Drei gegen Drei

21. Dezember 2009
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Die europäische Krebsmedizin ist auf Erfolgskurs: Mit einer Kombinationstherapie kann ein großer Brusttumor, der ohne Metastasen einhergeht, bereits vor einer Operation zum Verschwinden gebracht werden.

Brustkrebs ist europaweit die häufigste Krebsneuerkrankung bei Frauen: 27,8 Prozent aller bösartigen Erkrankungen fallen in dieser Bevölkerungsgruppe auf ein Mammakarzinom. In Deutschland erkranken jedes Jahr 57.000 Frauen an Brustkrebs, in Österreich ist das Malignom bei rund 38.000 Frauen Anlass für eine stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus. Brustkrebs tritt früher auf, als andere Krebserkrankungen: Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren.

Neoadjuvante Therapie verbessert

Die Therapie eines Mammakarzinoms soll je nach Erkrankungsstadium Heilung, Lebenszeitverlängerung oder eine Linderung der Krankheitsbeschwerden bringen. Eine neue Kombinationstherapie, die in Österreich entwickelt wurde, gibt seit kurzem Anlass zu Hoffnung: Bei Patientinnen, die bereits an einem großen Mammakarzinom ohne Metastasen leiden, kann der Tumor vor einer Operation zum Verschwinden gebracht werden. Dieses Ergebnis präsentierte die österreichische Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkarzinome (ABCSG) nach der ABCSG-24-Studie, die unter Leitung des Onkologen Günther Steger von der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Wiener AKH stand. Dabei ging es um eine Verbesserung der neoadjuvanten medikamentösen Therapie von Frauen mit Brustkrebs vor einer Operation. Die primäre Chemotherapie wird vor der chirurgischen Behandlung durchgeführt, mit dem Ziel, den Tumor zu verkleinern, um eine vollständige Entfernung bei möglichst brusterhaltender Operation zu ermöglichen und um den Erfolg weiterer neoadjuvanter Verfahren besser abschätzen zu können. Angestrebt wird die komplette Remission. Der Pathologe soll bei dem Gewebe, das in der Operation entfernt wurde, keine Krebszellen mehr finden. “Das erhöht die Langzeit-Überlebensrate von Brustkrebspatientinnen“, erklärt Steger. „Bisher gelang das mit den verwendeten Chemotherapien bei 15, 16 oder 17 Prozent der Behandelten. Eine von sieben Patientinnen profitierte auf diese Weise von der Behandlung.” Beim inflammatorischen Mammakarzinom und bei inoperablen Tumoren ist die neoadjuvante Chemotherapie bereits Standard.

Das Erfolgsrezept: Epirubicin, Docetaxel und Capecitabine

In der ABCSG-24-Studie wurde auch bei Patientinnen mit großem Tumor (ohne Metastasen) oder bei Hinweisen auf einen aggressiveren Tumor der Brustkrebserkrankung durch eine neoadjuvante Chemotherapie zu Leibe gerückt. In Zusammenarbeit mit mehreren österreichischen Kliniken untersuchten die Autoren, ob man im Vergleich zur Chemotherapie mit den Zytostatika Epirubicin (Anthrazyklin), Docetaxel (Taxan) die Krebszellen noch effizienter zum Verschwinden bringen kann, wenn man die Substanz Capecitabine (Fluoropyrimidin-Carbamate) zufügt. Die Onkologen waren mit dieser Strategie erfolgreich: 536 Brustkrebspatientinnen erhielten zu Hälfte die Zweier-Kombinationstherapie und ein Placebo oder die neue Behandlung. Steger: “Wir konnten den Anteil der Frauen, bei denen keine Krebszellen in der Brust mehr zu finden waren, von 15,2 auf 23,8 Prozent steigern. Das ist eine Steigerung um 50 Prozent. Jetzt profitiert mit einer solchen Therapie nicht mehr eine von sieben Patientinnen und hat damit eine bessere Überlebenschance, sondern jede vierte.“

Brust durch neue Therapie erhalten

Obwohl ein drittes Chemotherapeutikum dem Behandlungsschema hinzugefügt wurde, blieben die Nebenwirkungen gering. In der konventionell behandelten Gruppe konnten 96 Prozent der Behandlungen in sechs Zyklen alle drei Wochen durchgeführt werden, in der Gruppe mit der erweiterten Therapie 94 Prozent. Ein weiterer Erfolg: Durch die neue Therapie kann der Anteil der Patientinnen, bei denen brusterhaltend operiert werden kann, weiter angehoben werden. Bei 80 Prozent schrumpft der Tumor auf mehr als die Hälfte der ursprünglichen Größe. Und wenn es sich schon vor der Operation zeigt, dass die Geschwulst nur gering oder gar nicht anspricht, kann sofort auf ein neues Behandlungsregime umgestellt werden. An einer Folge-Untersuchung (ABCSG-34) sollen 520 Patientinnen in 17 österreichischen Zentren teilnehmen. Getestet wird die Wirkung von Sunitinib. Der Tyrosinkinase-Hemmer blockiert Moleküle, die für das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen sorgen.

A randomized phase III study comparing epirubicin, docetaxel and capecitabine (EDC) to epirubicin and docetaxel (ED) as neoadjuvant treatment for early breast cancer. First results of ABCSG-24, a trial by the Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group (ABCCSG).

Authors: G. G. Steger, R. Greil, R. Jakesz, A. Lang, B. Mlineritsch, E. Melbinger-Zeinitzer, C. Marth, H. Samonigg, E. Kubista, M. Gnant Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group; Medical University of Vienna, Vienna, Austria; Paracelsus University Salzburg, Salzburg, Austria; Medical University of Vienna, Vienna, Austria; Feldkirch Hospital, Feldkirch, Austria; Wolfsberg Hospital, Wolfsberg, Austria; Medical University of Innsbruck, Innsbruck, Austria; Medical University of Graz, Graz, Austria

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1 Kommentar:

Professor Dr. med. Hans Koller
Professor Dr. med. Hans Koller

frohe weihnacht überall……………..

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