Telenotarzt: Nicht dabei statt mittendrin

23. August 2018

Telenotärzte entlasten den Rettungsdienst, sagen Einsatzkräfte, die bereits mit ihnen zusammenarbeiten. Welche Vorteile hat es, Anweisungen von jemandem zu erhalten, der nicht vor Ort ist? Kollegen erzählen aus der Praxis, in welchen Situationen der Telenotarzt hilft.

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9 Kommentare:

Heilpraktiker

Ich sehe den TNA als gerechtfertige Notlösung zu Zeitüberbrückung und Gefahrenminderung bis zum Eintreffen des amtierenden NA. Die Rettungsdienstleister haben entschieden, nicht eigenständig handeln zu können. Das gilt für mich als rechtfertigender Notstand u. Grund, auf DSGVO zu pfeifen, zumal die Bilder nicht öffentlich ins Netz gestellt werden, sondern – unter Wahrung von Schweigepflicht u. Ethik – im Dienstbereich. Hilfe steht hier an erster Stelle!
Der TNA ist notgeboren und sollte eigentlich übergangsweise u. als Provisorium dienen. Aber wie es heißt es so schön: Provisorien leben am längsten? U.a. auch, weil sie Geld sparen u. Aktionären Freude bereiten.
Aber der reale NA ist nicht wirklich ersetzbar! Aber lebensrettend ergänzbar. Rettungsmedizin sollte zwar auch wirtschaftlich arbeiten, aber kein Wirtschaftsunternehmen sein und für Investoren tabu.

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Andreas Follmann
Andreas Follmann

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wichtig ist zunächst einmal, dass sich das Telenotarztsystem in Aachen elementar vom Telenotarztsystem in Straubing unterscheidet und bereits seit 2014 im Regelrettungsdienst implementiert ist. Auch in Aachen gab es mehrere Testphasen, in denen aus Gründen der Patientensicherheit ein Notarzt mit vor Ort war. Unter anderem ist ein wesentlicher Unterschied, dass die Videoübertragung in Straubing als sehr wichtig angesehen wird, in Aachen aber nur selten eingesetzt. Grund dafür ist die über mehrere Mobilfunknetze parallel stattfindende Kombination aus Vitaldatenübertragung in Echtzeit, Audiokommunikation, Fotoübertragung und 12-Kanal-EKG-Übertragung, welche fast immer zur Generierung eines umfassenden Bildes des Patientenzustands ausreicht. Auf diese Weise können Notfallsanitäter sowie Rettungsassistenten dann auf Knopfdruck rechtssicher ärztlich unterstützt werden, wenn sie es für erforderlich halten und wenn sie mit den auch in Aachen vorhandenen SOP’s nicht mehr weiterkommen oder aber ihre Verantwortung für den Patienten in ärztliche Hände geben möchten. Denn selbst das Notfallsanitätergesetz erlaubt ihnen die Ausübung der Heilkunde nicht. Durch diese Unterstützungsmöglichkeit wird verhindert, dass Notärzte zu banalen Einsätzen disponiert werden, sondern ressourcenschonend nur dort eingesetzt werden, wo ihre manuellen Fertigkeiten erforderlich sind.

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Nichtmedizinische Berufe

Herr Maximilian Micka, was Sie in Bayern kennengelernt haben, ist ein komplett anderes System und hat nichts mit dem im Video zu tun.

1. Jeder darf sein System Telenotarzt nennen, es gibt da keinen Schutz. Die Bayern haben da einfach mal kopiert und rechtens ist das formaljuristisch.
2. Die Aachener betreiben dies bereits seit Jahren.
3. Ein Notarzt wird IMMER alarmiert? Mitnichten, das NEF kann nachgefordert werden, ist aber meistens nicht so. Daher resultiert sehr wohl “Personal gespart”. Zumindest in Aachen ist das so.
4. Das hat alles nichts mit Herr Spahn zu tun, richtig.
5. Fortschritt ist wichtig und ländliche Gebiete mit langen Anfahrtszeiten werden sich freuen, so etwas zu haben.

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Maximilian Micka
Maximilian Micka

Ach ja… Nachtrag:
Der TN hat nix mit dem Herrn Spahn zu tun. Die Planungen laufen in unserem Bereich schon seit Zeiten, wo keiner den Namen Jens Spahn kannte.

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Maximilian Micka
Maximilian Micka

Also ich bin Notarzt im Rettungsbereich Straubing-Bogen, wo eine Testperiode lang der TN auf Herz und Nieren geprüft werden soll.
Meine Beobachtungen:

1. Das Gebiet umfasst hauptsächlich den ländlichen Raum. Ich kenne dort einige Flecken, wo weder das D1 noch das D2 oder Eplus-Netz Daten übertragen.
2. Laut Information der Verantwortlichen gelten unglaublich hohe Anforderungen für die Telenotärzte. Diese müssen mindestens FA für Anästhesie sein und LNA und einen Haufen Einsätze pro Jahr machen und in Kommunikation geschult sein… Ja, wo wollen sie denn das Personal herbekommen? Und warum nur Anästhesisten? Bei der Beurteilung eines “komischen EKG” wäre doch evtl. der Kardiologe sinnvoller.
3. Mit dem Telenotarzt wird IMMER auch der bodengebundene Notarzt alarmiert, dieser bekommt dann eine Übergabe am NAW vom TN, kann dann sagen: Danke, Herr Kollege!”, und den Apparat ausschalten. Personal gespart? Fehlanzeige! Gott sei Dank? Na und ob!!
4. Der Patient muss wegen Datenschutz gefragt werden, ob es ihm Recht ist, dass per Kamera Bild und Ton von ihm übermittelt werden dürfen. Also, ich denke da mal an den dementen Opa, der mal grundsätzlich alles ablehnt oder auch an eine junge Frau,der man gerade das Oberteil aufgeschnitten hat und EKG-Kabel angebracht hat: Könnte sein, dass die erhebliche Einwände vorbringen mit einer webcam gefilmt zu werden.
5. Ich habe mit vielen Sanis gesprochen, was siie von der Idee halten. Die meisten halten nichts davon. Völlig zu Recht befürchten sie mehr Schwierigkeiten als Nutzen.
6. Der bisherige Zeitplan in unserem Bereich wurde nicht eingehalten. Anstatt des kompletten Bereiches läuft momentan nur ein kleiner Bereich. Die Fahrzeuge mussten trotzdem ALLE umgerüstet werden.
Mein Fazit: Unnötige technische Spielerei mit dem Leben und der Gesundheit unserer Patienten.

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DR Ralf Knieling
DR Ralf Knieling

Es stellt sich doch die Frage nach dem WARUM!
Kostenersparnis! Was sonst? Qualitativ ist die Versorgung durch Rettungsdienst plus NA sehr gut, noch besser wären eingespielte Komplettteams. Per Telemetrie fehlen mehrere Qualitäten die den Mendchen auszeichnen: Fühlen, direktes sehen, fühlen, riechen.
Man könnte doch mal Herrn Scheuer und Herrn Spahn hinschicken und Ihnen per Telemetrie Anweisungen geben….

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Dr. Matthias Gast
Dr. Matthias Gast

Die Telemedizin kann den Notarzt vor Ort bei lebensbedrohlichen Notfällen nicht ersetzen und genau dafür ist der Notarzt da. Wenn man natürlich die Notärzte zuhauf mit minderschweren Notfällen beschäftigt und diese dann als Notarzteinsätze deklariert kann schnell der Eindruck entstehen das der Telenotarzt hier entscheidend helfen kann. Aber sind wir ehrlich, die Opiatgabe bei einer bereits ruhig gestellten peripheren Fraktur nach Aufnahme des Patienten in den Rettungswagen stellt mehr eine Luxusversorgung als eine Notarztindikation dar. Wichtiger wäre doch die Analgesie vor Reposition und Ruhigstellung, dies geschieht dann allerdings zumeist ausserhalb des RTW und damit ausserhalb des Sichtfeld der fest eingebauten Kamera. Hier sind SOP für die NFS, wie in einem anderen Kommentar schon beschrieben, sicherlich hilfreicher. Zudem funktionieren die Mobilfunkverbindungen zwar in den Ballungsräumen mit hoher Krankenhausdichte einigermassen zuverlässig, aber eben nicht in den ländlichen Regionen. Insofern besteht die reale Gefahr das die Notärzte noch leichtfertiger zu banalen Einsätzen disponiert werden, da ja ein System zur Überbrückung existiert, das aber im Ernstfall die ärztliche Kompetenz vor Ort nicht ersetzen kann

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Gesundheits- und Krankenpflegerin

interessanter Beitrag. So etwas wird in Kanada schon lange mittels “Telemetrie” eingesetzt. Für Einsätze im ländlichen Raum ist das für die Rettungskräfte eine optimale Unterstützung.

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Generell finde ich es lobenswert, wenn Kollegen neue Ideen entwickeln und voran treiben, Innovation war schon immer der Motor zu einer Verbesserung der Patientenversorgung. Sicherlich mag es Situationen geben, wo die Konsultation eines Telenotarztes Vorteile für die Versorgung bringt. Wenn man sich das Beispiel aus dem Video anschaut, so frage ich mich jedoch, wieso man nicht viel mehr die Einführung von standardisierten Handlungsabläufen incl. Medikamentengabe (incl. Opioiden) forciert. Von der Uniklinik Aachen sind es Luftlinie 2km in die Niederlande, dort kann man sich abgucken, wie ein System aus gut ausgebildeten RTW-Besatzungen mit Standardprotokollen sicherlich keinen (Tele)Notarzt für eine Analgesie oder anderweitige Medikamentengabe benötigt und es dennoch ein Notarztsystem gibt (über die Traumahelikopter), die dann angefordert werden, wenn wirklich ein Notarzt einen Qualitätsunterschied in der Versorgung machen kann. Für mich gilt leider weiterhin das Prinzip “Durch Telefon und Hose keine Diagnose”und bleibt der Telenotarzt ganz besonderen Umstände (Inseln, Halligen, Off-Shore Windparks u.ä.) vorbehalten und nicht der flächendeckenden Versorgung, wo man “langfristig hin muss”.

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