Ausgebrannte Helfer

5. Januar 2010
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Sie sollen ihre Patienten gesund machen und werden dabei selbst krank. Die Belastung durch Stress und lange Dienste ist für Ärzte höher als in den meisten anderen Berufen und fordert ihren Tribut - auf Kosten der Ärzte und deren Patienten.

“Lebensqualität in der Chirurgie? Die gibts doch gar nicht” – “Chirurgie ist ein Traumberuf mit Albtraumbedingungen!” Zwei Aussagen aus einer Befragung von rund 3.600 deutschen Chirurgen zu ihrer Arbeitszufriedenheit. Dass Ärzte nicht unbegrenzt stressresistent sind und genauso wie andere Berufsgruppen auf ständigen Leistungsdruck reagieren, ist bekannt. Untersuchungen in den letzten Jahren haben aber erst das wahre Ausmaß von Mehrtages-Schichten bei gleichzeitiger Verantwortung für das Leben der ihnen Anvertrauten aufgezeigt.

Jeder sechste Arzt ist krank

Eine kanadische Studie bestätigt die Aussagen der Chirurgen. Rund die Hälfte aller befragten Ärzte empfindet ihren Beruf als äußerst stressig, rund 17 Prozent fühlen sich deswegen nicht fit. Judith Rosta kommt in ihrer Untersuchung bei deutschen Ärzten auf ganz ähnliche Ergebnisse. Weibliche Ärzte leiden dabei noch mehr als ihre männlichen Kollegen. Körper und Geist von Heilkundigen reagieren auf die tägliche Arbeit mit Erschöpfung und Bedürfnis nach Schlaf, Rücken- und Nackenschmerzen und vor allem leichter Reizbarkeit.

Deutsche Mediziner arbeiten durchschnittlich rund 50 bis 60 Stunden in der Woche. Zufrieden mit ihrem Dasein sind aber sehr viel weniger Ärzte als in anderen Berufsgruppen mit ähnlichen Arbeitszeiten. Besonders am Anfang der Karriere läuft alles meist ganz anders, als es sich die jungen Mediziner einmal vorgestellt haben: Nur jeder 15. Assistenzarzt ist mit seinem Leben sehr zufrieden.

Zu der Verantwortung für ihre Patienten sind für Ärzte des 21. Jahrhunderts noch zahlreiche andere Aufgaben dazugekommen. Sie müssen sich mit ausgiebiger Dokumentation ihrer Arbeit herumschlagen, mit knapper werdenden Honoraren auskommen und sich als Kostenmanager für das Gesundheitswesen betätigen. Immer strengere Regeln für die Behandlung engen zudem die Entscheidungsfreiheit zunehmend ein. Selbstbestimmung und Entscheidung für die Therapie, die für die Krankheit am besten erscheint? Recht weit hergeholt scheint der Vergleich zum ärztlichen Arbeiter am Patientenfließband nicht mehr zu sein. Auch wenn Chirurgen noch von einem Traumberuf sprechen, breitet sich der Frust über den eigenen Job immer mehr aus.

Patienten leiden mit

Müdigkeit und Burnout führen besonders nach langen Diensten zu mehr Nadelstichverletzungen oder Unfällen auf der Heimfahrt nach der Arbeit. Der überforderte Arzt riskiert aber nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Patienten. Sogar Ärzte selber räumen ein, dass sie ihre Patienten vernachlässigen, wenn sie sich selber eigentlich am liebsten zur Ruhe legen möchten. Bereits vor mehr als 15 Jahren untersuchte Robin DiMatteo aus Kalifornien an knapp 200 Internisten, wie sich Zufriedenheit mit der Arbeit auf die Therapie ihrer rund 20 000 Patienten mit chronischen Krankheiten auswirkte. Das Ergebnis der zweijährigen Longitudinal-Studie: Je glücklicher der Arzt mit seinem Job war, desto zuverlässiger nahmen die Patienten die verschriebenen Medikamente und desto effektiver war die Behandlung. Umgekehrt, so fand ein Team aus dem amerikanischen Wisconsin letztes Jahr heraus, verlängerte sich die Zeit nach der Entlassung bis zur vollständigen Erholung, wenn der behandelnde Arzt unter einem “Burnout-Syndrom” litt.

Angst um die Zulassung

Nur wenige Ärzte wagen sich dann aber in die Sprechstunde des Kollegen. Zwar denkt jeder vierte daran, sich behandeln zu lassen, nur jeder fünfzigste tut das aber tatsächlich. Die Angst geht um, dass der Kollege an der Kompetenz zweifelt, wenn man anscheinend nicht mit der Krankheit im eigenen Körper fertig wird. Schlimmstenfalls könnte er das Handicap bei der Patientenbehandlung an die Aufsichtsbehörden melden. Also bleiben die meisten mit ihrem Leiden allein. Und wie werden sie mit dem Stress fertig? “Weniger Zigaretten und illegale Drogen, aber mehr Alkohol und mehr Benzodiazepine“, sagt Harald Jurkat, der sich an der Universität Gießen mit dem Thema beschäftigt. Daher finden sich unter Ärzten außerordentlich viele Fälle von Medikamenten- oder Alkoholabhängigkeit. Viele werden auch gar nicht mit dem Druck in der Klinik oder Praxis fertig. Die Selbstmordrate liegt um ein Vielfaches über dem Durchschnitt – leider mit hoher Erfolgsrate, denn der Zugang zu tödlichen Pillen ist für Selbstverschreiber leichter.

Noch immer fehlt es in Deutschland an Daten zur Gesundheit von Ärzten – Voraussetzung für ein effektive Unterstützung der Betroffenen. Nur vereinzelt gibt es entsprechende Angebote, Ärzten aus ihrer Not zu helfen. Seit 2006 bietet etwa die Landesärztekammer Baden-Württemberg ein dreistufiges Behandlungskonzept für abhängige Ärzte, ursprünglich entwickelt von einem selbst Betroffenen, Professor Matthias Gottschaldt. An den Standorten der Oberbergkliniken kümmern sich Spezialisten darum, den Abhängigen von seiner Sucht zu befreien, nicht aber von der Fürsorgepflicht für seine Patienten, die er mit seiner Zulassung eingeht. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die Hamburger Ärztekammer. Dass die Hilfe funktioniert, beweist eine Studie aus Norwegen. Regelmäßige Gespräche mit geschulten Therapeuten reduzierten den ärztlichen Vollzeit-Arbeitsausfall bei Medizinern mit Burnout-Syndrom innerhalb eines Jahres von 35 Prozent auf sechs Prozent, den Grad der Erschöpfung auf das (immer noch hohe) Durchschnittsmaß im Arztberuf.

Lieber Wiederaufbau statt Abschreibung

Die Lebenserwartung von Ärzten liegt unter der anderer Gruppen mit ähnlichem gesellschaftlichen Status – trotz ihres Wissens um Krankheiten und deren Verhütung. Nicht ohne Grund wollen einer kanadischen Umfrage zufolge die Hälfte aller Ärzte die akademische Medizin verlassen. Ein Drittel denkt sogar über einen endgültigen Abschied von der Heilkunst nach. Eine Arztstelle neu zu besetzen, kostet zwischen einhundert- und zweihunderttausend Euro. Die Ausbildungskosten bis zum approbierten Mediziner sind nicht geringer. Eine wirkungsvolle Unterstützung für Ärzte, die ihre Patienten heilen, sich selber aber dabei krank machen, ist ökonomischer.

Wolfgang Hiddemann, ehemaliger Vorsitzender der Gesellschaft für Innere Medizin sagte auf einem Kongress seiner Fachgesellschaft: “Trotz des hohen Anspruchs an den Arzt besteht keine Verpflichtung zur Selbstaufopferung”. Lebensqualität sollte es auch für Chirurgen und ihre Kollegen geben.

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28 Kommentare:

Rettungsassistent

ebenfalls @paracelsus

Das nachträgliche Nachdenken ob denn die Entscheidung richtig war diesen oder jenen Beruf zu ergreifen nützt aber niemanden der für andere Berufe schon zu alt ist um sich dort neu zu etablieren!
SChon mal darüber nachgedacht?
Ab 40 beginnt doch in Deutschland die(arbeitgeberseitige) nichterwünschtheit!
Ich denke oft darüber nach ob ich denn nicht etwas anderes machen sollte, aber mit fast Mitte 40 und zwei Kindern eine neue Lehre machen? Wer nimmt denn jemanden?
Und als Neuling in einem Beruf einsteigen mit entsprechendem Anfangsgehalt? Da kann ich sofort Harz4 beantragen. Was ich , als Medizinberuf auch so schon fast machen könnte/sollte.

Aber ich mache halt den tollsten Beruf der Welt! Er müsste nur noch entsprechend gewürdigt werden!
Dann gäbs kein Nachdenken und keine Burn-Out Gefahr, zumindestens nicht für mich!

#28 |
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Beim Versuch, einen zwar nicht suizidalen, aber dennch schwer depressiven Patienten in der zuständigen psychiatrischen Klinik unterzubringen, habe ich erfahren, dass in diesem Haus bei einer Auslastung von 97% nur 30% der Assistenzarztstellen besetzt sind und deswegen nur absolute Notfälle aufgenommen werden können…

Nur Menschen mit einer pathologischen Arbeitshaltung , die direkt in den Burnout führt, sind bereit, unter solchen Bedingungen zu arbeiten, das gilt angesichts der allgemeinen Geringschätzung der ärztlichen Tätigkeit für alle Praxen und Kliniken

#27 |
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@Paracelsus:
genau dies machen sehr viele Ärztinnen und Ärzte: sie revidieren ihre Entscheidung für den Arztberuf in Deutschland und gehen ins Ausland (wo sehr viel bessere Bedingungen herrschen-nicht unbedingt mehr Geld, sondern bspw.vernünftige Arbeitszeitregelungen u.ä.)oder sie gehen ganz aus dem Beruf heraus, in Verwaltungen hinein, wo sie der Patientenversorgung fehlen.
Mittlerweile bekommen wir ja den Ärztemangel; ist ja auch politisch so gewollt, nur das will keiner der verantwortlichen Politiker wahrhaben bzw. zugeben. Es war doch jahrelange Grundausrichtung, daß es zu viele Ärzte gäbe und das die Zahl reduziert werden müßte (siehe “Zwangsrauswurf mit dem 68. Lebensjahr”). Solcher Schwachsinn ist ja erst vor kurzem revidiert worden. Das zum Thema “verantwortungsbewußte” Politiker.

#26 |
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Heilpraktiker

Wenn endlich einmal die kostenträchtigen Verwaltungen in Krankenversicherungen, Krankenhäusern, medizinischen Diensten, Arzneimittelkosten sowie die unglaubliche Bürokratie in Praxen und Krankenhäuser auf ein vernünftiges Maß zurückgefahren werden, dann kann man Ärzten, Pflegepersonal, Rettungssanitäter usw. so bezahlen wie es ihrem anstrengenden Beruf entspricht und genügend Personal einstellen um diese Belastungen in Grenzen zu halten.

#25 |
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Guten Morgen Allerseits,
das deutsche Gesundheitswesen funktioniert nur durch die ständige und stetige Ausbeutung der tätigen Protagonisten.
In welchem Wirtschaftsbereich werden denn regelmäßig nur 65-70% der erbrachten Leistungen honoriert/bezahlt?
Mute einem Arbeitnehmer eine 30%ige Lohnkürzung zu und es würde neben AG-Prozessen die Gewerkschaften auf den Plan rufen.
Betreffend Arbeitszeitregelung ist EU-weit eigentlich Recht gesetzt worden, das die Arbeitnehmer im Gesundheitswesen schützt; nur: Deutschland hatte sich lange Zeit geweigert, dies umzusetzen. Wo leben wir eigentlich, wenn so Rechte mißachtet und mit Füssen getreten werden.
Mittlerweile bekommen die verantwortlichen Politiker, so sie denn nicht abgewählt worden sind ( Ulla Schmidt,GsD), kalte Füße, denn sie merken, daß die im Gesundheitswesen Tätigen “mit den Füssen abstimmen”; sie gehen ins Ausland, in Verwaltungen oder in die Resignation.
Alles zusammen ergibt einen maximalen volkswirtschaftlichen Schaden.
Deshalb bringt uns nur ein “Schulterschluß” der im Gesundheitswesen Tätigen weiter. Vor allen Dingen muß die “ethische Karte”, die so gerne gespielt wird, zurück gegeben werden, an diejenigen, die unser Gesundheitswesen vor die Wand gefahren haben, und das sind ganz sicher nicht die hier Tätigen.
Lassen Sie uns alle anpacken, um notwendige Änderungen in Strukturen und Köpfen voran zu bringen.

#24 |
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Dr. Petra Maria Sidhom
Dr. Petra Maria Sidhom

In der Tiermedizin sieht es – vor allem in den grossen Kliniken – leider nicht besser aus. Habe die letzten 10 Jahre in England gearbeitet und weiss dass auch dort der Medikamentenabusus und die hohe Selbstmordrate bei Tierärzten immer weider thematisiert werden.
Ungalublich, dass sich weder dort das Royal College – noch hier die zuständigen Kammern für vernünftige Verbesserungen einseztzen. In der Tiermedizin sind es private Kliniken, die durch solch abstruse Arbeitszeiten ihre Gewinne maximieren. Anfangsassistenten erhalten Gehälter die unter denen einer erfahrenen Helferin liegen , kommen aber auf Arbeitszeiten, die oft knapp doppelt so hoch sind. Ich bin jetzt 18 Jahre dabei und es hat sich nichts daran geändert.

#23 |
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Thomas Schultes
Thomas Schultes

Als ich noch studierte, hab ich gedacht, schlimmer als vor den Prüfungen kanns nicht werden,
als ich Assistent war, dachte ich, schlimmer als nach dem schlimmen Dienst in der Glatteisnacht gehts nicht,
als ich eigenverantwortlich arbeitetnd eine Durchfallepidemie in einer Einrichtung…
Nun, jetzt bin ich Hausarzt…
Die eigentliche Arbeit macht Spass, aber sobald der letzte Patient geht beginnt die Sorge um Doku Praxisführung- und Personallverantwortung. Kann ich meine gestressten Arzthelferinnen, die berechtigt Stöhnen weiter beschäftigen?
Das hatte ich vorher nicht, das ist schlimmer als der Rest.

#22 |
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Dr. (I.M.F.-Klausenburg) Daniela Eckert
Dr. (I.M.F.-Klausenburg) Daniela Eckert

Sehr geehrter Herr Kollege “Anonym” und sehr geehrte Frau Kollegin Van der Meij!
Eine Möglichkeit die ich schon lange versuche umzusetzen, ist eine OÜBAG (früher Gemeinschaftspraxis genannt), zu gründen oder eine/-n Kollege/-in einzustellen => FEHLANZEIGE!!!!!!
Wenn das Problem auch beim restlichen medizinischen Personal beachtet wird, erscheint mir als einzige plausible Lösung nur die Bildung von Kooperationen im Sinne von “gesundheitsfördernden und krankheitsbehandelnden” Nukleen nach der Zusammensetzung in MVZ, jedoch wo jeder Teilnehmer selbständig ist und Pflege-, Praxis- und Rettungspersonal von allen eingestellt wird. Es muß ein Geschäftsführer die Honorarschlüßel, die PR- und Personalarbeit leisten.

#21 |
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Silke Lauffer
Silke Lauffer

Apropos Machthaber – wer hat in diesem Gefüge eigentlich das Sagen? Und wer macht unwidersprochen mit?

#20 |
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Silke Lauffer
Silke Lauffer

Sehr guter Artikel, aber die Diskussion hinkt an den Lösungen vorbei!
Ich bin ein großer Freund der Krankenversicherung für alle! Aber hier ist etwas grundlegend falsch gelaufen. Vieles, was inzwischen von den Krankenkassen verlangt wird, fördert weder die Gesundheit der Patienten noch den kreativen, liebenden Dienst des Behandlers. Auf Dauer ist das nicht tragbar, weder für Patienten noch für Behandler. Die einzigen, die damit kein Problem haben, sind die Verwalter in den Krankenkassen. Wie hoch ist deren Burn-Out-Rate?

Also, lasst uns das Gefüge neu ordnen, so dass es zum Wohle aller organisiert ist! 36 Std Dienste müssen nicht sein! Was spricht dagegen, nach 8 Std zu wechseln? Und was die Dokumentation angeht, müssen diese Stunden auch berechnet und bezahlt werden.
Es gibt bereits viele engagierte Ärzte, die sich zusammengeschlossen haben um diese Ziele zu erreichen. Aber es muss noch viel geschlossener geschehen.
Wie wäre es mit regelmäßigen Treffen für Brainstorming und zum Organisieren von Aktionen, Verfassen von Artikeln und Schreiben an die Machthaber?
Und natürlich müssen auch geschlossene Maßnahmen durchgeführt werden, so dass die Behandler von den Krankenkassen ernst genommen werden und der Druck zur Veränderung groß genug ist.
Die Balance stimmt schon lange nicht mehr! Zeit dies wieder in Ordnung zu bringen!

#19 |
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dieses Problem wird die hierfür Verantwortlichen wenig interesssieren

#18 |
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Dr. Holger Dennhardt
Dr. Holger Dennhardt

Ein kompetetenter Artikel, wie gewohnt von Ihnen. Erstaunlich, dass viele dieser Studien in Nordamerika durchgeführt wurden, wo die zusätzliche Belastung durch Dokumentation im Vergleich zu Deutschland eher marginal ist. Da ich und meine Frau als Ärztin in USA und Kanada gearbeitet haben und jetzt in Deutschland, weiss ich wovon ich schreibe. Die eigentliche ärztliche Tätigkeit ist auch zumeist gar nicht das massive Problem hier, sondern zum Einen die Bürokratie, die als unsinnige Arbeit empfunden wird, da sie keinerlei therapeutischen Zweck erfüllt, sondern ausschliesslich letztlich der eigenen finanziellen Restriktion dient. Andererseits das durch die Politik und Krankenkassen geförderte Anspruchsverhalten der Patienten, mit allen bekannten aberwitzigen zeitraubenden und wenig sinnbringenden oder hilfreichen Diskussionen. Jeder der im Gesundheitswesen tätigen hat seine eigenen wohlbekannten Problemzonen, daher ist es wenig sinnvoll darüber zu streiten, wem es wohl schlechter geht. Offensichtlich nicht schlecht genug, aber wir sind auf dem besten Weg dahin. Die Forderung doch die Kassenzulassung zurückzugeben, ist natürlich bei einer Zwangsversicherung von 90% der Bevölkerung ökonomischer Harikiri und somit nur populistisch. Der Ausweg besteht nur in einem konsequenten Zeitmanagement und Patientenführung. Dies erfordert- wie beinem Fitnessstudio engagement allerdings auch eine erhebliche Selbstkontrolle.

#17 |
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Dirk Reske
Dirk Reske

Na dann macht doch mal ernst, gebt eure Kassenzulassungen zurück, kündigt eure Verträge die gegen die Arbeitszeitgesetze verstossen und stellt euch den Marktbedingungen, arbeitet gegen vorher real ermitteltes Bares und schaut was ihr auf dem Markt wert seid. Genau das System was seit Jahren den Bach runtergeht ist von den Lobbyisten gefördert worden, das Ausruhen in der gesetzlichen Kassenhängematte birgt doch, wenn auch mit regelmäßigen Abstrichen verbunden, eine gewisse Sicherheit.
Erst wenn alle medizinischen Berufe sich vereinigen und auch der psychischen Ausbeutung paroli bieten, kann es dazu führen dass diese Berufe aufgewertet und ALLE leistungsgerecht bezahlt werden.
Und – wann legen wir los?

#16 |
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Tilmann Fiedler
Tilmann Fiedler

Schön.dass mal darüber gesprochen wird,nur schade.dass es gleich wieder als Forum für die:Mir gehts fei auch schlecht. oder eigentlich noch schlechter mißbraucht wird.Lösungswege, wie vielleicht sogar Verständnis wären eine Möglichkeit,doch mal etwas zu verbessern.Bei unserem System gilt aber leider:Aute Dich,dass Du Schwierigkeiten hast,erwarte Hilfe,aber rechne mit dem Gnadenschuß.denn als Kranker bist Du für das Gesundheitssystem nicht mehr tragbar

#15 |
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Rettungsassistent

Das Burn-out-Syndrom trifft nun mal, wie von einigen Vorrednern bereits geäußert, ALLE (medizinischen) Berufsgruppen.

Differenzieren muss man meines Erachtens trotzdem. Weil man Streß durch Arbeitsbelastung (Pflege) nicht mit psychischem Streß (Notfallmedizin), ich denke Frau Knop wird mir da Recht geben, gleichsetzen kann.

Jedoch finde ich (persönlich) Kommentare wie “Anzahl von Semestern und Hochschulabschlüsse” unangemessen.

Wir machen ALLE die selbe Arbeit: Wiederherstellung und Erhalt der Lebensqualität und -fähigkeit. Hierbei ist es völlig egal, ob es sich nun um einen RettSan, RettAss, Arzt, Pfleger oder Psychologen handelt.

Noch viel belangloser ist die Art der Vorbildung. Ob Mittlere Reife oder Abi – interessiert den Patienten nicht wirklich! Wichtig ist einzig und allein dass die Behandlung zum Erfolg führt.

Nicht oft wird der Helfer dabei zum baldigen Patienten. Und dann gilt es, dies zu-zu-geben, und Hilfe zu-zu-lassen.

#14 |
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Dr. med. Stefan Krüger
Dr. med. Stefan Krüger

Super Artikel, Gratulation Herr Lederer, das war mit Abstand das Beste, was ich jemals in diesem Forum gelesen habe.

Dasselbe wie fuer Aerzte gilt selbstverstaendlich auch fuer alle anderen Berufsgruppen der Heilberufe.

Insofern finde ich es schade, dass Ihr sehr guter Artikel hier in der Diskussion der “Mir geht es auch schlecht – Lobby” untergeht.

Nicht Aerzte, Schwestern, Pfleger, Rettungsassistenten, Psychotherapeuten usw. sollten sich untereinander streiten, sondern gemeinsam für ein besseres Gesundheitssystem einstehen, das dann allen nuetzen wuerde – uns Helfern und unseren Patienten!

#13 |
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Dr. med. Angelika  Kötke
Dr. med. Angelika Kötke

Als niedergelassene Gynäkologin habe ich immer noch den schönsten Beruf der Welt, aber die zunehmende Bürokratie und Gängelung macht einem das Leben zur Hölle! Zeit kann man sich im Privaten nur noch für EIN Hobby nehmen; für andere Freunde bleibt kaum noch Raum!
Obwohl ich meinen Patientinnen gegenüber ein schlechtes Gewissen habe, die Anmeldezeiten noch weiter zu verlängern, habe ich gerade beschlossen, meine Praxiszeiten drastisch einzuschränken – und damit hoffentlich dem drohenden burn-out zu entgehen.
Vielen Dank für den Artikel!

#12 |
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Holger Pöhland
Holger Pöhland

Ein Arzt sollte immer mehr als ein psychologischer Psychotherapeut verdienen, muß er sogar. Wo ist denn bei den Psychologen das Berufsrisiko? Wenns schief läuft kann man ja immer noch zum Psychiater weiterleiten, und der hat dann echte Verantwortung.

Außerdem zwingt die Psychologen ja niemand Psychoanalytiker zu werden.

#11 |
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Dr. med. Peter Scharf
Dr. med. Peter Scharf

Nervenarzt und ärztlicher Psychotherapeut,der ich seit mehr als 20 Jahren bin:Von was reden die psychotherapeutisch tätigen Kollegen? Übernehmen Sie nur 1 von durchschnittlich 6 Diensten/Monat eines in der chirurgischen, psychiatrischen oder gynäkol.geburtshilfl.Ausbildung befindlichen Assistenten.Übernehmen Sie den Dienst am Wochenende – und Sie werden obiges Lamentieren nie wieder tun.

#10 |
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Heilpraktikerin

Sehr guter Artikel!

Herzlichen Dank dafür, vor allem auch, dass der Begriff Burnout-Syndrom sich nun auch in medizinischen Kreisen durchsetzt. Bei meinem eigenen Burnout vor sieben Jahren nach 20 Jahren Pharma-Marketing musste ich oft hören, diese Krankheit existiert nicht. Vielleicht weil die Ärzte es selbst nicht wahrhaben wollen?
Nach ICD-10 gibt es Burnout oder Belastung durch Stress nur als F43.8 Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung. Bei mir war es damals eine Anpassungsstörung.

Und auch für das Aufzeigen des Zusammenhangs zwischen Burnout-Syndrom und Sucht bin ich dankbar. Eine Leistung, die auf Dauer über die eigenen Grenzen geht, ist nach melner Erfahrung nur durch eine Verdrängung der Gefühle von Überforderung und Stress möglich. Übrigens, Arbeitssucht ist auch eine Sucht, die sicherlich auch bei Ärzten und deren Arbeitsbedingungen nicht unterdurchschnittlich vertreten ist.

Ich habe mich schon vor über 20 Jahren gefragt, wie ein Mediziner 36 Stunden lang dauerhaft verlässlich und schnell Entscheidungen über Leben & Tod treffen soll. Ich habe auch schon über 36 Stunden ohne Schlaf gearbeitet, wenn es sein musste (und was muss schon wirklich sein..), aber ich saß nur über einer Marketingpräsentation. Dennoch habe ich auf der Heimfahrt sicherlich auch mich und andere gefährdet.

Gut, dass Studien (braucht die Medizin diese denn auch für so offensichtlich erkennbare Tatsachen?) nun endlich den Schaden aufzeigen, den diese Arbeitsbedingungen anrichten. Ich hoffe, hier nun auch bald über die Maßnahmen zur Abhilfe lesen zu können.

Wenn ich die Ausführungen der Frau Kollegin Gregorzik lese, wird es mir fast schlecht. Und ich bin froh, dass ich meine Ausbildung in Psychotherapie und mein Praxisjahr in Grossbritannien absolviere.

#9 |
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Beatrix Grunhold
Beatrix Grunhold

Ich muß Herrn Murr nur Recht geben. Was ist mit den Artzhelferiinen und Pflegepersonal. Daran denkt wohl niemand. Auch wir in der Anmeldung haben gerade am Quartals- anfang den besonderen Stress, den aber leider scheinbar keiner anerkennt. Auch wir habe das ganze Jahr mit den Patienten zu tunund hören uns teilweise mehr Sorgen von ihen an, wie die Ärzte. Und das dankt uns nur einer: Der Patient.

#8 |
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Rettungsassistent

Ich kann mich nur meinen Vorredner anschließen. Denn das BOS begenet man mittlerweile überall. Angefangen bei den Ärzten über Rettungsdienstpersonal bis hin zum Pflegeasistenten. Denn was dies betrifft ist Deutschland leider noch ein Entwicklungsland mit ganz vielen Baustellen. Ich wünsche mir, dass sich in den kommenden Jahren noch einiges ändert. Damit wir auch in Zukunft gute und qualifizierte Arbeit manchen können.

#7 |
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Rettungsassistent

Ja ich bedaure die Ärzte auch!
Vor allem diejenigen die mich nachts in einer Notaufnahme mit dem Satz”Weisst du eigentlich wie spät es ist?” empfangen ohne daran zu denken das sie ja nur den “bereinigten” bzw. vorversorgten Patienten zu sehen bekommen.

Ca 1 – 1 1/2 Stunden nach Einsatzbeginn des Rettungsdienstes!!!

Bitte BItte vergesst die restliche med. Infrastruktur nicht!!!

#6 |
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Der in der Tat tapfere Dr. Dr. Peter Schneider hat wirklich Wesentliches zu schreiben vermocht. Es lohnt sich,seine Erfahrungen zu nutzen,optimal bevor man(n) ausgebrannt ist, suboptimal danach.

#5 |
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Belinda- Marie Knop
Belinda- Marie Knop

Es wäre wünschenswert, wenn bei dem Thema “Ausgebrannte Helfer” auch die angehenden Psychologischen Psychotherapeuten gedacht würde. Neben Vollzeitbeschäftigung 40+ zu einem Dumpinglohn, Weiter – und Ausbildungen, für die man selbst aufkommen muss und der berufliche Stress. Mangeldende Zeit und finanzieller Druck belasten den Psychologen Der Arzt steht sich finanziell besser da als der Psychologe, denn dieser bekommt mehr Gehalt, Facharztausbildungen werden in der Regel von den Klinken übernommen und sonstige Vergütungen. Trotzallem jammern die Ärzte, was sollen die Psychologen dazu sagen?! Hauptsache, den Patienten geht es besser, das wollen wir doch “Alle” erreichen, oder!

#4 |
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Medizinjournalist

Ich will gar nicht bestreiten, dass die Belastung für Pflegekräfte geringer ist als für Ärzte – bei geringerem Lohn. Allerdings gibt es dazu nur wenige Studien (ich kann nichts dafür!!) , wie sich Erschöpfung etc. wie bei Ärzten nach etwa 36-Std-Schichten auf die Patienten auswirken.

Das gleiche gilt natürlich auch für Psychotherapeuten, (Lehrer, Journalisten….) aber in diesem Artikel mit entsprechenden Studien ging es halt nunmal um Ärzte….

#3 |
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Dr. Antje van der Meij
Dr. Antje van der Meij

Obendrauf kommt noch die immer geringere Wertschätzung von unserem Beruf. Wenn ich einen schwerkranken Patienten für 32 Euro 3 Monate behandele (mehr Wert besitzen wir nicht in dieser Gesellschaft) und ihn auch zu Hause besuche und noch Angst vor seinen immensen Medikamentenkosten habe, dann kann ich ihn abschieben (kann mir aber nicht mehr in den Spiegel gucken), oder meinen Frust in mich hineinfressen. Beide Wege führen zum Burn out! Oder ich suche mir einen Job in der Versicherung mit geregelten Arbeitszeiten, langweile mich aber zu Tode und bin unzufrieden….

#2 |
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Dr. Peter Schneider
Dr. Peter Schneider

Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten aus naturheilkundlicher Sicht habe ich in meinem Buch “Gedanken altern nicht” beschrieben (erscheint demnächst in 3. Auflage).

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