Arthrose: Bluttest statt Kristallkugel

23. Dezember 2009
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Arthrosen sind weit verbreitet und werden trotzdem viel zu oft zu spät erkannt. Mit einem einfachen Bluttest lässt sich jetzt das Risiko einer Knie- oder Hüftgelenksarthrose voraussagen.

Schmerzen und Entzündungen in den Gelenken, kaputte Knorpel, Verdickungen, Verformungen oder Versteifungen: Die Osteoarthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. Die sozioökonomische Belastung für die Gesellschaft und individuelle Beeinträchtigung jener Menschen, die unter der Krankheit leiden, sind erheblich. Aufgrund unterschiedlicher Definitionen gibt es weltweit nur wenige Studien zur Inzidenz der Erkrankung mit unterschiedlichen Ergebnissen. Fest steht jedoch: Die Prävalenz der Arthrose steigt mit dem Alter. Sie beträgt bei 20-Jährigen 9 Prozent, bei 34-Jährigen bis zu 17 Prozent und bei über 65-Jährigen mehr als 90 Prozent. Die genauen Entstehungsmechanismen der Arthrose sind unklar, die Erkrankung ist jedoch auf den Verschleiß von Gelenksknorpel zurückzuführen. Für die Entwicklung einer Arthrose ist auch ein multifaktorielles Geschehen aus Knorpelschädigung, metabolischen Effekten und biochemischen Faktoren denkbar. Als beeinflussbare Risikofaktoren gelten Gewicht, hormonelle Einflüsse, Gelenkdeformitäten, Traumata, Überlastungen und operative Eingriffe an den Gelenken. Das häufigste Symptom, das den Patienten zum Arzt führt, ist der Schmerz. Allerdings lassen sich im Frühstadium der Erkrankung radiologisch oft keine besonderen Befunde dokumentieren.

Ein Eiweiß gibt jedoch Auskunft

Seit kurzem gibt ein einfacher Bluttest Anlass zur Hoffnung: Im Rahmen einer Studie konnten Neurologen der Universitätsklinik Innsbruck beweisen, dass mit einem einfachen Bluttest das Risiko eines Menschen bestimmt werden kann, im weiteren Verlauf seines Lebens an einer Knie- und Hüftgelenksarthrose zu erkranken. Univ.-Prof. Dr. Stefan Kiechl, Univ.-Prof. Dr. Johann Willeit und Univ.-Prof. Dr. Georg Schett fanden als Schlüssel zur Risikoeinschätzung ein Eiweiß namens VCAM1 (vascular cell adhäsion molecule1), das eigentlich mit einer anderen Erkrankung, nämlich der Atherosklerose, in Zusammenhang steht: VCAM1 bewirkt in diesem Zusammenhang Mechanismen für eine endotheliale Dysfunktion: Neben anderen Adhäsionsmolekülen steht das Eiweiß für eine Ankoppelung zirkulierender Leukozyten an das Endothel von Blutgefäßen, was als zentraler Vorgang in der Entwicklung von frühen atherosklerotischen Läsionen gilt. Auch bei Knie- und Hüftgelenksarthrosen spielt das Eiweiß eine wesentliche Rolle: Patienten mit hohem VCAM1-Spiegel erkranken unabhängig von Alter und Körpergewicht vier- bis fünfmal häufiger an einer Knie- und Hüftgelenksarthrose, als Patienten mit einem niedrigen VCAM1-Spiegel.

Alter, Gewicht und VCAM1-Wert summieren sich

Kiechl. Willeit und Schett beobachteten in der so genannten „Bruneck-Studie“ 912 Personen im Alter von 40 bis 79 Jahren über einen Zeitraum von 15 Jahren. Im Mittelpunkt ihrer Forschungen standen Herz-Kreislauferkrankungen, Krankheiten des Nerven-, Muskel- und Skelettsystems. Den Studienteilnehmern wurde zu Studienbeginn Blut abgenommen, alle fünf Jahren wurden sie umfassenden Untersuchungen unterzogen. Bei 60 Personen, die am Ende des Untersuchungszeitraumes an einer schweren Knie- und Hüftgelenksarthrose litten und sogar einen orthopädischen Gelenkersatz benötigten, stellten die Neurologen einen signifikant hohen VCAM1-Wert fest. Neben Lebensalter und Körpergewicht ist das VCAM1 somit eines der wenigen Instrumente, die es ermöglichen das Risiko einer Arthrose abschätzen zu können und zugleich der erste Labortest in diesem Zusammenhang. VCAM1 kann auf einfache Weise in Blutlaboren bestimmt werden. Die neuen Erkenntnisse lassen sich wunderbar zur Prophylaxe einer Knie- und Hüftgelenksarthrose einsetzen: Ein übergewichtiger Patient mit hohem VCAM1-Wert könnte sein Erkrankungsrisiko durch Gewichtsabnahme deutlich reduzieren, davon sind die Forscher überzeugt, da die Faktoren Alter, Gewicht und VCAM1 Wert additiv wirken. Rechtzeitige Präventiv- und Therapiemaßnahmen reduzieren nicht nur die Risikofaktoren zu erkranken, sondern auch die volkswirtschaftliche Belastung für das Gesundheitssystem.

Vascular cell adhesion molecule 1 as a predictor of severe osteoarthritis of the hip and knee joints

99 Wertungen (4.05 ø)
Allgemein

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4 Kommentare:

Mag Brigitte Hueber
Mag Brigitte Hueber

finde die untersuchung als präventive massnahme hervorragend, wenn man weiss wie man diesn VCAM1 Spiegel senken kann!

#4 |
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Bei dieser Studie schent es sich eher um das Bild der “symptomatischen” Arthrose zu handeln, d.h. mit schmerzerzeugender synovialen Reaktion.
Kaum vorstellnar ist. dass VCAM1 hier als ein chondrocytäres Zellprodukt mit negativem Einfluß auf die Materialeigenschaften des Gelenkknorpels eine Rolle spielt und in solchen Mengen im synovialen Milieu mit Blutchemie -Nachweisbarkeit auftaucht.
Empfehle eine Besuch auf
http://www.arthrose-prozess.de

#3 |
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Dr. Gottfried Weise
Dr. Gottfried Weise

Welche Therapiemöglivhkeiten werden dikutiert?
Artikel ist aus meiner Sicht sher interessant.

#2 |
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“Auch bei Knie- und Hüftgelenksarthrosen spielt das Eiweiß eine wesentliche Rolle: Patienten mit hohem VCAM1-Spiegel erkranken unabhängig von Alter und Körpergewicht vier- bis fünfmal häufiger an einer Knie- und Hüftgelenksarthrose, als Patienten mit einem niedrigen VCAM1-Spiegel.”

Diese Aussage entspricht aber nicht der Originalstudie. Dort wird lediglich von einem vermehrten Risiko in Abhängigkeit von Alter und Gewicht ( BMI) angeführt.

Wie können Sie die obige aus Ihrem Text zitierte Aussage belegen ?

#1 |
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