreter des Patienteninteresses an Heilung und wissenschaftlich begründeter, evidence-basierter Versorgung..unsere Aufgabe ist es, unser Image zuverbessern, Ihre Aufgabe ist es, Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen sowie alle differentialdiagnostischen Abklärungen so schnell wie möglich einem Psychiater und Psychotherapueuten vorzustellen..jeder, der selbst ohne fachärztliches Know-how und Erfahrung “rumdoktert”, riskiert – oft sicher mit den besten Absichten- eine Körperverletzung des Pat. durch verlängertes und vertieftes Leid..

#20 |
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Gerhard Ischebeck
Gerhard Ischebeck

Noch eine Meinung:
Ich arbeite seit mehr als 40 Jahren als Psychiater und Psychotherapeut. Den Artikel und alle Zuschriften habe ich gründlich gelesen und meine jeder hat unter seinem Blickwinkel recht – aber es gibt auch andere Fälle.
Ich habe gelernt, dass es eine einheitliche Diagnose Depression nicht gibt. Es gibt depressive Menschen, von denen jeder seine individuelle Erbsubstanz, seinen persönlichen Hormonhaushalt und seinen eigenen Lebensweg hat – und seine ganz persönliche Reaktion auf Pharmaka.
Für mein eigenes Denken und Handeln hat es sich bewährt zu versuchen wesentliche Ursachen der Erkrankung zu erkennen und der Behandlungsstrategie zugrunde zu legen.
Danach beginnt die m+ühsame Aufgabe das für diesen depressiven Menschen sinnvolle Medikament zu finden, das für diesen Menschen sinnvolle Gesprächsangebot zu erarbeiten und das alles unter großem Zeitdruck durch den immer drohenden Suicid.
Es gibt Patienten, die ausschließlich mit dem für sie geeigneten Medikament behandelt weden können. Es gibt andere, die mit einer maßgescheiderten Psychptherapie am besten fahren. Die meisten benötigen beides!
Wir alle leiden darunter, dass wir stets versucehen Gesetzmässigkeiten zu erkennen und diese zur Grundlage unseres Handelns zu machen. Dabei reagieren wir oft zum Schaden unserer Patienten viel zu einseitig.

#19 |
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1. Meinen Dank an den Autor für einen interessanten Artikel.
2. Fast so erhellend wie der Artikel ist für mich als mit der Therapie von Depressionen nicht befaßten Arzt die kontroversen Kommentare. Zeigen sie mir doch, daß die Ursache der Erkrankung nicht eindeutig geklärt ist, sonst gäbe es wohl kaum so viele verscheidene teilweise diametrale Therapieansätze. Ebenfalls interessant, mit welchem Selbstverständnis und welch breiter Brust manch Komentierender andere therapieansätzeals seinen eigenen verdammt. Ich hoffe für diese Kollegen, daß ihr Selbstbewußtsein auch von der Realität gedeckt ist.
3. @ 4/5 Habe Ihre Tippfehler gefunden und werde sie mit Dank behalten. ;-)

#18 |
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Heilpraktikerin

Sehr geehrter Herr Dr. Vieten,
Heilpraktiker in eine Reihe mit Kartenlegernund Astrologen zu stellen, finde ich dann doch sehr unwissend und arrogant von Ihnen. Nicht alle HP, ich jedenfalls nicht, wollen den depressiven Patienten ihre Psychopharmaka wegnehmen. Auch wir wissen, dass diese in den meisten Fällen notwendig sind. Deshalb kann man ja trotzdem “co – therapieren”. Zum Wohle der Patienten, das ist doch unser aller Anliegen, oder?
Nichts für ungut.
Mit freundlichen Grüßen
Beate Dongus

#17 |
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Hallo Gastleser!
Kurze Antwort: veraltet…früher gab man dies aus Hilflosigkeit ( z.B. in den 60 ger und 70 ger Jahren, Prof, Kulenkampff, der Bruder des berühmten TV- Moderators, in Frankfurt, wenn ich recht informiert bin)..ein Rezeptor des Opiatsystems ( es gibt v.a. Kappa, Lambda- und My-Rezeptoren), ich meine letzterer ,hat stimmungsmodulierende Eigenschaften, damit konnte man ein wenig Linderung bereiten..wie gesagt, hilflos..LG Dr. Vieten, Psychiater und Psychotherapeut

#16 |
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Hallo Fr. Hoffmann,

warum so aggressiv?..ich verstehe echt nicht ganz, ob Sie als Betroffenen, als Therapeuten oder beides schreiben..aber auch wenn ich Ihre Zeilen nochmal durchlese, sehe ich Ihren Einsatz für eine richtig verstandene Pharmakotherapie, die nicht von Vorurteilen und interessengesteuerten Verteufelungen behindert werden sollte..falsch verstanden? dann bitte korrigieren Sie mich..mfg Dr. Vieten

#15 |
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Philipp Kubens
Philipp Kubens

Kompliment Herr Graetzel für diesen Artikel, den Sie sehr schwungvoll, deutlich und beherzt geschrieben haben. Beherzt vor allem wegen der deutlichen Kritik an den Praktiken der Pharmaindustrie und die Erschwerung der Bewertungsarbeit von seiten der Politik. Das war deutlich und klar. Bravo.

#14 |
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..aber bedenken Sie auch, wieviel Geld inzwischen damit verdient wird, auf Medikamente einzuschlagen..es gibt den riesigen Markt der Psychotherapien ( ich therapiere natürlich auch, aber in KOMBINATION mit kognitiver Psychotherapie nach Beck und Hautzinger ,manchmal ein kleines bischen Tiefenpschologie, etwas CBASP,etwas IPT, Paargespräche….)…die Medikamentenverteufler wollen alle Geld vedienen, Milliarden inzwischen, und leben von fleissig gestreuten Vorurteilen..dabei ist es ein Collateralschaden, wenn die Pat verunsichert werden, und sich suizidieren, da sie die Tbl absetzten..da sucht man doch keine Schuld bei sich..igittigitt…. der unbeliebte oder unfähige Gynäkologe, der sein Budget aufbessert, indem er “Hormone einstellt”, der Hausarzt, der “Aufbauspritzen ” als IGEL-Leistung vertickert (also, selbst bezahlt vom Patienten)..schlecht ausgebildete Psychologen (die meisten haben es inzwischen kapiert), Sozialarbeiter,die auch mal therapieren wollen, Handaufleger, Kartenleger, Akupunktuere, Schmerztherapueten, Astrologen, Wünschelrutengängrer, Homöopathen, Heilpraktiker..sie alle ernähren sich von der Unfähigkeit des Depressiven, sich zu wehren und sich zu verstehen und seine Krankheit zu akzeptieren..

#13 |
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Hallo Fr. Hoffmann,,
danke für Ihrem Ärger und Ihr Engagement, manchmal kann man bornierten und unbeholfenen Kollegen mit deren Helfersyndrom-und Liebestherapievorstellungen nicht anders als den Kopf waschen..Mir fällt auf, dass nicht wenige Pat. selbstbewusster ihre Interessen vertreten, seit sich R. Enke suizidiert hat..es wäre schön, wenn sein Tod so Sinn bekäme.. Dr. Vieten

#12 |
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Studentin

…achso ja, das sollte Sondermüll heißen- kleiner Tippfehler.
Außerdem wollte ich noch hinzufügen, dass man weitaus mehr noch ausprobieren kann als nur Antidepressiva, wenn man unter Depressionen leidet (z.B. mood stabilizer).
Und nicht, dass es zu einem Missverständnis kommt: Ich selbst als Betroffene schätze meine Therapeutin sehr und profitiere sehr von Gesprächen, aber nicht-Erkrankte müssen einfach verstehen, dass Depressionen auch völlig grundlos und ohne erkennbaren Auslöser auftreten und dann kommen sie mit Gesprächen nicht weiter und man muss sich einfach aus dem Kopf schlagen, dass man jemanden mit einer endogenen Erkrankungen allein nur mit Liebe, verständnisvollen Blicken usw. (von Seiten der Angehörigen) im Leben halten kann und der Effekt von Therapiegesprächen hält auch nur kurzfristig an und es ist sehr schwierig überhaupt jemanden dieser Art aufzusuchen, wenn ihr Antrieb gleich null ist!

#11 |
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Studentin

@Einstein
Alle Antidepressiva als Sondermüss entsorgen und alleinig auf Gespräche umsteigen ist der größte Müll, den ich je gehört habe. Wenn sie an Depressionen leiden würden, wüssten sie, das das völlig illusorisch ist. Menschen, die immer wieder an Depressionen leiden, können sich nicht allein mit Gesprächen über Wasser halten, sie brauchen auch eine Basis, die sie trägt (Medikament) und ich denke, es gibt ausreichend Studien, die bewiesen haben, dass die beste Kombination (vor allem in der Rezidivprophylaxe) aus Pharmako- UND Psychotherapie besteht!

#10 |
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Als Psychiater und Psychotherapeut aergere ich mich ueber die Unkenntnis mancher Kollegen hier,speziell der ‘Hormonisten’..meist betriebsblind..empfehle den weniger professionell mit krankhaften Depressionen (mittelschwer bis schwer) arbeitenden,aber interessierten Kollegen den Focusartikel von Anf.Nov..der berichtet in einfachen Worten perfekt aus der modernen Depressionsforschung und -therapie..Dr. Vieten,Moenchengladbach

#9 |
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angelika demski
angelika demski

Vielleicht ist eine Pille aus Liebe, Respekt,Zeit und Akzeptanz der beste Wirkstoff. Auf alle Fälle ohne Nebenwirkung. Denn 15kg auf die Depression gepackt ist ein fataler Wirkverstärker.

#8 |
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Matthias Schmidt
Matthias Schmidt

Tja, ein sehr eigenes Kapitel die neuen (und alten) anti-depressiven Therapieansätze.
Gibt’s Übersichtswissen, wo man wenigstens IM GROBEN je nach Fall vorsortieren könnte?
Konkret suche ich für: Frau,37, 3-fache Mutter, PTBS massiv (Kindestodt zum Ende der Gravidität), Borderline- & Bipolare-Störung sowie multipersonale Krisen,
seit 7. Lj. Asthma sprühpflichtig, seit 11./12. Lj. schwerste Neurodermitis, Alkohol- u. z. T. Drogenmissbrauch seit 14. Lj., zuletzt massiver Alkoholismus, z.Zt. in stat. Entzugsklinik
u.a. eine MEDIKATION.

#7 |
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Der Artikel gefällt mir, ist sehr gut recherchiert; etwas überraschend finde ich allerdings das positive Abschneiden des unter anderem die Dopaminwiederaufnahme hemmenden Bupropion, welches im Arzneitelegramm ja eher negativ bewertet wurde und jahrelang eher als Nikotinentwöhnungsmittel Schlagzeilen machte. Das muss ich mir zumindest für den tabakabhängigen Depressiven im Hinterstübchen behalten. Großer Mist steht allerdings in einem Leserbrief: Depressionen mit Hormonen behandeln, ich glaube ja, dass das wirksam ist aber eben als Placebo, als Vermittler der geistigen Droge Arzt. Da sind mir allerdings die antidepressiv behandelnden Kollegen aus der Homöopathieliga lieber, denn die richten wenigsten keine iatrogenen Schäden wie Thrombosen Mammakarzinom, Korpuskarzinom, Prostatakarzinom und arteriovenöse Thrombosekrankheiten an.

#6 |
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es bleibt immer das alte schema:symptom kurieren,mehr oder minder gut.es wäre zeit über die gründe u physiologischen veränderungen ,die zur depression führen,nachzudenken.wenn ich hormonelle ungleichgewichte einstelle,verschwinden 80%der
depressionen wie von selbst.bei der frau liegt es häufig am mangel an progesteron,nicht östrogen!!!
beim mann steht der testosteronmangel im vordergrund.bei beiden geschlechtern ist auf den cortisol-gegenspieler dhea zu achten.messen und handeln!

#5 |
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Heilpraktikerin

als additives mittel zur therapie bei einem chronischen schmerzsyndrom finde ich mirtazapin hervorragend. die einstellung und der umgang mit dem schmerz verändern sich positiv.

#4 |
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Dr. Christian N.A. Peters
Dr. Christian N.A. Peters

So ganz falsch liegt das IQWIG hier zufälligerweise mal nicht ;-)
Ich hatte kürzlich übrigens eine Patientin, die sehr unglücklich war, in der Depression 15kg abgenommen zu haben – da habe ich Mirtazapin nur zur Zunahme mal überlegt – sonst aber nicht schlecht. Opipramol (also Insidon, wenn es denn der Pharma dienen soll) macht v.a. müde als NW – ist zum Schlafen also nicht schlecht – und auch bei Angststörungen nicht so schlecht, aber die antidepressive Wirkung ist kaum da, oder?

Und letzlich doch das Wichtigste: Wir brauchen viele verschiedene Medikamente, also auch Reboxetin (das sicher nicht das wirkunsvollste AD ist…), weil jeder Patient ein anderer Mensch ist und wir nicht alle nach Studiendaten über einen Kamm scheren könne – ich kenne viele, denen es mit Reboxetin nachher besser ging (ob das ich bin, ein anderer Arzt, das Medikament oder einfach eine Selbstlimitierung der Depression oder ganz was anderes ist, finde ich dann völlig egal und theoretisch).

Also weiter sehen, ich werde Reboxetin weiter (aber weiter selten…) verordnen – und wenn die Gesundheitspolitiker finden, es sei zuviel Geld da, können sie gerne das Zuviel an Geld dem IQWIG zuschießen, benötigt wird es nicht…

#3 |
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MarkusRudolf Domula
MarkusRudolf Domula

…wieder mal ein Beispiel, wie in Deutschland Politik gemacht wird. Es geht um Lobbyismus und nicht um Realität, darum, Meinungsbildent zu sein, um sich zu bereichern. Deshalb ist es gut, daß die hier nochmal so transparent gemacht wurde – danke.
Was ich als Psychiater nur beschränkt nachvollziehen kann, ist die fehlende Wirksamkeit von Reboxetin. Klar, bei jungen Patienten habe ich es nie eingesetzt. Schon der Nebenwirkungen wegen. Aber bei den Alten will ich es nicht missen! So oft habe ich gute Erfolge damit gehabt und die Menschen aus schweren Depressionen herausgeholt! Mir scheint es einen deutlichen Alterseffekt zu geben. Gab es dahingehend eine Subgruppenanalyse?

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Danke, als Betroffene UND Ärztin in der Psychiatrie kann ich zu dem Wirkstoff Mirtazapin herzlich gratulieren, zumindest wenn man zusätzlich auch gleichzeitig einen BMI von > 12,1 innehat, denn: Eine Gewichtszunahme von 15 kg binnen acht Wochen ist hiermit problemlos möglich, leider ohne antidepressive Wirkung nebenher. Aber als Mittel zur Gewichtszunahme und nächtlichen Kühlschrankplünderungen: Zu empfehlen. Und dies mit Bravour.
Auch wenn die Substanz im Artikel kritisch angesehen wird, für mich gilt dieses Mittel auf den absoluten Index, zumal sie in sowohl im persönlichen Test, als auch bei Patienten genau das bewirkt hat, was ich beschrieben habe: Der Patient wird einfach nur fett, träge und kommt aus seinem Sumpf gar nicht mehr heraus. In der Akuttherapie bewährt? Zweifellos, wen man den Patienten chemisch an’s Bett fesseln und damit vom Suizid abhalten möchte.
Zu den anderen Substanzen enthalte ich mich, damit habe ich keine Erfahrung und kann mich nur auf diese anderer verlassen.

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