Weizen-Nahrungsmittelallergie: Auslöser entdeckt

7. August 2013
Teilen

Eine allergische Reaktion auf Weizen kann fatale Auswirkungen haben und bis hin zum anaphylaktischen Schock führen. Forscher haben nun eines jener Proteine im Weizen identifiziert, das maßgeblich für schwere allergische Reaktionen verantwortlich ist.

Dabei handelt es sich um das so genannte „Alpha Purothionin“ (Tri a 37), das eigentlich eine ganz andere Rolle spielt: Es schützt den Weizen vor Schädlingen und ist daher in großer Menge im Weizen enthalten. Gleichzeitig aber kann dieses Protein beim Menschen schwere allergische Reaktionen auslösen. Jetzt ist es Sandra Pahr aus der Arbeitsgruppe von Rudolf Valenta, Leiter der Abteilung für Immunpathologie an der MedUni Wien, gelungen, dieses Protein zu identifizieren und zu analysieren.

Dadurch sollen sich künftig mit einem Allergie-Test auch jene Patienten ganz genau herausfiltern lassen, die auch wirklich an einer Weizenallergie leiden. Mit den derzeitig verwendeten Allergietests ist es sehr schwierig, Weizenallergiker zu diagnostizieren. Denn auch bei Betroffenen, die Lebensmittel mit Weizen symptomfrei essen können, sind Bluttests aufgrund von Kreuzreaktionen sowie Reaktionen auf Kohlenhydrate oft positiv, auch wenn es sich nur um eine Pollenallergie handelt. „Etwa 50 Prozent der Pollenallergiker werden daher auch als Weizenallergiker eingestuft“, erklärt Pahr.

Entdeckung macht personalisierte Therapie möglich

Die Wissenschaftler um Sandra Pahr fanden in der aktuellen Studie, die im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ publiziert wurde, außerdem heraus, dass Patienten, die allergenspezifische Antikörper (IgE) gegen „Tri a 37“ im Blut hatten, ein viermal höheres Risiko besitzen, schwere allergische Reaktionen beim Verzehr von Lebensmitteln mit Weizen zu zeigen. Durch die jetzt gelungene, isolierte Identifikation dieses Proteins können künftig ganz exakte Patienen-Profile erstellt werden, um eine exakte Diagnose und personalisierte Therapie bzw. Diät-Empfehlung zu erstellen. Auch in Gerste und Roggen ist dieses Protein enthalten, allerdings nicht in Hafer, Soja, Reis, Sonnenblumenkernen, Dinkel sowie in glutenfreiem Brot.

Alle Mosaiksteine entschlüsseln

Die Entdeckung des Proteins Tri a 37 ist ein Schritt auf dem Weg zu jenem großen Ziel, das am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung verfolgt wird: „Wir wollen das vielfältige Mosaik an Weizenproteinen, die allergische Reaktionen auslösen können, entschlüsseln“, so Pahr. Das könnte, so die Wissenschafterin, bereits bis Ende dieses Jahres gelingen.

Originalpublikation:

α-Purothionin, a new wheat allergen associated with severe allergy
Sandra Pahr et al.; Journal of  Allergy and Clinical Immunology, doi: 10.1016/j.jaci.2013.05.016, 2013

26 Wertungen (4.81 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

4 Kommentare:

zu #2: Herr Hertle, Sie haben absolut recht! Es tut gut mal jemanden zu finden, der so denkt. Ein Aspekt sollte ganz wesentlich bedacht werden: die Rolle der Darnschleimhaut in den meisten Fällen von Nahrungsallergien. Hier würde sich die Untersuchung von IgG/IgG4 empfehlen. Und die Bestimmung von Zonulin, um die Permeabilität der Darmschleimhaut zu beurteilen. So ist eine kausale Therapie möglich.

#4 |
  0
Dipl. Psych. Margret Ackermann
Dipl. Psych. Margret Ackermann

Wo im Weizen ist das Protein enthalten ? Vielleicht in der Schale? Wenn es dort nur vorhanden sein sollte, dann stellt sich die Frage, die Empfehlung der “vollwertigen Nahrung ” mit der Verwendung des gesammten Korns zurückzunehmen. Das “geschälte Korn”, dessen Verwendung im Weizenmehl mal als Errungenschaft galt, wurde nach meiner Beobachtung seit den 80er Jahren zugunsten der “Vollkornempfehlung” zurückgenommen. Diese Entwicklung gilt es dann zu überprüfen.

#3 |
  0
Dr. rer. nat Ralf Hertle
Dr. rer. nat Ralf Hertle

Grundsätzlich ist es natürlich für das Verständnis von Allergien wichtig die auslösenden Allergene zu kennen. Ob ich aber jetzt eine Kreuzreaktion im Bluttest auf Weizen, oder eine direkte Reaktion feststelle bleibt sich gleich, denn die Therapie lautet: Nahrungskarenz des auslösenden allergentragenden Nahrungsmittels. Daher ist diese Publikation durchaus von akademischen Wert, aber es wird immer krampfhaft ein praktischer Nutzen konstruiert um weitere Forschungsgelder zu rechtfertigen.
Abgesehen davon ist es heute durchaus möglich Weizenallergiker zu identifizieren mit einer Kombination von Blutantikörpertest und Elektroakupunktur nach Dr. Voll. Eine daraus resultierende Therapie (die erfolgreich sein soll) beschränkt sich nicht nur auf Nahrungskarenz und Symptomunterdrückung durch Antihistaminika sondern eliminiert auch die ursächlichen Faktoren die einen Organismus erst zum Allergiker haben werden lassen. Also Übersäuerung, Intoxiaktion aus Nahrung und Umwelt, psychische Belastungen, Darmdysbiosen, u.v.m.. Zudem ist dem ernsthaften Ökotrophologen nicht verborgen geblieben, dass Getreide wie Weizen, Roggen und Gerste für den Menschen unphysiologische Nahrungsmittel darstellen, welche durch geeignete Verarbeitungsschritte erst genießbar gemacht werden müssen.

#2 |
  1
Frau Sabine Hübsch
Frau Sabine Hübsch

Das finde ich sehr gut zu wissen. Da ich mehr auf Hafer umgestellt habe, Sonnenblumenkerne, Reis, bekomme besser Luft. Amaranth ist auch gut.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: